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Philipp Schmidt
 | Philipp Schmidt Das Rauhe Haus
gilt als „Brunnenstube der Inneren Mission“ und ist die
Wiedergeburtsstätte des Diakonenamtes in den Kirchen der Reformation
nach über tausendjährigem Dornröschenschlaf während der
Kirchengeschichte. | seit 29.03.2002 Erinnerungen des Stadtmissionars Philipp Schmidt - geboren am 17.06.1869 – gestorben am 24.07.1957 Ein Beitrag aus dem vom Webmaster herausgegebenen Buch 
Direktbezug für 12 €: Tel.: 040-18090948 Jugendjahre Als
ich 6 Jahre alt war, besuchte ich die Volksschule in unserem Nachbarort
Grebenroth. Alle Klassen wurden gleichzeitig in einem Raum von einem
Lehrer unterrichtet. Mein erster Lehrer hieß Datz und soll recht
tüchtig gewesen sein, war aber sehr jähzornig. Wenn er in Fahrt kam,
konnte er an einem Ende anfangen und einen nach dem anderen über die
Bank ziehen und verprügeln. Zum Glück hatten wir ihn nur zwei Jahre
lang. Dann wurde er versetzt. Der neue Lehrer war vorher an einer
städtischen Fortbildungsschule gewesen, so dass wir gut mit den
Stadtschülern mithalten konnten. In
unserer Freizeit führten wir die üblichen Jugendstreiche durch: Selbst
gefangene Forellen und Krebse schätzten wir als besondere Leckerbissen.
Wir ärgerten den Müller, indem wir das Wehr des Wasserwerkes
abstellten, und wir mussten dann schnell sein, wenn er mit seinen
Hunden kam. Außerdem mussten wir uns mit dem Feldhüter herumärgern,
denn der hatte auf das Obst aufzupassen. Jeden
Herbst, wenn es kalt wurde, kehrte ein alter Rheinflößer in unser Dorf
ein. Er hatte sein Leben auf dem Rhein zugebracht und konnte jetzt
nicht mehr arbeiten. So schlug er sich den Winter über bei den Bauern
durch. Für uns Kinder waren seine Erzählungen an den Winterabenden sehr
spannend. Im Frühjahr verschwand er dann wieder stillschweigend. Ich
erinnere mich auch an einen Handwerksburschen, der bei uns betteln kam
und den mein Vater zur Drainierung der Wiesen einsetzte. Er war uns
Kindern ein guter Kamerad, da er uns nicht nur Geschichten erzählte,
sondern aus Weidensträuchern auch Flöten und Schalmeien bastelte. Zum
Konfirmationsunterricht mussten wir ins Nachbardorf. Er dauerte nur 4
Monate, von Februar bis Pfingsten. Dieser Unterricht hat mir nicht viel
gegeben, da er gerade in die Zeit eines Pfarrerwechsels fiel. Zur
Konfirmation ging der Förster mit uns in den Wald, und wir mussten
Birkenstämme abhauen, mit denen die Kirche geschmückt wurde, so dass
sie einem Birkenwald glich. Meine Konfirmation war keine große
Festlichkeit. Lediglich von den Patenonkeln und –tanten erhielt ich ein
Geschenk von 5 Mark. Nun
kam die Berufsfrage an mich heran. Ich wäre gerne Lehrer geworden, aber
für einen Landjungen war es schwierig, auf das zuständige Seminar in
Usingen zu kommen. Unterbringung und Schulgeld für das Seminar konnten
meine Eltern nicht bezahlen. So musste ich bei meinen Eltern in der
Landwirtschaft helfen. Von unserem Lehrer erhielten wir mit mehreren
jungen Leuten abends etwas Fortbildungsunterricht. Von einem alten
Kellner, der in Frankreich tätig gewesen war, lernten wir etwas
Französisch. In dieser Zeit starb meine Mutter, was mir sehr nahe ging.
Da mein Vater Kirchenvorsteher war, half ich dem Pastor sonntags bei
der Kinderlehre. An den langen Winterabenden kamen wir auch mit den
Mädchen in den üblichen Spinnstuben zusammen. Es wurden Geschichten
erzählt und Volkslieder gesungen. Dazu gab es Kartoffelpuffer.
Inzwischen war ich 17 Jahre alt geworden und musste daran denken, einen
Beruf zu ergreifen. Vom Freundeskreis der Anstalt Scheuren bei Nassau
ging eine pietistische Bewegung aus, die auch durch die sogenannten
Stundenhalter in unser Dorf kam. Unter dem Einfluss unseres Pastors
fasste ich den Entschluss, Missionar zu werden. Ich bewarb mich als
Missionsschüler bei der Baseler Mission. Es wurde mir jedoch
mitgeteilt, dass ich noch zu jung sei. Man riet mir, mit dem Eintritt
bis zu meinem 20. Lebensjahr zu warten. Die Missionsgesellschaft legte
Wert auf Männer, die sich bereits in einem praktischen Beruf bewährt
hatten. So ging ich dann
mit meinem Vater die sieben Stunden Fußweg nach Wiesbaden, um eine
Lehrstelle als Stellmacher zu suchen. Wir ließen uns in Wiesbaden von
einem Diakon Kaiser beraten, der ein Freund meines Vaters war. Ich war
kaum ein Vierteljahr in der Lehre, da bekam ich Anfang März die
Nachricht, dass mein Vater schwer erkrankt sei und nach mir verlange.
Trotz Schnee und Glatteis im März machte ich mich auf den Weg. Nach
Mitternacht traf ich im elterlichen Haus ein. Als mein Vater mich sah,
sagte er „endlich“, streckte sich aus - und war tot. Nun war ich 17
Jahre alt und hatte weder Vater noch Mutter. In
meiner Lehrstelle hatte ich es verhältnismäßig gut. Mit den Gesellen
kam ich auch gut zurecht. Morgens um 5 Uhr stand ich auf und ging in
die Werkstatt. Um 6 Uhr gab es Morgenkaffee, um 10 Uhr Frühstück, und
um ½ 1 Uhr wurde zu Mittag gegessen. Nachmittags um 4 Uhr gab es noch
eine Tasse Kaffe und eine Schnitte Brot. Dann wurde bis abends um 8 Uhr
durchgearbeitet. Abends ging ich meistens noch etwas in die Stadt.
Samstags war von 8 bis 10 Uhr Fortbildungsunterricht in Zeichnen,
Rechnen und Deutsch. Öfter
ging ich in den Jünglingsverein, den ein Diakon Zimmermann aus
Krischona leitete. Die Form des Umganges dort gefiel mir jedoch nicht
so sehr. Wir wurden nicht gefragt: „Wie geht es dir?“, sondern „Wie
geht es deiner Seele?“ Hier habe ich für meinen späteren Beruf gelernt,
wie man es nicht machen soll. Meine Lehrzeit von 2 ½ Jahren ging zu
Ende, und ich musste als Gesellenstück vier Kutschenräder anfertigen.
Sie wurden für gut befunden, und ich wurde frei gesprochen. Inzwischen
war ich auch in dem Alter, dass ich meiner Militärpflicht genügen
musste. Bei der Musterung wurde ich für tauglich befunden und sollte
zur Feldartillerie. Aber ich war bereits überzählig und wurde in diesem
Jahr nicht mehr eingezogen. So fuhr ich zu einer befreundeten Familie
nach Wuppertal. Im Frühjahr wollte ich mit meinem Freund Wilhelm auf
Wanderschaft gehen. In
dieser Zeit lernte ich meine spätere Frau Lina kennen. Wir ahnten
damals noch nicht, dass wir 10 Jahre warten müssten, bevor wir heiraten
könnten. Im Frühjahr marschierte ich mit meinem Freund Wilhelm über
Nassau, Ems, Koblenz bis nach Köln. Wir haben uns nirgends lange
aufgehalten. In Bonn schliefen wir in einer sehr schönen, sauberen und
nett gehaltenen Herberge. In Köln bekamen wir beide Arbeit, ich in
einer Wagenfabrik, Wilhelm in einer größeren Tischlerei. Wir bewohnten
gemeinsam ein Zimmer. Später wanderten wir nach Düsseldorf. Ich nahm
dort Arbeit in einer Wagenfabrik an. Hier machte ich auch die erste
Bekanntschaft mit den Gewerkschaften, da die älteren Gesellen mich in
die Versammlungen mitnahmen. Im
Januar 1891 erreichte mich plötzlich der Befehl, mich beim
Infanterieregiment in Diedenhofen in Lothringen zu melden. Ich verließ
Düsseldorf und nahm meinen Weg über die Heimat. In Koblenz besichtigte
ich eine Filiale der Scheurener Anstalten in Langau, wo Lina inzwischen
als Gehilfin eingetreten war. Nach einem Fußmarsch von 10 Stunden
erreichte ich Wiesbaden, wo ich mich bei der Bezirkkommandantur
meldete. Ich wurde einem Gefreiten übergeben, der mich nach Mainz
brachte. Am nächsten Morgen fuhr ich durch die Pfalz nach Diedenhofen.
Die Kompanie war bereits seit drei Monaten in der Ausbildung, und ich
war als Ersatz für einen Mann eingezogen worden, der dienstuntauglich
geworden war. So wurde ich nachträglich alleine ausgebildet. Das
Regiment war vor einigen Jahren aus ostpreußischen Offizieren und
Unteroffizieren zusammengestellt worden. Die Namen waren für mich
unaussprechlich. Die Ausbildung war wirkliche Soldatenschinderei. Ich
musste dann auch für einige Wochen wegen einer Fußwunde ins Lazarett.
Im zweiten Dienstjahr wurde ich zur Schießschule nach Spandau versetzt.
Hier hatte ich auch Gelegenheit, Berlin kennen zu lernen. Die
Dienstzeit dauerte damals drei Jahre. Ich wurde später jedoch noch
einmal zu einem Kaisermanöver eingezogen. Nach
der Wehrpflicht nahm ich in Koblenz wieder Arbeit in meinem Beruf als
Stellmacher auf. Meinen Beruf hatte ich gern und stand nun vor der
Wahl, diesen weiterzuführen oder zur Mission zu gehen. In Koblenz kam
ich in einen Kreis junger Männer, die mich dazu drängten, in die
Diakonenanstalt Duisburg einzutreten. Ich ließ mir von dort Unterlagen
schicken. Doch die Ausbildung für die Krankenpflege behagte mir nicht.
Anlässlich meiner Besuche bei Lina kam ich auch mit Diakonen
des Rauhen Hauses zusammen, die mir rieten, mich beim Rauhen Haus zu
bewerben. Auf meine Anfrage erhielt ich die Antwort, ich solle sofort
nach Hamburg zur Vorstellung kommen. Doch dazwischen kam die
Aufforderung, beim Kaisermanöver mitzumachen, so dass ich erst danach
zur Vorstellung nach Hamburg kam. Direktor Johannes Wichern (Johann Hinrichs Sohn war seit 1873 Vorsteher)
wünschte, dass ich noch zur Feier des 60. Jahrestages am 12. September
1893 in Hamburg sein sollte, da dies eine bleibende Erinnerung für mich
sein würde. So traf ich am 11. September 1893 in Hamburg ein. Damit
hatte ein neuer bedeutender Abschnitt meines Lebens begonnen. Die Zeit im Rauhen Haus Bei
mir stellte man fest, dass ich vom Lande sei und deshalb gut mit einem
Fuhrwerk umgehen konnte. So bekam ich einen wunderschönen Esel und
einen Eselwagen anvertraut und durfte ein halbes Jahr lang das gute
Trinkwasser aus einem Brunnen der Koppel in die Anstalt fahren, da das
Leitungswasser nicht zu trinken war. Meine Eselin Flora habe ich in
guter Erinnerung behalten. Zu
unserer Ausbildung gehörte auch eine Gehilfenzeit in einer auswärtigen
Anstalt, die in der Regel zwei Jahre dauern sollte. Ich wurde zu diesem
Zweck in die Arbeiterkolonie Kästorf bei Gifhorn geschickt. Dort waren
250 Plätze für Leute, die im Leben gestrauchelt waren und hier einen
neuen Anfang wagen wollten. Die Männer fanden Beschäftigung in den
Werkstätten, aber auch bei der Urbarmachung weiter Heideflächen. Als
ich hinkam, bestand die Kolonie bereits 12 Jahre, und wir hatten zu
dieser Zeit 1.500 Morgen Land urbar gemacht. Drei Pferde- und drei
Ochsengespanne waren für die Bearbeitung dieser Flächen nötig. Ich
hatte den Innendienst zu versehen mit Aufnahme, Entlassung und
persönlicher Betreuung der Kolonisten, während die anderen drei
Gehilfen Außendienst hatten und mit den Kolonisten draußen arbeiten
mussten. Der Leiter der Anstalt war Diakon Kuhlmann vom Rauhen Haus.
Von ihm habe ich viel gelernt. Ich musste die Werkstätten
beaufsichtigen, das Material herausgeben, die Fleischportionen abwiegen
und anderes mehr. Um 5 Uhr morgens begann mein Dienst, der bis in den
späten Abend hinein dauerte, bis die Leute im Bett waren. Viele der
Kolonisten hatten schwere Zuchthausstrafen hinter sich. Trotzdem bin
ich gut mit ihnen zurecht gekommen. Wenn es Schwierigkeiten gab, haben
mir meistens die anderen Kolonisten geholfen. Nach 1 ½ Jahren wurde ich
vom Rauhen Haus wieder angefordert. Der Hausvater in Kästorf war nicht
sehr erfreut darüber und sagte: „Wenn ich einen guten Gehilfen habe, so
kommt er nach 1 ½ Jahren wieder weg, habe ich aber einen schlechten, so
muss er 3 Jahre bleiben.“ In
diese Zeit fiel auch der Tod meines Bruders Christian im Frühjahr 1895.
Meine damalige Freundin Lina hatte ihn öfter im Krankenhaus besucht und
mir geschrieben, ich möchte ihn doch noch einmal besuchen kommen. So
bin ich dann nach Wiesbaden gefahren und fand ihn sehr krank. Ich
kehrte ins Rauhe Haus zurück und sollte meine theoretische Ausbildung
beginnen. Aber es dauerte nicht lange, da fehlte eine Kraft, die
landwirtschaftliche Kenntnisse hatte und mit den
Landwirtschaftslehrlingen umgehen konnte. Diese Kraft sollte ich sein.
In Jenfeld neben dem Exerzierfeld der Wandsbeker Husaren hatte das
Rauhe Haus 150 Morgen Land. Außer zwei Knechten, welche die
Pferdegespanne führten, wurden auch die Ökonomielehrlinge eingesetzt.
Es waren 20 junge Leute im Alter von 16 bis 20 Jahren. Sie kamen
meistens aus den sogenannten höheren Ständen; viele Adlige und Söhne
von Offizieren, Kaufleuten und Gutsbesitzern waren darunter. Die
Landwirtschaft des Rauhen Hauses war damals in Deutschland ein Begriff,
da wir Versuchsfelder für künstliche Düngung hatten. Die theoretische
Ausbildung wurde von Dr. Ullmann durchgeführt. Der Kunstdünger wurde
von den Fabriken kostenlos zur Verfügung gestellt, aber wir mussten die
Verarbeitung des Düngers und die Ernteergebnisse schriftlich genau
festhalten. Das war eine sehr schwierige Arbeit, jedoch für die Jungen
sehr lehrreich. Ich kam sehr gut mit ihnen zurecht und stand später
noch lange mit einigen von ihnen im Briefwechsel. Für mich war die Zeit
sehr anstrengend. Im Sommer mussten wir um 5 Uhr raus, im Winter um 6
Uhr. Bald nach dem Frühstück ging es aufs Feld, eine halbe Stunde Weg.
Dort arbeiteten wir bis Mittag. Nach dem Mittagessen fuhren wir wieder
hinaus und arbeiteten bis zum Abend. Zur Arbeit kamen also jeden Tag
zwei Wegstunden hinzu, dazu dann noch abends die Arbeit in der Familie,
das Ganze beinahe 4 Jahre lang. Ich wurde nicht abgelöst, so dass ich
den Unterricht, den Johannes Wichern persönlich erteilte, nicht, wie
meine Kameraden, ordentlich besuchen konnte. So halfen sie mir abends,
das am Tage Durchgenommene nachzuarbeiten. Das
ganze Leben im Rauhen Haus war mir lieb geworden und hat mich tief
geprägt. Die religiöse Wärme war unaufdringlich, aber immer
gegenwärtig. Die Morgen- und Abendandachten im Betsaal, die Wichern
sehr oft selbst hielt, haben meinem Leben die Richtung gegeben.
Besonders eindringlich wusste Wichern die Festzeiten, besonders die
Weihnachtszeit zu gestalten. Sehr schön war es, wenn in der Adventszeit
jeden Sonntag auf dem Kronleuchter ein Licht angesteckt wurde. Wir
hatten einen kleinen und einen großen Knabenchor, die sehr schön
sangen. Etwa 10 Tage vor dem Fest zogen die Jungen in den Wald, um Moos
und anderes Material für den Bau einer Krippe zu holen, die der Sattler
Colditz mit Pappe ausgekleidet hatte. In der Adventszeit zog der kleine
Chor mit seinen Liedern auf Betteltour zu den Kaufmannsfamilien, die
dem Rauhen Haus nahe standen und führte eine Sammelbüchse mit sich. Sie
brachten oft reiche Geldbeträge heim. Außerdem hatten die Familien des
Rauhen Hauses auch Patenschaften bei bedürftigen Leuten in der Stadt
übernommen, die sie zu Weihnachten beschenkten. Diese Bescherten hatten
dabei nicht den Eindruck, dass sie Nehmende waren, sondern dass sie
geehrt wurden. Am Heiligen Abend gingen alle Jungen zur Christmette in
die Hammer Kirche. Während dieser Zeit baute der Familienbruder den
Gabentisch auf. Die Gaben stammten meistens von den Eltern. Wo Eltern
nichts schicken konnten, stiftete das Rauhe Haus Geschenke aus Spenden,
so dass sich kein Junge zurückgesetzt zu fühlen brauchte. Frau Wichern
sorgte als gute Hausmutter dafür, dass für jeden Jungen das Fest zu
einem Freudentag wurde. Nach dem Festessen kam die Bescherung der
Brüder. Die Knaben, etwa 300 an der Zahl, wurden derweil für eine
Stunde in der Turnhalle versammelt. Ein Bruder las ihnen eine
weihnachtliche Geschichte vor und sang mit ihnen. Das war keine ganz
leichte Aufgabe, die ich auch einmal zu erfüllen hatte. Die Bescherung
der Brüder nahm Frau Wichern selber vor. Wir bekamen praktische Dinge,
wie Bücher, Wäsche und dergleichen. Wer bei dieser Gelegenheit einen
Reisekoffer bekam, konnte annehmen, dass seine Entsendung in naher Zeit
bevorstand. Der erste Feiertag verlief still. Am zweiten Feiertag wurde
ein Rundgang durch die Anstalt gemacht und die Krippen in den Familien
besichtigt. Die Familie mit der schönsten Krippe bekam ein Geschenk als
Prämie. Ich war nun 29
Jahre alt und seit 5 ½ Jahren im Rauhen Haus. Es bestand die
Vorschrift, dass sich kein Bruder verloben durfte, bis seine Entsendung
in Aussicht stand. Als ich eintrat und von Wichern gefragt wurde, wie
es damit bei mir stünde, sagte ich ganz offen: „Verlobt bin ich nicht,
aber ich weiß bereits, mit wem ich mich einmal verloben werde, wenn es
soweit ist.“ 1893 war ich ins Rauhe Haus eingetreten. Nach vier Jahren,
1897, erhielt ich die Genehmigung, mich zu verloben. Ich fuhr dafür
nach Wiesbaden zu meiner Braut. Wir kannten uns nun schon über 7 Jahre.
Jetzt, nach 5 ½ Jahren, sollte ich ins Syrische Waisenhaus nach
Jerusalem berufen werden. Dazu war jedoch Bedingung, dass ich noch
einige Jahre unverheiratet bleiben sollte. Mit Rücksicht darauf, dass
wir nun schon so lange aufeinander gewartet hatten, musste ich dieses
Angebot jedoch ablehnen, und Wichern verstand es und sandte einen
anderen Bruder in diese Stelle. Nach einiger Zeit wurde aus Bremen ein
Stadtmissionar verlangt. Stadtmissionar in Bremen – ab 1.05.1899 Ich hatte an alles andere eher gedacht, als Stadtmissionar
in einer Großstadt zu werden. Wegen meiner praktischen Begabung hatte
ich mit einer Heimleitung gerechnet, auch schon im Hinblick auf meine
Verlobte, die ja in diakonischen Anstalten gearbeitet hatte. Aber es
half alles nichts. Wichern sagte: „Sie fahren nach Bremen und stellen
sich vor, und es wird schon gehen.“ So fuhr ich im Februar 1899 nach
Bremen und suchte den dortigen Vorstand auf. Einen Inspektor der
Inneren Mission gab es damals noch nicht. Pastor Kunz von St. Pauli
(Neustadt) vertrat die Sektion
Stadtmission. Ihn besuchte ich zuerst. Als er hörte, dass ich aus
Nassau sei, sagte er: „Da komme ich auch her.“ Und damit war die Sache
eigentlich in Ordnung. Weiter sagte er zu mir: „Setzen Sie sich auf Ihr
Sofa.“ Als ich ihn fragend ansah, erwiderte er: „Dieses Sofa schenke
ich Ihnen für Ihren künftigen Haushalt.“ Damit hatte ich nicht nur eine
Anstellung gefunden, sondern auch ein Sofa. Es war ein altes Stück mit
einem defekten Überzug, aber mit einem wundervollen Gestell, um welches
ich später oft beneidet wurde. Aber
es hatte noch der Vorsitzende der Inneren Mission in Bremen,
Landgerichtsdirektor Carstens, sein Ja-Wort zu geben. Ich suchte ihn
auf. Er war der typische vornehme, gütige Bremer Richter, der schon
durch seine ganze Persönlichkeit Ehrerbietung erheischte. Er ließ mich
in einen Schaukelstuhl neben seinem Schreibtisch setzen. Das Biest
wollte gar nicht stillstehen und irritierte mich, während ich aus
meinem Leben erzählen sollte. Ich wurde dann freundlich mit dem
Bescheid entlassen, dass ich bald wieder von ihm hören werde. So
erfolgte dann auch meine Berufung zum 1. Mai 1899 als Stadtmissionar in
Bremen, wo ich den Bezirk Gastfeldstraße übernehmen sollte. Diesen
Bezirk hatte bisher Bruder Conrad Drojewsky (siehe Unterseite 9) betreut, aber nun einen
neuen Bezirk in der Bahnhofsvorstadt übernommen. Da er aber zunächst
noch die zu meinem neuen Bereich gehörige Wohnung in der
Kinderbewahranstalt inne hatte, nahm ich vorläufig meine Wohnung in der
Herberge 2 an der Schlachte. Hier hatte ich ein kleines Zimmer mit
einem Bett und dazu meinen Schließkorb, was mir völlig genügte. Bald
zog ich aber zu Bruder Palm in die Süderstraße, bei dem ich Wohnung und
Verpflegung hatte, auch dann noch, als Drojewsky (siehe Unterseite 9) die Wohnung frei
gemacht hatte. Das erste Halbjahr wurde als Probezeit angesehen, und
bis dahin musste ich unverheiratet bleiben. Bruder Palm hatte ich bei
meinem Eintritt ins Rauhe Haus kennen gelernt. Er war Gehilfe in der
Arbeiterkolonie Lühlerheim und dann später als Stadtmissionar nach
Bremen berufen worden. Ich hätte damals nicht gedacht, dass wir uns
hier in Bremen wieder treffen würden. Bruder
Drojewsky sollte noch 14 Tage mit mir zusammen sein und mich einführen.
Er redete den ganzen Tag so auf mich ein, dass mir abends der Kopf weh
tat. Er meinte es gut und war überzeugt, dass er mir damit einen großen
Dienst tun würde. Wir besuchten viele Leute, auf die es in der Arbeit
besonders ankam. Dazu gehörten die zwei Pastoren der St. Pauli- und der
Jacobi-Gemeinde, sowie auch andere Pastoren, die mit uns zusammen
arbeiteten. Er erklärte mir auch den Unterschied zwischen den
lutherischen und den reformierten Gemeinden. Ich sollte mir alles
notieren und möglichst auswendig lernen. Dies hielt ich jedoch für
höchst überflüssig, aber es musste zunächst geschluckt werden. Beim
Besuch eines Bauern, der sehr wortkarg war, sagte Drojewsky zu mir:
„Wenn du aus dem fünf Worte herausbekommst, kannst du etwas.“ Wir kamen
hin, bekamen ein Glas Wein vorgesetzt, und Drojewsky führte das Wort.
Der Bauer nickte nur und schwieg still vor sich hin. Beim Hinausgehen
fragte ich den Bauern, ob er mir nicht einmal seinen Viehstall zeigen
wolle, ich sei vom Lande und hätte Tiere gern. So kam ich mit dem
wortkargen Bauern in ein anregendes Gespräch über das Vieh. Ich
hatte die Aufgabe, in Gemeinschaft mit den Pastoren Cuntz und Leipold
von St. Pauli die Vereine, Gemeindekreise und Kindergottesdienstarbeit
zu übernehmen. So hatte ich einen Jünglingsverein, einen Bläser- und
einen Männerchor. Der Anfang war nicht leicht. Ich hatte wohl ein
Gefühl für Musik, aber mir fehlte die Ausbildung. So musste ich jede
freie Stunde einsetzen, das Fehlende nachzuholen. Im Kindergottesdienst
hatte ich den alten Auswanderermissionar Krone zur Hilfe. Gleichzeitig
mit der Arbeit in der Gastfeldstraße hatte ich auch meinen Dienst an
der St. Jacobi-Gemeinde. Während ich in der Gastfeldstraße mit Pastor
Müller zu tun hatte, war ich hier mit Pastor Valkmann zusammen. Wir
wechselten uns mit den Bibelstunden ab, und zwar einmal im Gemeindehaus
der Jacobi-Gemeinde, zum anderen in der Schule Kattenturm. Da
man in Bremen mit meiner Arbeit zufrieden war, stand unserer
Verheiratung jetzt nichts mehr im Wege. Meine Braut, die eine
verantwortliche Stelle in einem Haushalt in Wiesbaden hatte, war im
Sommer 1899 nach Hause gegangen, um ihre Aussteuer fertig zu machen und
alles für die Übersiedlung nach Bremen vorzubereiten. Die Hochzeit
sollte in der zweiten Septemberhälfte stattfinden. Da erhielt ich
plötzlich die Nachricht, dass die Mutter meiner Braut an Herzschlag
verstorben war. Unglücklicherweise lag ich mit einer
Magen-Darm-Erkrankung im Bett, machte mich aber trotzdem auf die Reise
nach Koblenz, um bei der Beerdigung dabei zu sein. Nach der Beerdigung
berieten wir, wie wir es mit der Hochzeit halten wollten. Wir fanden es
richtig, uns dort in Koblenz ganz still trauen zu lassen und
anschließend nach Bremen zu fahren. Unsere Papiere waren bereits in
Ordnung, so dass dem nichts mehr im Wege stand. So wurden wir also am
12. September 1899 in aller Stille getraut. Die standesamtliche Trauung
war wenig feierlich. Der Standesbeamte saß mit seiner Pfeife in seinem
Amtszimmer und die Formalitäten waren ein reiner Aktenvorgang. Er zog
noch einmal kräftig an seiner Pfeife, dann traute er uns und freute
sich, dass die Pfeife danach noch brannte. Um so angenehmer war für uns
die kirchliche Trauung, zumal ja dieser Pfarrer wenige Tage vorher
unsere Mutter beerdigt hatte. Wir besuchten noch einmal alle Verwandten
und Bekannten in der Umgebung und fuhren dann über Elberfeld nach
Bremen. Hier wurden wir durch einen großen Empfang überrascht. Der
Bläserchor brachte uns ein Ständchen, und die Frauengruppe unter
Leitung von Frau Baronin Uexküll hatte unsere Küche mit allen
Lebensmitteln versehen, die für einen Anfang notwendig waren. Schon
nach kurzer Zeit hatte man festgestellt, dass Lina die richtige Frau
für einen Stadtmissionar sei. Meine Frau besuchte die Armen des
Bezirkes. Es war ein schöner Anfang unserer gemeinsamen Arbeit. So
wohnten wir nun zusammen bis zum 1. April 1901 im Hause der
Kinderbewahranstalt in der Gastfeldstraße, auch noch, als unser erstes
Kind schon geboren war. Dann siedelten wir in das Vereinshaus der
Inneren Mission, Süderstraße 30a, um. Hier haben wir 43 Jahre lang
unseren Dienst getan und Freud und Leid in Familie und Beruf gemeinsam
durchlebt, bis unser Haus am 6. Dezember 1944 vernichtet wurde. Im
Parterre war unsere Wohnung, bestehend aus vier Zimmern. In der ersten
Etage befand sich der Saal für Versammlungen. Daneben gab es noch
einige Abstellräume und zwei kleine Zimmer im Dachgeschoss, die von
unseren Kindern bewohnt wurden. Das Haus, in dem sich einmal eine
sogenannte Klippschule befunden hatte, war 1856 in einem verwahrlosten
Zustand von der Inneren Mission gekauft worden, um es als Vereinshaus
zu nutzen. So gingen
zwei Jahre dahin. Da sollte Bruder Palm, der die Stadtmissionsarbeit in
der Süderstraße betrieb, als Vorsteher das hiesige Altenheim übernehmen
und musste ersetzt werden. Pastor Cuntz, der mich gerne in der
Süderstraße haben wollte, setzte es durch, dass ich die dortige Arbeit
übernahm und Felix Hoffmann in die Gastfeldstraße versetzt wurde. Mein
Hauptarbeitsgebiet war nicht in der Süderstraße, sondern zog sich mehr
zum Hohentor hin, einem aufblühenden Vorort. Dort wurde unter Leitung
von Pastor Cuntz, dem Ehepaar Uexküll und mir als Stadtmissionar, der
Aufbau einer eigenen Kirchengemeinde vorangetrieben. 1907 kam es zum
Bau des Pfarrhauses, später auch der Kirche. Unser Familienleben Nach
unserer Hochzeit am 12. September 1899 wohnten wir die ersten zwei
Jahre unserer Ehe in der Gastfeldstraße, wo auch am 10. August 1900
unser Sohn Gustav geboren wurde. Am 1. April 1901 zogen wir in die
Süderstraße. Pastor Cuntz half uns kräftig beim Umzug. Unser kleiner
Gustav blieb den Tag über bei Pastor Müller. Das neue Haus befand sich
in einem sehr schlechten baulichen Zustand. Als Beleuchtung hatten wir
Gaslicht mit zwei offenen Gasflämmchen, die in der Mitte des Zimmers
aus zwei Röhren von der Decke hingen. Nach wenigen Wochen sah unsere
Wohnung aber schon anders aus. Die Fenster bekamen Gardinen und an
Stelle der offenen Gasflämmchen schafften wir uns Gasglühlicht an,
damals ein Fortschritt. Die
Näherinnen der Inneren Mission waren mit in unserer Wohnstube
untergebracht, so dass unsere Familie noch sehr eingeengt war. Damals
gab es in der Neustadt noch keine Spülklosetts, sondern nur das
Tonnensystem. In einem kleinen Anbau hinter der Waschküche war der
Standort der Tonne. Dahin musste alles, was in unserem Hause ein und
aus ging, zur Toilette – durch unsere Küche. Wenn wir abends größere
Kreise hatten, reichte die Tonne natürlich nicht aus, denn sie wurde
nur alle drei bis vier Tage abgefahren. Das war für ein Vereinshaus
natürlich eine Unmöglichkeit. Wenn die Tonne vor der Abfahrt voll war,
musste der Inhalt manchmal im Garten eingegraben werden. Eine reichlich
gefüllte Tonne führte zu Auseinandersetzungen mit den Abfuhrleuten. Wir
mussten dann mit Zigarren und Trinkgeldern nachhelfen. Als im Jahre
1904 das Haus renoviert wurde, bekamen wir zwei Spülklosetts, eins
unten, eins oben. Durch einen kleinen Umbau wurde auch eine Teeküche
für die Bewirtung der Heimbesucher eingerichtet. Der Nähverein konnte
in dem großen Saal untergebracht werden, so dass wir unsere Wohnung
endlich für uns hatten. Am
3. November 1901 wurde unsere Elisabeth geboren. Es war an einem
Sonntag. Am Vormittag hatte ich noch mit dem Chor der St. Pauli-Kirche
geübt, und am Nachmittag veranstalteten wir einen Musiknachmittag im
Altenheim. Als ich den Chormitgliedern sagte, dass ich inzwischen Vater
eines zweiten Kindes geworden sei, wollten sie es nicht glauben.
Niemand hatte bemerkt, dass bei uns ein solches Ereignis bevorstand,
nicht einmal die Damen vom Nähverein, die sonst alles sehr schnell
spitz bekamen, was bei uns im Hause passierte. Meine
Frau war jetzt mit beiden Kindern reichlich überfordert, zumal sie
abends auch noch in den Vereinen tätig war. Der Vorstand hatte ein
Einsehen und stellte uns die Mittel für die Anstellung einer
Reinigungskraft zur Verfügung. So vergingen 10 schöne Jahre. Wir
hatten einen wundervollen Garten hinter dem Hause, und so blieb es
unseren Kindern erspart, die Straße als Spielplatz benutzen zu müssen.
Schwer war es allerdings für unsere Kinder, mit ansehen zu müssen, wie
andere Eltern sonntags mit ihren Kindern spielten, während ich immer
dienstlich gebunden war. Zum Ausgleich habe ich mich immer bemüht, den
Montag als „Pastorensonntag“ für meine Familie frei zu halten, den wir
vielfach zusammen mit anderen Berufskollegen und deren Familien
verlebten. Bedrückend
war für uns, dass unsere Tochter eine Gehbehinderung hatte, die nur von
einem „berühmten Arzt“ in Hannover kuriert werden konnte. Die Trennung
fiel unserem Kind sehr schwer. Auch die Kosten für die Heilung waren
sehr erheblich, aber die Innere Mission hat uns eine großzügige
Unterstützung gewährt, zumal ich ja nur ein geringes Gehalt bekam.
Unsere Tochter konnte anschließend mühelos größere Wanderungen mit uns
unternehmen. Unser
Sohn kam mit 6 Jahren in die St. Pauli-Kirchspielschule. Sein erster
Lehrer hieß Wilhelm Hax, der Sohn des ersten Stadtmissionars in der
Süderstraße. Auch von der Lehrerin war er so begeistert, dass er sie
vom Fleck weg heiraten wollte. Später besuchte er eine private
Vorschule zur Vorbereitung auf die höheren Schulen in der Brautstraße.
1920 kam er in die neu eröffnete Realschule der Neustadt, und da er
gute Anlagen zeigte, später auf das Realgymnasium in der
Kaiser-Friedrich-Straße. Mit unserer Tochter ging mir der
Schulunterricht nicht schnell genug und ich wurde oftmals sehr
ungeduldig. Meine Frau sagte dann immer: „Geh du man an deine Arbeit,
und lass mich das machen.“ Ich merkte dann, dass ich für diese Aufgabe
zu ungeduldig war. Mit vereinten Kräften schafften wir es dann doch,
dass sie in die Vietor-Schule aufgenommen wurde, in welcher sie sich
bald zu einer der besten Schülerinnen empor arbeitete. Später kam sie
auf das Oberlyzeum und wollte gern Lehrerin werden. Das war die erste
Serie unserer Kinder. 1911
und 1915 kam die zweite Serie hinzu. Die Großen waren über die Neulinge
sehr erstaunt, aber bald nahmen sie sich unserer Kleinen mit Liebe an.
Sie haben uns bei der Erziehung fleißig unterstützt und hingen mit
großer Liebe an ihren Geschwistern. Wir Eltern, die wir ja unsere
Arbeit in der Gemeinde hatten, sind ihnen dafür zu großem Dank
verpflichtet. Sorgen
machten uns oft die Kinderkrankheiten, zumal es damals noch nicht, wie
heute, die geeigneten wirksamen Medikamente gab. Ich selbst konnte die
Sorge nicht los werden, wie weit ich unsere Kleinen noch ins Leben
hineinführen könnte, zumal ich damals ja bereits 46 Jahre alt war und
meine Gesundheit auch nachließ. Vermehrt wurden unsere Sorgen dadurch,
dass ihre Jugend gerade in die Kriegszeit 1914-1918 fiel. 1916 war ein
Hungerjahr, und ich fuhr oft mit meinen Kindern mit einem Handwagen auf
die Parzelle, um etwas Gemüse zu ernten. Meine Frau musste bei vier
Kindern das Brot sehr genau einteilen. Mit
meiner Gesundheit stand es nicht zum Besten. Ich litt an einer Magen-
und Darmstörung. Der Arzt schickte mich zu einer Kur nach Bad Meinberg,
aber hier verschlimmerte sich mein Leiden durch die schwefelhaltige
Quelle noch mehr. Professor Dr. Stoevesandt stellte mir dann ein
geeignetes Diätrezept zusammen, so dass ich dadurch viele Jahre ohne
Beschwerden war. 1939
holte ich mir einen Beckenbruch, als ich beim Anbringen der
angeordneten Verdunkelung von der Leiter fiel. In den vielen kalten
Nächten im Luftschutzkeller holte ich mir 1944 eine Lungenentzündung.
Seltsamerweise blieb ich dann in meinen späteren Lebensjahren bis ins
hohe Alter hinein völlig gesund. Meine Arbeit als Stadtmissionar Bei
den Jubiläen und anderen besonderen Feiern wurde in den Kreisen der
Inneren Mission scherzhaft gesagt, ich sei keine „Posaune“ gewesen, ich
habe nicht „tönen“ wollen, und damit hat man wahrscheinlich die
Wahrheit getroffen. Es lag mir nicht, „zu predigen“. Gewiss habe ich
auch predigen müssen, sehr oft in den Vereinen, in den Bibelstunden, in
den Kinderstunden und anderen Veranstaltungen der Bremer
Kirchengemeinden. Aber mir lag mehr an einem schlichten, warmherzigen
Zeugnis, als an forschen Predigten. Mir ging es darum, die Kreise
christlich fundierter Gemeinschaft in freundschaftlicher Art
zusammenzuhalten und darin Gottes Wort schlicht und zeitgemäß zu
verkündigen. In meiner
Arbeit wurde ich stark unterstützt von meiner Frau und später von den
heranwachsenden Kindern, die sich in die große Hausgemeinschaft der
Süderstraße 30 a mit einfügten. In diesem Bestreben wurde ich in meinen
Kreisen verstanden. Ich stellte nie meine Führerschaft heraus. Sie
wurde aber in all den Jahren meiner Wirksamkeit auch nie übersehen oder
angezweifelt. So sind alle meine Arbeitskreise mit mir durch die Krisen
der Zeit hindurch gegangen, ohne dass es zu irgendwelchen Problemen
kam. Unser ganzes Gemeinschaftsleben war durchdrungen von einem Geist
gegenseitiger Hilfsbereitschaft, der sich auch zu Hause auswirkte. Auch
die Vereine unterstützten sich untereinander gegenseitig. Hatte der
Jungmännerverein eine Feier, so half der Chor selbstverständlich mit
seinen Liedern. Die Jungen dagegen begeisterten die anderen Vereine
gerne mit Aufführungen oder turnerischen Darbietungen. Die Kinderkreise
erfreuten „die Alten“. Jeder diente mit der Gabe, die ihm beschieden
war. Als das Haus
zerstört war, hat mir mancher, der hier eine starke Bereicherung seines
Lebens gefunden hatte, gesagt, wie lieb ihm diese Gemeinschaft geworden
war. Der ganze Zuschnitt der Arbeit hatte etwas Konservatives an sich. | Die
Kinder, die den Kindergottesdienst besucht hatten, gingen später über
die Vereine, haben hier auch vielfach den Partner fürs Leben gefunden
und schickten später wieder ihre Kinder zu uns, so dass aus manchen
Familien schon die dritte Generation bei uns war. | Kindergottesdienst In
den ersten sieben Jahren hatte ich an zwei Stellen Kindergottesdienst
zu halten, am Vormittag in der Süderstraße, am Nachmittag in der
Hohentorstraße. Im Johann-Heinrich-Stift hatten wir mehrere Räume zur
Verfügung und konnten 200 bis 250 Kinder aufnehmen. Hier half Frau
Baronin von Uexküll sehr fleißig mit. In der Süderstraße hatte ich nur
einen Raum, musste die Kinder allein unterrichten und hatte nicht gern
mehr als 40 bis 50 Kinder dabei. Es lag mir daran, dass die Kinder
neben der kirchlichen Unterweisung erst einmal viele Lieder lernten,
die sie später auch ins Leben mitnehmen konnten. Es kamen vielfach
Kinder aus den ärmsten Schichten zu mir, aus den Häusern und Gängen der
Neustadt, deren Familien vielfach keinerlei Verbindung mehr mit der
Kirche hatten. So war es mein Bemühen, sie in dem entsprechenden Alter
den Pastoren der St. Pauli-Gemeinde für den Konfirmandenunterricht
zuzuführen. Vielfach bekamen dadurch auch die Eltern Verbindung mit der
Kirche. Beim Ausscheiden aus dem Kindergottesdienst bekamen die Kinder
ein Neues Testament oder ein Gesangbuch von mir. Meinem Vorgänger Hax
passierte einmal, dass zur Weihnachtszeit die Kinder ein kleines
Büchlein und einen kleinen Klaben bekamen. Während seine Frau oben im
Raum die Geschenke austeilte, stand Hax bei den wartenden Kindern vor
der Tür. Da kam ein Junge die Treppe herunter und rief den anderen
Kindern zu: „Wegen solch einem kleinen Klaben muss man nun in die
Sonntagsschule gehen!“ Jungmännerverein Der
Jungmännerverein war mir besonders lieb, denn gerade im Jünglingsalter
sind die Jungen aufgeschlossen für Freundschaft und Kameradschaft mit
ihresgleichen. Sie sind auch bereit, christlichen Gemeinschaftsgeist in
sich aufzunehmen. Werden sie dann etwas älter, lassen sie sich schon
gemeinsam zur Mitarbeit an den jüngeren Kameraden gewinnen. Sie konnten
mir so wesentlich mithelfen, die Arbeit erfolgreich zu gestalten.
Besonders, als ich älter wurde, war es mein Bemühen, mir eine
Helferschar heranzubilden, die mich in der Arbeit unterstützte, beim
Turnen, bei Wanderungen, Freizeiten und dergleichen. Einer meiner
treuesten, unentgeltlich helfenden Mitarbeiter war Emil Meyer, der auf
die Jugend starken Einfluss ausübte, indem er Geigenunterricht gab. So
haben diese Helfer mit dazu beigetragen, die jungen Männer zu starken
christlichen Persönlichkeiten zu erziehen, die in ihrem Leben ihren
Mann stehen konnten. Es war mir oft eine große Freude, wenn ich in
Geschäften, Büros und Werkstätten Männer traf, die durch unsere Kreise
gegangen waren und es zu etwas Tüchtigem in ihrem Beruf gebracht, die
aber auch später in unserer Gemeinde kirchliche Dienste übernommen
hatten. Sie gedachten immer dankbar der Zeit ihrer Mitgliedschaft in
unserem Jungmännerwerk. Chorgesang In
der Chorgemeinschaft „St. Pauli-Gesangverein“ war es möglich, Männer
und Frauen jeden Alters zusammenzufassen und damit eine familiäre
Gemeinschaft herzustellen. Bei meiner Übernahme des Chores war ich nur
Dirigent, während der Chor selbst einen Vorsitzenden hatte. Wenn ich
mit dem Chor etwas unternehmen wollte, musste ich immer erst den
Vorsitzenden fragen, was jedes Mal erst zu heftigen Diskussionen unter
den Mitgliedern führte. Die älteren Chormitglieder waren geneigt, mich
in dieser Stellung als Dirigent zu belassen. Diesen Zustand habe ich
zwei Jahre lang mitgemacht, bis ich dann ganz klar gesagt habe, dass
ich nicht künftig nur der Dirigent des Chores sein wolle, sondern auch
der Leiter. Wir haben dann vereinbart, dass der Chor einen Vorstand
haben solle, mit dem ich als Chorleiter alles besprechen könne. Diese
Regelung hat sich dann später 44 Jahre lang zur beiderseitigen
Zufriedenheit bewährt. Es bestand ein gutes Vertrauensverhältnis. Die
Chormitglieder hielten in großer Treue zusammen. Auch hier haben sich
viele Paare gefunden, und ihre Kinder sind später zusammen mit den
Eltern gekommen und geblieben. In der Gemeinschaft wurden Freud und
Leid gemeinsam durchlebt. Mit unserem Singen haben wir uns in
bescheidenen Grenzen gehalten, denn es waren nicht alle Mitglieder gute
Sänger. Ich selbst war ja auch kein ausgebildeter Musiker. Wir fühlten
uns als Gesinnungsgemeinschaft der Inneren Mission und bemühten uns,
mit den uns gegebenen Gaben und Kräften zu erreichen, was uns möglich
war. So pflegten wir den Choral, die Motette, aber auch das gute alte
Volkslied. Wir sangen in der Kirche, gingen durch die Krankenhäuser,
das Siechenhaus, das Altenheim und sangen mit Vorliebe in unseren
Familien bei Hochzeiten, Silber- und Goldhochzeiten und anderen
Jubiläen. Besonders
gern gingen wir am 1. Adventssonntag in die Altenheime. Die Kinder
sangen Advents- und Volkslieder, und gelegentlich hatten wir auch einen
Solisten dabei. Die Mitglieder des Jungmännervereins führten dann ihre
Stücke auf. Es waren Nachmittage, an denen wir in den Altenheimen mit
großer Freude begrüßt wurden. Anschließend kehrten wir dann in eine
Wirtschaft ein und ließen uns im großen Saal Kartoffelsalat und
Würstchen servieren. Dies waren immer Abende fröhlicher Geselligkeit. Daneben
hatten wir noch unsere Familienabende in der Süderstraße. Jährlich
hatten wir einen großen Abend in der Neustädter Turnhalle, später, als
das „Moderne Theater“ entstand, im Gemeindehaus der Hohentorsgemeinde,
der jedes Mal ein übervolles Haus bescherte. Ich habe dann immer einen
Bericht über die Arbeitsgebiete der Inneren Mission gegeben. Wir sangen
Chorlieder, hatten kräftige Solisten, manchmal auch eine Militärkapelle
dabei. Im Sommer
machten wir gern Wanderungen oder große Ausflüge in die Umgebung mit
Spielen und Singen. Dazu mieteten wir auch Autobusse und fuhren nach
Wilsede oder Bückeburg, Kloster Loccum oder in den Teutoburger Wald. So
bekam der Chor, der in seinen besten Zeiten bis zu 90 Mitglieder hatte,
einen guten Zusammenhalt. Nach dem 2. Weltkrieg waren die Neustadt und
auch unser Vereinshaus zerstört. Mit etwa 25 Teilnehmern kamen wir in
einem Privathaus zu unseren Veranstaltungen zusammen. Männerverein Es
war eigenartig, dass wir für einen so interessanten Kreis kaum
Mitglieder finden konnten. Trotz vieler, lebhafter Mühe, auch seitens
der Pastoren der Gemeinde, blieben wir in den ersten Jahrzehnten ein
kleiner, aber treuer Kreis, der sich zu biblischer Besprechung
zusammenfand. Nähverein Hier
fand sich eine Anzahl Frauen zusammen, die unter Leitung meiner Frau
für die Notleidenden der Neustadt nähten und strickten. Es waren die
treuesten Frauen aus unseren großen Kreisen, die sich mit großer Liebe
regelmäßig in dieser Gemeinschaft trafen. Während meine Frau die Arbeit
einteilte und überwachte, hielt ich diesem Kreis eine Andacht und
erzählte aus der Arbeit der Inneren Mission oder was uns sonst in der
Neustadt interessierte. Oft las ich auch Geschichten vor, und vor allen
Dingen wurde viel gesungen. Bei rührseligen Geschichten konnten einige
Frauen auch ganz kräftig weinen. Da musste ich als Gegengewicht auch
mal fröhliche Geschichten lesen. So habe ich dann vorher immer mit
meiner Frau abgesprochen, welche Art Vorlesestoff sie für angebracht
hielt. Bei all unseren Zusammenkünften war jedoch immer die christliche
Grundlage das Entscheidende. Bibelstunde Unsere
Bibelstunde umfasste die Kreise der Neustadt, die sich an einem
Wochentag nachmittags frei machen konnten. Die Pastoren Raumsauer von
der Äußeren Mission und Heyne von der Inneren Mission teilten sich mit
mir diesen Dienst in den Bibelstunden. Es waren schöne Stunden, auf die
sich die Besucher jede Woche freuten. Die Kreise kamen bis zur
Zerstörung des Hauses zusammen. Später fanden sie sich in den
Bibelkreisen der St. Pauli-, Zions- und Hohentorsgemeinde wieder. Bibliothek Die
Innere Mission unterhielt in unserem Hause eine sehr schöne, stark
genutzte Bibliothek mit etwa 800 Bänden, die für die Arbeit sehr
wertvoll war. Sie bestand aus guten Biographien, christlichen
Erzählungen, guten Romanen, Klassikern und Reisebeschreibungen. Daneben
gab es auch gute Jugendbücher für Knaben und Mädchen. Gerade in unserem
Bezirk, wo es sehr wenig begüterte Leute gab, war es ein wichtiger
Dienst, den wir hier leisten konnten, zumal es öffentliche Bibliotheken
damals noch nicht gab. Die Bücherausgabe erfolgte bei den abendlichen
Versammlungen in unserem Hause, aber auch zu festgesetzten Zeiten für
die Gemeindeglieder, die nicht zu den Kreisen kamen. Hausbesuche Neben
den Gruppenstunden war mir die liebste und notwendigste Arbeit,
Hausbesuche in meinem Arbeitsbezirk zu machen. Die Menschen geben sich
in ihren Häusern ganz anders, als in den Versammlungen. Sie sind in
ihren Wohnungen viel aufgeschlossener und freuen sich, wenn man ihnen
zuhört. Es gehört dann viel Geschick dazu, von den Gesprächen über
Wetter und Zeitgeschehen auf ihre inneren Anliegen zu kommen. Aber wenn
das Vertrauen einmal hergestellt war, konnten wir offen miteinander
über persönliche Probleme sprechen. Die Menschen fühlten sich durch die
Besuche geehrt und die Besuche führten zu festeren Bindungen.
Abweisungen bei Besuchen habe ich in den vielen Jahrzehnten ganz selten
erlebt. Die Innere Mission als mein Arbeitgeber Als ich nach Bremen kam, hatte die Innere Mission noch keinen theologischen Leiter. Der Vorstand hatte die Arbeit in Sekt ionen
aufgeteilt. Stadt- und Auswanderermission hatte Pastor Cuntz von St.
Pauli in der Neustadt zu verantworten. Die Herberge zur Heimat
unterstand dem Kaufmann Vietor. Das Bibliothekswesen verwaltete Herr
Noltenius, das Rechnungswesen Herr Volkmann, später Herr Kuhlenkampff.
Im Jahre 1901 wurde Pastor Büttner als erster Inspektor von der Inneren
Mission hauptamtlich angestellt. Über allem stand Herr
Landgerichtsdirektor Carstens. Die rege Tätigkeit dieser Herren, zu
denen auch noch Johannes Schröder gehörte, der Vater von Rudolf
Alexander Schröder, machte auf mich einen starken Eindruck und
verpflichtete mich, meine ganze Kraft einzusetzen, um ihrer würdig zu
sein. Carstens war eine Vaterfigur, gütig, vornehm, zurückhaltend, von
tiefem Ernst durchdrungen. Er besaß große Menschenkenntnis, und man
fühlte sich sofort von ihm durchschaut. Volkmann war Kaufmann,
großzügig und weitschauend im Denken. Er hatte ein stilles feines
Wesen. Als Rechnungsführer war er großzügig im Großen, aber auf den
Pfennig genau. Mit der Bitte um Geldbewilligung wagte ich mich nur an
ihn heran, wenn es unumgänglich war, aber dann konnte er über die
beantragte Summe hinaus sehr großzügig sein. So konnte ich, der ich die
Gehaltsverrechnung hatte und manchmal genau wusste, dass Ebbe in der
Kasse war, nur ängstlich fragen, wie das nun weitergehen solle. Aber zu
meinem Erstaunen wurde mir dann gesagt: „Machen Sie sich darüber keine
Sorgen. Es schadet mir nichts, wenn ich einmal 50 bis 60.000 Mark
vorschieße.“ Wurde es dann zu arg, so wurde eine Vorstandssitzung
abgehalten und jedes einzelne Vorstandsmitglied bekam die Auflage, eine
bestimmte Summe aufzubringen. Wenn mittags um 12 Uhr die Börse schloss,
wurden einige in Frage kommende Kaufleute angegangen und um Spenden
gebeten, so dass wieder für einige Zeit die Betriebsmittel gesichert
waren. J. K. Vietor, sehr gebefreudig und ein rechter Freund der
Berufsarbeiter der Inneren Mission, aber etwas sprunghaft in dem, was
er anfasste, war uns eine große Hilfe. Er hatte ein warmes Herz für die
Arbeit der Inneren Mission und die Stadtmissionare, die er jedes Jahr
mit ihren Familien nach Leuchtenburg einlud, wo er uns in einem
Gartenrestaurant königlich bewirtete. Dabei wurden dann auch die
Probleme unserer Arbeit besprochen, und wir erhielten von ihm
aufmunternde Worte. Da wir Stadtmissionare nur ein geringes Gehalt
hatten, schenkte er uns öfter die Fahrkarten, wenn wir größere Reisen
vorhatten. Gedenken möchte ich auch noch des Vorstandsmitgliedes Fritz
Vietor, der für kurze Zeit Rechnungsführer war. Von ihm hätte die
Innere Mission viel erhoffen können, wenn er nicht auf einer Reise bei
einem Flugzeugunglück ums Leben gekommen wäre. Als
Pastor Büttner 1901 Direktor der Inneren Mission wurde, gründete er die
Frauengruppe der Inneren Mission. Auch die Arbeit an den Seeleuten
wurde aufgenommen. Das Eckhaus an der Bürgermeister-Smidt-Straße wurde
gekauft und als Verwaltungshaus mit Auswandererkapelle eingerichtet.
Die Herberge zur Heimat wurde von der Schlachte zur Georgstraße
verlegt. Unter Pastor Frick wurde das Hospiz erworben, die Arbeitstätte
eingerichtet sowie die Brockensammlung gegründet. Die Arbeit von Pastor
Fritz (1916-1922) war geprägt von den Problemen der Kriegs- und
Nachkriegsjahre. In dieser Zeit wurde das Martha-Heim übernommen,
außerdem erfolgte die Umwandlung der Arbeitsstätte in der Kornstraße
zum Isenberg-Heim und die Gründung der weiblichen Stadtmissionsarbeit
unter Fräulein Helene Graeber. Am
15. Oktober 1922 wurde Pastor Heyne Direktor der Inneren Mission. Die
Jahre nach dem Weltkrieg, gekennzeichnet durch die Inflationszeit,
waren schwer. Wir alle waren Millionäre. Pastor Heyne wohnte kurze Zeit
in der Georg-Gröning-Straße in der Wohnung von Pastor Fritz. Sein Umzug
in die Holbeinstraße, nur um die Ecke, kostete 550.000 Mark. Im
Haus der Inneren Mission in der Georgstraße 22 war die zweite Etage
„Herberge zur Heimat“. In der ersten Etage wohnte der
Auswanderermissionar Krone. Im Parterre war das Büro der Inneren
Mission, die Kapelle und das Sitzungszimmer, zugleich Bibliothek.
Daneben gab es noch zwei kleine Zimmerchen für Beratungsgespräche. Die
Innere Mission hatte nur eine Sekretärin für drei Stunden am Tage. Fürsorgearbeit Meine
Arbeit brachte es mit sich, dass ich mich oft mit den Problemen der
armen Leute befassen musste. In den einzelnen Stadtbezirken waren
Armenpfleger bestellt, bei denen Anträge zu stellen waren. Die
bestimmten dann die Höhe der Unterstützung. Einige städtische Beamte
hatten die Aufgabe, die ehrenamtlichen Armenpfleger zu überwachen,
damit sie den ihnen zugeteilten Spielraum nicht zu großzügig auslegten.
Durch gute Kontakte zu den Armenpflegern konnten wir viel Not lindern
helfen. Die Neustadt hatte damals noch keine eigene Fürsorgestelle. Die
Innere Mission hatte auch eine gewisse eigene Unterstützungsmöglichkeit
durch die Spenden wohlhabender Freunde. Zweimal im Jahr, in der
Adventszeit und im März, machten wir Bittgänge zu unseren Freunden und
bekamen die Hände immer reichlich gefüllt. Ich möchte hier nur die
Namen Isenberg, Hackfeld, Vietor und Kuhlenkampff nennen. Willi
Kuhlenkampff begrüßte mich dann, indem er die Uhr zog und sagte: „Herr
Schmidt, bitte nur drei Minuten erzählen, wie viel Geld brauchen Sie?
20 Mark, gut, auf Wiedersehen.“ Diese Bettelgänge waren mir oft sehr
schwer. Aber ich hielt es doch für wichtig, die reichen Leute auf die
Arbeit der Inneren Mission immer wieder aufmerksam zu machen. Besondere
Sorgen bereitete uns der Männer-Krankenverein, der die Aufgabe hatte,
kranke, nicht arbeitsfähige Männer zu unterstützen, damit ihre Familien
nicht in zu große Not gerieten. Diesem Verein wurden monatlich die
Gelder von der Inneren Mission bewilligt. | Soweit
der Bericht aus der Feder von Philipp Schmidt. Er war 58 Jahre
Stadtmissionar an der St. Pauli-Gemeinde in der Neustadt und hat auch
im Ruhestand noch viele Jahre das kirchliche und diakonische Leben in
Bremen mit geprägt. 1949 konnte er sein 50. Jubiläum im Dienste der
Inneren Mission in Bremen feiern, deren Vorstand er viele Jahre
angehörte. Er hatte auch ein gewichtiges Wort innerhalb der Bremer
Diakonenschaft und der Brüderschaft des Rauhen Hauses in Hamburg
mitzureden. | Seine
Lebensgeschichte, die er in seinen letzten Jahren aufzeichnete, gibt
einen tiefen Einblick in die Geschichte der Bremer Stadtmission und das
eng damit verbundene Familienleben der damaligen „Berufsarbeiter der
Inneren Mission“, als persönliche Kontakte noch eine entscheidende
Rolle spielten. Philipp Schmidt starb am 24. Juli 1957 im gesegneten Alter von 88 Jahren.
© Jürgen Ruszkowski  Diese Internetseite wurde vom früheren langjährigen Geschäftsführer und Heimleiter des Seemannsheimes erstellt, der hier sein Rentner-Hobby vorstellt:  zur gelben Zeitzeugen-Bücher-Reihe des Webmasters aus Rissen: zu meiner maritimen Bücher-Seite  Weitere Informationen zu den Büchern finden Sie hier: navigare necesse est! Diese Bücher können Sie für je 12 € direkt bei mir gegen Rechnung bestellen: Kontakt: Zahlung nach Erhalt der der Ware per Überweisung.  Diese Bücher können Sie für je 12 € (innerhalb Deutschlands an Privatpersonen portofrei) direkt bei mir gegen Rechnung bestellen: Kontakt:
Bücher in der gelben Buchreihe" Zeitzeugen des Alltags" von Jürgen Ruszkowski: Seemannsschicksale Band 1 - Band 1 - Band 1 - Band 1 Begegnungen im Seemannsheim ca. 60 Lebensläufe und Erlebnisberichte von Fahrensleuten aus aller Welt  Bestellung | Seemannsschicksale Band 2 - Band 2 - Band 2  Lebensläufe und Erlebnisberichte  Lebensläufe und Erlebnisberichte von Fahrensleuten, als Rentner-Hobby aufgezeichnet bzw. gesammelt und herausgegeben von Jürgen Ruszkowski Bestellungen | Seemannsschicksale Band 3 - Band_3  Lebensläufe und Erlebnisberichte  Lebensläufe und Erlebnisberichte von Fahrensleuten Bestellungen | Band 4 - Edition 2004 - Band 4 Seemannsschicksale unter Segeln  Die Seefahrt unserer Urgroßväter im 19. Jahrhundert und am Anfang des 20. Jahrhunderts neu überarbeitet! Bestellungen | Band 5 - Band 5  Capt. E. Feith's Memoiren:  Ein Leben auf See amüsant und spannend wird über das Leben an Bord vom Moses bis zum Matrosen vor dem Mast in den 1950/60er Jahren, als Nautiker hinter dem Mast in den 1970/90er Jahren berichtet Bestellungen | Ich hoffe noch auf einen weiteren Band von Capt. E. Feith : Band 6 ist in Arbeit: Seemannsschicksale Band 6 in der gelben Buchreihe "Zeitzeugen des Alltags" Master next God | Band 7 in der Reihe Seemannsschicksale: Dirk Dietrich: Auf See ISBN 3-9808105-4-2 Dietrich's Verlag Band 7 = 12,80 € Bestellungen | Band 8: Maritta & Peter Noak auf Schiffen der DSR ISBN 3-937413-04-9 Dietrich's Verlag Bestellungen | Band 9 - Band 9 Die abenteuerliche Karriere eines einfachen Seemannes  Endstation Tokyo Bestellungen | Band 10 - Band 10 Autobiographie des Webmasters  Rückblicke: 27 Jahre Himmelslotse im Seemannsheim - ganz persönliche Erinnerungen an das Werden und Wirken eines Diakons  Bestellungen | Band 11 -- Band 11  Genossen der Barmherzigkeit  Diakone des Rauhen Hauses Diakonenportraits Bestellungen | Band 12 - Band 12  Autobiographie: Diakon Karlheinz Franke  Bestellungen | Band 13 - Band 13 Autobiographie: Diakon Hugo Wietholz  Bestellungen | Band 14 - Band 14 Conrad H. v. Sengbusch Jahrgang '36 Werft, Schiffe, Seeleute, Funkbuden  Jugend in den "goldenen 1959er Jahren"  Lehre als Schiffselektriker in Cuxhaven Bestellungen | Band 15 - Band 15 Wir zahlten für Hitlers Hybris  mit Zeitzeugenberichten aus 1945 über Bombenkrieg, Flucht, Vertreibung, Zwangsarbeit und Gefangenschaft. Ixlibris-Rezension Bestellungen | Band 16 Lothar Stephan  Ein bewegtes Leben - in den Diensten der DDR - - zuletzt als Oberst der NVA ISBN 3-9808105-8-5 Dietrich's-Verlag 8,90 € Bestellungen | Band 17 - Band 17 Als Schiffskoch weltweit unterwegs  Schiffskoch Ernst Richter Bestellungen | Band 18 - Band 18 Seemannsschicksale aus Emden und Ostfriesland  und Fortsetzung Schiffskoch Ernst Richter auf Schleppern Bestellungen | Band 19 - Band 19 ein Seemannsschicksal: Uwe Heins  Das bunte Leben eines einfachen Seemanns  Bestellungen | Band 20 - Band 20 ein Seemannsschicksal im 2. Weltkrieg  Kurt Krüger  Matrose im 2. Weltkrieg Soldat an der Front Bestellungen | Band 21 - Band 21 Ein Seemannsschicksal: Gregor Schock  Der harte Weg zum Schiffsingenieur  Beginn als Reiniger auf SS "RIO MACAREO" Bestellungen | Band 22 - Band 22 Weltweite Reisen eines früheren Seemanns als Passagier auf Fähren, Frachtschiffen und Oldtimern  Anregungen und Tipps für maritime Reisefans  Bestellungen | Band 23 - Band 23 Ein Seemannsschicksal: Jochen Müller  Geschichten aus der Backskiste Ein ehemaliger DSR-Seemann erinnert sich Bestellungen | Band 24 - Band 24 Ein Seemannsschicksal: Der maritime Liedermacher (seine Lieder-CD kann bestellt werden) Mario Covi: -1-  Traumtripps und Rattendampfer  Ein Schiffsfunker erzählt über das Leben auf See und im Hafen Bestellungen | Band 25 - Band 25 Ein Seemannsschicksal: Der maritime Liedermacher (seine Lieder-CD kann bestellt werden) Mario Covi: -2-  Landgangsfieber und grobe See  Ein Schiffsfunker erzählt über das Leben auf See und im Hafen Bestellungen | Band 26 - Band 26 Monica Maria Mieck:  Liebe findet immer einen Weg  Mutmachgeschichten für heute Besinnliche Kurzgeschichten auch zum Vorlesen Bestellungen | Band 27 - Band 27 Monica Maria Mieck:  Verschenke kleine Sonnenstrahlen  Heitere und besinnliche Kurzgeschichten auch zum Vorlesen Bestellungen- Band 30 | Band 28 - Band 28 Monica Maria Mieck:  Durch alle Nebel hindurch  erweiterte Neuauflage Texte der Hoffnung besinnliche Kurzgeschichten und lyrische Texte ISBN 978-3-00-019762-8 Bestellungen | Band 29 - Band 29  Logbuch einer Ausbildungsreise und andere Seemannsschicksale  Seefahrerportraits und Erlebnisberichte ISBN 978-3-00-019471-9 Bestellungen | Band 30 - Band 30 Günter Elsässer  Schiffe, Häfen, Mädchen Seefahrt vor 50 Jahren Bestellungen | Band 31 - Band 31  Thomas Illés d.Ä. Sonne, Brot und Wein  ANEKIs lange Reise zur Schönheit Wohnsitz Segelboot Reise ohne Kofferschleppen Fortsetzung in Band 32 Bestellungen | Band 32 Thomas Illés d.Ä. Sonne, Brot und Wein Teil 2  Reise ohne Kofferschleppen Fortsetzung von Band 31 - Band 31 Bestellungen | Band 33 - Band 33 Jörn Hinrich Laue: Die große Hafenrundfahrt in Hamburg reich bebildert mit vielen Informationen auch über die Speicherstadt, maritime Museen und Museumsschiffe  184 Seiten mit vielen Fotos, Schiffsrissen, Daten ISBN 978-3-00-022046-3 Bestellungen | Band 34 - Band 34 Peter Bening  Nimm ihm die Blumen mit Roman einer Seemannsliebe mit autobiographischem Hintergrund Bestellungen | Band 35 - Band 35 Günter George  Junge, komm bald wieder... Ein Junge aus der Seestadt Bremerhaven träumt von der großen weiten Welt Bestellungen | Band 36 - Band 36 Rolf Geurink:  In den 1960er Jahren als Seemaschinist weltweit unterwegs Bestellungen | Band 37 Schiffsfunker Hans Patschke:  Frequenzwechsel  Ein Leben in Krieg und Frieden als Funker auf See auf Bergungsschiffen und in Großer Linienfahrt im 20. Jahrhundert | Band 38 - Band 38 Monica Maria Mieck:  Zauber der Erinnerung  heitere und besinnliche Kurzgeschichten und lyrische Texte reich sw bebildert Bestellungen Seemannsschicksale realhomepage/seamanstory erwähnte Schiffe E - J erwähnte Schiffe S-Z erwähnte Personen - erwähnte Schiffe schiffsbild meine google-Bildgalerien Leseproben und Bücher online | Einige maritime Buchhandlungen in Hamburg in Hafennähe haben die "Seemannsschicksale" meistens vorrätig: WEDE-Fachbuchhandlung, Hansepassage, Große Bleichen 36, Tel.: 040-343240. Schifffahrtsbuchhandlung Wolfgang Fuchs, Rödingsmarkt 29, 20459 Hamburg, Tel: 3193542, www.hafenfuchs.de Ansonsten auch bei Buchhandlungen in der Regel nur über mich bestellbar Ich sammle weitere maritime Lebensläufe und Erlebnisberichte. - Wer erzählt mir noch aus seinem Seemannsleben? - Kontakt Leserreaktionen Seemannssprache http://www.zeitzeugenbuch.klack.org http://www.zeitzeugenbuch.klack.org Da
Dietrich’s Verlag seine Aktivitäten stark reduziert, werden einige
meiner Bücher mit einer von ihm vergebenen ISBN ab 2007 nicht mehr im
Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) des Buchhandels zu finden sein.
Das bedeutet nicht, dass die Bücher nicht mehr lieferbar sind. Bestellen Sie direkt bei mir: Telefon: 040-18090948, Fax: 040-18090954  | Diese Bücher können Sie für je 12 € direkt bei mir gegen Rechnung bestellen: Kontakt: Zahlung nach Erhalt der der Ware per Überweisung.  Meine Postadresse / my adress / Los orden-dirección y la información extensa: Jürgen Ruszkowski, Nagelshof 25 (Hobökentwiete 44), D-22559 Hamburg-Rissen, Telefon: 040 - 18 09 09 48 - Anrufbeantworter nach 30 Sekunden - Fax: 040 - 18 09 09 54 Tel.: 040-81961102 - Anrufe werden bei Abwesenheit weitergeleitet skype: juergen_ruszkowski Bestellungen am einfachsten unter Angabe Ihrer Anschrift per e-mail: Kontakt |  | Bücher in der gelben Buchreihe" Zeitzeugen des Alltags" von Jürgen Ruszkowski: Weitere Informationen zu den Büchern finden Sie hier: navigare necesse est! Wenn Sie an dem Thema "Seeleute" interessiert sind, gönnen Sie sich die Lektüre dieser Bücher und bestellen per Telefon, Fax oder am besten per e-mail: Kontakt:  Meine Bücher der gelben Buchreihe "Zeitzeugen des Alltags" über Seeleute und Diakone sind über den Buchhandel oder besser direkt bei mir als dem Herausgeber zu je 12,00 € Euro, (Band 7 = 12,80 € ) zu beziehen, bei mir in Deutschland portofrei (Auslandsporto: ab 3,00 € ) Bestellungen am einfachsten unter Angabe Ihrer Anschrift per e-mail: Kontakt Sie zahlen nach Erhalt der Bücher per Überweisung. Los libros en el idioma alemán lo enlatan también por 12 € Euro, ( + el extranjero-estampilla: 3,00 €), directamente con la editor Buy de. Ab und an werde ich für zwei bis drei Wochen verreist und dann, wenn überhaupt, nur per eMail: Kontakt via InternetCafé erreichbar sein! Bestellungen und Nachfragen am einfachsten über e-mail: Kontakt  Wenn ich nicht verreist bin, sehe ich jeden Tag in den email-Briefkasten. Dann Lieferung innerhalb von 3 Werktagen. Einige maritime Buchhandlungen in Hamburg in Hafennähe haben die Titel auch vorrätig: WEDE-Fachbuchhandlung, Hansepassage, Große Bleichen 36, Tel.: 040-343240. Schifffahrtsbuchhandlung Wolfgang Fuchs, Rödingsmarkt 29, 20459 Hamburg, Tel: 3193542, www.hafenfuchs.de Ansonsten, auch über ISDN über Buchhandlungen, in der Regel nur über mich bestellbar. Für einen Eintrag in mein Gästebuch bin ich immer dankbar. Alle meine Seiten haben ein gemeinsames Gästebuch. Daher bitte bei Kommentaren Bezug zum Thema der jeweiligen Seite nehmen! Please register in my guestbook  Leseproben und Bücher online Empfehlungen: | Zum Thema "Seemannsschicksale" passend wird empfohlen: "Westsee" von Hans Gert Franzkeit. Er schildert die Seefahrt der 1950er Jahre. Verlegt über BOD - ISBN 3-89811-424-4 Bestellungen nur noch über den Buchhandel | Schmidt, Wolfram Wolfsdreck Erinnerungen an die DDR-Seefahrt ISBN 3-936904-07-3 Bestellungen | Manfred Hessel Das etwas andere Abenteuer An Bord von Handelsschiffen im Zweiten Weltkrieg Verlag Reinhard Thon, Schwerin - ISBN3-937515-38-0 Kontakt | Meine Index-Seiten bei: last update - Letzte Änderung: 25.10.2008 © Jürgen Ruszkowski
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