Johann HinrichWichern,
geboren am 21. April 1808, hatte angesichts des
Kinderelends seiner Zeit das das Rauhe Haus 1833 als
junger Kandidat der Theologie mit Hilfe einflussreicher
Hamburger Bürger in dem Dorf Horn vor den Toren Hamburgs
aus kleinsten Anfängen als „Rettungshaus“ für
gefährdete Kinder und Jugendliche gegründet und
aufgebaut. Für seine immer umfangreiher werdende
pädagogische Arbeit benötigte er schon bald
Gehilfen. Aus dem Kreis dieser Gehilfen
entwickelte sich später der Beruf des Diakons.
Das
Familienprinzip, in dem Wichern seine Schützlinge betreute und
erzog, erforderte eine größere Anzahl von Gehilfen. Im Sommer 1834 zog ein Bäckergeselle, namens Josef
Baumgärtner, zu Fuß von Basel nach Hamburg, um Wichern als
erster Gehilfe für ein mageres Taschengeld von 100 Mark im Jahr
bei freier Kost und Logis als Betreuer einer
„Knabenfamilie“ zur Hand zu gehen.Nach drei
Jahren übernimmt Baumgärtner ein eigenes neu gegründetes
Rettungshaus in Mitau im Kurland.1839 ermächtigte
der Verwaltungsrat Wichern, der Ausbildung von Gehilfen im Rauhen
Haus "die gröstmögliche Veröffentlichung zu
geben". Wichern ließ deshalb von 1843 an über die
Gehilfen, schon damals Brüder genannt, eigene Jahresberichte
erscheinen. Auf ihre theologische Ausbildung in seinem
"Gehilfeninstitut" verwandte er große Sorgfalt. Aus seinen „Gehilfen“, die Wichern aus ganz
Deutschland rief und die ihn bei seiner Erziehungsarbeit im Rauhen Haus unterstützten und von den Jungen der
Erziehungsfamilien „Brüder“ genannt wurden,
baute er den hauptberuflichen Mitarbeiterstab der Inneren Mission
auf, die „Berufsarbeiter“, die als Hausväter in
„Rettungshäusern“, als Strafvollzugsbetreuer oder als
Stadtmissionare in ganz Deutschland und im Ausland bis hin nach
Übersee tätig wurden.
„Treue,
gottesfürchtige Männer, so ernst als wahr, so klug als weise,
in der Schrift bewandert, im Glauben gegründet, voll Liebe zum
armen Volke, geschickt zu solch einem Umgang, der Menschen fürs
Himmelreich gewinnt, wünschen wir in Scharen unter das
Volk.“
Erst
Jahrzehnte später nannte man diese „Gehilfen“ entgegen
Wicherns ursprünglichen Vorstellungen Diakone. Bis in die
1970er Jahre sprach man von der männlichen Diakonie.
Daneben gab es den Beruf der Diakonisse. Danach wurden
Ausbildung und Beruf im Rahmen der allgemein sich durchsetzenden
Emanzipation auch für Frauen geöffnet. Aus der
Brüderschaft wurde die Brüder- und Schwesternschaft des Rauhen
Hauses. Heute bildet die Fachhochschule des Rauhen
Hauses in Hamburg Frauen und Männer zu
Diplom-Sozialpädagog(inn)en und Diakon(inn)en aus.
4. Teil des von
Hugo Wietholz selbst verfassten, von Jürgen Ruszkowski überarbeiteten, Textes: Kopien
und Veröffentlichungen - auch auszugsweise nur mit vorheriger
Genehmigung!
Der Text dieser Seite ist recht
interessant, zeitgeschichtlich aufschlussreich und sehr
umfangreich. Sie können den Text in Buchform lesen.
Auszugsweise als Beitrag in einem Sammelband von
Diakonenlebensläufen.
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Angabe Ihrer Anschrift per e-mail
Wietholz
Diakonenausbildung im Rauhen Haus, Kriegsdiesnt und
Kriegsgefangenschaft
Diakonenexamen 1848 im Rauhen
Haus: Dann
kam der 15. März und wir wurden im Haus Tanne ins
Prüfungszimmer geführt, wo an einem langen Tisch die
Dozenten saßen, die uns prüfen sollten. Wer war
dabei? In Erinnerung habe ich noch den Bischof
Schöffel, die Pastoren Donndorf, Schade, Hennig, Kreye,
Germann, Wölber und die Diakone Füßinger
und Jahnke. Einen Tag vorher haben wir verschiedene
Arbeiten geschrieben. Eines weiß ich noch, jeder
Einzelne musste nach vorne dem Dozenten gegenüber auf
einen Stuhl, der zu prüfen hatte.
Wir aber waren froh, jetzt ordentliche, mit
der Ausbildung fertige Diakone zu sein. Die volle
Aufnahme in die Brüderschaft sollte erst später geschehen.Offiziell wurde ich nun zum 1. April 1948 in die Martinsgemeinde
Horn entsandt.Damals wurden die Brüder noch von der
Leitung des Rauhen Hauses in die Arbeit gesendet.Horst
Zielasek und ich waren die ersten Diakone, die nach dem Krieg
wieder aus dem Rauhen Haus hervorgingen.
In unserer Familie war nun eitle Freude, aus
einem Diakonschüler war nun ein anerkannter Diakon geworden.
In der Zwischenzeit waren wir in der Gemeinde auch nicht faul
geblieben.Fräulein Saul übergab die männliche
Jugendarbeit den Diakonen.Zwischendurch war auch eine
ältere Gruppe entstanden.Der 6. Mai 1948, Himmelfahrt,
kam und damit offiziell der Beginn der Jugendarbeit.Und
gleich zu Beginn ging es mit 80 Jungen und Mädel zur Heideburg
in die Harburger Berge.Dort versammelten sich ca. 2.000
evangelische Jungen und Mädel zum Waldgottesdienst und zu viel
Spaß und Sport.Die Heideburg war schon seit Jahren ein
Ort der Begegnungen, wo große und kleine Treffen stattfanden.Schon vor dem 1000jährigen Reich fanden hier große Treffen
statt und am Schluss der Feier sind wir in großen Kolonnen mit
Wimpel und Fahnen durch Harburg marschiert mit den
Bekenntnisliedern der evangelischen Jugend auf den Lippen.
Vor einiger Zeit hat man die schöne
Heideburg verpachtet, weil in Hamburg die evangelische. Jugend
nicht mehr in großer Zahl existierte.Sie war bestens
ausgebaut worden in den letzten Jahren.Traurig, aber wahr!
Immerhin, am 9. Mai 1948 war großes
Jungschartreffen auf der Heideburg.Wir waren mal eben mit
52 Jungen dabei.Gottesdienste und große Geländespiele
fanden statt.Die Fahrt ging zunächst mit der Eisenbahn
(Holzklasse) zum Harburger Bahnhof und dann mit der Straßenbahn
zur Goldenen Wiege und zu Fuß durch den Wald.Es war immer
ein schönes Erlebnis, mit fliegenden Wimpeln und Gesang durch
die Straßen und Wälder zu ziehen.Mit vielen Erlebnissen
kehrten unsere Jungen nach Hause zurück.
Bei allem Aufbau im Gemeindehaus und in der
Jugendarbeit gab es viele Dinge, die nicht übersehen werden
durften.Die Kellerräume waren stockdunkel, also mussten
Fensteröffnungen in die Außenwand geschlagen werden.Dies
war wegen der dicken Außenmauern gar nicht so einfach.Wo
die Fenster hernehmen?Wir hatten in der Familie einen
Maurermeister, Onkel Johannes aus Billwerder, der war nicht
ausgebombt.Also mal seh'n, ob der nicht so einiges auf
Lager hatte.Tatsächlich konnte er uns alte Eisenfenster
zur Verfügung stellen, die dann mit wahrer Freude eingebaut
wurden.Jetzt hatten wir Tageslicht in den vorderen
Räumen, aber nun fehlten die Sitzgelegenheiten für die
Jugendlichen.Wir entdeckten auf der Kirchenempore
Klappstühle, die wir uns von unserem lieben Kantor Helmke
ausliehen.So viele, wie wir brauchten, waren es aber
nicht.Also nahmen wir Baubretter und haben so die Lücken
ausgefüllt.
Der Zulauf von Jugendlichen nahm
unaufhaltsam zu.Abends kamen die Älteren, erst einmal 12
an der Zahl.Mitte Mai machten wir unsere erste Freizeit
auf der Heideburg.Abends gab es dann die erste Feuerrunde.Na, na, später versuchten die Mädel in den Schlafraum der
Jungen einzudringen, um diese im Schlaf mit schwarzer
Stiefelcreme einzuschmieren, was natürlich misslang.Es
gab einen Rachefeldzug!
Jeden Morgen, nach dem Frühstück, wurde
eine Bibelstunde abgehalten, wobei eifrig mitgemacht wurde.Später gab es eine Wanderung durch den Rosengarten mit dem
Hintergedanken, man sollte das Gelände besser kennen lernen.Spät abends wurde eine Nachtwanderung angesetzt, die mit großer
Fröhlichkeit begann, aber im Laufe der Nacht, als es im Wald
immer unheimlicher wurde, waren die Teilnehmer immer stiller.
Am 19.05.1948 waren wir abends wieder im
Hause bei der Familie.Mein Frauchen hatte nicht nur mit
der Kleinen zu tun, sondern war auch oft im Geschäft der Eltern.
Zwischendurch war ein Laienspiel mit Herrn
Kochheim einstudiert und vorgetragen worden.Die
Jugendarbeit lief auf vollen Touren.Der Kindergottesdienst
durfte nicht vernachlässigt werden.Zwischendurch musste
eine Quartiersfahrt wegen eines Zeltlagers unternommen werden.Der Jugendpfarrer hatte uns in Schleswig-Holstein auf Gut
Bothkamp, ein Lager, angeboten, für das wir uns entscheiden
mussten.Wir nahmen an, denn vor unserem würde bereits ein
Lager stattfinden und die Zelte, englische Spitzzelte, sollten
stehen bleiben.Nun wurde eifrig geworben.
Noch eine Schwierigkeit, außer der mit den
Lebensmittelmarken, kam hinzu:Die Währungsreform.Sie
fand am 20. Juni 1948 statt.Was nun?Die Leute mit
ihren DM 40 Mark pro Kopf konnten keine großen Sprünge tun und
nun noch die Kinder ins Zeltlager mitgehen lassen?Wir aber
kamen auf den Gedanken, den Jungen, die mitwollten, eine
Sammelpatenkarte in die Hand zu geben und darauf sollten sie sich
das Lagergeld bei Freunden und Bekannten zusammenholen.Einer
der Jungen war so eifrig im Sammeln, dass er zwei Karten mit dem
Lagerbetrag füllen konnte.So konnte auf diese Weise noch
ein anderer Minderbemittelter mit.Es klappte ausgezeichnet
mit der Werbung und über 80 Jungen hatten sich angemeldet.
Karl und ich saßen abends zusammen und
mussten die Lebensmittelmarken, die die Jungen abgegeben hatten,
für die Zeit des Lagers zusammenrechnen und auf Bögen kleben.Weil wir so ins Schwitzen kamen, hatte uns Karls Frau Eis zum
Schlecken gegeben, aber es war sehr wässerig,dieses erste
Eis.
Nicht vergessen werden soll, dass wir mit
den Kindergottesdienstkindern zum Missionar Bahlsen fuhren und an
einer großen Veranstaltung im Garten teilnahmen.Auch
wurde später das erste Jugendtreffen in Hamm für den Südkreis
durchgeführt.Es diente dazu, uns gegenseitig besser
kennen zulernen.
In der Familie gab esviel Arbeit und
manche Schwierigkeiten, aber auch viel Erfreuliches durften wir
erleben.Denn am 23. Juli 1948, wir hatten leider
Sommerzeit, kam mit Geschrei Renate auf die Welt.Wenn
nicht Sommerzeit gewesen wäre, dann wäre sie am 24. Juli
geboren worden.Nun, wichtig war, Mutter und Kind
waren wohlauf.Wir konnten Gott immer wieder dankbar sein.Da waren ja auch noch die Großeltern und in ihrer Wohnung konnte
die Kleine das Licht der Welt, im Beisein des Vaters, erblicken.
Durch die Eltern wurde mir auch manche
Arbeit abgenommen, die dann wieder der Gemeindearbeit zu Gute
kam.So konnten wir am 2.08.1948 mit 88 Jungen, einem
Pastor und zwei Diakonen auf Lastwagen unserem Ziel Bothkamp
entgegenfahren.Nun ja, die Zelte standen, dazu eine
Hundehütte, eine lange Plane auf Pfählen, niedrig und
langgestreckt.Jungen, die in der Mitte liegen mussten,
krabbelten beim "muss Mal" über die anderen hinweg.Da waren auch noch andere Beanstandungen: Bei Regen waren die
alten Spitzzelte nicht dicht.Oft mussten die Sachen
getrocknet werden.Dazu hatte man die Zelte auf Lehmboden
gesetzt.Die Katastrophe kam dann bald.Das Wetter
machte nicht mit.Es gab zwei Tage Regen und einen Tag
Sonnenschein.
Pastor Niemann war davonso "begeistert", dass
ihn der Mut zum Durchhalten verließ und er uns gegenüber den
Gedanken aussprach, das Lager abzubrechen.Wir aber, Karl
und ich, sprachen ihm Mut zu, und als wieder ein Tag voller
Sonnenschein kam, sah die Welt schon wieder besser aus.Also
blieben wir, wenn auch der nächste Tag uns Lügen strafte.Mit der Verpflegung kamen wir gut zu recht, hatte doch das
Hilfswerk Lebensmittel ausgiebig zu unserer Markenration dazu
gespendet.Bruder Schmidt mit Frau von St. Michaelis
sorgten für das leibliche Wohl.Bei der guten
Erdbeermarmelade hatten wir jeden Morgen mit einem Schwarm Wespen
zu tun, die sich wohl unser Lager besonders ausgesucht hatten.Bei einem Geländespiel war Karl bei seiner Gruppe mit fliegendem
offenen Hemd, wegen der Hitze, dabei und bekam einen Schwarm
unters Hemd.Hättet mal sehen sollen, wie der Arme
gehüpft ist!
Trotz allerlei Schwierigkeiten gab es einen
Lagerzirkus und ein Sportfest. Nachts machten wir falschen Alarm:
Lagerüberfall! Wie sind die Kerle aus den Zelten gesprungen und
in welchem Zustand!Auch ging das Gerücht um, nachts spuke
es im Schloss.Man habe die weiße Frau auf Sprungfedern
gesehen.Am letzten Tag gab es eine Abschiedsfeier mit
Siegerehrung und dann fuhren uns die Lastwagen nach Hause.
Auch im Rauhen Haus mussten Trümmer
beseitigt und vieles neu aufgebaut werden.Frauen, Brüder
und Amerikaner stellten sich zur Verfügung.
Bei uns im Gemeindehaus ging der Aufbau
weiter.Herr Geyer, unser Kirchbuchführer, musste die
Geschäfte für die Martinskirche in Borgfelde im dortigen Büro
tätigen.Dies war für unsere Gemeinde auf Dauer kein
Zustand.Also musste eben im Flur nach hinten, wo früher
schon das Büro war, der Raum wiederhergestellt werden.Von
oben war schon eine Holzdecke vorhanden, die von unten verkleidet
werden musste.Unser Tischler machte wieder ein Fenster und
setzte es zusammen mit einer neuen Tür ein.Wir verputzten
die Wände und der Maler gab den Räumen die Schönheit wieder.Möbel und ein Schreibtisch wurden besorgt und Herr Geyer konnte
in Horn seine Arbeit aufnehmen.
Auf dem Flur gab es noch die ehemaligen
Garderobenräume, die wir zu Einzelzimmern herrichteten.Die
großen Öffnungen zum Flur hin mussten wir zumachen.Noch
heute sieht man die Buckel in der Wand, nicht sehr auffällig.
Dann kam das Erntedankfest. Wir hatten ja in
Horn viele Schrebergärten, und aus Dankbarkeit gegenüber
unserem Herrn, wurde viel gespendet.Nach dem Gottesdienst
stellten sich viele Helfer ein und verteilten diese Gaben an Alte
und Hilfsbedürftige.Zum Erntedank gab es im
Kindergottesdienst noch eine besondere Feier.Unsere
Tochter Renate wurde getauft, was für die Kleinen etwas
Besonderes war.Später wurde im Haus gefeiert.Unsere
lieben Eltern und Verwandten waren dabei.Diesmal konnte
die Feier etwas üppiger ausfallen, denn so langsam kehrte das
normale Leben wieder ein.
Vermerkt werden soll auch die Vorbereitung
zur ersten Herbstfahrt.Bruder Karl sollte mit und bekam
von meinem Schwiegervater das Fahrrad geliehen.Aber der
liebe Karl war nicht sicher, denn auf den Heidewegen hinter
Buchholz-Seppensen bekam er immer das Schaukeln und fiel oft vom
Rad.
Nach unserer Erkundigungsfahrt und als wir
unsere Quartiere hatten, oft sehr primitiv, war ich froh, wieder
in Horn zu sein.Diese erste Herbstfahrt fand dann mit
einer kleinen Schar Jungen statt und ging dann über Buchholz in
die dortige Umgebung.In einem Wirtshaus auf dem Boden, wo
am Morgen, als wir aufwachten, das Tageslicht durch die Ritzen
der Dachpfannen schien, haben wir übernachtet.Zum Mittag
gab es eine Wassersuppe, für die wir auch noch unsere Marken
abgeben mussten.Die Fahrt dauerte nur 4 Tage und wir kamen
trotz allem Mangel gesund über die Runde.
Langsam ging das Jahr 1948 zu Ende.In
der Kirche gab es wieder einen großen Weihnachtsbaum, den ich
mit elektrischen Kerzen versah.Unsere Gemeinde wurde von
Monat zu Monat größer.Die Weihnachtsgottesdienste
mussten schon in mehreren Etappen durchgeführt werden.
Im Gemeindehaus, auf dem Flur, wurden
Deckenplatten angenagelt und langsam wurde auch die Umgebung
schöner, denn der Schutt draußen wurde geräumt.
In der Familie ging es bei den zwei Kleinen
lustig vorwärts.Wie gut, dass Lisas Elternhaus da ist.So kann mancher Ausgleich geschaffen werden.Nur soll man
nicht meinen, dass es keine Meinungsverschiedenheiten gab.Nicht
nur in der Familie, auch mit der Führung der Gemeinde.Einmal
kam es wieder zwischen Karl und mir zu Unstimmigkeiten.Wir
waren zwei verschiedene Temperamente.Dann ging es heiß
her, aber immer wieder fanden wir wieder zusammen.Wir
zählten uns ja zu den Christen, und unter denen gibt es ja die
Möglichkeit der Vergebung.
1949
Wir schrieben das Jahr 1949 und neue
Aufgaben wurden in Angriff genommen.Für ein neues Lager
suchen wir bei Pinneberg-Schäfershof (da war ich früher ja
schon einmal) einen neuen Platz.Es war möglich, aber es
fehlten viele Voraussetzungen.
Schon im Januar wurde mit Kochheim,
Beauftragter von der Kirche fürs Laienspiel, ein Passionsstück
eingeübt.Dieses Spiel wurde später bei uns und in
verschiedenen Gemeinden aufgeführt.Die Spieler für das
Spiel gewannen wir aus dem Martinskreis, den Pastor Niemann
gegründet hatte, und weil es ältere Jugendliche waren,
besonders betreute.Herr Kochheim schrieb später noch das
Horner Passionsspiel.
Auch damit mussten wir fertig werden:Der
Schatten des Todes kam über uns.Helmut Schlicht, aus
einer uns bekannten Familie, verstarb ganz plötzlich.In
Ohlsdorf, vor Kapelle IV, wurde er beerdigt.Ein ganz
junges Leben wurde von einer großen Trauergemeinde zu Grabe
getragen.
Immer mehr Kringsgefangene kamen heim, die
auch von uns betreut wurden.In Kellerlöchern und
zerbombten Wohnungen besuchten wir sie.Das Hilfswerk und
auch Helfer aus Schweden waren an Kleiderspenden beteiligt, die
wir im Keller des Gemeindehauses, hintere Front, verteilten.
Zwischendurch war auch zu Hause Hand
anzulegen.Der Hühnerstall musste vergrößert werden,
denn die große Familie brauchte Hühner und Eier, die meine
Schwiegermutter in ihrem Eierschrank nach Datum verstaute.
Jugendstunden waren regelmäßig zu halten,
und ab und zu wurde eine Fahrt unternommen.Nicht zu
vergessen ist, dass alle 4 Wochen sonntags ein Jugendgottesdienst
stattfand.An bestimmten Abenden wurde Jungendienststunden
abgehalten und am Sonntag nachmittags wurde die Jugend auch
betreut.Am Ostersamstag ging es mit 20 Jungen auf Fahrt
nach Reiherhorst.Ostersonntag hat uns Pastor Ahnert den
Gottesdienst gehalten.Sein Name soll auch hier erwähnt
werden, denn für eine längere Zeit stand auch er uns in der
Gemeinde zur Verfügung.
Für unsere Freizeit hatten wir an diesem
Ostern herrliches Wetter, konnten abends ein Osterfeuer abbrennen
und dann noch ein zünftiges Geländespiel machen.Wir
waren am nächsten Tag froh, die Meute wieder heil zu Hause
abzusetzen zu können.Im Hause wartete mein Frauchen schon
sehnsüchtig.Für die viele Arbeit vorher gab es jetzt
einen Ruhetag.
Ein neuer Plan wurde aufgegriffen: Die
Horner Marsch, ein großes Schrebergartengelände, sollte auch
betreut werden, denn hier gab es eine große Schar Kinder.Mit
dem Vorsteher dieses Kleingartenvereins wurde um eine Baubude
verhandelt, um hier eine Jugendgruppe zu gründen, was dann auch
gelang.
Eines lag mir immer wieder am Herzen, meine
kranke Mutter nicht zu vergessen.Also musste ich mir Zeit
für einen Besuch nehmen.Lisa kam mit den Kleinen mit.Mutter sollte sie doch auch mal kennen lernen.
Das große Gelände am Querkamp, lauter
Kleingärten, gehörte zu unserer Gemeinde und wurde auch von den
Pastoren betreut.In einem Siedlungshaus zwischen den
Hecken wurden auch Bibelstunden abgehalten.Nur die
Jugendarbeit war nicht in Gang gekommen.Also musste auch
hier ein Stützpunkt her.Dann noch einmal auf zum
Vereinsvorsteher des Kleingartenvereines und da wieder
verhandeln.Es gab hier eine Holzlaube, die man gut für
die Jugendarbeit brauchen konnte.Nach langem Hin und Her
gab man uns die Genehmigung, und wir konnten mit dem Werben
anfangen.Nach kurzer Zeit entstand auch hier eine
Jugendgruppe.Die Jugendlichen mussten in der kalten
Jahresszeit Briketts mitbringen, um einen warmen Raum zu haben.
Im Mai wurde auch eine kirchliche Woche
durchgeführt,um die Gemeinde von Jung und Alt unter dem
Wort Gottes noch besser zusammen zu führen.Der
Diakoniegroschen wurde eingeführt mit Mitgliedskarte und
Eintragebuch für die gesammelten Beiträge.Ja, erst
einmal mussten Mitglieder geworben werden,die sich dann
verpflichteten, regelmäßig einen Betrag zu stiften.Dies
war gar nicht so einfach.Das gesammelte Geld wurde zum
Erhalt der Schwesternstation benötigt.Die Gemeinde musste
ihren Schwestern ein Gehalt zahlen.Immerhin wurde die
Pflegearbeit so umfangreich, dass zwei Schwestern bei uns ihren
Dienst taten.Wir hatten ein gutes Verhältnis zu Schwester
Lore und Schwester Annie.
Jetzt wurde es auch Zeit, für das
Sommer-Zeltlager zu planen.Irgendwie hatten wir gehört,
dass es in Bahlburg eine Möglichkeit gäbe.Wir also hin,
Niemann, Karl und ich.Wir fanden heraus, dass ein Landwirt
Meyer seine Meierei zu einem Jugendheim umbaute.Speiseraum
und etwas zum Übernachten gab es schon.Wir aber brauchten
einen Zeltplatz, der auch nicht weit vom Jugendheim im Wald
gefunden wurde.
Mein freier Tag wurde für die Zukunft auf
den Montag gelegt.Am 16. Mai wurde er auch sofort
ausprobiert und am Nachmittag zogen wir, meine Frau und Klein
Christa zum Steinbeker Markt, der alle Jahre mit viel Rummel und
Karussels stattfand.Christa sollte mit ihren 2 Jahren mal
Karussel fahren, aber sie wollte nicht und gab es mit lauten
Brüllen zu verstehen.
An einem Sonntag wurde ein spannendes
Geländespiel in Horn gestartet.Himmelfahrt waren wir mit
den älteren Jugendlichen, 60 an der Zahl, auf der Heideburg.Diesmal hatte es meine liebe Frau auch möglich gemacht, dabei zu
sein.Am Sonntag Exaudi war wieder das Jungschartreffen auf
der Heideburg.Jede Gemeinde musste bei der großen
Veranstaltung die Zahl ihrer Jungscharler nennen.Die
Hornissen, so nannten wir uns, waren mit 90 Jungen die größte
Gruppe aus Hamburg.Später wurde auf dem Sportplatz ein
Handballspiel gegen die Langenhorner ausgetragen, das wir mit 2:1
gewannen.Natürlich waren unsere Jungen stolz auf ihre
Erfolge und konnten fröhlich nach Hause ziehen.
Vorbereitungen für die Pfingstfreizeit
wurden getroffen, und wir waren dann im Jugendheim Bahlburg, um
es einmal auszuprobieren.Mit den Herbergseltern Meyer und
ihren Kindern kamen wir gut zurecht.Was uns auffiel: Es
gab viel Quarkbrot.Das lag wohl daran,dass das Haus
eine ehemalige Meierei war.Immerhin, die 80 Mäuler
konnten gesättigt werden.Später hatte uns der Alltag
wieder.Die Jungschar im Querkamp lief auch gut an.Mit
der Zeit kamen über 40 Jungen ins Holzhaus.
Jetzt kam noch eine andere Arbeit auf uns
zu, die erste Sammlung der Inneren Mission.Im Jahr wurden
es mit der Zeit 5 Sammlungen.Im Herbst für die Caritas,
Kriegsgräberfürsorge und das Müttergenesungswerk und zu
Weihnachten für die Alten von der Arbeitsgemeinschaft der Freien
Wohlfahrtsverbände.Es waren Dosensammlungen.Hierfür
musste bei der Schule und in unseren Kreisen um Mithilfe geworben
werden.
Es gab eine Fahrt mit den Jungen ins Gehege
vom Klövensteen und weiter über Pinneberg nach Schäferhof.Nach langer Zeit mal wieder im Karpfenteich gebadet.Anschließend
war ich bei meiner Mutter, die sich gefreut hat.Sie lebte
im Heim bei Pinneberg, darum konnte der Besuch noch am selbigen
Tag stattfinden.
Am 28. Juni konnte mein Urlaub beginnen.Vorher hatten wir vom Hilfswerk einen Platz in einem Heim in
Grömitz erworben.So zogen wir mit den beiden Kindern,
Koffern und Kinderbett nach Grömitz.Verpflegung Note 3-4.Für die Kinder gab es nur Schwarzbrot, wir mussten uns auf
unsere Art helfen.Es war im allgemeinen nicht besonders
schön.Essen im großen Saal und auch manches andere ließ
zu wünschen übrig.Auch mit der Jüngsten, Renate, hatten
wir viel Arbeit . War ein kleiner Schreihals geworden und am
Strand war es manchmal nicht ganz einfach.12 Tage haben
wir dann diesen Urlaub mit den 2 Krabben durchgehalten.Wir
aber haben nicht geahnt, dass Grömitz später noch eine
besondere Rolle spielen sollte.
Bald hatte uns der Alltag wieder fest in der
Hand mit all den Aufgaben in der Gemeinde.Von der
Jugendbehörde konnten wir leihweise die großen Zelte haben, die
dann nach Bahlburg in den Wald transportiert und aufgebaut
wurden.In 2 ½ Tagen musste das Lager stehen, denn am
Freitag, dem 15.7.1949 abends, kamen die Jungen in großer Zahl.Zeltgemeinschaften wurden eingeteilt.Zum Essen ging es zu
Meyers ins Heim.Morgens wurde Lagerappell abgehalten, die
Lagerlosung gemeinsam besprochen.Das Essen wurde im Heim
eingenommen, was nicht weit weg war.Nach der Bibelarbeit
war durch Anschlag der Tagesablauf festgeschrieben.Einteilen
der Lagerwache und abends für die Nachtwache.Die Luhe,
ein Fluss der zum Baden noch sauber war, lud zu tollen
Wasserschlachten ein.
Am Sonntag ging es zur Kirche nach
Pattensen.Im Lager wurde viel Kurzweil getrieben.Man
bastelte oder zeichnete und werkelte sich allerlei zurecht.Dann kam der Tag, an dem ein großes Indianerspiel stattfand.Federn und was man so zum Ausschmücken brauchte, wurden vom
Meyer-Hof geholt.An diesem Tag ging es hoch und toll her.Der Marterpfahl durfte natürlich auch nicht fehlen.Zum
Ärger der Angreifer hatten wir im Lager die Fahne verschwinden
lassen.Natürlich gab dies eine große Aufregung: Wer
konnte dies wohl gewesen sein?Mit großem Kampfgeschrei
stürzte man sich auf die Verteidiger und die wurden arg
gebeutelt.Bei dem Kampf ums Lager wurde mir eine Rippe
verbogen.Noch Wochen später spürte ich den Schmerz im
Brustkorb.Trotzdem, das Lager wurde weitergeführt.Es
gab einen Besuchstag mit einem Waldgottesdienst, anschließend
für alle ein Eintopfessen.Eine große Zahl von Eltern und
Bekannten waren gekommen.Selbst meine Frau mit Christa
waren erschienen.Die wollten vor Begeisterung gar nicht
wieder weg.Lisa blieb dann mit der Kleinen später über
Nacht im Heim bei Meyer.
Wir hatten uns auf den großen Besuch
eingestellt und am Nachmittag startete der Lagerzirkus mit
hinreißenden Sensationen.Es wurden Sachen aufgeführt,
die die Welt noch nicht gesehen hatte.„Agamemnon, der
hüpfende Floh“, „Bienchen gib mal Honig“, manche
Überraschung für die Erwachsenen.Der Tag war aufregend
genug und ging im Fluge dahin.Abends bei der
Schlussandacht wurde dem gedankt, der alles so gut gelingen
ließ, denn das Wetter war an diesem Tag besonders schön.
Viele Spiele und Entdeckungen wurden
getrieben.Natürlich ging auch die Furcht vor Gespenstern
um.Manche Zeltbewohner trauten sich nachts nicht zum
Donnerbalken und mussten einen Eimer im Zelt haben, damit der
Schlafsack nicht feucht wurde.Große Nachfrage gab es fürdie Besetzung der nächtlichen Feuerwache.Immer musste
diese Nachtwache mit einem Gespensterüberfall rechnen.Nur
die, die Gespenster spielten, durften sich nicht erwischen
lassen.Ja, da musste man schon gerissen sein.Einmal
spielte die eine Tochter von Meyers das Lagergespenst.Sie
ließ sich nicht fangen.Eines Abends kam der Karl auf den
Gedanken und offenbarte Niemann und mir, er wolle die Nachtwache
mal einschüchtern.Wir hörten von ihm ein tolles
"Uhu, Uhu" durch den Wald dröhnen.Karl machte
seine Sache gut, aber dann war mit einem Mal der Teufel im Wald
los.Später kam das arme Gespenst außer Atem bei uns an
und erzählte, es habe Pech gehabt.Sie hätten ihn bei der
Büx gehabt.Nur mit Schokolade als Lösegeld konnte er
sich freikaufen.Natürlich haben wir beide, Niemann und
ich, geschmunzelt, ihn aber öffentlich bedauert.Ja, ja,
Gespensterspielen muss gelernt sein.
Über Bahlburg könnte viel geschrieben
werden, aber manches würde sich wiederholen.Der Platz
gefiel uns so gut, dass wir im nächsten Jahr nochmals ein Lager
dort machten.
Am 1. August 1949 haben wir das Lager
abgebrochen und die Zelte zur Jugendbehörde gebracht.Nach
einer Rüststunde für die älteren Jungen fuhren wir Tage
später mit dem Dampfer "Friesland" von den
Landungsbrücken zur Insel Wangerooge.Am Westturm hatten
wir unser Zeltlager.In der Jugendherberge haben wir zu
Mittag gegessen, so war die Verpflegungsfrage gut gelöst.Morgens
haben wir immer unsere Bibelarbeit gehalten, um dann den Tag mit
Baden oder Spielen am Strand auszufüllen.Wir lernten auchBruder Dietrich`s Jugendgruppe kennen.Gegen sie wurde ein
Spiel um ein Schiffswrack durchgeführt.Selbstverständlich
musste der Leuchtturm bestiegen werden, denn so etwas war für
Landratten eine seltene Gelegenheit.
In der Inselkirche gab es an einem Sonntag
einen Jugendgottesdienst, abends wurde "Der
Freischütz" im Dorf aufgeführt, mit anderen Gruppen ein
Strandfeuer gemacht und dabei gruselige Geschichten erzählt.Bei Entdeckungsfahrten durch die Dünen fanden wir einen Bunker
in gutem Zustand, den man für die Jugendarbeit als Stützpunkt
gebrauchen konnte.Habe Jugendpastor Hans-Otto Wölber von
unserem Fund erzählt,er solle weitere Schritte zum Erwerb
unternehmen.Leider war im Jugendpfarramt kein Mumm
vorhanden und die Sache schlief ein.
Im Dorf von Wangerooge machten wir noch
manche Begegnung mit anderen Jugendgruppen.Die 14 Tage
gingen wie im Fluge dahin.Am 17. August 1949 mussten wir
nachts um 3.00 Uhr aufstehen, die Zelte abbauen und unser Gepäck
und die Tornister verstauen, und ab ging es zum Dampfer.Diese
Rückfahrt wird wohl keiner so schnell vergessen.An der
Elbmündung haute die See so hoch auf das Schiff, dass bald alle
seekrank wurden.Manch armer Karl hat sehr unter dieser
Fahrt gelitten.Da hieß es: "Nie wieder auf
See!". Immerhin, wir kamen doch noch heil in Hamburg an und
noch heute ist diese Fahrt bei manchen Teilnehmern in guter
Erinnerung geblieben.
In meinem Tagebuch ist auch der
Fahrtenbeitrag für diese Wangerooge-Fahrt vermerkt: ganze 35 DM.Heute kann man über solchen Preis staunen!
Wir vermissten bei unserer Jugendarbeit
Liederbücher.Aber kaufen konnte man damals keine.Also
wurde ein Liederbuch von uns zusammengestellt, bekannte und
unbekannte Lieder abgeschrieben, vervielfältigt und zu einem
Buch zusammengesetzt. Es kostete eine Menge Zeit und Arbeit.Noch heute habe ich so ein selbstgemachtes Buch.
Zwischendurch unternahmen wir an einem
Wochenende eine Heide-Nachtfahrt nach Reiherhorst.Auch
musste die nächste Herbstfahrt vorbereitet und Obst, Gemüse und
Kartoffeln für das Erntedankfest herangeholt werden.Nach
dem Erntedankgottesdienst ging es dann Richtung
Wilsede-Totengrund, Bispingen, Raven.Trafen hier einen
Bekannten aus der Zeit in der Bethlehemsgemeinde.Von Raven
ging es durch den Winsener Forst, durch Wald und Heide.In
Bahlburg und später in Reiherhorst hatten wir abends unser
Quartier.Meistens aber gelang es uns, den Bauern von
unserer Harmlosigkeit zu überzeugen, und wir konnten im Stroh
schlafen, eine tolle Angelegenheit für unsere Jungens.Sie
lernten auf den Bauernhöfen manches kennen, was sie als Städter
nie zu Gesicht bekommen hätten!
Wir kochten unterwegs an ganz bestimmten
Stellen und zeigten den Jungen, wo nur Feuer gemacht werden
durfte.Das Schrubben des Hordentopfes war nicht jedermanns
Sache, aber jeder kam nach einen Plan, den Karl aufgestellt
hatte, dran.Hier konnte man sich nicht drücken.Auch
das Tragen des Topfes machte den Trägern viel Ärger, aber in
der Meute musste jeder mal ran.Von Maschen fuhren wir auf
(„Vieh“)-Sammelschein nach Hamburg zurück.
Am nächsten Tag waren wir schon wieder
gefordert: Jugendkreis, Vorbereitungen zum Kindergottesdienst.Am Montag mussten wir eine Diakonenfreizeit mit Pastor Kreye in
Grömitz mitmachen.Drei Tage wurden wir mit Vorträgen und
Aussprachen gefordert.
Der Herbst mit seinem bunten Blätterkleid
verschönte mal wieder die Natur und gleichzeitig wurde dann im
Garten hinter unserem Haus das Obst gepflückt.Es gab
Apfel- und Birnenbäume, der eine Birnenbaum hatte schon eine
beträchtliche Höhe und die Birnen mussten mit einer sehr hohen
Leiter heruntergeholt werden, was nicht ganz ungefährlich war.Das Pflücken wurde meist in der Mittags- und Nachmittagszeit
durchgeführt.Wir hatten meistens so viel Obst, dass die
Nachbarn auch davon profitierten.Jahr um Jahr wiederholte
sich im Herbst dieses Abernten der Obstbäume.
Heinz Hinze und Doris wollten Hochzeit
machen.Voran ein zünftiger Polterabend und am Sonntag,
den 17.9., waren wir dann auf der Hochzeit.
Einen Sonntag haben wir mit den
Wangeroogefahrern den ersten bescheidenen Fahrtenabend mit
Lichtbildern im Keller gehalten.
Auch im Gemeindehaus durfte ich alsHandwerker
nicht müde werden.Ein Schornstein war nicht da, also
musste das Rohr durch die Außenwand geführt werden.Zwischendurch
musste ich auch einige Konfirmandenstunden halten.Hier gab
es Gelegenheit, für die Jugendstunden zu werben.Wenn es
mal zu einer Fahrt kam, ging es am Sonnabend nachmittags los:
Übernachtung auf der Heideburg und am Sonntag Waldandacht und
dann zum Karlstein, der im Rosengarten nicht leicht zu finden
war.
Für die Schulkinder gab es am
Reformationstag für die vielen Klassen, die dann kamen, zwei
Gottesdienste.Auf unseren Stützpunkten Marsch und Geest
entwickelte sich eine große Jungschargruppe.
Auch die große Familie kam nicht zu kurz.Die Familie Hinze hatte ihren Spielwarenladen wieder aufgebaut
und auch Tante Erna bekam dabei einen kleinen Tabackladen ab.Es fehlten am Dach die Dachrinnen.Flugs stellte der Hugo
in Friesens Werkstatt die Dinger her.An einem freien Tag
wurden die dann am Billstedter Haus angebracht.Nach
Feierabend wurde mit der Familie ein Dom-Bummel gemacht.Dies
wurde alle Jahre durchgeführt.
Für die Gemeinde haben wir eine Bibelwoche,
an der auch die ältere Jugend teilnahm, abgehalten.Die
üblichen Veranstaltungen abends entfielen dann.Das
Jugendpfarramt setzte alle Monate in der Trostbrücke, altes
Rathaus, Konferenzen an, auf denen über die nächsten Aufgaben
gesprochen wurde.Dann waren in den nächsten Tagen Proben
für das Hirtenspiel dran, das vor Weihnachten bei uns in der
Kirche aufgeführt werden sollte.Das Worpsweder
Hirtenspiel, von Hausmann von Kochstein geleitet, wurde im Advent
gut aufgenommen.Karl und ich waren die Hirten, die
allerlei aufsagen mussten.Es wurde auf St. Pauli bein der
Mitternachtsmission, in Neuengamme im Gefängnis und in
Kirchsteinbek aufgeführt.Weil es in seinem Inhalt so gut
war, wurde es mehrere Jahre hintereinander aufgeführt.In
Langenhorn war sogar das Fernsehen dabei.
Natürlich musste auch in diesem Jahr der
große Christbaum mit elektrischen Kerzen versehen werden.Die
Weihnachtsgottesdienste nahmen an Besuchern zu.Nach
Weihnachten wurden für die Jugendkreise Weihnachtsfeiern
abgehalten.Im Kindergottesdienst bekamen die Kleinen ein
Büchlein.Es waren wohl insgesamt ein halbes Dutzend
Feiern, die wir durchführten.Später aber haben wir
diesen Weihnachtsrummel gedrosselt.Das Jahr ging voller
Dank unserem Herrn gegenüber in der Familie still zu Ende.Was würde wohl in der Tiefe des neuen Jahres schlummern?
1950
Durch Horn rasselte die Trümmerbahn, die
den Schutt von den zerstörten Häusern nach Öjendorf brachte.Langsam begann der Aufbau in unserer Stadt.
Zwischendurch führte ich mit den Jungen
auch eine Besichtigung in den Alsterdorfer Anstalten durch: Für
den Menschen ganz heilsam, auch eine solche Welt der Behinderten
zu erleben.
Immer wieder wurden auch Gemeindebesuche
eingeschoben, ganz zu schweigen von all den anderen Aktivitäten.Für die Familie musste auch wegen einer Wohnung etwas
unternommen werden, aber zur Zeit war in dieser Sache noch kein
Land zu sehen.Unsere Verbindung nach Billstedt wurde
weiter geknüpft.Elternabende wurden durchgeführt, denn
die Eltern sollten unsere Arbeit auch kennen lernen.
Wir waren in Bahlburg und haben mit Meyer
die Termine für das Sommerlager festgelegt.Dann brachten
die Jungen Werbematerial von der Gemeinde unter die Leute.Wir
waren jetzt schon so weit, dass man auch in einer Druckerei
Werbezettel für unsere Arbeit drucken lassen konnte.Auch
ein Krankenhausbesuch war fällig, Herr Geyer wurde sehr krank,
erst im letzten Augenblick hatte man den Krankheitsherd entdeckt
und konnte die Krankheit nun wirksam behandeln.
Im März hielt wir in Horn eine
Diskussionsveranstaltung mit der FDJ aus der Zone ab.Es
kam zu einer Auseinandersetzung und die Führerin der FDJ-Gruppe
machte massive Angriffe auf die christliche Jugend: „Von
wegen!Wo ist denn euer Gott?Wo war er denn, als die
Frau im Krieg ihren Mann verlor und sie betete, ihr Haus möge
verschont bleiben und die Bomben fraßen es auch?“Meine
Antwort war, der liebe Gott kann ein furchtbarer Gott sein.Furchtbar ist es, in die Hände dieses Gottes zu fallen ohne
Jesus Christus.Mit ihrer Ideologie hatte sie bei uns hier
im Westen und unter den Jungen keinen Erfolg.Wir haben
diese Begegnung bald vergessen.
Auf der Heideburg waren wir wieder mal mit
140 Jungen und Mädel zu einer Freizeit.Montags war ja
immer mein freier Tag.Einmal fuhren mit Lisa zur
Schwägerin, um Einkäufe zu machen.Abends waren zum
ersten Mal in Billstedt, und wir gründen dort mit 25 Jungen eine
Jungschar.Aus der gingen später ganz tüchtige Jungen
hervor.Noch nach Jahren riss auch hier die Verbindung
nicht ab.Eines muss mal bemerkt werden: Die Frau von
Pastor Gronau war eine geborene Mumsen.Der Vater war in
der Eimsbütteler Christuskirche Pastor gewesen.Mit dem
hatte ich schon in jungen Jahren als Klempner im Pastorat etliche
Berührung durch meine Arbeit.
In der Geest kam so langsam auch eine
Mädchenjungschar zustande.Durch einen Jugendleiter hörte
ich von einem Gelände in Jesteburg.Also hin und mit der
Familie Unteutsch, die dort einen Hof gepachtet hatte,
verhandelt.Der Hausvater Unteutsch kam aus der
Jugendbewegung, "Fahrende Gesellen" hieß die Gruppe,
und war uns freundlich gesonnen.So begann dieses Jahr die
erste Osterfahrt nach Jesteburg.Das erste Osterfeuer wurde
hier entzündet und Karl bekam auf dem Heuboden im Schlaf die
Stiefelwichse zu riechen.
In den Neubauhäusern verteilten wir ca. 700
Gemeindeblätter.Die gesammelten Gelder für die Innere
Mission mussten gezählt und abgerechnet werden.Beim
Schulanfänger-Gottesdienst mussten wir wegen der großen Zahl
dabei sein.Auch im Haus gab es viel zu tun, Gartenarbeit
tat sich nicht von allein.
Die Vorbereitung einer neuen Fahrt wurde
erforderlich.Ich fand ein Quartier in Asendorf, ein
Jugendheim, das für unsere Ansprüche ideal war.Diesmal
fiel der 1. Mai auf einen Montag und so gab es zwei Feiertage.Das Heim hatte vor dem Haus eine große Wiese und am Rande floss
die kalte Seeve als Heidefluss vorbei.Gleich am ersten Tag
wurden Pfadfinderspiele durchgeführt.Eine kaputte
Brücke, auf der die Bretter fehlten, wurde als Mutprobe-Objekt
benutzt.Jeder, der die Mutprobe bestehen wollte, musste
über diese Brücke.Alle außer einem schafften es.Alwin
Bien, er war ängstlichen Gemüts und musste aus einer Zwangslage
gerettet werden.Eine andere Übung ist mir im Gedächnis
geblieben: Da war doch die Seeve, eine Möglichkeit, unser
Programm zu bereichern, mit der Aufgabe, trockenen Fußes zum
anderen Ufer gelangen.Da gab es Bäume mit langen Zweigen.Also sollte so etwas geangelt und hinüber gehangelt werden.Nur bei Kuddel Schrödter klappte es nicht.Er hatte sein
Gewicht falsch eingeschätzt und so ging er mit seinem Ast baden.Ein herrlicher Anblick, als der Lange im Wasser hing.Noch
heute habe ich dieses Bild, das ich damals geknipst hatte.Es
wurden viele Prüfungen abgelegt.Der Tag ging mit einem
Lied und einer Andacht zuende.
Dann kam der 1. Mai 1950 und keiner von uns
ahnte, dass dieser Tag in unserer Gemeindegeschichte noch einmal
so berühmt werden sollte.Für diesen Tag gab es ein
großes Geländespiel im Hanstedter Forst.Nach dem Spiel
fanden wir uns auf Töpst ein.Dies war ein markanter Punkt
im Gelände.Dort standen wir in einem Karree und hier
wurde verkündet: „Von nun an gibt es eine Pfadfindergruppe,
die FCP - Freie Christliche Pfadfinder - derMartinsgemeinde
zu Hamburg-Horn.Wer mitmachen will, bekommt einen Zettel
für die Personalangaben und ab wann er mitmachen will.Wer
diesen Zettel ausfüllt und abgibt, bekundet hiermit seine
Mitgliedschaft.“
Das Echo war überwältigend.Vor
dieser Entscheidung hatte ich mit Pastor Niemann gesprochen und
auf die entstehenden Schwierigkeiten in der Jugendarbeit
hingewiesen.Die Gruppen wurden zu groß und der Kontakt zu
den Einzelnen wurde immer schwächer.Also musste ein
anderes System her.Und da ich aus der Pfadfinderarbeit
kam, wurde diese bei uns eingeführt.Von nun an gab es die
FCP, gegründet am 1. Mai 1950 in Asendorf.Jetzt aber kam
eine Menge Arbeit auf mich zu.Es waren keine Unterlagen
für diese Arbeit da.Diese mussten herbeigeschafft werden.Probenzettel, Ausweise, Wimpel, Lagermaterial, Abzeichen und auch
an eine Lagerfahne musste gedacht werden.Bei einer
Besprechung mit den Älteren wurde die erste Sippe "Der
springende Hirsch" gegründet.Welches Hemd, Hose und
Hut mussten für die Pfadfinder her?Das Hemd sollte eine
grüne Farbe haben, das Halstuch mausgrau.Wir wollten
nicht das Barett der anderen Pfadfinder, sondern entschieden uns
für den Pfadfinderhut, der auch vom Gründer der Pfadfinder,
Baden Powel, getragen wurde.Also ein echter Filzhut mit
Sturmriemen.Die Hemden wurden in Billstedt bei Magnus
angefertigt.Die Pfadfinderzeichen stickte unsere
Pfadfindermutter Lisa, die bereit war, manches für die werdenden
Pfadfinder zu machen.Sie machte auch später die tolle
Lagerfahne, schwarzes Tuch, Lilie in rot und das Kreuz in gelb.So hatten wir gleichzeitig die Farben unseres Landes.Der
Vater eines unserer Jungen, wir hatten 3 Sohnemänner von ihm,
war Goldschmied und machte uns aus Silber die Anstecknadeln, die
bei der Aufnahme verliehen wurden.
Etwas später, als einige ihre Prüfungen
als Pfadfinder bestanden hatten, gründeten wir den Späher-Rat.Dies war die oberste Instanz, die einmal im Monat zusammen kam,
um über den weiteren Fortgang zu beraten.Der Aufbau des
Pfadfinderstammes kam so zustande: Jeder Junge musste erst
Wölfling werden, verdiente sich durch Ablegen einer Prüfung
erst einen Stern und bei der 2. Prüfung den 2. Stern.Erst
jetzt konnte der Wolf, der auf der Brusttasche des Hemdes
aufgenäht war, "sehen".Die nächsten Ränge
waren dann die Jungpfadfinder, Pfadfinder, Jungspäher, Späher,
und die Alten hießen Rover.Die Sippenführer hatten bei
den Wölflingen eine gelbe Pfeifenschnur, grün bei den
Jungpfadfindern, rot bei den Spähern.Der Stammführer
trug eine blaue Schnur.Viele Kleinigkeiten kamen hinzu,
aber es machte den Jungen, die ja in kleinen Sippen
zusammengeschlossen waren, viel Spaß.Der Stamm der
Pfadfinder hatte einen tollen Namen und dazu das richtige Lied.
"Jörg v. Frundsberg" war der Name; nach einem alten
Ritter, der Luther in Worms noch auf die Schulter geschlagen und
gesagt hatte: „Mönchlein, Mönchlein du gehst einen
schweren Gang.“ Das Stammeslied hieß: "Die Bauern
wollten Freie sein, es sollt ihnen schlecht gelingen...".
Einmal im Monat kamen alle Sippen, die Zahl
war auf über 15 angestiegen, zu einer Stammstunde zusammen.Hier wurden die neuesten Beschlüsse des Späherrates bekannt
gegeben.Manch eine Verleihung gab es dabei auch, und der
Betroffene war stolz, auch als vollwertiges Mitglied dabei zu
sein.
Für unser Lager brauchten wir richtige
Zelte; nicht nur die einfachen Hauszelte (die auch), sondern
Kothen.In diesen Lappenzelten konnte man eine Feuerstelle
anlegen.Diese Zelte waren nicht billig, aber mit der Zeit
brachten wir es auf ein halbes Dutzend.Manches hätten wir
nicht anschaffen können, wenn nicht Beitragspflicht bestanden
hätte.Der Beitrag war nicht hoch und so konnte auch der
Ärmste seinen Obolus zur Sache beitragen.Einen tüchtigen
Kassenwart fanden wir auch, der sehr aufpasste, dass keiner mit
dem Beitrag in Verzug kam.
Wir brauchten auch Räume für unsere
Sippen.Zuerst war ja alles sehr eng.Später, als
das Gemeindehaus ausgebaut wurde, haben wir darauf geachtet, dass
kleine Räume entstanden und zum Keller ein neuer Zugang
geschaffen wurden.Später entstand noch eine Zelthütte,
genauereine Blockhütte.Das Holz hatten wir aus dem
Sachsenwald geholt.Darin befanden sich eine Kasematte, ein
großer Thingraum und eine Werkstatt zum Basteln.Unsere
Räume waren so sehenswürdig, dass viele kamen, um diese zu
besichtigen.Natürlich schleusten wir bei Elternabenden
die Eltern durch die Kellerräume.Ein Keller war Archiv
und Büroraum für mich.Manche Trophäe brachten wir von
Auslandsfahrten mit und die wurden hier dann ausgestellt.
Am 6. Mai 1950 ging Pastor Fork um in
Luckenwalde eine Stelle als Superintendent annehmen.Am
Sonntag darauf machen wir eine Wanderung durch den Sachsenwald.
An einem Montag war um 18.00 Uhr im Rauhen
Haus meine Einsegnung als Diakon, zusammen mit 6 Brüdern,und
anschließender kleiner Feier.Natürlich war auch mein
kleines Frauchen mit dabei.
Nach einer neuen Liste, die angefertigt
werden musste, kamen wir inzwischen mal eben aufca. 150
Jungscharler.Etliche wurden später von den Pfadfindern
übernommen.Bei all den Stunden, die gehalten wurden, und
bei den vielen Fahrten, kann man heute nur staunen, wie dies nur
alles möglich war.Auf dem Heideburgtreffen, zu Exaudi,
letzter Sonntag vor Pfingsten, kamen 4.000 Teilnehmer zusammen.Es war ein sehr schöner Tag.
Noch eines wurde für die Pfadfinderarbeit
in Angriff genommen: Es wurde ein Mitteilungsblatt der FCP
herausgebracht, "Die Fährte", die Jahrzehnte ihren Weg
durch unsere Gemeinde nahm.Immer mussten Pfadfinder
gefunden werden, die die Redaktion des Blattes übernahmen.
Nachdem Pastor Forck gegangen war,
benötigte die Gemeinde, die mit der Zeit immer größer wurde,
einen zweiten Pastor.Endlich, nach langer Gefangenschaft,
wurde der frühere Pastor Dubbels aus russischer Gefangenschaft
frei.Sein erster Besuch bei uns zu Hause erfolgte am 25.
Mai 1950.
Jetzt begann die Zeit, ab der wir Jesteburg
als unseren Stützpunkt ansahen.Wir konnten dort im
Gelände prima zelten und das Feuermachen war dort unter
Berücksichtigung besonderer Vorschriften erlaubt.Pfingsten
erfolgte dort ein Treffen mit Pfadfindermädeln, die aufeinige
Pfadfinder eine besondere Anziehungskraft ausübten.Die
Fahrt ist wohl nicht so gut verlaufen, wie es sich die Führung
gewünscht hat, wenn wir auch dazu beigetragen haben, dass manch
einer unser Pfadfinder dabei seine Holde fürs Leben gefunden
hat.
Ein großes Jungscharspiel auf der Heideburg
machten wir mit 124 Jungen mit.Aufgabe war es, in Kannen
Wasser zur Heideburg durchzubringen, ohne, dass das Wasser vom
Gegner ausgeschüttet wurde.Unsere Gruppe schaffte es und
war bei den Siegern.Zwischendurch hatte man uns die Fahne
gestohlen.Im Wald begann eine große Suche danach.Ausspioniert
wurde, wer sie hatte; und siehe da, es waren unsere
"Freunde" von der CP.Die Fahne wurde
zurückgeholt und einem CPler das Halstuch abgenommen.Einen
Tag später holte sich der Führer bei uns in Horn das Halstuch
ab.
An einem Montag, meinem freien Tag, deckte
ich in Billstedt bei Hinze auf dem Neubau das Dach.Abends
war Jungscharstunde bei Gronau.Endlich bekamen wir eine
Wohnung in unserem Haus in Horn zugesprochen (Tiefparterre links
im Haus 439. Früher hatte Firma Frieß die ganze Wohnung als
Büro, jetzt blieb ihnen nur das vordere Zimmer mit Eingang von
der Straße).Wir konnten von hinten über den Hof durch
die Küche oder vom Keller-Treppenhaus in die Wohnung.Immerhin
hatten wir 2 Zimmer und Bad.Dies war schon ein großer
Fortschritt.Natürlich mussten die Räume erst einmal in
Ordnung gebracht werden.Die Malerarbeiten und was sonst so
anlag, haben wir, meine Frau und ich, ausgeführt.Zwischendurch
gab es immer wieder Unterbrechungen, denn mehrere Freizeiten
standen an.
Das Jungendpfarramt plante eine Freizeit am
Schliersee mit den Jugendleitern, die der Jugendpastor Wölber
leiten wollte.Meine Frau gab mir "Urlaub" und am
14. August 1950 fuhren wir mit einem großen Bus nach Bayern.Eine Erholungsfahrt war es nicht, denn Wölber hielt jeden Morgen
ein Arbeitsreferat über Jugendarbeit.An einem Tag gab es
dann einen Aufstieg zur Brecherspitze.Wir waren bald den
ganzen Tag unterwegs und kamen hungrig ins Quartier zurück.Beim Essen stellten wir fest, dass zwei Gemeindehelferinnen nicht
da waren.Abends bin ich mit noch einem Bruder bei Gewitter
aufgestiegen und fanden die Mädel oben bei einer Hütte unterm
Dach stehen.Sie hatten Angst, den Berg alleine
abzusteigen.Wir sind später noch mehrere Male
aufgestiegen; Alpspitz und Rotwand haben wir bezwungen.Karl
und seine Lydia hatten doch allerlei Mühe mitzukommen.Bruder
Wilhelm Schmidt hatte sich an der Rotwand festgeklammert und
wartete auf uns, um wieder abzusteigen.
In diesem Jahr waren in Oberammergau die
Passionsspiele.Wölber hatte Karten besorgt und wir fuhren
zu der Mammutvorstellung, die allein 6 Stunden dauerte.Waren
von dem Spiel beeindruckt.Vor Abschluß der Freizeit wurde
noch ein zünftiger Abschiedsabend durchgezogen.Bruder
Höllenriegel hatte tolle Plakate gezeichnet, wonach ein
Teilnehmer sich als Karrikatur wiedersah.Einen Tag später
saßen wir im Bus und es ging über Nürnberg, Würzburg, Fulda
nach Hamburg zurück.Ich wurde mit lautem Hallo in der
Familie begrüßt.
Der nächste Alltag brachte eine Besprechung
mit Dubbels.Die Zahl seiner Konfirmanden war so groß,
dass er den 1. Jahrgang abgeben musste und so kam ich dann an die
Reihe, von nun an den Unterricht zu übernehmen.
Zweierlei kam hinzu: Die 100-Jahrfeier der
Alsterdorfer Anstalten in der Musikhalle, und bei einer Sitzung
der Jugendleiter im Jugendpfarramt wurde ich als neues Mitglied
in die Jugendkammer gewählt, verantwortlich für die ganze
Jungschararbeit im Raum Hamburg.
Große Lieferungen vom Hilfswerk kamen.Milchpulver, Käse und Butter.Tüten mussten besorgt
werden und das Milchpulver, das in Tonnen angeliefert worden war,
in den Tüten abgewogen werden.Im hinteren Raum vom Keller
des Gemeindehauses, dieser hatte einen eigenen Eingang, war
unsere Stelle für die Verteilung und Ausgabe.Die Blöcke
Käse und Butter konnten wir mit dem Messer nicht zerteilen.Also kamen wir auf den Gedanken, die Zerteilung mit einem dünnen
Draht, an dem Holzgriffe befestigt worden waren, vorzunehmen. Es
gelang ausgezeichnet und Karl konnte dann die Stücke in
Butterbrotpapier einpacken.
Die bedürftigen Gemeindemitglieder bekamen
eine Karte zugeschickt, die dann auch berechtigte, die
Lebensmittel abzuholen.Viele kamen in den Genuss der
Spenden aus den USA.Auch bekamen wir Carepakete.Mit
der Verteilung gab es aber auch manche Schwierigkeiten.
Wenn nun wieder über eine Herbstfahrt
erzählt wird, dann wegen einiger Erlebnisse, die nie wieder
kommen werden.Bei dieser Wanderung hatten wir uns den
schönsten Forst, Raubkammer bei Bispingen, vorgenommen.Ich
kannte ihn von früher, also los!Der Wald war so richtig
urwüchsig.Unterwegs fanden wir viele essbare Pilze.An einer Wasserstelle haben wir abgekocht.Karl, der
Oberkoch, hatte Nudeln auf dem Speisezellel, die auch ganz gut
gekocht waren.Nur viel zu viel!Einiges mussten wir
für die Tiere zurücklassen.Weiter ging der Weg nach dem
Marschkompass auf unser Quartier zu.Unterwegs kam uns
plötzlich ein englischer Offizier in die Quere.In gutem
Deutsch erklärte er, dass dies militärisches Gelände sei und
es verboten sei, es zu betreten.Wir hätten Glück, an
diesem Tag seien keine Schießübungen.Nun, ich zeigte ihm
unser Ziel Lopau, wo wir in einer Jugendherberge übernachten
wollten.Er gab sich mit der Auskunft zufrieden.Weiter
ging es durch wildverwachsenes Gelände.An einer Stelle
war ein Kahlschlag und hier lagerten Granaten.Die Erde war
mehrere Quadratmeter schwarz, hier hatte man Giftgasgranaten
vernichtet.Wir machten einen großen Bogen um diesen
Platz.Man konnte ja nicht wissen, was uns passieren
konnte.Stunde um Stunde ging es durch die wildbewachsene
Raubkammer.Karl lag mir oft in den Ohren, dass mein
Kompass nicht stimme und wir von der Zielrichtung abgekommen
seien.Aber ein alter Pfadfinder lässt sich wohl nicht aus
der Ruhe bringen.Es ging stur nach der Marschzahl und
siehe da, mit einem Mal waren wir in dem kleinen Dorf Lopau.Nur eine Überraschung gab es: Der Herbergsvater hatte unsere
Anmeldung verlegt.Das Haus war proppevoll.So
mussten wir mit einem Notquartier vorlieb nehmen.Auch dies
wurde überstanden und am nächsten Tag ging es über Wolfsrode
zum Gut von Kloster Lüne.
Vorher wurde bei einem Krämer im Dorf
eingekauft.Immer wurden ein paar Jungen ausgewählt, d.h.
ausgelost, denn um das Amt des Tragens drängte man sich nicht.Beim Krämer gab es aber meistens eine süße Zugabe.Wir
kauften große Brote, Käse und oft große Scheiben gekochten
Schinken.Am Anfang der Fahrt waren wir zunächst recht
sparsam mit dem Geld.Manchmal hatten wir aus dem Laden
meines Schwiegervaters Erbswürste mitgebracht und dazu gab es
dann eine dicke Knackwurst.Zum Abendessen, das wir meist
in der Waschküche fertig machten, hatten wir schon eine
Mordsarbeit, um für die große Meute (ca. 3oJungen) die
Brotscheiben zu streichen und zu belegen.Meistens gab es
zwei ganz dicke Scheiben, die als „Wunderschnitten“ in
die Geschichte eingingen.Von diesen zwei Schnitten wurde
man reichlich satt.Wer noch Hunger hatte, bekam natürlich
mehr.Manchmal blieb noch einiges übrig, was am anderen
Morgen nach der Morgenandacht verteilt wurde.Zuerst haben
wir abends Tee gekocht, später ließen wir uns aber vom Bauern
etliche Liter Milch geben.
Zurück zum Gut Lüne.Es war schon
dunkel, als wir dort ankamen und uns beim Verwalter meldeten.Er wies unszu einer alten Scheune, in der auf dem Boden
Heu lag, und sagte uns, dass es elektrisches Licht dort nicht
gebe.Machte nichts, denn wir waren mit Taschenlampen
ausgerüstet.Bevor wir zum Heuboden aufstiegen, mussten
alle ihren Trainingsanzug anziehen.Keiner durfte mit
anderen Sachen ins Heu oder ins Stroh.Immer ging einer von
uns zuerst nach oben und untersuchte das Lager.Auch in
diesem Fall war ich eigentlich der erste Mann, aber schnell hatte
sich einer der Jungen an mir vorbei gemogelt und wollte das beste
Lager haben.Ich erzähle dies, weil es noch so ulkig
wurde.Wir hatten zwei Brüder in unserer Gruppe mit Namen
Ostrowsky, die sich oft zankten, sich also nicht vertragen
konnten.Nun, dieser eine war der, der an mir vorbei auf
den Heuboden gehuscht war, der bis zur Spitze vollgepackt war.Mit einem Mal ein Schrei, der verhallte und dann aus der Tiefe
ein Jammern.Aber sein Bruder war nun auch gekommen und
schrie in einem fort: "Mein Bruder ist weg, mein Bruder ist
weg.Mein armer Bruder!"Dieser schrie aus der
Tiefe: „Ich bin in einen Keller gefallen. Hilfe!“Wir natürlich wieder runter und fanden die Scheune weit offen,
stockdunkel, und auf dem Boden lag unser voreiliger Knabe,den
wir erst einmal beruhigen mussten.s war kein Keller,
sondern der leere Kuhstall.Nachdem sich alle im Heu
eingekuschelt hatten, kam eine spannende Geistergeschichte dran.Nach der Tagesmüh’ und den berühmten Luftblasen an den
Füßen, schlief man schnell ein.Das Ende der
Geistergeschichte sollte ich gleich am nächsten Tag
weitererzählen, ich war jedoch nicht zu erweichen.Die
Fortsetzung gab es erst am nächsten Abend im Strohquartier.
Auf der Wanderung gab es auch Pausen, die
zum Spielen benutzt wurden.Wir hatten verschiedene
Anlaufstellen, wo wir nachts bleiben konnten.Alle
Quartiere wurden meistens Wochen vorher abgefahren und die
Erlaubnis zum Bleiben eingeholt.
Zurück in Hamburg, ging ich in einem
Trödlerladen, der viele Sachen auch von der Wehrmacht aufgekauft
hatte.Von ihm kauften wir "für ´n Appel und ´n
Ei" Hocker für die Jungschargruppe im Ried.Wir
mussten einen Bunker an der Legienstraße sauber machen und dann
konnten wir dort bei Kerzenschein und mit den Wehrmachtshockern
die Jungscharstunde beginnen.
Mit dem Schrebergartenverein auf der Geest
gab es Schwierigkeiten und wir mussten die Holzbude räumen.Ja, wohin jetzt mit den Jungscharlern?
Zwischendurch gab es mal wieder eine
Nachtfahrt zum Paul-Roth-Stein im Rosengarten.Dieser Stein
musste nach einer Skizze gefunden werden.Natürlich
belauschten wir die Sippe.Einer lag im Gelände und
prüfte mit dem Kompass die Richtung.Er merkte es nicht,
dass der Kompass nicht stimmte.Man lag ja unter einer
Stromleitung.Ha, ha!Es dauerte sehr lange, bis alle
den Paul-Roth-Stein gefunden hatten.Am Horizont graute
schon der neue Morgen, als wir die erste Straßenbahn nahmen und
nach Hause fuhren.An diesem Sonntag hatte ich nur 3
Stunden geschlafen, aber abends musste eine Jungspähertruppe
betreut werden.Einer der nächsten Tage war ich dann auch
mal wieder im Männerkreis, zu dem Pastor Dubbels regelmäßig
bat.Der nächste Jugendgottesdienst fand um 15.00 Uhr mit
über 200 Jungen und Mädel statt.
Am 26. Oktober 1950 hatte Lisa ihre schwere
Stunde.Unter Schwierigkeiten kam 5 Minuten vor 6 Uhr
abends ein Junge zur Welt.Als alles überstanden war,
waren wir sehr glücklich und dankbar.Wir gaben ihm den
Namen Helmut.
Eine neue Aufgabe musste angepackt werden:
Wir hatten herausbekommen, dass die Verwaltung für Wehrmachtsgut
eine leerstehende Baracke zu vergeben hatte.In ihr hatten
Litauer als Flüchtlinge gewohnt.Also zur Stadtverwaltung,
um diese Baracke zu bekommen.Wegen knappen Wohnraums
begann ein zähes Ringen mit den Bürokraten, bis wir auf dem
alten Zoogelände in Hamburg diese Baracke übernehmen durften.Die Finanzbehörde hatte auch noch ein Wort mitzureden, bis es
endgültig so weit war.Abbauen mussten wir die Baracke
schon selber.Weil der Wind von unten die Baracke
ausgekühlt hatte, hatte man an die hintere Längsfront Sand
angehäufelt.Beim Auseinandernehmen stellten wir fest,
dass alle hinteren Platten am Boden verrottet waren.Das
Baugeschäft Kröning in der Horner Landstraße übernahm das
Abfahren der Barackenteile.Glücklicherweise kanten wir im
Querkamp, im ehemaligen Flaklager der Wehrmacht, eine Familie
Sturm.Bei der konnten wir die Teile vor der Tür abladen.Hier im Lager bekamen wir auch einen Platz, wo wir unsere Baracke
später aufstellen konnten.Die Sturms waren für uns keine
Unbekannten, denn über die zwei Mädels, die zur Jungschar
gehörten, und den Jungen, der bei den Pfadfindern war, waren
genug Berührungspunkte da.Um die Baracke wieder
aufstellen zu können, wurden die kaputten Platten an den unteren
verfaulten Teilen erneuert.Jeden Morgen, bei Regen, Schnee
und Kälte, bin ich mit dem Rad ins Lager gefahren und bei der
Reparatur der Platten hat oft der gute Herr Sturm mitgeholfen.
Unterbrochen wurde die Tätigkeit dort und
in der Gemeinde durch die Taufe unseres kleinen Helmut am 1.
Advent im Gottesdienst.Bemerken muss ich hier noch: Als
wir unseren Jungen im Gottesdienst taufen lassen wollten, regte
sich der Kirchenvorstand auf: Ich wolle eine besondere Ausnahme
haben und mir darauf etwas einbilden.Wir, Lisa und ich,
waren sprachlos über solch eine Haltung.Den Herren vom
Kirchenvorstand war überhaupt nicht klar geworden, dass die
Taufen in den Gottesdienst gehören und die Gemeinde daran
teilhaben muss, und diese nicht nach dem Gottesdienst, letztlich
ohne Gemeinde, stattfinden sollten.Heute haben viele
Gemeinden ein besseres Verständnis zur Taufe.Trotz aller
Querelen haben wir in der Familie eine schöne Feier gehabt.
Der Alltag hatte uns bald wieder und Tag
für Tag ging es zum Querkamp, um die Baracke zum Aufstellen
fertig zu bekommen.Das Fundament musste auch noch erstellt
werden.Dann kam der 15. Dezember 1950.Ich kam
durchgefroren nach Hause.Meine Frau kam mir mit verweinten
Augen entgegen.In der Stube stand das Körbchen mit dem
Kleinen, aber er war nicht mehr am Leben.Da lag der kleine
Körper, als wäre er noch im Schlaf.Mich hat dies sehr
tief getroffen.Am Morgen als ich wegging, warscheinbar
noch alles in Ordnung.Lisa war auch noch mit ihm zum Arzt
gewesen, der aber an dem Jungen nichts Auffälliges feststellen
konnte.Um so schockierter waren wir über den Tod unseres
Kleinen.Es war Adventszeit und so haben wir ihm
Tannengrün mit in den kleinen Sarg gelegt.Wir hatten uns
über den Jungen besonders gefreut, denn zwei Mädel waren ja da
- und nun dies?Es war für uns nicht leicht, den Hiobsatz
nachzusprechen: Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es
genommen.In aller Stille haben wir ihn dann in Schiffbeck
auf dem Kinderfriedhof zur letzten Ruhe gebettet.Hier in
der Erinnerung soll er einen bleibenden Platz haben.Der 3.
Advent war für uns ein sehr trauriger Sonntag, denn in unsere
Mitte war eine Lücke gerissen worden.
Jetzt waren wir mit der Baracke so weit,
dass sie aufgestellt werden konnte.Ja, als die Dachlatten
aufgelegt wurden, fehlte die Dachpappe.Wir hatten aber
Glück.Herr Hinze aus dem Kirchenvorstand war bei einer
Dachpappenfabrik in Billwerder tätig.Durch ihn stiftete
die Firma die Rollen Dachpappe und das Klebematerial.
Es wurde wieder Weihnachten. Das Worpsweder
Krippenspiel wurde an mehreren Stellen aufgeführt.Das
Fest und das Ende des Jahres gingen still vorüber.
1951
Auch im neuen Jahr gingen die Arbeiten an
der Baracke weiter, denn der Holzfußboden musste gelegt und die
Türen eingesetzt werden.Mit einem Installateur wurde
verhandelt, damit wir auch Licht in die Baracke bekamen.
Die erste Jungscharstunde in der Baracke
startete mit über 40 Jungen.Damit wir auch heizen
konnten, musste ein Schornstein gemauert werden.Einen Ofen
bekamen wir aus der Siedlung.Oft wurden uns die Scheiben
eingeworfen, also musste Abhilfe her.Bei meinem Onkel
Frieß in der Klempnerbude wurden aus Blech zwei Fensterläden
angefertigt und angebracht.Damit war der Ärger mit den
kaputten Scheiben aus der Welt.Für unseren Jugendstunden
im Gemeindehaus konnten wie einen Kriminalinspektor gewinnen, der
in mehreren Stunden, und dies immer sonntags, aus seiner Arbeit
erzählte.Manche Aufklärung wurde an die jungen Menschen
weitergegeben.
Mit Pastor Niemann und etlichen Mitarbeitern
aus dem Jugendpfarramt fuhren wir am 12.2.1951 zum ersten Mal
nach Heiligenhafen.Auf dem Graswarder, vorgelagerte Insel
von Heiligenhafen, wurden zweiHäuser besichtigt, die zum
Verkauf anstanden.Von der Landeskirche wurde ein
ehemaliges Cafe abgelehnt.Das zweite Haus war ganz am Ende
der Insel.Ein kleines, strohgedecktes Sommerhaus, das eine
Kieler Familie verkaufen wollte.Pastor Niemann nahm die
Verbindung zu der Familie auf, später sollten die Verhandlungen
beginnen.Es mussten noch allerlei Hürden genommen werden.Dafür war dann am 26.2.1951 eine neue Fahrt angesagt.
Mitte Februar begannen wir mit den ersten
Filmstunden in verschiedenen Bezirken.Es war schon ein
großes Ereignis, als die Gemeinde einen großen Posten Stühle
kaufte, damit hörte ein Provisorium auf.Die Klappstühle
konnten wieder auf die Empore, denn der Kirchenchor musste auch
endlich wieder Sitzplätze bekommen.In der Passionszeit
führten wir mit unserer Laienspielgruppe, die einen guten Ruf
genoss, das Spiel "Des Todes Tod"auf.
Immer wieder fanden Fahrten statt, so zur
Heideburg.Ostern waren wir in Moisburg, wo Pastor
Schwieger im Ostergottesdienst in der alten Dorfkirche zu oft von
dem alten Sauerteig sprach, so dass unsere Jungen es später
immer wiederholen.Gemeint war das alte im Menschen immer
wieder zum Durchbruch kommende Wesen, das nicht gottgefällig
ist.
Am 18. April 1951 lärmte mit einem Mal die
Feuerwehr vor unserem Haus.Nachbarn hatten sie gerufen,
denn der Dachstuhl brannte über uns.Wir hatten es nicht
bemerkt.Gab das eine Aufregung!Das Haus musste
geräumt werden und nunwurden wir Zuschauer, wie die
Leitern blitzschnell ausgezogen wurden, die Feuerwehrleute zum
Boden eilten, andere von außen die Schläuche mit Wasser in
Marsch setzten.Man bekam das Feuer schnell in den Griff
und so wurde nur links oben der Dachstuhl vernichtet.Wir
konnten glücklicherweise nach Stunden in unsere Wohnung zurück,
die kaum Wasserschaden abbekommen hatte.Ursache des
Brandes: Der obere Mieter auf der letzten Etage hatte in einen
Eimer heiße Asche auf den Boden gestellt.Wir stellten den
Einwohner zur Rede, aber meinem Schwiegervater gegenüber
leugnete er es ab.Von diesen Leuten wäre sowieso nichts
zu holen gewesen.Den Schaden hat dann die Brandkasse
übernommen.Ein neues Dach wurde wieder dran geflickt.Noch heutekann man auf dem Boden die schwarzen Wände
sehen, die der Brand verursacht hat.Es war für unsere
Kinder ein tolles Erlebnis, die Feuerwehr so zu erleben.Gott
sei gedankt, dass kein Mensch zu Schaden kam.
An der Baracke war noch manches
fertigzustellen.Auch der Transport etlicher geschenkter
Möbel musste zum Querkamp, zu unserem neuen Stützpunkt,
durchgeführt werden.Immer wieder machten wir am Sonnabend
oder Sonntag unsere Filmvorführungen.Dazu ließen wir aus
einem Verleih in Berlin die Filme kommen.Den Filmapparat
bekamen wir vom Jugendpfarramt.Sogar in Billstedt
hatten wir Erfolg.130 Jungen waren zum Filmabend gekommen.
In Billbrook gab es ein Flüchtlingslager,
das auch von uns betreut wurde.Später kam es dort unter
zwei Insassen zu Mord und Totschlag.
Von den Engländern hatte Pastor Niemann
viele Möbel und Geschirr aus Lagerbeständen organisiert.Für
uns fielen auch noch ein paar Sachen ab.Etliches wurde auf
einem Flohmarkt vor dem Gemeindehaus verkauft.Der Erlös
wurde für Heiligenhafen gebraucht.
Zwischendurch war auf einer Sitzung im
Kirchenrat der Landeskirche die Frage erörtert worden, ob eine
Gemeinde, wie die unsrige, ein Freizeitheim haben dürfe.Wenn
nicht Bischof Herntrich ein klares Ja gegeben hätte (von den
älteren Herren kam ein Nein) undsich mit seiner Meinung
durchgesetzt hätte, wäre unser Projekt noch gescheitert.Noch
zwei Tage vor Pfingsten hatten wir die gesamten Sachen nach
Heiligenhafen gebracht.Für DM 3.000,-- konnte das Haus
der Kieler Familie abgekauft werden.Aber ganz so billig
ging es doch nicht. Die Kirche musste dann noch den hohen
Lastenausgleich blechen.
Als wir das Haus betraten, sah es trostlos
aus.In dem großen Vorderzimmer, mit Blick auf die See,
lag ein kaputter Korbstuhl und Teile einer zersägten
Fahnenstange.Wir organisierten schnell die Mithilfe eines
Bauern - mit Namen Stüven -, denn nur er durfte mit dem
Pferdefuhrwerk über die Holzbrücke fahren, die mit der Insel
verbunden war.Er holte die vielen Sachen, die wir im Hafen
hatten liegen lassen.Als die Sachen am Haus waren, konnten
wir uns erst einmal für die Nacht einrichten.Für das
kleine Zimmer an der Treppe brachte uns unser Bauer eine Fuhre
Stroh.Hier konnten wir erst einmal schlafen.Das
Zimmer bekam den Namen Massengrab.Wir haben im neu
erworbenen Haus keine Erholungstage eingelegt, sondern es wurde
tüchtig gewerkelt.Lichtleitungen wurden gelegt, im oberen
Zimmer ein Waschbecken installiert und tüchtig der Pinsel
geschwungen.
Danach waren wir wieder mit vielen
Jugendlichen zu einer Tagung.Dann kam eine denkwürdige
Besprechung und Zuweisung neuer Arbeitsgebiete mit Karl in der
Wohnung von HaJuDu, wie wir Pastor Dubbels nannten, in der Horner
Landstr.Unser Pastor wollte uns klarmachen, die
Lagerarbeit wäre nicht die eigentliche Gemeindearbeit.Wir
aber als Gemeindediakone haben nur grinsen können und
versuchten, ihn vom Gegenteil zu überzeugen.Bis er es
verstanden hatte, musste noch manches Wassser die Elbe herunter
fließen.
Auch die Baracke ließ einen nicht los.Das Holz brauchte unbedingt einen Anstrich.Wir
organisierten einen Kübel grüner Farbe.Von jetzt an
hieß die Baracke auf der Geest "Der grüne Dom".
Mitte Juni fand in Steinbek ein Jugendtag
statt, an dem wir teilnahmen.Aber unser Urteil: Hier wurde
gezeigt, wie man es nicht machen soll.Es war in dem alten
Kinosaal kein schönes Miteinander.
Mein Schwiegervater brauchte auch mal wieder
meine Hilfe.Das Markisenbrett über der Ladenscheibe
musste mit Zinkblech abgedeckt werden.
Wir konnten Dubbels schon mit seiner Frage
"Lager oder Lager nicht" verstehen, denn esgab
viel zusätzliche Arbeit für Heiligenhafen.Pastor Niemann
hatte irgendwoher seinen geliebten Kombüsenherd erwischt.
Von der Jugendbehörde liehen wir uns die
großen Zelte aus, unter anderen ein großes Gemeinschaftszelt,
und alles musste vom Knabeweg Osdorf geholt und im Gemeindehaus
gelagert werden.Dazu vom Hilfswerk die Spenden,
Milchpulvertonnen, Käse, Butter und Marmelade.Die
Rüststunde für die Teilnehmer wurde abgehalten, vorher war
mächtig geworben worden.Dann kam das Aufladen und der
Transport nach Heiligenhafen, dafür hatte Niemann einen
Busunternehmer ausfindig gemacht.Selaske hieß er.Am
Hafen wurde alles abgeladen, unter den Augen der neugierigen
Fischer, die nach ihrem Fischfang dort herumsaßen.Die
Fischer fragten ausgerechnet Ernst Alm, unseren Küster, der auch
mit von der Partie war, was in der Tonne sei?"Ein
Pulver, das verstreut wird, wenn der Graswarder zu nass
ist!"Er konnte den Fischern mit einer Überzeugung
den Bären aufbinden, dass sie das glaubten.Gut vier Tage
brauchten wir zum Aufbau der Zelte und das Einrichten.Bevor
der Bettkasten in die obere Hälfte des Zeltes eingesetzt wurde,
kam Dachpappe auf den Boden, der Bettkasten darüber und darauf
das Stroh. Wohl so an die 15 Zelte mussten wir aufstellen, haben
oft bis spät in den Abend geschuftet.
Nach dem Aufbau ging es wieder nach Hause.Halt, eines darf nicht vergessen werden: Wir hatten vorher noch
die Möglichkeit, Urlaub mit der Familie auf Graswarder zu
machen.Im Haus gab es natürlich immer etwas zu tun.
Mit Beginn der Sommerferien hatten wir ca.
100 Jungen zusammen, die wir mit Bussen und Gepäck nach
Heiligenhafen brachten.Vergessen darf ich nicht unsere
Kochmütter, Frau Görlich, Frau Scheuermann und Frau Alm, die
für das leibliche Wohl zu sorgen hatten.Es gehörte schon
viel Talent dazu, die Magenfrage so zu lösen, dass die Kerle
auch satt wurden, denn Seeluft macht hungrig.Viel hing
auch vom Wetter ab, aber im Allgemeinen kamen wir gut davon. Das
Lager dauerte 14 Tage.Jeden Morgen, nach dem Hissen der
Lagerfahne - wir hatten unsere Kirchenfahne mitgenommen - wurde
in Gruppen eine Bibelarbeit gehalten, zu der wir uns immer am
Abend vorbereiteten.Auch das Programm für den nächsten
Tag wurde besprochen.Gegessen wurde im großen
Versorgungszelt.Bänke und Tische hatten wir von Hamburg
mitgebracht.
Am 2. Sonntag war ein Besuchssonntag und die
Eltern kamen in großen Scharen.Sie waren natürlich
neugierig, wie ihre Jungen so lebten. Niemann hatte dem Haus den
Namen "Sturmmöve" gegeben.Natürlich mussten
nicht nur die Zelte, sondern auch das Haus besichtigt werden.Hinter dem Haus zur See war ein Stück Düne, dann kam die
Schutzmauer, denn bei Sturm rollte die See mächtig an die Mauer
heran.Der schmale Strand bot nicht viel Schutz.Die
Eltern bekamen mittags einen Eintopf.Am Nachmittag boten
wir Spiele an und einen tollen Lagerzirkus.Wir hatten
wirkliche Talente unter uns, selbst der Karl konnte so manche
Nummer vom Stapel lassen.Als es gegen Abend ging, und die
Eltern nach diesem schönen Tag befriedigt abzogen, waren wir von
der Lagermannschaft froh.Es war doch ein anstrengender Tag
gewesen.Nach dem Schlafengehen - wir waren todmüde - kam
in der Nacht ein Sturm auf.Mich störte im Schlaf
ein komisches Geräusch, von dem ich glücklicherweise wach
wurde.Ich schaute aus dem Zelt und sah, wie unser
Versorgungszelt sich wie ein Ballon aufgebläht hatte und dabei
war, auf und davon zu stürmen.Alarm!Die anderen
beiden geweckt und dann aber hin, um den Ballon fest zu machen.Nur unter großer Anstrengung gelang es, dass uns das Zelt nicht
landeinwärts davon ging.Wir sind dabei mächtig ins
Schwitzen gekommen.
Beliebt war natürlich das Baden.Die
See vor unserem Haus hatte Bojen bekommen, die als Markierung
für die Schwimmer dienten.Unter anderem hatten wir ein
Floß gebastelt, das in einiger Entfernung an der Kette lag und
zum Tummeln diente.Einmal hatte die wilde See das Floß
losgerissen, und unter großer Mühe mussten wir es bergen.Jeden Morgen ging unser Karl mit einem Badethermometer zum Strand
und hat die Wassertemperatur gemessen.Meistens waren ihm
18 Grad zu kalt und er unterließ das Baden.
In Verbindung mit einem alten Seemann in
Heiligenhafen, der ein altes Motorboot von der Wehrmacht hatte,
machten wir mit allen Lagerinsassen eine Fahrt nach Fehmarn.Wir nahmen unsere ausgeliehene Filmkamera mit und filmten die
ganze Fahrt.Den Film, der gut gelang, haben wir später
mehrere Male aufgeführt, bis er beim Gemeindeumbauverloren
ging.
Auf Fehmarn besichtigten wir in Petersdorf
die Kirche.Von unserem Haus auf Graswarder konnte man
deren Turm sehen.Der Pastor von Petersdorf erklärte uns
manches zur Kirche.Dort hing auch ein kostbares Bild.Um ein Haar hätte der Nazi Göring sich das Bild unter den Nagel
gerissen; man konnte dies aber noch verhindern.Auf der
Rückfahrt nach Heiligenhafen setzte sich der alte Kahn an der
Seite der Fahrrinne fest, aussteigen und nachschieben hieß die
Parole.
Gleich nach Beendigung des Lagers, am
übernächsten Tag, begann mit den Pfadfindern die
Teuteburger-Wald-Fahrt.Die ganze Deutschlandfahrt wurde
mit Fahrrädern absolviert.Vergessen werden soll auch
nicht ein dänischer Pfadfinder, Sven Petersen, der als Gast
diese Fahrt mitmachte.In Bielefeld haben wir die
Fahrradwerke von Göricke besichtigt.Wenn wir schon in
Bielefeld waren, durften wir die Betheler Anstalten von
Bodelschwingh nicht vergessen, und wir besichtigten sie.In
Bethel wurden wir durch verschiedene Häuser der Behinderten
geführt und man zeigte uns, wie die Kranken betreut wurden.Das erste Haus, in dem Pastor Bodelschwingh seine Arbeit begann,
war jetzt eine Webstube und wir konnten sehen, wie behinderte
Mädchen mit dem Weben zurechtkamen.Um aber von Bethel aus
zu Fuß durch den Teuteburger Wald zu wandern, wurden die Räder
mit der Bahn nach dem Ort Horn befördert.In Bethels
Speisesaal konnten wir noch essen, bevor wir die Wanderung
antraten.
Natürlich ging es zum alten Herrmann.Dieses Standbild konnte erklettert werden.Später ging es
durch Stendelupers Schlucht.Es war eine warme Sommernacht.Nie werden wir diese Nacht vergessen, denn in der Dunkelheit
umschwirrten uns die Johannisleuchtkäfer in großer Zahl.Einen
phantastischen Anblick hatten wir auszukosten.Im
Berleberger Quellental machten wir einen Ruhetag.Hier
kochte sich Ernst Günther Beygang, genannt Agamemnon, eine
Wurzelsuppe und Pudding, aber dies Essen ist ihm nicht gut
bekommen.Er lag da mit einem kaputten Magen.Alles
geht mal vorüber und mit einer Verspätung ging es dann zu den
berühmten Externsteinen.
Nach unserer Wanderkarte fanden wir heraus,
dass es dort eine verlassene Höhle gab.Wir haben sie
gesucht und in einer verlassenen Gegend gefunden.Mit dem
mitgebrachten Lasso haben wir uns abgeseilt und die Höhle
erkundet.Es gab jedoch kein Weiterkommen, so stiegen wir
bald wieder auf.
Am Sonntagmorgen wurden wir von einem
Dreiradwagen mit zur Kirche genommen.Später holten wir
die Fahrräder von der Bahn, die aber nicht besonders gut
behandelt worden waren.Unsere Fahrt ging an der Weser
entlang.In Hameln besuchten wir den alten Rattenfänger,
dann weiter zum Steinhuder Meer, in die Heide zu den
Siebensteinhäusern, ein großes Hünengrab.In Bahlburg
haben wir zum letzten Mal übernachtet und ab ging es nach Hause.Am Hauptbahnhof war meine liebe Frau mit den Kleinen da und holte
mich ab.Später gab es Urlaub und den konnten wir mit den
Kindern in Heiligenhafen im Haus Sturmmöve verbringen.
Die Gemeindearbeit in ihrer vielfältigen
Form riss einfach nicht ab.Die Herbstfahrt stand nach dem
Erntedank wieder an.Diesmal ging es mit 33 Jungen durch
die Göhrde, ein tolles Waldgebiet in dem man im Herbst den
Brunftschrei der Hirsche hört.In Wiezetze konnten wir in
einem Pfarrhaus, bei Regenwetter, Quartier beziehen.Mussten
uns aber vom Bauern noch das Stroh besorgen.Dieses
Pfarrhaus wurde mehrere Jahre später zum Verkauf angeboten und
unsere Gemeinde, heißt der Kirchenvorstand, war zu dumm, dieses
wunderschöne Haus mit großem Pfarrgarten zu kaufen.Man
hatte erst unseren Kirchenrendanten, Herrn Stahl, nach Hannover
zur Kirchenleitung zum Verhandeln geschickt und dann später
einen Rückzieher gemacht.Heute, im Nachhinein, bereut man
es.
Auf dieser Wanderung passierte es, dass
unser Quartier für diesen Tag nicht zu haben war und die Jungen
mussten zum nächsten Quartier weiter wandern, also doppelt so
viele Kilometer an diesem Tag zurücklegen.Bei Lüdersburg
konnten wir endlich landen.Dafür haben wir erst einmal
tüchtig ausgeschlafen, bevor es am nächsten Tag weiter ging.An einem Kanal (Lühe) haben wir abgekocht und später gebadet.Frisch gestärkt fielen wir wieder in Hamburg ein.
Dann wurde wieder einmal ein Stadtspiel
durchgeführt und am Reformationstag fand ein großer
Gottesdienst statt.Die Filmnachmittage am Sonntag wurden
wieder aufgenommen und erfreuten sich großen Zuspruchs.Erste
Vorstellung um 14.00 Uhr, zweite um 15.50 Uhr und die dritte
abends um 19.30 Uhr.Es war schon was los bei uns!
Natürlich durften in den Jugendgruppen die
Adventsfeiern nicht fehlen.Durch die Hilfswerkausgabe
hatten wir mit der Zeit eine große Kartei mit Namen.Viele
wurden betreut, aber später, als man diese Gaben nicht mehr
brauchte, nahm auch das Interesse zur Kirche und Gemeinde ab.
Der Heiligabend war diesmal spannend, denn
meine liebe Frau sollte niederkommen.Blieb die ganze Nacht
auf, als dann nach langem Zögern am 27.12.1951 um 5.45 Uhr ein
Mädel das Licht der Welt erblickte.Wir waren unserem Gott
sehr dankbar, dass alles so gut abgegangen war und das Mädel,
die Barbara, gesund und munter in die Welt schaute.Diesmal
ging die Familie mitdrei Mädeln ins neue Jahr.Alles
was uns bewegte legten wir getrost in die Hände unseres
Heilandes und dies war gut, denn wir wussten ja nicht, was auf
uns zukommen würde.Lisa hatte vor ihrer Entbindung im
Laden der Eltern tüchtig mitgeholfen und sich dabei mit
Keuchhusten angesteckt, was wir erst gar nicht bemerkt hatten,
sich aber später bei dem neugeborenen Kind katastrophal
auswirken sollte.
1952
Zum ersten Mal wurde eine Kinderstunde
durchgeführt.Mit Märchenbildern fingen wir an und zum
Schluss wurde eine biblische Geschichte erzählt.Später
übergaben wir diese Arbeit an die Gemeindehelferin Fräulein
Hoppe, die bei uns neu eingestellt wurde.
Lisa fing seit längerer Zeit stark zu
husten an und steckte damit die Kleine an.Oft wurde die
Kleine blau bei diesen Hustenanfällen.Uns wurde angst und
bange.Wieder konnte es passieren, dass uns ein Kind
wegstirbt.Der Arzt, Dr. Geßner aus Billstedt, untersuchte
und verschrieb Medikamente.Wir holten am 21.01.1952 Pastor
Niemann und ließen sie taufen.Als der Hausarzt das Kind
untersucht hatte, als es wieder so blau angelaufen war und nach
Atem rang, stand er hilflos davor und wusste nicht, was zu tun
war.Da fasste ich mir ein Herz und forderte, er solle
sofort einen Einweisungsschein für das Krankenhaus ausschreiben.Er tat es auch, denn so war er der Verantwortung entbunden.Um 19.00 Uhr brachten wir sie ins Krankenhaus in Borgfelde.Der Herr sei unser Schutz und Schirm!Von nun an musste
Lisa Tag für Tag mit ihrer abgepumpten Muttermilch ins
Krankenhaus.Dort war die Kleine in guten Händen.Tag
und Nacht haben die Schwestern sich um sie gekümmert, zuerst
noch mit Sauerstoff nachgeholfen.Später bekam sie ein
Medikament, was eben erst auf den Markt gekommen und sehr teuer
war (Aureomyzin).Die Krankenkasse hat es trotz allem
bewilligt und es half.Aber erst musste Lisa mehrere Wochen
täglich ins Krankenhaus.Erst am 25. Februar konnten wir
unsere wieder gesunde Barbara holen.War dies eine Freude
bei uns im Haus!Für die gute Betreuung im Krankenhaus
bekamen die Schwestern eine Torte, die Lisa gemacht hatte.
In Billstedt wurde mit Pfarrer Busch für
mehrere Gemeinden eine Evangelisationswoche durchgeführt, die
von den Jugendlichen gut besucht wurde.Über Ostern waren
wir in Jesteburg mit den Pfadfindern, und da kam die erste
Zeichenverleihung für die Jungspäher nach bestandener Prüfung.
Dann kam die Beerdigung eines Jungen, der
auf einer Alleintour über die Autobahn bei Hittfeld lief und
überfahren wurde.
In der Pfadfinderschaft im SR (Späherrat)
wurde über die erste Auslandsfahrt gesprochen, mit dem
Vorschlag, einmal den Norden unter die Lupe zu nehmen:
Schweden-Lappland, es ist zum größten Teil unberührte
Landschaft.
Nach einer Orientierungsfahrt waren wir am
1. Mai 1952 auf der Heideburg.Es waren viele Gruppen da,
und ein junger Schwede, der sich als Pfadfinder ausgab, nahm mit
unserer Gruppe Verbindung auf.Im Laufe der Bekanntschaft,
vorher waren schon mal Pfadfindersachen getauscht worden, hörte
er davon, dass wir nach Schweden wollen, und er könne
Verbindungen anbahnen.Sein Vater habe mehrere Schiffe, die
uns vielleicht mitnehmen könnten.Da der Schwede einen
solchen Bart hatte, nannten unsere Jungens ihn Rauschebart.Er sei auf einem Trip durch Deutschland.Wir gaben ihm
unsere Adresse, und prompt am nächsten Tag - wir waren mit der
Familie beim Mittagessen im Garten - tauchte der Knabe auf und
bekam auch etwas zu essen.Wir hatten es an diesem Tag
eilig, denn Pastor Dubbels hatte seine Trauung in der
Martinskirche.Auf dem Weg zur Kirche erzählte er uns,
sein Segelschiff liege bei Cuxhaven und er könnte nicht weiter
und wollte zum Hilfswerk hier in Hamburg.Mir gab er beim
Weggang noch eine Adresse in Stockholm.Seine Erzählungen
kamen uns aber sehr komisch vor, sollte es vielleicht ein
Schwindler sein?Nun war unsere ehemalige Gemeindeschwester
Angelin in Stockholm verheiratet.Flugs wurde ein Brief an
sie geschickt mit der angegebenen Adresse des Schweden in
Stockholm.Siehe da, bald kam ein Brief von ihr, sie hätte
die Adresse aufgespürt und es wäre nur ein alter Schulhof.Unsere Pfadfinder waren erstaunt und enttäuscht über diesen
Rauschebart.Natürlich ging ich mit den Pfadfindersachen,
ein blaues Halstuch und Fahrtenmesser zur Kriminalpolizei, die
damals noch in der Weddestraße amtierte.Erzählte den
Beamten von unserer Begegnung und dem Schwindel, den er uns
aufgebunden hatte.Wochen später kam ein Bericht über ihn
in der Zeitung zum Vorschein.Man hatte ihn in Hildesheim
in einer Jugendherberge beim Klauen von Fotoapparaten erwischt.Ihm wurden auch noch andere Straftaten nachgewiesen.Unsere
FCP in Horn war nun um ein tolles Erlebnis reicher.
Wenn man mit den Pfadfindern nach Schweden
wollte, brauchte die Gruppe ein Visum.Also, ich hin zum
schwedischen Konsulat.Nach langem Warten wurde unser
Antrag angenommen und ein großer Stempel kam in den Pass.Ein
Witz: Ich hatte den Pass noch gar nicht ganz in den Händen,
machte man das Visum wieder ungültig.Nanu, was war denn
nun los?Man erklärte mir, dass wir erst eine Einladung
von drüben vorzeigen müssten, denn dann könnte man uns die
Genehmigung zur Einreise geben.Was nun?Da kam mir
ein rettender Gedanke.Mein ehemaliger Jugendleiter, Peter
Jäger vom CVJM an der Alster, könnte helfen.Tatsächlich
war er bereit, und nach Tagen hatte ich die Einladung vom CVJM in
Stockholm in den Händen.Jetzt begann die Organisation, um
die Fahrt auf die Beine zu stellen.Ein Sammelpass mit
allen Namen der Jungen, die mitwollten, musste bestellt werden.Zur Devisenstelle, damals musste man noch dorthin, um Geld
einzutauschen.
Zwischendurch hatten wir einen Gemeindetag
in Allermöhe mit über 400 Gemeindemitgliedern. Natürlich ging
es auf der Festwiese hoch her.Für Erwachsene und Kinder
gab es viele Spiele und Spaß.Lisa hatte die Kinder
mitgenommen. Die Kleinste, also Barbara, durfte im Pfarrhaus dort
in einem Bett schlafen, das Familie Dwenger zur Verfügung
stellte.Zum Abschluss gingen wir zum Gottesdienst in die
schöne Kirche.Pastor Dwenger erklärte vieles in dieser
Bauernkirche.Z. B., wie es denn um den Gottesdienst am
Sonntag bestellt war.Die Gemeindebauern waren nicht sehr
scharf auf den Gottesdienst, aber wenn eine Trauerfeier war, dann
war die Kirche proppevoll und dann bekamen seine Schäflein das
Evangelium tüchtig hingereicht.
Schon nahten die großen Ferien und die
Vorbereitungen für Heiligenhafen liefen an.Dann kam das
Lager selbst mit allem drum und dran.Nach dem Lager gab es
ein Mädellager, das von den Gemeindehelferinnen durchgeführt
wurde.
Ein Geburtstag soll nicht vergessen
werden, denn so langsam wurde die Renate verständig, und sie
konnte den Geburtstag schon gut miterleben.
Mit den gemeldeten Großfahrt-Teilnehmern
wurde eine Rüststundemit "Klamottenappell"
abgehalten.Es mussten bestimmte Dinge mitgenommen werden
und Überflüssiges blieb zurück.Dann kam der 26.07.1952,
der bewusste Tag in der Geschichte des FCP.Dies wurde die
erste Großfahrt.Später zeugte eine kleine
Schwedenfahne am Stammeswimpel von diesem Unternehmen.Keiner
von den Jungens war je im Ausland gewesen.Wir begannen den
ersten Sprung über das Wasser zu den Schweden, die im Krieg
neutral geblieben waren.Aber wie würden diese die jungen
Deutschen aufnehmen?Nun, "das Wagnis, das ist eben,
das Schönste ja im Leben".Also, wir reisten mit der
ansehnlichen Meute per Bahn bis Travemünde.Dort lag im
alten Hafen die Fähre, die uns nach Malmö bringen sollte, aber
erst mussten die Zollformalitäten erledigt werden, bevor das
Schiff losmachen konnte.Über 7 Stunden dauerte die
Überfahrt und die Geduld der Jungen war auf eine harte Probe
gestellt.Eingebläut hatten wir ihnen immer wieder: Denkt
an gutes Benehmen!Es wird da draußen vieles anders
beurteilt, als bei uns in der Heimat.
Kurz vor Mitternacht erreichten wir Malmö
und strebten sofort zum Bahnhof, wo der Zug nach Stockholm schon
auf uns wartete.Mehrere Abteile wurden belegt.Wir
wussten, erst am anderen Morgen um 8.00 Uhr würden wir in
Stockholm sein.Jetzt galt es, eine Mütze voll Schlaf zu
ertrotzen, was gar nicht so einfach war.
Verschlafen kamen wir auf dem großen
Bahnhof in Stockholm an.Wir mussten uns zunächstorientieren.Wir hatten einen Stadtplan.Zuerst steuerten wir ein Lokal
an, in dem wir erst mal tüchtig frühstücken konnte.Vieles
war uns natürlich unbekannt, da man sich aber an einem Büfett
die Speisen selber auswählen konnte, war es nicht so schwer,
zurecht zu kommen.Zuerst holte man sich eine Grütze mit
viel Milch und Zucker und danach den Kaffee mit den belegten
Brötchen, Wurst oder Käse.So niedrig wie in diesem Jahr
waren die Preise in den späteren Jahren nie wieder.
Jetzt kamen die Tage, an denen wir in
Stockholm "herumschwammen".Am Schloss haben die
Wachablösung miterlebt; war ein prächtiges Bild.Besuch
der ehemaligen Gemeindeschwester Angelin.Wir füllten ihre
kleine Wohnung so aus, dass keine Sitzmöglichkeit mehr vorhanden
war.Also mit den übrigen Pfadfindern hübsch auf den
Teppich.Die Gastfreundschaft war einmalig.Es gab in
der Eile Kekse und Saft.Die arme Angelin war auf so
großen Besuch nicht eingestellt.Na ja, wenn wir wie die
Stare einfielen!Dann ging es zurück zum Centrum der
Stadt.In der Mitte der Stadt gab es einen Ausguck.Dort
fuhren wir mit dem Fahrstuhl in die Höhe.Dieser Punkt,
Schlüssen, bot von oben ein tolles Bild auf die verkehrsreiche
Stadt.Was sich von hier oben unseren Augen bot, hatten wir
überhaupt noch nie gesehen.Die Autobahnen liefen oben und
unten, quer und von allen Seiten durch den Mittelpunkt der Stadt.Da fuhr ein Auto, und plötzlich war da die Unterführung und wir
hatten den Wagen aus den Augen verloren.Es war einfach
toll, was die Schweden am Straßenbau geleistet hatten.Das
große Stadthaus und die Krönungskirche mit all den
Königsgräbern wurde besucht.Natürlich auch das
Königsschloss, es sprach uns aber nicht besonders an.Dann
war da ein Zoo mit Vergnügungspark, genannt Skansen, der
unbedingt besichtigt werden musste.Durch einen Hinweis von
einem Jugendlichen lernten wir eine Kochschule in Drontongatan
kennen, wo man sich für einen niedrigen Preis - die Kronen
wurden langsam weniger – satt essen konnte.Hier war
wieder das schwedische Büfett, an dem man sich die Speisen
selber holen konnte, bis man satt war.Von der vielen
Lauferei hatten die Jungens auch einen Mordshunger.Die
Frau, die das Büfett beaufsichtigte, hat wohl auch gedacht: Sind
die Pfadfinder aber gefräßig.
Ja, nun kam das Problem des Übernachtens.Wir gingen zum KFUM-CVJM.Da aber zur Zeit alles in den
Ferien war - die Schweden machen wegen der langen Wintermonate ¼
Jahr Ferien - war nur der Hausmeister da.Wir bekamen im
Keller einen kahlen Raum und mussten mit dem Fußboden vorlieb
nehmen.Na ja, wir hatten Schlafsäcke, und so konnten wir
wenigstens einigermaßen auf dem harten Boden die Nacht
überstehen.Waschmöglichkeiten waren vorhanden.Im
Treppenhaus, das sehr groß war und beim Reden gut schallte,
nutzte Kuddelhein seine Stimme kräftig und sang: "Unrasiert
und fern der Heimat zog der Hugo mit uns durch das Land."Später kamen noch etliche Verse dazu.
Wir hatten auch einen schwedischen Diakon
mit Namen Svente kennen gelernt, der uns zu seiner
Diakonenanstalt und Altenheim einlud.Er gab uns die
Adresse, und wir machten uns auf den Weg.Es dauerte bald
so lange wie bei Odysseus.Als wir auf der Suche nicht mehr
weiter wussten, nahm uns ein Obsthändler mit, der uns auf den
richtigen Weg brachte.Nun, in der Anstalt angekommen,
mussten wir noch ein Weilchen warten, bis wir in den Speisesaal
eingelassen wurden.Wieder ein tolles Büfett mit vielen
leckeren Speisen.Hatte den Jungens gesagt, seid vorsichtig
und benehmt euch.Aber einige konnten es nicht lassen, sich
den Teller voll zu hauen.Sie hatten so etwas Rotes
erwischt und meinten wohl, es wäre eine Süßspeise.Aber
es war Fischpastete und salzig.Wir gingen oft an das
Büfett und haben uns von diesem und jenem auf den Teller getan,
dieweil ein paar von unseren Helden immer noch vor ihrer Pastete
saßen.Erst einmal ließen wir sie schön zappeln, bis sie
ihren Teller im Eimer entleeren konnten.
Nach dem guten Essen zeigte uns Svente die
Ausbildungsstätte der Diakone.Wir waren sehr beeindruckt
von der Einrichtung der Zimmer.Der Diakon verlieh mir ein
schwedisches Diakonenkreuz und er bekam auch von uns die silberne
Pfadfindernadel.
Von Stockholm aus fuhren wir ins Innere des
Landes, um unterwegs noch im Gelände zu zelten.Zelten war
damals überall in Schweden erlaubt.In der Nähe eines
Dorfes gingen wir zu Anker, bauten unsere Zelte auf und kochten
erst einmal ab.Hier passierte es, dass ein Junge
plötzlich Fieber bekam und dolle Halsschmerzen.Wir waren
auf so etwas überhaupt nicht eingestellt.Wir hatten zwar
eine Sanitätstasche, aber der Junge brauchte ein Bett und
Betreuung.Wir hatten Glück.Zwei ältere
Lehrerinnen,die ein Haus in der Nähe hatten, nahmen sich
unserer schwierigen Lage an, und der Pfadfinder durfte ins Haus
und wurde dort gesund gepflegt.Durch diesen Umstand, der
ja nicht vorauszusehen war, wurden wir mehrere Tage an diesem
Platz festgehalten.Mit einem Abschiedslied und einem
besonderen Dankeschön, fuhren wir nach Göteborg, wo wir
versuchten, etwas Billiges zum Essen aufzugabeln, denn unsere
Kasse hatte langsam Ebbe.Ich erinnere mich noch, dass wir,
Aga und ich, in einem Lokal "Zum König Carlos"
landeten und mächtig von dem, was man uns anbot, enttäuscht
wurden.Hungrig zogen wir von dannen und schworen: Nie
wieder König Carlos.Von Göteborg fuhren wir nach Malmö
zu unserer Fähre und waren froh, unser bald altes Hamburg
wiederzusehen.
In der Gemeinde passierte ein großes
Unglück, denn in einer Familie im Schrebergartengelände an der
Washington-Allee (heute stehen dort Etagenhäuser) spielte ein
zehnjähriger Jungemit einem Gewehr und erschoss seine
16-jährige Schwester.Es wurde eine traurige und bewegende
Beerdigung.Es war ein liebes, nettes Mädchen und gehörte
zum Mädelkreis.
Dann steht da ein netter
Ausspruch im Tagebuch.Christa sagte, als die Großmutter
so lange in der Stadt blieb: "Großvater, solche Frau hätte
ich doch nicht geheiratet, die so lange weggeht!"
In meinem Urlaub stellten wir fest, die
Renate entwickelte sich zu einer Märchenschreiberin.Aber
ein Schnack von ihr soll auch nicht vergessen werden.Sie
sagte zu uns: "Es ist unerhört, dass ich immer muss."Es lag aber kein Durchfall vor.
Der Geburtstag von Christa war diesmal auf
einem Sonntag und wurde natürlich besonders gefeiert.Trotzdem
war ich abends noch im Jugendkreis, denn wir hatten wieder mal
den Inspektor von der Kriminalpolizei zum Erzählen da.Er
erzählte, wie kleine Diebe zu großen Verbrechern werden, wenn
nicht in der Familie aufgepasst wird.Sehr ausführlich
schilderte er einen Fall, wo ein Junge seinem Onkel die goldene
Uhr gestohlen hatte und man den Fall aus Gleichgültigkeit
vergaß.Der Junge wurde dadurch ermuntert, immer größere
Sachen und Beträge zu stehlen, bis man ihn als Erwachsenen
erwischte und er bei all den Straftaten, die er begangen hatte,
ins Zuchthaus kam.Auf noch etwas machte der Inspektor
aufmerksam: Große Bahnhöfe sind für Jugendliche ein
gefährliches Pflaster.Dort treibt sich gefährliches
Gesindel herum.
Vorbereitungen für die Herbstfahrt waren
erledigt.In Kirchboizen hausten wir mit der Meute im
Konfirmationssaal.Am anderen Tag waren wir auf dem
Jahrmarkt und vergnügten uns.Dies muss auch vermerkt
werden, denn es kommt nicht oft vor: Die Frau vom netten Pastor
Koch, kochte für uns eine gute Linsensuppe.Auf dem Weg
zum nächsten Quartier, als wir durch ein Waldgebiet wanderten,
kam plötzlich ein Junge und zeigte mir eine Schlange, die er in
der Hand hielt.Ich gucke mir die Schlange genau an und
sage zu dem Jungen: "Lege sie ganz vorsichtig ins
Gras."Als er dies getan hatte, konnte ich ihm sagen,
dass es eine Kreuzotter gewesen war.Er war darüber
natürlich sehr erschrocken.
Einmal hatten wir ein Quartier im Gasthof,
dafür hatte der nette Pastor Neumann in Osternholz gesorgt.Nächsten Tag ging die Fahrt nach den 7 Steinhäusern.Die
waren aber mit einem Zaun umgeben, denn das andere Gebiet war
ringsherum Militärgelände.Wir hattenaber Glück,
denn es war ein schießfreier Tag.Dies wurde mit einem
Signalball angezeigt.In Dorfmark hatte der Pastor uns ein
tolles Quartier bei sehr ordentlichen Bauersleuten besorgt.Kartoffeln bekamen wir umsonst.Wir kochen eine kräftige
Kartoffelsuppe, dann gab es noch Milch, Suppe und Marmelade
umsonst.Abends durften die Jungen noch alle duschen, was
wir noch nie gehabt hatten.Natürlich hat die Gruppe den
freundlichen Gastgebern ein Lied gesungen.
Nachdem wir wieder in Hamburg waren und der
Alltag von uns viel forderte, kam noch eine Abwechslung in unser
Leben.Wir machen eine Diakonenfreizeit von der
Landeskirche mit.Diesmal war der Tagungsort das Schloss
Göhrde.Eigentlich war es kein Schloss, denn dies war mal
abgebrannt.Man hatte die Pferdeställe zu einem
schlossartigen Gebilde angebaut.Bei allen Konferenzen und
Vorträgen gab es auch mal einen lustigen Abend.
Später, wieder im Haus, haben wir dann Karl
undLydia mit viel Krach überrascht, denn Görlichs hatten
Blechhochzeit und dass so etwas nach 12 ½ Jahren Ehe gefeiert
wurde, wussten sie nicht.
Seit einiger Zeit hatten wir einen
Schaukasten am Gemeindehaus, der auch immer wieder mit neuem
Material ausgefüllt werden musste.Es wurde von den
Pastoren ein Gemeindepflegeausschuss gegründet und ich musste
den Protokollführer machen und den Bericht schreiben; also noch
mehr Arbeit.Dem Kirchenvorstand, mit dem besonderen
Einsatz meines Schwiegervaters, gelang es, im Querkamp ein Haus
zu kaufen.Dies wurde umgebaut und der neue Pastor vom
Querkamp bekam es als Pfarrhaus.Nun konnte Pastor Fischer
die angefangene Gemeindearbeit ausbauen.Stützpunkt für
die ersten Jahre war der grüne Dom - sprich die Baracke.
Dann kam der 20. November
1952, an dem wir den Vater von unsrem Kuddel-Hein Schroedter in
Ohlsdorf zu Grabe tragen mussten.
Immer wieder wird die Jungschar im
Ried-Bunker in meinem Kalender angeführt.Darum muss auch
über diese Siedlung einige Dinge erzählt werden.Diese
Siedlung wurde vom Staat für alle Bewohner aus dem Gängeviertel
in Hamburg gebaut, denn dieses Gebiet wurde saniert, weil die
Häuser baufällig waren.In diesem Gängeviertel wurden
damals die Ärmsten von Hamburg angesiedelt.Kanalisation
gab es nicht.Die Nachttöpfe wurden vom Fenster auf die
Straße geschüttet.Dort befand sich eine Rinne, die zum
Fleet führte.Man kann sich schon vorstellen, welch sozial
schwaches Volk hier angesiedelt wurde.Nun wurden viele
dieser Einwohner hier nach Horn in eine neuerbaute Siedlung
eingewiesen.Lisa, die ja Gemeindehelferin war, hatte viele
Besuche in der Siedlung gemacht.Am Wochenende, wenn Geld
vorhanden war, lebte man in Saus und Braus.Später ließ
man anschreiben oder schnorrte.Der Pastor erzählte uns
zwei tolle Geschichten: Bei einer Amtshandlung hatte man in einem
unbeachteten Augenblick den geliehenen Talar vom Rad gestohlen.Ein anderes Mal hatten Einwohner der Siedlung ein Pferd gestohlen
und wollten es in der Küche schlachten.Das Pferd wehrte
sich so, dass die Kücheneinrichtung in Scherben ging.Es
lebte in dieser Siedlung schon ein besonderes Völkchen.Der
Staat hatte auch Schuld: Man bringt nicht solche Leute auf einem
Haufen in so eine Wohnsiedlung.Die Häuser waren auch
nicht mit dem besten Material aufgebaut worden. Später musste
viel repariert werden.
In dem Zusammenhang ein Wort zu der Familie
meiner Schwester, die 4 Jahre jünger als ich ist. Der Kontakt
war mal durch verschiedene Umstände verlorengegangen.Jetzt,
da so langsam alles wieder in normale Bahnen kam, wurden die
Besuche häufiger.Sie selbst konnte nicht sehr oft kommen.Die Familie Peters, so hieß auch sie, war in Borstel in einem
Barackenlager, Am grünen Jäger, untergebracht.Es war ein
großes Lager aus Wellblechbaracken und die standen in langen
Reihen.Betreut wurden die Menschen dort von der Fürsorge.Auch die Kirche kümmerte sich um diese Flüchtlinge und
Ausgebombten.Wir haben oft Familie Peters, also meine
Schwester Mariechen, mit unseren Kindern besucht.Für
manche ist es sehr heilsam, solche Menschen zu sehen, die so
primitiv leben mussten.
So ab und an musste ich auch zum Ortsamt
Billstedt, um mit den dortigen Altenpflegern und dem
Ortsamtleiter zu verhandeln.Es ging um die
Pflegebedürftigen und geldliche Zuschüsse. Auch musste der
Ortsamtsleiter gebeten werden, auch ein Wort bei der großen
Weihnachtsfeier zu sagen.Diese Weihnachtsfeier bei uns im
großen Saal vor über 200 Personen wurde finanziert von der
Straßensammlung der Freien Wohlfahrtspflege.Wir hatten
oft verschiedene Pastoren als Redner, denn den alten Leutchen
sollte auch ein geistliches Wort mit auf dem Weg gegeben werden.Bei Torte, Kuchen und "Kaffee satt" gab es dann noch
besondere Attraktionen.Unter anderem kam Rudolf Kinau oder
Johannes Fleischer und trugen plattdütsche Geschichten vor.Ein Krippenspiel wurde geboten oder unsere Kantorin, Anna Groth,
kam mit ihrem Kinderchor und sang Weihnachtslieder.Ein
Mandolinenclub, von der Hochbahn, erfreute uns mit seiner Musik.Es gab eine Vielfalt von Unterhaltungen und sogar
die"Finkwarder Speeldeel" hatte sich aufgemacht, mit
ihrer Trachtengruppe ihr Können zu zeigen.An dieser
Stelle darf nicht das Hilfspersonal vergessen werden, denn die
Vorbereitungen beanspruchten viel Zeit und Liebe, um alles recht
nett für unsere Alten zu machen.
Später kam dann noch die große
Paketausgabe für solche Alten hinzu, die nur eine kleine Rente
hatten.Über 500 Pakete lagerten erst bei uns im Keller
des Gemeindehauses und wurden hier an die Bezirke und die
Gemeinde nur mit einem Gutschein ausgegeben.Vorher mussten
die Listen der gemeldeten Leute durchgesehen werden, ob nicht
irgendwo in einer Liste von einem anderen Bezirk der Name auch
angeführt war.Es gab manchmal auch Reibereien, die man
mit Geduld und Einfühlungsvermögen beseitigen konnte.
Vielleicht ist es gut, einmal auf die
eigenartige Regelung, des Kirchenaustritts, hinzuweisen.Der
Staat hat hier nach meiner Sicht nicht richtig gehandelt.Denn
wenn einer austreten wollte, brauchte er sich mit seiner Kirche
gar nicht abzusprechen, sondern ging einfach zum Ortsamt und
meldete dort seinen Austritt.Wir bekamen nur den
Austrittswisch und dann war es meistens zu spät, mit den
Menschen noch ein Gespräch über die Gründe oder auch über
einenWiedereintritt zu führen.Meistens waren die
Gründe so banal, dass man vielleicht den Menschen vorher besser
hätte helfen können.Bei einem jungen Mann war es
möglich.Statt zum Ortsamt zu gehen, verirrte er sich bei
uns ins Gemeindehaus.Hier hatte ich ein längeres
Gespräch mit ihm.Der Anlass des Austritts waren die
Kirchensteuern, die ja nur einen kleinen Betrag ausmachten, den
man vom Lohn abzog, 8% von der Lohnsteuer.Ich konnte ihm
klar machen, er sei doch durch die Taufe in der Kirche
aufgenommen.Machte ihm bewusst, dass die Taufe ja etwas
Besonderes sei und die Kirche kein Verein.Eines merkte ich
im Laufe des Gesprächs: Er wurde doch nachdenklich und ging
nicht mehr mit dem Schwung nach draußen, wie er gekommen war.
Zu Weihnachten machten wir es möglich, dass
einsame Alte über das Hilfswerk verschickt wurden.Eine
der ersten Adventsfahrten für die Pfadfinder begann.Diesmal
nach Holm-Seppensen, denn dort hatte die Veddeler Gemeinde ein
Freizeitheim in einer gut eingerichtete Baracke.
Am 4. Advent machte
Christa wieder mal einen netten Spruch.Sie sagte:
"Ich möchte bis Weihnachten ja gern artig sein, aber immer
kann man dasja nicht.Ich bin doch ein Mensch."
Wie wahr doch Kindermund sein kann.
Nun kam wieder der Augenblick, wo der große Tannenbaum in der
Kirche geputzt werden musste.Am Heiligabend hatten wir mal
eben 4 Gottesdienste und alle waren gut besucht.Die
Nachfeiertage waren auch mit Gemeindearbeit ausgefüllt.Selbst
eine Fahrt zur Heideburg war dabei.Am 31.12.1952 wurden
noch Programme für die Jugend verschickt.Dann konnte
Sylvester kommen.
Ein Leben auf See amüsant und spannend wird über das Leben an Bord vom Moses bis zum Matrosen vor dem Mast in den 1950/60er Jahren, als Nautiker hinter dem Mast in den 1970/90er Jahren berichtet
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