Die Bücher mit Lebensportraits von Diakonen des Rauhen Hauses als
Bände 11 und 13 in der gelben Buchreihe "Zeitzeugen des Alltags" von Jürgen Ruszkowski
Sammelband
Franke-Autobiographie
Johann HinrichWichern, geboren am 21. April 1808, hatte angesichts des Kinderelends seiner Zeit das das Rauhe Haus 1833 als junger Kandidat der Theologie mit Hilfe einflussreicher Hamburger Bürger in dem Dorf Horn vor den Toren Hamburgs aus kleinsten Anfängen als „Rettungshaus“ für gefährdete Kinder und Jugendliche gegründet und aufgebaut. Für seine immer umfangreiher werdende pädagogische Arbeit benötigte er schon bald Gehilfen. Aus dem Kreis dieser Gehilfen entwickelte sich später der Beruf des Diakons.
Das Familienprinzip, in dem Wichern seine Schützlinge betreute und erzog, erforderte eine größere Anzahl von Gehilfen. Im Sommer 1834 zog ein Bäckergeselle, namens Josef Baumgärtner, zu Fuß von Basel nach Hamburg, um Wichern als erster Gehilfe für ein mageres Taschengeld von 100 Mark im Jahr bei freier Kost und Logis als Betreuer einer „Knabenfamilie“ zur Hand zu gehen.Nach drei Jahren übernimmt Baumgärtner ein eigenes neu gegründetes Rettungshaus in Mitau im Kurland.1839 ermächtigte der Verwaltungsrat Wichern, der Ausbildung von Gehilfen im Rauhen Haus "die gröstmögliche Veröffentlichung zu geben". Wichern ließ deshalb von 1843 an über die Gehilfen, schon damals Brüder genannt, eigene Jahresberichte erscheinen. Auf ihre theologische Ausbildung in seinem "Gehilfeninstitut" verwandte er große Sorgfalt. Aus seinen „Gehilfen“, die Wichern aus ganz Deutschland rief und die ihn bei seiner Erziehungsarbeit im Rauhen Haus unterstützten und von den Jungen der Erziehungsfamilien „Brüder“ genannt wurden, baute er den hauptberuflichen Mitarbeiterstab der Inneren Mission auf, die „Berufsarbeiter“, die als Hausväter in „Rettungshäusern“, als Strafvollzugsbetreuer oder als Stadtmissionare in ganz Deutschland und im Ausland bis hin nach Übersee tätig wurden.
„Treue, gottesfürchtige Männer, so ernst als wahr, so klug als weise, in der Schrift bewandert, im Glauben gegründet, voll Liebe zum armen Volke, geschickt zu solch einem Umgang, der Menschen fürs Himmelreich gewinnt, wünschen wir in Scharen unter das Volk.“
Erst Jahrzehnte später nannte man diese „Gehilfen“ entgegen Wicherns ursprünglichen Vorstellungen Diakone. Bis in die 1970er Jahre sprach man von der männlichen Diakonie. Daneben gab es den Beruf der Diakonisse. Danach wurden Ausbildung und Beruf im Rahmen der allgemein sich durchsetzenden Emanzipation auch für Frauen geöffnet. Aus der Brüderschaft wurde die Brüder- und Schwesternschaft des Rauhen Hauses. Heute bildet die Fachhochschule des Rauhen Hauses in Hamburg Frauen und Männer zu Diplom-Sozialpädagog(inn)en und Diakon(inn)en aus.
5. Teil des von Hugo Wietholz selbst verfassten, von Jürgen Ruszkowski überarbeiteten, Textes: Kopien und Veröffentlichungen - auch auszugsweise nur mit vorheriger Genehmigung! Lesen Sie den Text in Buchform: Band 13 - direkt beim Herausgeber zu bestellen
siehe auch ganz unten!
Der Text dieser Seiten ist recht interessant, zeitgeschichtlich aufschlussreich und sehr umfangreich. Die Texte sind als eigenständiges Buch und auszugsweise als Beitrag in einem Sammelband von Diakonenlebensläufen (Band 11) enthalten: Genossen der Barmherzigkeit.
Wietholz Herkunft und Kindheit
Wietholz Jugend bis zum Eintritt ins Rauhe Haus
Wietholz Diakonenausbildung im Rauhen Haus, Kriegsdiesnt und Kriegsgefangenschaft
Wietholz Gemeindediakon 1948 - 1952 in Hamburg-Horn
Nach dem Diakonenexamen 1848 im Rauhen Haus war Hugo Wietholz jahrelang als Gemeindediakon in Hamburg-Horn tätig. Hier folgen seine interessanten Auszeichungen aus den Jahren 1953 bis ...
Im Beruf als Diakon des Rauhen Hauses in der Kirchengemeinde Hamburg-Horn von 1953 bis ...
1953
Zum Beginn des Jahres sind wir immer zum Gottesdienst gegangen. Denn aller Anfang steht in den Händen unseres Herrn.
Es wurden Arbeitshilfen für die Pfadfinder und Sippenführer entwickelt.Mit Bruder Nordmeyer hatten wir eine Vorbesprechung über die Möglichkeit einer Posaunenarbeit in unserer Gemeinde. Auch andere Vorbereitungen waren nötig, einmal für die Bibelstunden, dann forderten auch die Filmveranstaltungen im Winter ihre Zeit, und ein Elternabend sollte auch stattfinden. Viele Kleinigkeiten kamen in den Tagen, Wochen und Monaten dazu, so dass wir über Mangel an Arbeit nicht klagen konnten.Nebenher lief immer noch an meinen „freien“ Montag die Jungschararbeit nachmittags in Billstedt.
Unseren beiden Kinder hatten wir zu Weihnachten einen großen Koffer geschenkt.In einem Kinderheim der Kirche in Bad Sachsa im Harz hatten wir zwei Plätze bekommen.Mit dem Koffer und vielem Zureden haben wir es dann geschafft, sie für den Harzaufenthalt zu begeistern.Es war nicht einfach.Immer wieder kam ein "Wenn und Aber".Nun, am 13.1.1953 schafften wir es und brachten sie zur Bahn, damit sie mit dem Kindertransport mitfahren konnten.Es gab natürlich einen tränenreichen Abschied.Es ist nicht einfach, noch so junghinaus in die große Welt zu reisen.
Zum ersten Mal wurde auf der Mitarbeiterkonferenz über den in diesem Jahr geplanten Kirchentag in Hamburg verhandelt.Alle Gemeinden waren für diesen Kirchentag gefordert.Es würde viel Arbeit geben und dies alles zusätzlich zur Gemeindearbeit.Mein Spruch hieß auch hier: Von nichts kommt nichts.Also dann in Gottes Namen: Hinein in die neuen Aufgaben! Hamburg sollte was erleben.
Vom Hilfswerk bekam ich den Auftrag, den Kindertransport zurück von Bad Sachsa zu übernehmen.Lisa und ich fuhren früher, damit wir noch ein paar Urlaubstage in Bad Sachsa hatten.Besuchten dort unsere Kinder im Heim, das auf uns keinen guten Eindruck machte.Unsere Kinder erzählten, nicht mal im Garten dürften sie Schlitten fahren und das Essgeschirr wäre aus Blech.Wir, Lisa und ich, schauten uns in Bad Sachsa intensiv um und erlebten allerlei Lustiges.Nachmittags aber, bei einem Rundgang zur Ravensburg, natürlich alles im Schnee, rutschte Lisa aus und brach sich das Handgelenk.Wir mussten zum Arzt, der ihr einen Gipsverband anlegte.Abends sind wir dennoch im Kino gewesen.Die Nacht verging einigermaßen schmerzfrei.Wir waren in dieser kurzen Zeit in einem einfachen Hotel untergebracht.Am nächsten Tag konnten wir die Kinder zu einer Pferdeschlittenfahrt mit Gebimmel abholen.Es gab etwas außerhalb Sachsas einen Märchengrund, zu dem fuhren wir. Die Kinder haben diese Ausfahrt sehr genossen, denn es war etwas anderes, als eingesperrt im Heim zu sein.
Am 19.2.1953 mussten wir früh aufstehen und den Kindertransport übernehmen.Pünktlich zur Mittagszeit kamen wir in Hamburg an und die Mütter können ihre Kinder wieder in die Arme nehmen.
Während unserer Abwesenheit hatte sich der schwedische Diakon Svente für mehrere Tage angesagt und wollte um 14.00 Uhr am Hauptbahnhof abgeholt werden.Dies konnten wir glücklicherweise gerade noch schaffen.Am nächsten Tag zeigten wir ihm das Rauhe Haus, und er bekam einen guten Eindruck von der Anstalt, die langsam wieder aufgebaut wurde.Natürlich wurde ihm Hamburg mit den verbliebenen Schönheiten gezeigt.Später haben wir dem Karl einen Besuch abgestattet.Tage später brachten wir ihn mit mehreren Pfadfindern zur Bahn.Ob wir uns jemals wiedersehen würden?
Es gab bei einerBesprechung mit den Pastoren eine starke Meinungsverschiedenheit.Die Wölflingsarbeit war den Herren zu groß geworden.Die anderen Gruppen sollten bleiben, aber die Wölflinge sollten geopfert werden.Nicht mit mir!Wir würden schon einen Weg finden, um auch diese Arbeit zu retten.Mehrere Male war ich für einige Jungen unterwegs, um eine Lehrstelle für sie zu finden.Um die große Schar der Wölflinge in den Griff zu bekommen, wurden Sippenführer für die Wölflinge ausgebildet.Dann waren wir an einem Wochenende mit 70 Mann auf Reiherhorst und in der Nacht wurde ein Nachtspiel mit Mutproben durchgeführt.Morgens gab es eine Andacht und nach dem Kaffeetrinken auf zu einem großen Wimpelspiel in diesem waldreichen Gelände.Wir mussten nach dem Mittag aufbrechen, denn bis zum Maschener Bahnhof waren es etliche Kilometer.
Auch das noch: Die CP machten uns Schwierigkeiten wegen unseres Namens FCP.Wir sollten uns nicht "Freie Christliche Pfadfinder" nennen.Durch Bruder Jahnke bekam ich die Adresse von Rechtsanwalt Dr. Uhle, mit dem über unsere Schwierigkeiten gesprochen wurde.Es stehe dem nichts im Wege, dass wir uns so nennen, denn der Name sei nirgends gesetzlich geschützt.Das heißt, keine andere Pfadfinderschaft in Deutschland trägt, außer uns, diesen Namen.Ja, was es nicht alles gibt.Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.Ein Glück, diesen Punkt konnten wir abhaken.Es bedrückte uns nicht weiter.
Auch das kommt vor: Wir waren wegen eines fortgelaufenen Mädels unterwegs.Wir mussten mit Eltern und der Gemeindehelferin in Harvestehude über diesen Fall verhandeln.
Am Ostersonnabend wurden die Vorbereitungen für die Osterfahrt nach Jesteburg getroffen.Lisa bruzzelte in der Küche 20 Pfund Gulasch.Dieses Fleisch hatten wir vom Pferdeschlachter geholt und wurde als fertig gebratenes Gulaschextrakt im Marmeladeneimer mitgenommen.Mit 34 Pfadfindern zogen wir los und erlebten frohe Tage.Der Gottesdienst fand meistens in Salem statt, einem Heim für Mädel, die von lieben Schwestern betreut wurden.Schwester Ernestine war die Leiterin des Hauses und hielt immer den Gottesdienst. Mit der Klampfe wurden die Osterlieder begleitet und die Jungen konnten auch bei unbekannten Liedern mitsingen.Kuddel, unser Klampfenmann, begleitete dann unser Lied, was wir den Heiminsassen sangen.Wir waren viele Jahre Gast bei den Schwestern.Zum Mittag wurden die Nudeln gekocht und das Gulasch fertig gemacht. Draußen im Hof hatten wir eine Tafel mit Bänken aufgebaut und dann gab es das Osteressen.
Vorher hatten einige laut werden lassen, sie würden kein Pferdefleisch essen.Natürlich wurde niemandem erzählt, dass es Pferdefleisch gab.Es war alles so schmackhaft zubereitet, dass die Jungen nicht genug bekommen konnten.Zum Schluss waren alle rundherum satt.Nun erst erzählten wir ihnen, sie hätten "Deichselhirsch" gegessen.Was ist denn das? Nun lüfteten wir das Geheimnis.Sie konnten es kaum fassen, dass Pferdefleisch so gut schmecken kann.Ja, was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.Wir konnten aber viele vom Gegenteil überzeugen.
Natürlich gab es abends wieder unser traditionelles Osterfeuer.Am nächsten Tag bekamen wir Besuch.Der Bruder meines Schwagers Alfred Risch war ein guter Fotograf und machte von unseren Pfadfindern tolle Aufnahmen im Gelände.Von diesen Aufnahmen kamen welche in Zeitschriften und Kalender.Auch so wurden wir ohne unser Zutun bekannt.An dieser Stelle soll all der lieben Menschen gedacht werden, die uns auf dem Gelände soviel Freiheit eingeräumt haben.Es lebe die Familie Unteutsch, mit der uns bis heute ein herzliches Miteinander verbindet.
Nach den Ostertagen gab es einen freien Tag, der mit der Familie genutzt wurde zu einer Dampferfahrt nach Harburg zu der Tante Emmi in der Haake-Straße.
Auch mit meiner Sippe "Die Bussarde" musste eine Sippenfahrt gemacht werden, diesmal in die Hahnheide, ein anderes Mal war es an der noch nicht ausgebauten Autobahn, die später mal nach Berlin führen sollte.Hier an der Autobahn fanden wir in einem Versteck gestohlene Autoteile.Dies wurde der Polizei gemeldet.
Von nun an wurde immer am 1. Mai, dem Tag der FCP-Gründung, eine Fahrt unternommen.Diesmal wurde beim Gastwirt Meyer in Kuddewörde übernachtet, und in der kleinen schönen Kirche waren wir zum Gottesdienst.Die Kirche hat einen besonders kunstvollen, aus Holz geschnitzten Altar.Mit 30 Pfadfindern wanderten wir in die Hahnheide, ein großes Waldgebiet, und machten unsere Spiele.
Dann wurde immer wieder den Diakoniegroschen gesammelt, denn die Schwesterstation sollte auch weiter existieren.
Für mehrere Tage führte ich mal wieder ein Zeltlager für die Wölflinge in Jesteburg durch.Dann mussten die Pfadfinder betreut werden.Dazu kam eine Stammstunde im Thingraum mit 40 Jungen.Einen Tag später kamen die Wölflinge zu ihrer Stammstunde.
Der Kirchentag in Hamburg war ein großer Erfolg.Ganz Hamburg wurde davon erfasst.Morgens waren wir im Zoo und in den dortigen Hallen.Vorträge, Bibelstunden und Begegnungen mit vielen Menschen aus allen Teilen der Welt.Eine Großveranstaltung der Jugend mit einem eindrucksvollen Spiel fand am HSV-Sportplatz statt.Bei der Schlussfeier im Weggehen wurde ich von einem ehemaligen Jungen aus Attychi, aus der Gefangenschaft in Frankreich,erkannt und er rief mir aus der Masse zu, er sei Pastor in Berlin.Für mich war es eine große Freude, ihn wiederzusehen.
Wir hatten uns im Späherrat vorgenommen, dass jeder Wölfling, der mit ins Ausland wollte, erst eine Deutschlandfahrt mitgemacht haben sollte.Planten in diesem Jahr mehrere Fahrten durch die Bundesländer unseres Vaterlandes.Wenn wieder von einer Fahrt die Rede ist, so sind es Besonderheiten, die so auf einer Fahrt anfallen.Diesmal wurde die Gegend um den Taunus bewandert.Wir fuhren mit der Bahn und kamen bis zum Dornberg bei Kassel, wo es ein großesJugendzentrum gab und wo sehr viele Jugendliche aus dem Ausland waren.Hier zelteten wir und mischten bei den Veranstaltungen als Pfadfinder kräftig mit.In Marburg haben wir die Elisabeth Kirche besichtigt und an dem Sarkophag von Paul von Hindenburg gestanden.Den hatte man schnell, noch bevor die Russen kamen, aus Tannenberg/Ostpreussen herausgeholt und hier beigesetzt.Über Marburg ging es weiter an die Lahn zum Limburger Dom, der sich unseren Augen als eine schöne alte romanische Kirche darbot.Es war gut, wenn auch unsere Jungens die einzelnen Stilepochen kennen lernten.
Im Drombachtalwar nicht das Zelten das Besondere, sondern die Pfadfinder entdeckten in einem Bach, der klares Wasser führte, Forellen. Die Jagdleidenschaft setzte ein, und man schaffte es, einige der Forellen mit der Hand (!) zu fangen.
Im Schwarzwald wurde der höchste Berg, der Feldberg, bestiegen, den Kuddel an der höchsten Stelle mit Stock und Hut noch um einiges höher machte.Dann kamen wir nach Frankfurt.Diese Großstadt war erst im Aufbau und bot ein lebhaftes Treiben. Die Amerikaner waren hier stark sichtbar mit vielen Schwarzen und ihren großen Autos.
Helmut Koops hatte durch seinen Onkel eine Empfehlung in der Tasche, so dass wir das in der Nähe befindliche Sarotti-Werk besichtigen konnten.So eine Schokoladenfabrik hat ja eine tolle Anziehungskraft.Bei der Führung durch das Werk wurde uns gezeigt, wie aus der Roh-Kakaobohne über viele Stationen die Tafeln Schokolade entstanden und das Fließband herunter kamen.Die Arbeiterinnen stellen schon jetzt im Sommer den Schoko-Tannenbaumschmuck her.Worauf wir natürlich gewartet hatten, trat dann zu unserer Befriedigung ein.Jeder bekam ein Paket mit Schokolade.Wir hatten also die Schokofabrik "mit Erfolg" besichtigt.Dann fuhren wir am Main entlang.Irgendwo wurde gezeltet.Weiter ging es nach Siegburg zur Görlbach-Talsperre.Hier schlugen wir unsere Zelte zum letzten Mal auf, bevor wir in Münster den Zug bestiegen und in Richtung Hamburg davon dampften.
Jetzt gab es Tage des Ausspannens und Spannung dazu, denn wir erwarteten unser 4. Kind.Da war ja auch mein Geburtstag, der 49., der nun eine besondere Bedeutung bekam, denn es wurde auch der Geburtstag unseres jüngsten Kindes, der Angelika.Von nun an würden wir in Zukunft einen Doppelgeburtstag feiern können.Im Rauhen Haus war es üblich, dass der Brüderälteste der Diakonenschaft zum Geburtstag gratulierte.An diesem Tag kam Bruder Runge und wollte gratulieren, was er auch tat, aber sein Bleiben in unserer einen Stube war nicht möglich, denn da lagen Mutter und Kind.Ich sagte ihm nun, dass dies unser schönstes Geburtstagsgeschenk sei.Bruder Runge sah dies auch ein und verließ uns bald wieder mit den besten Wünschen.
Meine Schwiegermutter meinte mal bei einem Gespräch, mit dem Kinderkriegen sei es wohl nun genug.Daraufhin konnte ich nur sagen, dass dies doch wohl unsere eigene Angelegenheit sei.Gott sei hier besonders gedankt, wenn es auch viel Kindergeschrei gab.Die Entwicklung der Kinder ging gut vonstatten.
Etwas über unseren Küster Ernst Alm darf hier nicht fehlen.Er war ja ein lustiges Haus.Bekam seine Schwierigkeiten mit dem Kirchenvorstand, weil er in Barsbüttel wohnte und dort ein kleines Haus besaß.Er kam also zum Dienst mit dem Fahrrad, hatte seine Arbeitsstunden, aber wohnte leider nicht in der Gemeinde.Und dies sollte der Punkt sein: Entweder in der Gemeinde wohnen oder kündigen!Quatsch, zu unserer Zeit gab es kaum Wohnungen.Wir hatten ja auch nur eine 2-Zimmer-Wohnung und dies mit 6 Personen.Von der Kirche konnte man ihm keinen Wohnraum zuweisen.Auch wollte er sein Haus nicht aufgeben und blieb bis zu einem späteren Zeitpunkt, wo ihn das Diakonische Amt in der Kleiderkammer beschäftigte.Unsere Verbindungen rissen bis auf den heutigen Tag nicht ab.Durch Ernst hatten wir manchen Vorteil.Als einmal auf einem großen Passagierdampfer, der „Italia“, die Matratzen ausgewechselt wurden, konnten wir uns von der Kleiderkammer eine große Fuhre für das Freizeitheim in Bötersheim abholen.
Am Erntedank durften wir dann in der Martinskirche die Angelika taufen lassen.Es gab ein fröhliches und dankbares Fest an diesem 4. Oktober 1953.
Ohne eine Herbstfahrt in die Heide konnte der Herbst sich nicht entfalten.Auch habe ich mal einen Kursus in der Evangelischen Akademie – Esplanade - mitgemacht und einen alten Bekannten wiedergefunden, der vom CVJM kam und hier jetzt Hausvater war.
Wir hatten häufig Arbeitsbesprechungen mit unseren Pastoren, auch mit Pastor Fischer in seinem Pastorat.Es ging hier um den Gemeindeaufbau der Philippusgemeinde.Einen Namen hatte die neue Tochtergemeinde schon, nur die Kirche fehlte.Pastor Fischer war so klug, sich rechtzeitig einen Bauplatz für Kirche und Gemeindehaus zu sichern.
Am Totensonntag sind wir mit etlichen Jungens am Nachmittag auf dem Friedhof gewesen und besuchten die Gräber unserer verstorbenen Jungen und des einen Mädels aus Horn.
Mit einer großen Schar feierten wir im Jugendheim der Turner in Ohlendorf unsere Adventsfeier.Noch vor Weihnachten wurde eine Lebensmittelverteilung vorgenommen und noch kurz vor dem Fest die Gemeindeblätter verteilt.Am 4. Advent wurde in einer gutbesuchten Kirche das Worpsweder Hirtenspiel aufgeführt, um sich so langsam auf die Weihnachtszeit einstimmen zu lassen.
Weihnachten wurde diesmal in einer großen Familie gefeiert.Wie gut, dass wir die Großeltern noch dabei hatten.Der Großvater hatte schon vor Weihnachten sein Schaufenster toll hergerichtet.Vieles von den Puppen und Schlitten hatte er selber gebastelt.Die Kinder haben sich an der Scheibe vor Begeisterung die Nasen platt gedrückt.Ja, der Kolonialwarenladen hatte es in sich, wenn auch die Schwiegereltern sich sehr mühen mussten.Immerhin, es ernährte die Familie.
Auch in den Nach-Feiertagen mussten die Jungen durch eine Fahrt betreut werden.Mit den Wölflingen waren wir wieder in Bahlburg bei Meyer, der seine Meierei jetzt zu einem ansehnlichen Jugendheim ausgebaut hatte.
Es kam mal wieder Sylvester - die größeren Kinder werden um 24.00 Uhr geweckt und durften auf dem Balkon der Großeltern die Wunderkerzen abbrennen und das Feuerwerk-Spektakel über Hamburg erleben.Neujahr feierten wir an einem Freitag und Sein Wort war unser Begleiter ins neue Jahr.
1954
Die Kirche hatte eine neue Kirchenzeitung herausgebracht und die sollte auf Geheiß der obersten Leitung in jeden Haushalt.Es gab viele Tage eine Mordsarbeit.Zur Erholung, angeblich, gab es eine Diakonenfreizeit von der Landeskirche in Kuddewörde im Clemens-Schulz-Heim.Ein wunderbares, ausgebautes Strohdachhaus mit einem Jugendheim.Wir waren auch später mit den Pfadfindern in diesem Haus.Erst viele Jahre später, als die Kirche mit der Jugendarbeit auf Kriegspfad stand, konnte oder wollte man dieses Haus nicht mehr haben.Man hatte dieses Haus mit dem Jugendheim und schönem Grundstück für 5.000,-- DM verkauft!Heute ist dieses Grundstück viel, viel mehr wert.Schade, dass die Landeskirche so gehandelt hat.Später kam dann auch die Heideburg dran, weil man hier nicht den Mut hatte, eine bessere Lösung zu finden, als sie an Anthroposophen zu verpachten.99 Jahre wird nun die Jugend der Kirche diesen schönen Stützpunkt nicht mehr besuchen können.
In Hamburg wurde bei einer Wahl nach langen Jahren die SPD abgelöst.Bürgermeister wurde Dr. Sieveking.Nun wurden für den Senat neue Mitglieder gesucht.Auch an Pastor Hans-Otto Wölber wurde gedacht, der aber lehnte ab.Dafür ließ sich der Sekretär vom CVJM als Senator wählen.Er sollte das Ressort als Verantwortlicher in der Jugendbehörde übernehmen.Nahm einen tüchtigen Anlauf und wollte auch neue Leute auf die dortigen Posten bringen, aber es gelang nicht.Die Posten sind so verbonzt und von Parteibuchleuten besetzt, dass er nicht durchkam und das Handtuch warf.
Unser lieber Aga,Hans G. Beygang, verlor durch einen tragischen Unfall seine Mutter.Es geschah in der Küche, als sie über dem Herd Wäsche aufhängen wollte, als ihre Kleider Feuer fingen und sie Verbrennungen 3. Grades davontrug.Noch schmerzlicher für seinen Vater, der an beiden Beinen eine Lähmung hatte.Mit großer Anteilnahme haben wir sie zu Grabe getragen.Immerhin hat sich unsere Gemeinde immer sehr um die Beiden gekümmert.
Ja, min Lüd, einmal musste ich im Februar sogar den Kirchenheizer spielen.Schadet nichts, wir sind eben Mädchen für alles.
Wer im Sommer was werden will, der muss schon zeitig mit dem Planen anfangen und auch Verbindungen aufnehmen.Der eine Raum im Keller, gleich unterm Büro, wurde als Kajüte ausgestattet.In halber Höhe musste Holz dran.Dieses hatte ich von einer Holzhandlung am "Roter Brückenweg" in Billstedt.Als der Vize hörte, dass es für die Pfadfinder sei, gab es einen niedrigeren Preis und als Geschenk eine Holzplatte, die einige der Pfadfinder, die mit Holz umgehen konnten, zu einen Blockhaustisch zurechtbauten.Der Raum wurde toll gestaltet.Wir besorgten auch zwei Schiffslaternen, die an den Seiten prangten, und eine "Kombüsenlampe".
Zwischendurch kamen die Sitzungen von der Jugendkammer dazu.Die Besetzung bestand aus mehreren Diakonen, Frau Schüßler, die verantwortlich war für das Mädelwerk, einigen jungen Pastoren und Wölber.Meistens ging es um die Weiterführung und Gestaltung der Evangelischen Jugendarbeit in Hamburg, Ausbau der Heideburg.Was da manchmal für Vorschläge auf den Tisch kamen, da musste man mit dem Kopf schütteln.Es passierte auch, dass eine Gruppe, hier die jungen Pastoren mit Wölber und dem Architekten, Sachen durchbrachten, die nicht hätten sein sollen.Nur ein Beispiel: Die Schränke in den Zimmern waren so ein Schund.Wenn die Schranktüren geöffnet wurden, kam einem der ganze Schrank entgegen.Also mussten sie an der Wand festgemacht werden.Auch Wölber war versessen:In der Halle musste ein Gemälde hängen, was nicht billig war.Der Betrachter stellte fest, der eine Arm des Jungen auf dem Bild war viel zu lang.Uns wurde erklärt, das sei eben Kunst.Dann kam eine Sitzung, in der man der Meinung war, der Turm der Heideburg müsse weg.Da gab es aber bei mir einen Protest, der sich gewaschen hatte.Mit Wölber lag ich im Klinsch und mit Zorn verließ ich die Versammlung.Später rief die Sekretärin, Frau Claußen, bei mir an und wollte wissen, ob ich mich mit Pastor Wölber überworfen habe.Ich konnte sie beruhigen.Auch ließ sie sagen, der Turm bleibe.Eine Heideburg ohne Turm wäre ein Schildbürgerstreich gewesen.Dies nur noch von der Jugendkammer.Später sagte ich ade, denn andere Kräfte versuchten, ihren Einfluss geltend zu machen und die Jugendarbeit von dem Geistlichen weg zu drängen, aber ohne mich.Viel später hat sich diese Linie in Hamburg ausgewirkt, immer kleiner wurden die Kreise.Wer wollte sich noch am Sonnabend und Sonntag um die Jugend kümmern.
Einer der ersten Pfadfinder, Peter Iden, wurde verabschiedet, denn er ging nach Canada.Auch eine Haussammlung wurde durchgeführt.Ich klapperte die Horner Landstraße mit den Spendenlisten ab.Kam auch in das Haus am Horner Berg.Die Treppe zum Haus war sehr lang und wurde Himmelsleiter genannt.Also, oben stand dieses Haus und ich hinein.Ich rufe, aber im Treppenhaus keine Antwort, nur im Keller höre ich Stimmen.Dann also hinunter.Unten in der Küche saßen ein paar Männer und eine Frau.Brachte kühn mein Anliegen vor.Die Frau war erstaunt, als sie hörte, ich sei von der Martinskirche.Wir kamen in ein Gespräch und dabei erzählte sie, sie wären früher gerne in der Kirche gewesen, bis der Pastor Krome ihren Sohn angemacht hätte, weil er am Sonntag einen Stuhl getragen hätte.Von da an wäre es aus gewesen mit Kirche, auch mit dem Konfirmandenunterricht.Nun, dazu konnte ich nicht viel sagen.Ob man je verstanden hatte, was das 3. Gebot sagt?Immerhin,ein Betrag wurde in die Liste eingetragen und man bat mich: "Junger Mann, kommen sie wieder."
Bin später oft bei der alten Frau Ellerbrock gewesen.Sie erzählte, alle ihre Kinder wären nach Amerika ausgewandert.Noch auf dem Krankenbett bat sie, ich solle zu ihr kommen, sie hätte noch ein paar Gesangsbücher mit Goldschnitt, die sie der Kirche vermachen wolle.Wir haben noch lange miteinander gesprochen.Wir sammelten auch alte Bilder von Alt-Horn.Sie gab mir ein großes Bild mit von der alten Kate am Hirtenkaten.Da stand sie als junge Frau an der offenen Feuerstelle.Unser Beisammensein war das letzte Mal.Bald darauf starb sie und eine alte Hornerin wurde zu Grabe getragen.
Unsere Gründungsfahrtam 1. Mai ging diesmal zur Lutherklause.Aga musste kochen und wurde gehänselt, das Wasser nicht anbrennen zu lassen.Beim Apell wurde dann die erste "Fährte", unser neues Pfadfinderblatt, verteilt.Die Vorderseite war bunt und hatte ein modernes Aussehen.
Wieder gab es eine Rüstzeit in Glücksburg. Das dortige Wasserschloss wurde besichtigt.Die Prinzessin hatte hier eine Badewanne aus Zink.Die Klo-Angelegenheit wurde auf einfache Weise gelöst.Im Eckturm war ein Sitz mit einem Loch und alles fiel dann von oben in den Wassergraben.Umweltverschmutzung kannte man nicht, die Lasten haben wir heute zu tragen, die damals nicht erkannt wurden.
Pfingsten fand das Lager in Jesteburg statt.Eine große Meute kam mit.Diesmal konnten wir unsere gekauften Zelte aufstellen.Ein Lagerkreuz wurde errichtet, unter dem wir unsere Bibelarbeiten und Andachten abhielten.Lisa war mit den Kindern auch mitgekommen und hatte ihr Quartier in einer Rundhütte.Am Tag war man auf dem Hof.Lisa kochte in einem Waschkessel das Essen.Barbara war in ihrem Kinderbettchen am Tage im Freien.Sie hopste mal so, dass das Bettchen auseinander ging und sie voller Staunen auf dem Erdboden saß.Hier im Lager hatten wir auch ein Feldtelefon, dass bei unseren Spielen eifrig genutzt wurde.Auch zur Küche hatten wir eine Leitung gelegt und Lisa konnte zum Essen rufen.Mit der Zeit kam eine Tugend auf, die uns nicht immer gefiel, denn nachts versuchten die alten Pfadfinder sich im Lagerüberfall, der aber immer wieder mit Erfolg abgeschlagen wurde.Nur das Verpflegungszelt, das bei Unteutsch auf dem Hof stand, suchte man heim und brachte einige Nahrungsmittel durcheinander.
Leider sollte dieses Lager ein Nachspiel haben.Im Haus stellten wir fest, Barbara hatte Blut im Stuhl.Dies musste nun aber beobachtet werden.Glücklicherweise konnte mit ärztlicher Hilfe diese Gefahr abgewendet werden.Aber dafür kam der Vater eines Jungen, der mich verantwortlich machte, dass sein Junge sich auf dem Lager eine Gehirnhautentzündung zugezogen hätte.Im Krankenhaus stand mir ein aufgeregter Vater gegenüber.Nur durch das Gespräch mit dem Arzt wurde er ruhiger.Wie war die Infektion möglich gewesen?Vielleicht war das Wasser schuld, aber den Herd dieser Krankheit haben wir nie herausgefunden.Wie war ich froh, dass nach Tagen eine Besserung einsetzte und ich die Last von meiner Seele los wurde.So konnten wir uns unbeschwert den nächsten Aufgaben widmen, die schon auf uns warteten.Nur die beiden Jungen traten aus der Pfadfinderschaft aus, schade!
Dann gab es einen großen Gemeindeausflug nach Neuenfelde mit allem Drum und Dran.Ohne Vorbereitungen für die Kinder und Erwachsenen ging es nicht.Zum ersten Mal machen wir einen Bauern in Kisdorf mit Namen Oosting aus, der sehr nett war und uns einen Lagerplatz in seinem nahegelegenen Wald zuwies.Durch die Bauersfrau bekam Lisa ein Quartier im Haus.Unsere Mädel freundeten sich mit den Kindern an.Als das Lager stattfand, war eines ärgerlich: Mehrere Nächte konnten es die alten Pfadfinder nicht lassen, uns die Nachtruhe zu rauben.Langsam wurde es mit den Überfällen zu arg und es musste mal ein Machtwort gesprochen werden.Später sind wir oft bei der Familie Oosting gewesen.Dem Bauern haben unsere Pfadfinder und die Wölflinge auf dem Feld beim Rübenverziehen geholfen.
Als in späteren Jahren unser Junge soweit war, dass wir ihn mitnehmen konnten, haben die Pfadfinder sich mit ihm einen Scherz erlaubt.Auf dem Hof war für das Heu ein Gebläse mit langem Rohr vorhanden und dazu ein sehr zahmer Hund, mit dem sich unser Andreas angefreundet hatte.Eines Tages war er mit dem Hund an diesem Rohr und ein Pfadfinder hatte am anderen Ende auf dem Heuboden mit tiefer Stimme ins Rohr gesprochen.Unser Junge erzählte uns aufgeregt, der Hund kann sprechen.Er war lange Zeit von diesem Ereignis beeindruckt und überzeugt.
Natürlich lief auch in diesem Jahr das Lager in Heiligenhafen an und gleich danach war wieder eine Fahrt in den Teuteburger Wald.Aus ganz bestimmten Gründen besuchten wir immer gerne die Betheler Anstalten, damit die Jungen erlebten, wie die geistig und körperlich Behinderten leben.Wir sind durch etliche Häuser geführt worden und sahen, wie diese Menschen beschäftigt wurden und voller Stolz und Freude ihre gebastelten Sachen zeigten.Dann wurden wir in ein Haus namens „Patmos“ geführt und hier lagen im Saal in ihren Torfbetten schon seit Jahren die Kranken.Eine Schwester führte uns an ein Bett, in dem das Kind schon 14 Jahre lag.Eine Körperseite war ganz abgemagert.Es lag da mit seinen großen Augen und blickte uns erwartungsvoll an.Die Schwester zeigte am Ende des Bettes auf eine Dose und sagte zu uns: "Der Kranke sammelt für den Herrn Jesus und würde sich freuen, wenn wir etwas geben würden."Als wir dies taten und er es sah, wie das Geld in die Büchse kollerte, ging ein Leuchten über das blasse Gesicht.Sprechen und bewegen konnte er sich nicht.Später erfuhren wir, er sei von seinem Leiden erlöst worden.Noch nach über 40 Jahren habe ich diese Begegnung nicht vergessen können.Unsere Jungens waren allein von dieser Begegnung noch lange berührt, wenn auch wieder etwas auf uns zu kam, was wir noch nicht erlebt hatten.Man hatte uns für die Übernachtung auf den Quellenhof verwiesen.In Bethel ist dies ein Bauernbetrieb mit einem Arbeitshaus für nichtsesshafte Männer.Bodelschwingh hatte ja ein Herz für die Brüder der Landstraße und hatte auch für sie das Sennelager geschaffen, wo diese Leute über den Winter bei Arbeit und Brot bleiben konnten.Heute ist aus dem Sennelager die Sennestadt geworden.Aber zurück zum Quellenhof.Hier bekamen wir einen größeren Raum zum mit sauberen Betten Übernachten angewiesen.Der Hausvater machte darauf aufmerksam, dass wir morgens früh zeitig und schnell aufzustehen hätten.Erst einmal haben wir die Tür mit Möbeln verstellt.Wir wollten keine unliebsamen Gäste bei uns haben.Man könnte uns auch nachts beklauen und wir merken so etwas nicht.Die Nacht verlief ruhig, bis mit einem Mal morgens um 7.00 Uhr ein fürchterliches Musikspektakel begann und wir bald aus den Betten fielen.Es war nicht mehr möglich, überhaupt noch in dem Raum zu bleiben.In Windeseile zogen wir uns an, packten unsere Sachen, sagten Dankeschön für das Quartier und ab ging die Post zur Sparreburg.Hier durchforsteten wir die unterirdischen Gänge.Besuchten den alten Hermann, der noch immer angeschossen auf seinem Sockel stand.Er hatte sich immer noch nicht von den Folgeschäden des Krieges erholt.Mit dem Fahrrad haben wir unsere alte Strecke abgefahren und sind später, trotz Regen, bei Minden zum Denkmal geklettert.Hier an dieser Stelle wird der Mittellandkanal über eine Brücke über die Weser geführt.
Nach meinem Urlaub bekam ich von unseren Freunden aus Finnland Bescheid, ein Bus mit ca. 50 Finnen möchte gerne in Hamburg eine Pause zu Mittag einlegen.Schnell haben wir ein Speiselokal am Hauptbahnhof ausfindig gemacht und das Essen für alle bestellt.Es gab bei ihrer Ankunft eine fröhliche Begrüßung und wir konnten sie zum Essen einladen.So konnten wir von der Gastfreundschaft, die wir mal in Helsinki bei der jungen Gemeinde erlebt hatten, etwas zurückgeben.Glücklicherweise blieb man nur zu dieser kurzen Rast, denn so viele in kurzer Zeit in Hamburg unterzubringen, wäre nicht möglich gewesen.Wir nahmen herzlich Abschied mit dem Versprechen, Finnland mal wieder zu besuchen.
Christas Geburtstag durfte bei all den vielen Unternehmungen nicht untergehen, denn die Kleine durfte ihren 8. Jahrestag feiern.
Wieder war eine Herbstfahrt fällig, und diese führte erst einmal nach Bardowick.War früher eine blühende Stadt, bis ein Bulle Heinrich dem Löwen, der die Stadt belagerte, eine Furt zeigte, und er so die Stadt über diese Furt erreichen konnte und sie zerstörte.Übrig blieb der Dom, wo uns der Küster die Grabkammer zeigte.Hier stand ein geöffneter Sarg, in dem eine junge Frau noch unverwest lag. Warum?So erklärte es der Küster: dies läge an der Ausstrahlung von Salpeter in dem Raum.InBardowick darf man noch heute nicht den Ruf erschallen lassen: Der Bull, der Bull kommt.Die Einwohner werden dann ungemütlich.
Diesmal zogen wir mit den Pfadfindern durch die Göhrde und konnten bei einem Bauern in Riebrau, bei dem wir auch später oft übernachten konnten, einkehren.Hier erlebten die Jungen auch einmal, wie ein Schwein geschlachtet wurde, für Stadtjungen immerhin ein Ereignis.
Zwischendurch wurde Pastor Niemann krank, den wir mit mehreren Pfadfindern in Wintermoor besuchten.Auf der Rückfahrt sind wir noch in Jesteburg bei Familie Unteutsch eingekehrt und kamen gerade hinzu, als zwei Zeugen Jehovas die Mutter Unteutsch bekehren wollten.Wir haben das Gespräch mit den fanatischen Brüdern aufgenommen und konnten allerlei Punkte, wie Abendmahl und Dinge vom Ende der Welt, wie Christus uns sie erklärt hat, ins Feld führen.Dagegen konnten sie nicht an und zogen ganz plötzlich Leine.Mutter Unteutsch war froh, dass wir Hilfestellung geleistet hatten, denn sie war arg in Bedrängnis geraten.
Jugendkonferenz und Sitzungen in der Jugendkammer forderten auch mal wieder ihre Zeit.Mir wurden die Sitzungen bald zu viel, denn immer meine kostbare Zeit auf Sitzungen zu verbringen, konnte mir bald eine Hornhaut auf der Sitzfläche verpassen.Mit Pastor Dubbels sprach ich ab, nur noch in dringenden Fällen dabei zu sein zu wollen.Mir war die Gemeindearbeit wichtiger, denn es gab in diesem zerstörten und im Wiederaufbau begriffenen Stadtteil viel zu tun.Wir machten mal wieder einen Filmabend für die Gemeinde mit dem Film "Denn sie sollen getröstet werden", der gut ankam.
Weniger gut kamen wir bei den Heimkehrern an.Wenn man sie zum Gottesdienst oder zu Veranstaltungen im Gemeindehaus einlud, hatten sie die Ausrede, man müsse die zerstörten Wohnungen aufbauen, danach könnten sie kommen.Ja, natürlich musste aufgebaut werden, aber auch mal Zeit für einen Gottesdienst bleiben!Der Glaube darf nicht verhungern.Später kam das Auto und man fuhr hinaus und alles andere, was man sich vorgenommen hatte, unterblieb.Ja, ja, der Dübel hat schon seine Finessen.
Auch mit uns Diakonen hatte der Kirchenvorstand Mitleid wegen des Büroraumes.Wir saßen im Keller mit unseren Schreibarbeiten.Es wurde auf dem Flur ein Raum bewilligt, das heißt, der Mauermann durfte eine Ecke abteilen und neue Wände zu einem neuen Raum ziehen.
Vor Weihnachten erfreuten wir viele bedürftige Gemeindemitglieder mit Gaben vom Hilfswerk.Bei der Milchpulververteilung in Tüten staubte das Pulver so, dass wir wie die Schneemänner aussahen.Das Zeug war so klebrig im Haar, dass nur kräftiges Waschen half, um wieder vernünftig auszusehen.
Zu Weihnachten haben die Wölflinge eine Krippe mit Figuren gebastelt.Diese wurde mit Tannengrün geschmückt und im Flur des Gemeindehauses aufgestellt.Außer der Weihnachtsfeier für Jung und Alt gab es auch immer eine große Verlosung, die Frau Geyer organisierte.Frau Geyer ging dann in die Horner Geschäfte und bat um Sachen für den Basar.Der Missionskreis, der auch jahrelang von ihr geführt wurde, hatte viele schöne Sachen angefertigt, die auch zur Verlosung kamen.Bei der Verlosung gewann jedes zweite Los.Bei großer Kaffeetafel und regem Zulauf von Gemeindemitgliedern hatte Karl das Amt des Ausrufers.Er verstand sein Handwerk großartig.Ich glaube, auf dem Hamburger Dom hätte er eine tolle Nummer abziehen können.Einmal wurde eine Gans gestiftet, die wurde amerikanisch versteigert und brachte eine große Summe ein. Die Gans bekam dann eine kinderreiche Familie,deren Namen ich noch heute weiß, denn eines der Mädchen ist später ins Rauhe Haus gegangen und wurde Diakonin.Die Gelder, die bei diesem Basar und der Tombola zusammen kamen, ergaben eine große Summe, die dann der Äußeren Mission zu Gute kam.Ja, und dann kam von Karl und mir der Vorschlag, doch am 24.12. um Mitternacht einen Gottesdienst zu halten.Lachen musste ich, als Herr Geyer, der Kirchenbuchführer, sagte: "Das ist wohl für Kellner?"Wir aber ließen nicht locker und einer der Pastoren machte für Horn den Versuch.Und siehe da, die Kirche füllte sich so zu 3/4.Wir waren sehr zufrieden und meinten, wenn erst der Anfang gemacht ist, wird es auch einen Fortgang geben.Es ist tatsächlich bis auf den heutigen Tag bei dem Mitternachtsgottesdienst geblieben und Herr Geyer musste einsehen, dass er Unrecht hatte.
Natürlich haben wir in der Familie mal groß gefeiert, denn wir hatten ja einen 3. Feiertag dazu, unsere Barbara hatte doch Geburtstag.Auch dieses Jahres nahm Abschied mit viel Arbeit.Was würde das neue Jahr bringen?Noch war alles verborgen.Mit Gottes Hilfe wird es schon Licht werden.
1955
Wir hatten ja Grund, gespannt zu sein auf das Kommende, denn Lisa ging schwanger und was würde diesmal das Licht der Welt erblicken?Wir aber, der Karl und ich, wurden weiter von den vielen Aufgaben der Gemeinde gefordert.Ob es kleine oder große waren, weil wir uns guter Gesundheit erfreuten, konnten wir unser Tagewerk weiter fröhlich betreiben.Man schaue sich nur mal meine alten Diakoniekalender an.Alle Jahrgänge mit vielen Einträgen sind vorhanden, die einem ein Bild geben von dem, was tagtäglich anlag.Hier, bei den Erlebnisberichten, werden nur die besonderen Begebenheiten herausgestellt und erweitert.Zum Beispiel: Wieder war mal ein Filmsonntag dran.Nachmittags kam eine Schar Jungen aus dem Rauhen Haus mit Bruder Mahnke, dessen Namen ich erst mal kennen lernen musste.Im Laufe eines Gespräches mit ihm sagte er, er stünde kurz vor seinem Examen.„Und was soll dann werden?“, war meine Frage.Nun, er wollte zur Behörde.Davon riet ich ihm ab.Wir brauchen Gemeindediakone, die zum Aufbau der Gemeinden wichtig sind.Wer ahnte an diesem Tag, dass es mal so kommen sollte, wie es dann wurde.Denn der Karl wurde Kirchenbuchführer, weil Herr Geyer in Pension ging.Wir brauchten einen zweiten Diakon und Walter Mahnke kam zu uns.Man könnte schon sagen: Wie das Leben so spielt.Nein, hier war Gottes Hand mit im Spiel, was sich später zeigen sollte.
Unsere Filmvorstellung erregte den neuen Besitzer vom Kino "Derby Lichtspiele" am Bauerberg.Wir dürften keine Filmveranstaltungen durchführen und keine spannenden Filme zeigen.Wir hatten aber einen verantwortlichen Mann für das Filmreferat in der Kirche, Pastor Wilken vom Männerwerk, dem wir unsere Schwierigkeiten mit diesem Filmpalastbesitzer erzählten.Pastor Wilken sorgte dafür, dass diese Schwierigkeiten beiseite geräumt wurden.
Dann kam der 12. März 1955.Es wurde ein denkwürdiger Tag, denn der Herr schenkte uns einen männlichen Erdenbürger.Die Geburt ging ohne Schwierigkeiten vonstatten.Nach dem Ereignis waren Mutter und Kind wohlauf.Alle unsere Kinder sind im Hause zur Welt gekommen und soweit es möglich war, war der Vater dabei.Also, der Neue bekam den Namen Andreas und schrie sofort, als er den ersten Atemzug in dieser Welt tat.Die Hebamme gab ihm etwas Zuckerwasser, und er war erst mal damit zufrieden.Vor Freude über diesen Zuwachs nahm ich erst mal Urlaub.
Dann wurde tüchtig geübt für unseren Lapplandabend, der am 27.7.1955 stattfand.Thema: Von Lappland bis zum Alpenschnee.Die Pfadfinder gaben ihr Bestes.Lichtbilder, Sketche und Gesang füllten den Abend aus.Vermerkt werden muss der große Zulauf; der Saal war brechend voll und die erste Milchbar wurde in der Pause kräftig besucht.
In der Pfadfinderschaft wurde ein neues Kapitel der Arbeit hinzugefügt.Durch ein sehr aktives Gemeindemitglied, Herrn Kulick, lernten wir seinen Schwiegersohn, Herrn Möller, kennen, der Ausbilder beim Roten Kreuz war.Es wurde mit ihm eine Besprechung durchgeführt und der Späherrat war einverstanden, dass von nun an Rot-Kreuz-Kurse für die Pfadfinder abgehalten werden.Immerhin musstendie Teilnehmer 4 x 2 Stunden absolvieren, um dannnach einer Prüfung den Ausweis vom RK zu bekommen.Damit wir auch bei speziellen Einsätzen zu gebrauchen wären, kamen zur Ergänzung besondere Übungen im großen Verband dazu.Einmal kam es zu einem großen Einsatz in Billstedt, wo eine Holzhandlung brannte und wo Feuerwehr und Rotes Kreuz zu Hilfe eilen mussten.
Auch wurden Rüststunden für Sippenführer in verschiedenen Freizeitheimen durchgeführt, denn ohne Weiterbildung kann eine Jugendarbeit nicht gedeihen, denn auch viel Phantasie ist dabei gefragt.
Dann wurde eine Gründungsfahrt zum 1. Mai auf den Sunderhofgemacht.Bei einer solchen Fahrt, wir waren mit den Wölflingen eine große Meute, hatten wir von den Sippenführern den Einfall, die ganze Meute im Sunder Waldgebiet im Dunkeln allein zu lassen, und sie sollten dann allein das Haus wiederfinden.Wir mussten lange warten, bis alle zurück waren.Halt, Nein!Zwei Jungen fehlten und kamen und kamen nicht zurück.Es wurde schon hell und uns plagte die große Ungewissheit.Erst spät am Morgen tauchten sie wieder auf und erzählten uns, sie wären an die Autobahn geraten und Richtung Bremen marschiert, bis ein Autofahrer sie von ihrem Irrtum befreite und sie Richtung Hamburg schickte.Wir waren aber waren froh, dass dieses Abenteuer glimpflich abgelaufen war.Es gab uns auchdie Lehre, die Jungen nicht ungeübt im Gelände loszuschicken.
Vom Südkreis wurde auch ein Gemeindetag in Blohms Park durchgeführt.Pastor Niemann und eine Turnriege mit einem Tanzkreis taten sich hervor.Eine besondere Ehre wurde uns zu teil.Der Oberkirchenrat Herntrich, der ja später Bischof von Hamburgwurde, besichtigte unsere Pfadfinderräume im Gemeindehaus.Immerhin, solche Räume gab es in Hamburg in der Ausstattung nicht noch einmal.Leider ist der spätere Bischof Herntrich bei einer Fahrt durch die Ostzone bei einem Autounglück ums Leben gekommen.
Für die Pfadfinder wurde im Kellergang ein Anschlagbrett befestigt.So konnt jede Sippe ihre neuesten Unternehmungen bekannt machen.Wir lernten auch bei einem Treffen auf der Heideburg eine große Pfadfindergruppe aus Eißendorf-Harburg kennen.Mit diesen hatten wir in ihrem Heim einen großen Empfang und einen bunten Abend.
Von der Landeskirche wurden Jahr um Jahr Betriebsausflüge für alle Mitarbeiter gemacht, einmal nach Krautsand und auch nach Voßloch in Schleswig-Holstein.
Pfingsten kam immer näher, und wir brauchten für die Pfadfinderschaft einen Zeltplatz. Beim Durchsehen der Karteiblätter fiel uns ein Blatt besonders auf.Da war vor Tostedt bei Bötersheim ein großes Waldgebiet.Nun hatte Helmut Koops von seinem Onkel einen kleinenWikingbus zur Verfügung, und so fuhren wir nach Bötersheim, einemkleinen Dorf mitten im Wald.Natürlich wurde nach dem Besitzer des Waldgebietes gefragt.Es war der Gutsbesitzer Rogister.Wir hatten Glück, er war im Haus.Er fragte nach unserem Begehr und wir brachten ihm unseren Wunsch vor.Er aber sagte: „Endlich mal eine Gruppe, die um Erlaubnis bittet.“Natürlich dürften wir am Butterberg, Nahe der Este, unser Lager aufschlagen.Wer ahnte schon jetzt, dass dies nicht die letzte Begegnung werden sollte.Unser Lager fand statt.Hingekommen sind wir mit der Bahn über Buchholz und mit der Kleinbahn bis Drestedt.Heute gibt es diese Strecke nicht mehr, schade!
Noch etwas darf nicht vergessen werden, denn am 5. Juni 1955 wurde unser Andreas getauft. Bevor es geschah, ließ Pastor Dubbels die Glocken um 15.00 Uhr läuten.In seiner Taufrede vermerkte er, der Andreas solle sich von seinen Schwestern nicht unterkriegen lassen, es waren immerhin vieran der Zahl und er war der Jüngste.Beim Kaffeetrinken war auch Pastor Dubbels dabei und es war alles recht nett.
Es kam damals selten vor, dassdie Diakone der Gemeinde in einer Kirchvorstandssitzung dabei waren.Immerhin, der erste Anfang wurde getan:Wir wurden herbeigerufen, wenn es um Dinge der Jugendarbeit oder andere Schwierigkeiten ging.
Ein Jungschartag für Hamburg wurde im Sachsenwald durchgeführt.Wir hatten tief im Wald das Wrack eines abgestürzten Flugzeugs ausgemacht und die anderen Jungschargruppen mussten dieses suchen und die angenommene verunglückte Mannschaft bergen.Es wurde für alle ein erlebnisreicher Tag.
Dann erfolgte der Aufbau der Zelte in Heiligenhafen und das große Lager, und später kam die Schwedenfahrt dran, bei der wir wieder Stockholm und Umgebung unsicher machten.
Wieder in Hamburg, musste im Gemeindehauskeller die angefangene Arbeit in der früheren Küche weitergemacht werden.Die zum Teil abgeschlagenen Kacheln, die man nach der Bombardierung Hamburgs und Horn zu stiebitzen versucht hatte, mussten ganz herunter.Die Wand musste verputzt, eine Aufwasch gesetzt und zwei große Gaskocher mit neuer Leitung angeschlossen werden.Später kam noch eine Badewanne mit Badeofen dazu.Diese kleine Badestube wurde durch einen Vorhang abgeteilt.Der andere, größere Raum war Teeküche, dennfür die Gemeindeveranstaltungen brauchten wir Kochgelegenheiten.
Zwischendurch mussten auch Vorbereitungen für eine Frankreichfahrt mit den ältesten Pfadfindern getroffen werden.Wir mussten zwei VW-Busse mieten.Zum Glück waren zwei Fahrer vorhanden:Der Neffe von Karl Görlich, Günter Schilling, der später an der Uni Professor wurde, und der andere war Willenbrock, der nach Jahren den Wunsch äußerte, zur Fliegerei zu wollen.Man riet ihm aber ab.Als er mich dann nach meiner Meinung fragte, bekam er eine positive Antwort.Darüber war er sehr froh und blieb unternehmungslustig.Er machte seine Flugprüfung und wurde Pilot bei der Lufthansa.
Nun aber erst einmal zur Frankreichfahrt, die auch so manche Überraschung in sich barg. Unterwegs machten wir die Entdeckung, dass der Sambawagen - von außen sehr schmuck mit Oberfenster - auf der Bundesstraße 75 mit denVorderrädern plötzlich zu stottern anfing.Man musste mit der Geschwindigkeit herunter, bis dieser Anfall vorüber war.Zum Glück war es nicht gefährlich, nur die Passanten guckten ganz dumm, wenn der Wagen mal wieder einen Schwinganfall bekam.Schnell bekam der Sambawagen den Titel "Der Epileptische".Wir kamen trotzdem gut voran, aber an der französischen Grenze gab es einen Aufenthalt.Die Pässe wurden sehr genau durchgesehen.Die Franzosen hatten Listen, die zum Vergleich herangezogen wurden.Man suchte und fahndete nach Kriegsverbrechern.Wir aber waren keine.Jeder Pfadfinder bestand darauf, in seinem Pass vom Zoll den Stempel zu bekommen.Dann ging es auf Paris zu.Vom Krieg her kannte ich Paris und so fuhren wir zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten.Natürlich, alles konnte nicht besichtigt werden, aber immerhin ein paar hervorspringende Orte: Notre Dame, der Invalidendom, Grabmal mit Napoleon und berühmten Feldherren.Vor diesem Grabmal lag noch viel Kriegsmaterial aus dem letzten Krieg.Hinter dem Invalidendom die Kirche mit den vielen Fahnen aus den Kriegen, die Napoleon geführt hatte.Noch war der Verkehr auf dem Place de la Concorde und Champs Elyseè nicht so stark wie heute.Wir fuhren zum Triumphbogen und zur Flamme, die für den unbekannten Soldaten brennt.Unser Weg führte auf die Schlachtfelder des ersten Weltkrieges, zum Duaumont, an die Somme, zur Marne, wo den Franzosen die Umkehrung des Kriegsglücks gelang und unsere Generäle die gebotene Chance nicht nutzten.Unsere Jungens hatten von der Geschichte kaum Ahnung.Man konnte noch die Flächen erkennen, wo die gewaltigenMaterialschlachten gewütet hatten.
Unsere Fahrt ging dann in die Provence.Wir besichtigten Nimes und Aixes, Städte die noch heute sehr eindrucksvolle römische Baudenkmäler aufzuweisen haben.Dann ging’s auf ans Mittelmeer.Die Pfadfinder waren noch nie am Mittelmeer gewesen, und wir kamen an eine Strandstelle, wo viele Familien der Franzosen ihren Urlaub verbrachten.Als unsere Busse da auftauchten, waren wir bald von etlichen Franzosen umringt.Sind hier schon wieder Deutsche, und was sind das für Autos?Man ging um die Busse herum und suchte den Motor.Wir zeigten ihnen den, indem wir die hintere Klappe öffneten.Sie waren bass erstaunt.Wir hatten ein gutes Verhältnis zu den Franzosen, die uns immer wieder betonten: Nur wieder keinen Krieg!
Natürlich wurde tüchtig gebadet, und dann wollten wir auch nach Avignon, einer Stadt mit einer Stadtmauer und dem ehemaligen Pabstpalast, wo einst der Gegenpapst regiert hatte.Draußen vor der Stadtmauer hatte Aga ein altes Auto entdeckt, bei dem der Akku auf dem Trittbrett stand und die Handbremse zur Verlängerung einen Holzknüppel hatte.So etwas wäre bei uns unmöglich gewesen.Wir standen um das Vehikel herum und machten unsere Glossen, was die Franzosen nicht leiden konnten.Weiter ging die Fahrt nach Reims, wo sich die Kathedrale befand, in der die Könige von Frankreich gekrönt wurden.Natürlich wurde hier auchSekt eingekauft, Reims ist eine berühmte Sekt-Stadt.Von der Kathedrale waren wir wegen ihrer Schönheit und Erhabenheit überwältigt.Von hier ging es nach Rethel, einer Stadt die in zweiKriegen sehr gelitten hatte.Uns zog es zum Soldatenfriedhof.Unser Hermann Bulla wollte das Grab seines Vaters finden, was wir auch fanden und Blumen darauf niederlegten.Aber noch eines erlebten wir.Der Franzose, der für die Gräberanlagezuständig war, zeigte uns noch ein Grab, es war das Grab von Hermann Bullas Großvater.Wie eigenartig, der Vater von Hermann musste ausgerechnet im 2. Weltkrieg hier fallen, wo schon im 1. dessen Vater gefallen war.
Da wir meinten, an der Hauptgrenze sei es zu voll, wählten wir einen kleineren Grenzübergang.Hier waren wir die einzigen Übergänger.Der deutsche Zollbeamte fragte uns, ob wir etwas zu verzollen hätten, und der Uli antwortete: „Nur eine Klorolle.“Der Zöllner wurde darauf wütend.Obwohl ich mich entschuldigte, es nützte nichts.Alles aussteigen und Busse räumen.Ich bekam Kugelaugen, was da alles aus den Bussen hervor kam, jedenfalls mehr, als der Zoll erlaubte.Die Kerle hatten heimlich viele Flaschen Wein eingepackt, von denen ich nichts wusste.So stand draußen eine große Anzahl von Flaschen, von denen viele verzollt werden mussten.Der Zöllner ging noch gnädig mit uns um.Durch diesen Reinfall haben wir dennoch viel Zeit eingebüßt.Immerhin waren wir für die Zukunft klüger und der vorlaute Uli bekam einen tüchtigen Rüffel.
Voll bepackt von den vielen Erlebnissen kamen wir heil in Hamburg an.Eines wäre noch einen Nachtrag wert: Einer der Pfadfinder war immer bereit gewesen, bei Pannen die Reifen aufzupumpen.Bis auf den heutigen Tag hat der den Spitznamen Pumpi behalten.So ging es also auch uns: Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erzählen.
Wenn die Sammlungen des Hilfswerks oder der freien Wohlfahrtspflege zur Abrechnung kamen, saßen die Zähler und Abrechner abends mit freiwilligen Helfern zusammen.Das viele Kleingeld musste gezählt und in Geldrollen zusammengetan werden.Am nächsten Tag ging es mit schwerer Aktentasche per Pedes zur Sparkasse.Später haben wir es an einem Morgen mit den Vertretern aus der Gemeinde gemacht.Immerhin gingen bald vier Stunden drauf, bis alles fertig war.
Eines Tages kam vom Senat der Hansestadt eine Einladung zu einem Empfang im Rathaus zur Ehrung der Helfer, die sich besonders für die Not der Armen eingesetzt hatten.Mehrere Ansprachen mussten wir im großen Kreis von Eingeladenen über uns ergehen lassen und dazu gab es etwas zum Trinken.
Wegen eines Unfalls vor unserem Haus mussten wir als Zeugen vor Gericht.Viele Unfälle hatten sich inletzter Zeit auf der Horner Landstraße ereignet.Einmal trafes ein junges Mädchen, unsere Nachbarin, als sie in dem Augenblick aus dem Treppenhaus trat, in dem ein Auto über den Bürgersteig fuhr und sie durch die Luftschleuderte.Sie kam mit dem Leben davon, aber hatte jahrelang körperliche Beschwerden.Wegen der schlechten Beleuchtung auf der Horner Landstraße sah ich mich gezwungen, eine Eingabe bei der Polizei zu machen.Nach einiger Zeit bekam die Horner Landstraße neue Lampen und später wurden die Straßenbahnschienen aus dem Pflaster entfernt.Sie waren oft die Ursache der Unfälle.
Zu Christas Geburtstag waren wir wieder in Heiligenhafen und verlebten schöne Urlaubstage.Meine Große musste ich einmal ins Wasser schuppsen und untertauchen, weil sie viel zu weit rausgegangen war und der Untergrund nicht immer eben war.Zu unserer Beruhigung hat sie dann bald das Schwimmen gelernt, was Kinder ja nicht früh genugerlernen können.Auch der schönste Urlaub hat einmal ein Ende und der Alltag mit seinen Aufgaben hatte uns wieder.
Diesmal kam es ganz dick. Die Kriminalpolizei meldete sich.Es sollten einige unserer Jungen Mofateile gestohlen haben.Natürlich wurde dieser Anschuldigung auf den Grund gegangen.Nun hatte jede Sippe ihre eigene Materialkiste und siehe da, in einer waren solche geklauten Teile vorhanden.Mit den Jungen wurde bei der Polizei ganz schnell die Angelegenheit geklärt, und sie kamen dann mit dem berühmten blauen Auge davon.Hätte der Kirchenvorstand davon etwas erfahren, die Herren wären bestimmt in Ohnmacht gefallen.Es gibtimmer einiges, was man im Blick auf Schwierigkeiten in der Jugendarbeit am besten alleine austrägt.
Dies muss auch einmal zu Papier: Wenn die Fahrten zusammengestellt wurden, gab es viel Arbeit.So einfach wie heute ging es nicht.Die Matritzen wurden beschrieben, meistens über 15 Stück, und dann mit der Maschine abgezogen.Wie oft gab es Schwierigkeiten, die Blätter sauber aus der Maschine zu bekommen.Immerhin wurden über 200 Stück gebraucht.Die Pfadfinder brachten sie mit nach Hause, damit auch die Eltern lesen konnten, was in der Pfadfinderschaft und in der Gemeinde anlag.
Zu unserem Rot-Kreuz-Kursus wurde noch ein Hospitantenkursus als Zusatzausbildung eingerichtet.Wer diesen Kursus bestand, durfte mit Genehmigung der R.K.-Leitungdas R.K.-Zeichen auf dem Pfadfinderhemd tragen.Ohne diesen besonderen Kursus war es nicht erlaubt.
Unsere Adventsfahrten, die jedes Mal ein anderes Ziel hatten, wurden langsam zur Tradition.Diesmal waren wir auf dem Sunderhof.Ringsherum war der Wald für unsere Pfadfinderspiele noch in Ordnung.
Vergessen werden soll nicht, dass die Rauhhäusler immer nach dem 2. Advent ihren Adventskaffee im Großen Saal des Wichernhauses hatten.Hier traf man wieder Brüder, die man lange nicht gesehen hatte.Auch im Gemeindehaus wurde es weihnachtlich.Im Flur baute die Pfadfinderschaft einen Weihnachtsmarkt auf.Auf dem wurde vieles zum Kauf angeboten, was die Pfadfinder gebastelt hatten.Wenn dann die Weihnachtsfeiern stattfanden, hatten wir viel Publikum.Selbst nach Weihnachten wurden die Tage nicht ruhig.Auf der Heideburg musste unbedingt noch eine Konferenz stattfinden, und die Wölflinge wollten auch noch eine Fahrt.Diese bot einige Überraschungenwegen eines Diebeslagers an der Autobahn, das entdeckt wurde.Das Jahr ging still zu Ende und wir begingen es mit einem Gottesdienst in der Martinskirche.
1956
Später musste ich zum Tidekanal, um in einem Schrebergarten eine Familie zu besuchen, die es nötig hatte, unterstützt zu werden.Der Mann saß im Rollstuhl und war ein fröhlicher Geselle.Wieder mal bei einem Besuch erzählte er mir im Beisein seiner Frau, man hätte ihn aufs Dach gehoben und er habe mal wieder Dachdecker gespielt.Das war eine Familie, die ihren Halt in Jesus Christus gefunden hatte.So war es immer eine Freude, diese Familie zu besuchen.
Wie es so zugeht: Wir hatten rechts vom Gemeindehaus eine freie Baufläche und der Plan war, ein Wohnhaus für die Mitarbeiter zu bauen.Mir schwebte aber ein Projekt vor, Pavillons für die Jugendarbeit zu bauen, und ein größeres Haus für die Junge Gemeinde, also drei Pavillons und ein Haus um einen Hof herum zu bauen.Für den Kindergarten sollte ganz hinten, wo heute das 2. Pfarrerhaus steht, das Haus gebaut werden.Denn der 2. Pfarrer hatte nichts in unmittelbarer Nähe der Kirche zu suchen, er sollte in seinem eigenen Bezirk wohnen und dort leicht erreichbar sein.Ich war dann bei unseren Architekten Hopp und Jäger, und Herr Jäger hat dann die Pläne ausgearbeitet und dies für uns noch kostenlos, denn wir Pfadfinder hatten kein Geld.Natürlich hat der Kirchenvorstand diesen Plan abgelehnt.Man baute ein großes Haus.Die meisten Räume dieses Hauses sind heute vermietet.Im Keller sind ein paar Jugendräume und im Parterre ist der Kindergarten und hinten ist das Pfarrerhaus.In der Mitte dieses Haustrakts ist noch das Kirchenbüro.Ob man wohl heute nicht über dieses 2. Gemeindehaus eine andere Vorstellung hat, als jene, in die man hineingezwungen wurde?
Es erfolgte dann die Grundsteinlegung der Philippuskirche in der Geest.Bischof Knolle hielt die Weihrede, und Pastor Fischer richtete noch einige Worte an die Gemeinde.Immerhin waren einige Schrebergärtner sauer, weil die Kirche dieses Grundstück bekommen hatte.Darum haben böse Buben nachts die Begrenzungspfähle für den Grundriss beseitigt.Es gab so manchen Ärger.Heute steht die Philippuskirche nebst Gemeinde- und Pfarrhaus.Trotz der schönen Bauten krampft die Gemeinde mit ihren Mitgliedern durch die Zeit.Schon lange ist Pastor Fischer nicht mehr da und damit entfällt eine ganz besondere Säule dieser Gemeinde.Pastor Fischer kam von der Missionsarbeither und hatte auch noch andere Vorstellungen vom Gemeindeaufbau.
Noch ein neues Blatt wurde ins Leben gerufen, der SR-Kurier vom Späher-Rat, der besonders Entschlüsse und Zukünftiges im Programm festhielt.
In der Berzeliusstraße gab es ein Heim für Familien, die aus ihren Wohnungen ausgewiesen worden waren, weil sie Mietschulden hatten.Hier fanden sie eine Bleibe.Für diese heruntergekommenen Familien musste das Sozialamt Billstedt eingeschaltet werden und für sie war eine weitere Betreuung nötig.
Zwischendurch wurde für einen Elternabend tüchtig geprobt.Wir hatten ja viel erlebt.Im März stieg dann der Frankreichabend unter dem Motto "Als wir nach Frankreich zogen". Der Abend war gut besucht und gelang nach Meinung der Eltern fabelhaft.
Jetzt kam die Zeit, in der man viel Klampfe spielte und durch Vermittlung hatte ich in Hamburg einen Großhandel für Musikinstrumente an der Hand.Der Wunsch nach Klampfen war groß, und so besorgte ich nicht nur viele dieser Instrumente für 39.-- DM das Stück, sondern konnte mit Bruder Weiß einen Lehrer gewinnen, der Unterricht geben konnte.So hatten wir bald eine Gruppe von Klampfenspielern, die bei Veranstaltungen mächtig in die Saiten schlagen konnten.
Dies sollte auch nicht übergangen werden: Nach einer bestimmten Zeit hatte der Kirchenvorstand zu entscheiden, ob ich als junger Diakon bleiben sollte.Die Entscheidung wurde der Landeskirche mitgeteilt und so bekam ich dann meine Anstellungsurkunde als Beamter auf Lebenszeit.
Bei dem Heideburgtreffen hatten die Gemeindegruppen diesmal Stände aufgebaut, wir auch.In einem Zelt war der "Fliegende Holländer" zu sehen, an der Decke baumelte ein Stück Holländischer Käse.In jeder Bude wurde Eintritt genommen.Jugendpastor Wölber musste uns natürlich einen Besuch abstatten.Dafür durfte er sich ins silberne Buch eintragen.Wir hatten mit unseren Ständen guten Erfolg.
Wir waren oft auf unseren Fahrten in Raven, wo wir durch den Pastor des Dorfes immer ein gutes Quartier angeboten bekamen und im Garten unser Lagerfeuer entzünden konnten.
In diesem Jahr wurde der Gemeindeausflug in Sinstorf gefeiert.Diese Ausflüge, die viele Überraschungen im Programm mit sich brachten, wurden von den Gemeindemitgliedern gerne angenommen.Aber später, als jeder sein Auto hatte, war es schwer, noch Leute zusammen zu kriegen.
Dann kam der Tag, wo zwei unserer Pfadfinder, Helmut und Ede, nach Kanada auswandern wollten.Wir feierten den Abschied noch bei uns in der Wohnung und haben sie dann im Namen Gottes von uns losgelassen.Wie sie dann später berichteten, fanden sie in der dortigen deutschen Gemeinde schnell den Anschluss.
Es kam wieder die Zeit, in der das Ferienlager in Heiligenhafen bevorstand.Diesmal sollte es etwas geben, was noch nie stattgefunden hatte.Walter Mahnke und ich brüteten ein tolles Spiel aus.Es ging um einen Piratenschatz.Dazu machten wir in aller Stille unsere Vorbereitungen.Es kam oft ein alter Seebär zu uns, der den Jungs gerne aus seinem Leben erzählte.Er hieß Kapitän Kurz und war Feuer und Flamme, als er hörte, worum es ging.Walter Mahnke machte in Heiligenhafen einen alten Diakon aus, der altes Schreibpapier hatte.Es musste ein uraltes mit Tinte geschriebenes Dokument über einen Piratenschatz berichten, der einst im Pfarrgarten unter einer Buche vergraben worden sei.Natürlich waren auch bestimmte Maße und Richtungen anzugeben.Abgemacht war, dass Kapitän Kurz ein altes Buch mitbringen sollte, in welchem das Schriftstück hinten im Deckel verborgen war.Nun mussten wir natürlich eine Truhe haben, die tatsächlich auf dem Pfarrhausboden gefunden wurde, so ein richtig altes, wurmstichiges Möbel.Der Pastor wurde natürlich eingeweiht und erlaubte uns, im Garten an der schon angegebenen Stelle die Truhe, die mit Steinen beschwert wurde, zu vergraben.Wichtig war, dass die Stelle, wo wir gegraben hatten, wieder im alten Zustand hergerichtet wurde.Alles lief dann wie geplant ab.Kapitän Kurz erzählte spannend und ließ dann beim Weggang das alte Buch liegen.Einige der großen Jungen machten sich über das Buch her.In ihrer Neugierde fanden sie natürlich das Schriftstück.Der Inhalt wurde dann beim Mittagessen verlesen, und es gab begeisterte Jungen und auch Zweifelnde.Natürlich geriet das Lager darüber in zwei Gruppen.Mahnkes Gruppe mit Karl war gegen das Ausgraben, ich war natürlich dafür.Und so begann der Streit, einmal dafür und einmal dagegen.Zuletzt aber bekam die Gruppe, die für das Suchen des Schatzes waren, die Oberhand, und man zog mit Schubkarre und Schaufeln nach Heiligenhafen, um im Pfarrgarten den Schatz auszubuddeln.Als die Schatzsucher so über den Graswarder zogen, war es ein imposantes Bild.Im Pfarrgarten wurde die Stelle bald gefunden, man hatte ja ein Maßband zur Hand.Als die Stelle ausgemacht war, wurde sie stark unter die Lupe genommen, ob nicht etwas Verdächtiges zu finden wäre, womit sie reingelegt werden sollten.Aber glücklicherweise war nichts auszumachen und man fing an, zu buddeln.Nach einiger Zeit des Grabens stieß man auf etwas Hartes, die Spannung wuchs und fieberhaft wurde vorsichtig weiter gegraben, bis man die Truhe freigelegt und ans Licht befördert hatte.Wir können euch nun mitteilen, dass die Truhe in einem Triumphzug durch Heiligenhafen zum Lager gebracht wurde.Pastor Niemann ordnete an, dass die Truhe in dem Speisesaal auf einen Tisch gestellt werden und noch nicht geöffnet werden dürfe, erst am Sonntag.Selbstverständlich wurden Wachen aufgestellt, damit kein Unbefugter sie öffnen konnte.Wir aber waren auch nicht untätig und hatten heimlich in Heiligenhafen eine Pfadfindergruppe auf den Schatz scharf gemacht.So passierte es, dass dann von der See her des Nachts einige kamen und, als die Wache nicht aufgepasste, die Truhe verschwindenließen.Zu spät wurde es bemerkt.Es gab Alarm.Aber alles Suchen half nichts, die Truhe blieb bis auf den heutigen Tag verschwunden.Wir hatten ein gutes Verhältnis zur Wasserschutzpolizei, die wir auch einschalteten.Am Sonntag kam die Beamten zu uns, bekam einen Köm und man nahm am Tatort die Spuren auf.Aber alles blieb später immer noch im Dunkeln.Noch im Wölflingslager Jesteburg bekamen wir ein Telegramm, in dem die Vermutung ausgesprochen wurde, man kenne den Drahtzieher.Aber dieser Schatz hat in Heiligenhafen auch noch die Presse beschäftigt.Wir waren wir natürlich stolz, dass uns so ein tolles Ding gelungen war.
Nach Jesteburg begann eine Bayernfahrt mit der Teilnahme am Kirchentag in Frankfurt, wo wir noch andere Gemeindepfadfinder kennen lernten.Die Jugendkundgebung war sehr eindrucksvoll mit den vielen Lichtern, die dann nach dem Spiel, als das Evangelium nicht mehr verkündet wurde, ausgelöscht wurden und nur das Dunkel übrig blieb.
Als wir wieder zurück waren, wurde schon die Italienfahrt geplant.Zwei Busse mussten gemietet werden, die Fahrer dafür hatten wir, und die Teilnehmer standen schon bereit.Erst einmal gab es eine zünftige Rüststunde und dann konnte am 15. August 1956 die Fahrt starten.In Frankfurt wurde das wieder aufgebaute Goethe-Haus besichtigt.Machte auf uns schon einen tollen Eindruck.Die Küche war primitiv.In einem Zimmer befand sich ein kleines Theater, mit dem der junge Goethe gespielt hatte.Auch sonst gab es viele Dinge, die an den jungen Goethe erinnerten.Wenig war von seiner Schwester die Rede, die doch mit ihm aufgewachsen war.
In Ulm bestiegen wir den höchsten Kirchturm Deutschlands, von wo wir auf die Stadt einen herrlichen Ausblick hatten.Von dort fuhren wir nach Liechtenstein.Der Fürst hatte an diesem Tag Geburtstag, und wir suchten einen Souvenierladen heim.Ein Pfadfinder entdeckte ein Brett mit einer Klorolle und daran eine Schnur.Natürlich musste er daran ziehen und plötzlich spielte die Spieluhr, die darin eingebaut war, die Melodie "Was kommt dort von der Höh'".Die Besitzerin des Ladens war über die Tat des Pfadfinders sehr ungehalten.Wir kauften einige Andenken und beruhigten die Inhaberin des Ladens dadurch.
Am Abend haben wir in der Schweiz, zum ersten Mal am linken Rheinufer, unser Zelt aufgebaut und kochten hier ab.Dann ging es am nächsten Tag über den Furkapass nach Italien.Auf der italienischen Seite ging es in Serpentinen abwärts zur Ebene von Mailand.Bei der Abfahrt sagte mir Günter, unser Fahrer: „Du, ich glaube die Bremsen fassen nicht mehr.“Und dies bei einer steilen Abfahrt.Wir haben Wasser und Blut geschwitzt und waren froh, als wir den Wagen, mit voller Mannschaft und Gepäck, unten hatten.In Mailand fuhren wir zu einer Tankstelle, um Bremsflüssigkeit kaufen.Wohl hatten wir einen ein Wörterbuch als Sprachhelfer dabei, aber das Wort Bremsflüssigkeit stand nicht drin.Nach mehreren Anläufen bei verschiedenen Tankstellen hatten wir Erfolg.Hier lernten wir einen Deutschen kennen, der seine Benzinscheine verkaufen musste.Er hatte einen Unfall gehabt.Da die Italiener noch keine Autoversicherung kannten, hatte er seine Fahrt aufgeben müssen und wollte nach Hause fahren.Im Appeningebirge ging dem einen Wagen das Benzin aus, und die Pfadfinder mussten den Wagen über eine Höhe schieben, bis es abwärts ins Dorf ging.Hier haben wir stundenlang auf den Tankwagen warten müssen, bis wir endlich tanken konnten und die Fahrt nach Florenz weiter ging.Natürlich haben wir uns die herrliche Stadt mit ihren Kunstschätzen angesehen.Wir sind auf der berühmten Brücke mit ihren vielen Läden gewesen und standen am Fluss Arno, der ja später die Stadt überflutete und viele Kunstwerke zerstörte.Wir fuhren ans Mittelmeer und hatten den Plan, nach Korsika überzusetzen.Daraus wurde nichts.Die Abfahrtszeiten lagen für uns ungünstig.Da kam der Gedanke, an der Küste bis Livorno weiterzufahren, zum Hafen.Wir fuhren nach Elba, wo einst Napoleon herkam.Schnell mussten wir einen Abstellplatz für die Busse finden, und dann ging es um 12.00 Uhr auf die Fähre.
Später fuhren wir in großer Hitze über die Berge zu einer einsamen Bucht.Hier stand am Strand gab es nur noch ein Zelt, sonst waren wir alleine.Wir ruhten uns erst einmal gründlich aus.Später haben wir gebadet und Streifzüge in den Berge gemacht.Ein Haus gab es, wo wir unsere Einkäufe machen konnten.Alles war noch schön primitiv.Wenn man Weintrauben haben wollte, ging die Frau mit einer Schere in den angrenzenden Weinberg und schnitt die Trauben vom Weinstock.Einen Deutschen trafen wir, der unserzählte, er käme schon 15 Jahre hier her, aber langsam verändere sich alles.Unten am Strand liefen auch schon Männer mit Meßlatten herum und uns schwante nichts Gutes.In der letzten Nacht kam eine Warnung von den Einwohnern, es gäbe bald einen Scirocco-Sturm.In aller Eile wurden die Zelte abgebrochen und wir verkrochen uns in einem Schafstall.Wir hatten richtig getan, es ging ein schwerer Sturm über die Insel. Am anderen Morgen hatten wir wieder blauen Himmel, als wäre nichts gewesen.Wir mussten schon um 7.00 Uhr an der Fähre sein, um an diesem Tag noch das Festland zu erreichen, schafften es mal eben knapp, und bei der Überfahrt hatten wir einen starken Seegang.
Nächstes Ziel war Rom, wo wir leider unser Zelt auf dem überfüllten Campingplatz aufschlagen mussten.Hier überraschte uns noch ein Gewitter, und empört waren wir über die hohen Campingplatzgebühren.Wir wollten Rom kennen lernen und so mussten wir eben diese Gebühr zahlen, denn einen Platz als Standort musste man haben, um etwas von Rom zu sehen.Am nächsten Tag ging es los.Erst einmal besichtigten wir das Kollosseum, wo die ersten Christen von den Löwen zerrissen wurden.Nero, dieser Tyrann, hatte ja behauptet, die Christen hätten Rom angezündet, darum seine Rache.Von hier ging es zum alten Rom.Es waren nur Ruinen zu sehen.Nur noch der Triumpfbogen mit dem Relief der gefangenen Inder, die Titus nach Rom gebracht hatte, darum Titusbogen, war in seiner wahren Größe vorhanden.Natürlich mussten wir auch in den Petersdom.Prächtig, prächtig, ist er ja mit dem Ablassgeld von Tetzel aus Deutschland erbaut worden.Es war ein Kommen und Gehen von Touristen, was wir als ärgerlich empfanden.Von einer Petrusstatue wurde immer wieder der Fuß geküsst.Die Spitze des Fußes war schon ganz blank.An der Schweizergarde mit ihren mittelalterlichen Uniformen musste man vorbei.Auf noch eine Besichtigung waren wir scharf: Wir wollten die Katakomben sehen.Nach langer Suche fanden wir die Stelle, wo man dann von den dort angestellten Mönchen der katholischen Kirche in die unterirdischen Gänge geführt wurde.Ohne Führung könnte man sich verlaufen.Wir staunten nicht schlecht über das Gestein.Es waren nicht nur Gräber, sondern auch Kapellen hineingehauen worden.Es war schon ergreifend, an Stellen zu stehen, wo einmal früher Christen ihr Leben verbracht hatten.Als wir wieder an der Oberfläche waren, kauften unsere Pfadfinder einige Andenken.Alte Öllampen, wie sie einst gebraucht wurden.Wir haben dann unsere Zelte abgebrochen und am Fluss Tiber gezeltet, der damals noch sauber war.Durch die Abbruzzen fuhren wir zur Adria.Besuchten den Kleinst-Staat San Mario.Auf der Höhe des Berges herrschte ein toller Betrieb.Wir aber fuhren schnellstens an die noch saubere Adria.Hier hatte das Meer einen tollen Wellenschlag, so dass man beim Baden sehr aufpassen musste, um nicht ins Meer gerissen zu werden.Am Strand machten uns ältere Pfadfinder aus, die hier ein Lager durchführten.Am nächsten Tag wurden wir zum Essen eingeladen.Ein Deutscher, der gut italienisch konnte, übersetzte unsere Ansprachen.Natürlich tauschten wir Geschenke aus.Immerhin hatten wir eine prima Gemeinschaft mit den Unbekannten und doch Bekannten.In Ravenna besuchten wir das Grabmal von Theoderich und auf der Fahrt wurden einige Basiliken mit den alten Mosaikbildern besichtigt.Nur nicht zu viele, denn es gab auf der Fahrt nach Venedig unzählige.In Venedig herrschte damals ein nicht abreißender Touristenstrom.Natürlichwurden berühmte Baudenkmäler besichtigt, Markusdom, Dogenpalast, Seufzerbrücke und eine Glasbläserei.Einige von uns kauften geblasene Gefäße.Wir haben später an der Etsch gezeltet, um dann bei Cortina über die Alpen durch die Dolomiten wieder nach Deutschland zu kommen.Vorher, in den Bergen, wurde noch mit allen eine Familienaufnahme gemacht, die später auf einem Elternabend noch eine Rolle spielen sollte.Unterwegs bekam der Pedro eine Blutvergiftung, die wir mit Gottes Hilfe beseitigen konnten.Vor Fulda, an einem langen Regentag, konnten wir eine Jugendherberge beziehen.Der Herbergsvater war begeistert.Ich höre ihn noch sagen: „Endlich mal eine ordentliche Pfadfindergruppe, anstatt immer Schulklassen.“Am nächsten Tag gab es einen Sturm und viele Bäume wurden entwurzelt.Dabei erlebten wir noch kurz vor Celle drei Unfälle.Wir waren dann am späten Nachmittag wieder am Gemeindehaus.Die Wagen wurden erst noch gereinigt und dann zum Vermieter zurückgebracht.Im Hause gab es natürlich ein freudiges Wiedersehen, und dann wurden die Geschenke ausgepackt.Die Kinder bekamen eine rote Korallenkette und Lisa aus der Glasbläserei, aus Venedig, eine toll geschmückte Likörflasche mit 6 Likörgläsern.Die Geschenke existieren noch heute bei uns und den Kindern.
Und jetzt begann im September unser eigener Urlaub.Diesmal wollen wir ohne Kinder ein paar Tage in die Heide, und was wurde daraus?Wir landeten in Sprötze und übernachteten an der Bundesstraße 75 im Gasthaus "Heins".Am nächsten Tag wanderten wir an Wald- und Wiesenrändern nach Bötersheim.Wir merkten es erst, als wir von einem Waldweg plötzlich in diesem kleinen Dorf landeten.Ein paar Häuser, ein Gutshof und ein großes Herrenhaus, ein mächtiger Mauerklotz, der eigentlich hier gar nicht herpasste.Das Haus war scheinbar nicht bewohnt.Wir gingen hinein, riefen, keine Antwort.Erst im Dachgeschoss trafen wir auf eine Frau, die uns Auskunft gab.Wir hörten, dass der Besitzer von Rogister hieß und gegenüber wohnte.Die ehemaligen Bewohner der unteren Räume waren umgezogen und hatten woanders eine Wohnung bekommen.Was mit dem Haus würde, wisse sie nicht, denn auch sie wollten bald ausziehen.Wir haben uns dann im Dorf umgesehen.Es lag einfach herrlich, mitten in einem Waldgebiet und hat noch nicht einmal 500 Einwohner.In einem kleinen Krämerladen haben wir ein paar Einkäufe gemacht.Hörten von der Inhaberin, Frau Brockmann, so allerlei über die Bewohner des Dorfes.Wir entdecken eine Schankwirtschaft "Gerberding" und haben bei denen ein kräftiges Bauernfrühstück eingenommen.Am Nachmittag wollen wir auf den Gutshof zum Besitzer.Trafen aber nur Rogisters Schwester an und hörten, dass das Haus vermietet werden sollte.Natürlich meldeten wir von der Gemeinde unser Interesse an.Wir wurden gefragt: „Ist diese Gemeinde eine Sekte?“„Nein“, antworten wir, „wir sind von der Hamburgischen Landeskirche.“Wir machten einen Termin ab, um dannmit den Besitzern zu verhandeln.
Am 12.9.1956, dem Gründungstag des Rauhen Hauses, waren wir noch in Bötersheim, hatten in der Nacht noch bei einer Frau Peters geschlafen und sind dann noch lange in diesem großen Waldgebiet, durch das auch die Este floss, sparzierengegangen.Nach diesen Urlaubstagen haben wir dann mit Pastor Dubbels über Bötersheim und die Möglichkeit, dieses große Herrenhaus zu mieten, gesprochen.Telefongespräche mit Rogister wurden geführt und am 26.9.1956 sind wir mit Pastor Dubbels nach Bötersheim gefahren, und die ersten Verhandlungen wurden aufgenommen.Es gab ein langes Hin und Her, denn der vorherige Mieter, ein Fabrikant aus Drehstedt, musste aus seinem Vertrag aussteigen.Das war noch an so einige Bedingungen geknüpft, die juristisch gelöst werden mussten.Zwischendurch wurde mit den Pfadfindern eine Kontaktfahrt nach Langenrehm im Rosengarten gemacht.Mit Bötersheim waren die Verhandlungen soweit gekommen, dass wir erst mal 5 Jahre das halbe Haus bekommen könnten.Miete sollte 200.-- DM sein.Rogister sagte, erst einmal wolle er sich mit uns nur "verloben" und dann später weitersehen.Die nächste Hürde war der Kirchenvorstand.In der Sitzung durfte ich dabei sein und über das Haus und die Möglichkeit, es zu einem Freizeitheim herzurichten, berichten.Malte dem Kirchenvorstand alles in bunten Farben, was es bedeutete, einen Stützpunkt in der nächsten Nähe, nur ca. 40 km von Hamburg entfernt, zu haben.Natürlich wurden Bedenken angemeldet.Einmal wegen der Miete und einer sprach von Holzbock und über die Instandsetzung de Außenhaut.Zwei Herren waren sogar dagegen, denn wir hätten Heiligenhafen und da bräuchten wir noch Inventar.Mit meiner Überzeugungskraft und stichhaltigen Argumenten konnte der Kirchenvorstand sich endlich zu einem Ja für Bötersheim durchringen.Von Rogister bekam von dem Beschluss Bescheid und ließ darauf von seinem Mauermann, der auf dem Gutshof die Arbeit machte, die Türen zum nicht gemieteten Hausteil mit der Verkleidung herausreißen.Die Türfüllungen wurden einfach zu gemauert.
Am 1. Advent feierten wir mit der Philippsgemeinde das Kirchweihfest.Dann wurde auch noch im Dezember mit Rogister der Vertrag über das Haus abgeschlossen.Später gab es noch manche Anfechtung und Schwierigkeiten von der Gemeinde zu überwinden.Bei all der vielen Arbeit war es gelungen, durch Verhandlungen mit der Leitung der Alsterdorfer Anstalten, meine Mutter aus Heiligenhafen, wo man sie schon hinverfrachtet hatte, herbeizuholen und in Alsterdorf unterzubrigen.So hatten wir einen nicht mehr so weiten Weg, um sie zu besuchen.
Weihnachten durften wir mit vielen Überraschungen feiern.Bevor das alte Jahr zu Ende ging, fuhren wir nach Bötersheim und orientierten uns im Haus,was an Arbeit zu tun wäre. Eines stand fest, da lag noch eine Menge Arbeit vor uns...
1963
Trotz des Winters und der Kälte ging der Barackenabriss in der Holstenstraße und Wiederaufbau voran.Zuerst kamen die Balken für den Grundriss dran.Hierbei halfKröning noch mit, aber dann mussten wir in Selbsthilfe die Wände aufstellen und absichern, bis die Deckenkonstruktion zur Festigung der Seitenwände dran war.Natürlich halfen Pfadfinder mit, aber morgens waren viele in der Schule oder bei der Arbeit.War ich dankbar, dass Herr Schmidt aus der Hasenclever Straße, ehemaliger CVJMler, eine große Hilfe wurde.
An einem Nachmittag halfen nun ein paar Pfadfinder, die schweren Dachplatten aufzulegen und zu befestigen.Später besorgte Herr Hintze noch die fehlende Dachpappe und die Klebemasse, damit das Dach richtig abgedichtetwerden konnte.Wir sind bei der Schwerstarbeit tüchtig ins Schwitzen gekommen.Der innere Ausbau musste ganz neu von uns vorgenommen werden.Mit neuen Dämmplatten wurden die Wände erstellt.Türen waren genug da, nur mussten sie neu eingebaut werden.Bei dieser Innenarbeit haben wir beide, Herr Schmidt und ich, gesungen.Aus Übermut sogar das Lied "Es ist so schön, Soldat zu sein, Rosemarie".
Da der gute Schmidt erwerbslos war, wurde er nach Beendigung unserer Arbeit - wir hatten Glück, ihn so lange zu haben - vom Arbeitsamt vermittelt und musste in Hamburg in eine Soldatenkaserne, um dort zu arbeiten.Wenn wir uns mal nachmittags trafen, begrüßten wir uns mit einem Lachen: "Es ist so schön, Soldat zu sein".Noch heute denken wir, wenn wir uns begegnen, an die Barackenzeit gerne mit einem Schmunzeln zurück.
Die Baracke wurde, als sie fertig war, tüchtig von unserer Gemeinde für die verschiedenen Veranstaltungen gebraucht.Vom Eingang links hatte ich ein kleines Zimmer als Büro, in dem auch später mal eingebrochen wurde.Etwas Geld, was im Schreibtisch war, wurde gestohlen.Die Polizei hat am Tatort Spurensicherung gemacht.Später sollen die Täter, bei einem anderen Bruch, erwischt worden sein.Um die Baracke herum wurde ein Garten mit einem Jägerzaun angelegt, damit unser Gegenüber im Häuserblock auf der anderen Straßenseite, einen guten Eindruck von unserer Baracke bekam.
Dann kam der Gedanke in mir auf, unser Domizil in Bötersheim würde nichtfür immer für uns da sein, und da überall günstige Bauernhöfe angeboten wurden, sah ich mich um, so etwas für unsere Gemeinde zu finden.Bei Lüchow-Danneberg kamen wir zu spät, entsprach auch nicht unseren Ansprüchen.Zähle mal an dieser Stelle einige Grundstücke auf, die wir mit Leuten aus dem Kirchenvorstand ansahen.Aber man hatte nicht den Mut, so ein Grundstück zu erwerben.Eines war ganz in der Nähe vom Bahnhof Göhrde für 40.000 DM, mit einem Haus und dazu 10.000 qm Grundstück, Wasserleitung auf dem Gelände.Die Herren pflückten Pflaumen von den Bäumen, aber sonst war nichts drin.Später bot sich ein Haus in der Nähe von Stade an, aber auch hier zeigte man Unentschlossenheit.Es gab noch manch andere Gelegenheit, aber alles war bei diesen Männern des Kirchenvorstandes nur Wind vor der Haustür.
Zwei Fälle müssen bei dieser Gelegenheit noch erzählt werden.Der 1. Fall war ein tolles strohgedecktes Pfarrhaus bei Witzhave mit einem prima Gutachten von einem Architekten.Die Hannoversche Landeskirche wollte dies für ca. 40.000 DMmit einer großen Wiese und dem schönen Pfarrgarten verkaufen.Unser Kirchenbuchführer, Herr Stahl, fuhr nach Hannover, um im Landeskirchenamt zu verhandeln.Aber er hatte keine gute Hand, da war irgend etwas Persönliches dieser Kirche gegenüber, so wurde im Kirchenvorstand dieses schöne Projekt zu den Akten gelegt.Ein Witz, denn zur Verblüffung eines der KV-Herren las ich später in der Zeitung, dieses Grundstück wurde mal eben für 70.000 DM vom Makler verkauft!Später sind meine Frau und ich an diesem Pfarrgrundstück vorbei gegangen, um zu sehen, was daraus geworden ist.Im Garten tummelten sich junge Leute.Schade, dass unsere Gemeinde nichtBesitzer geworden ist.
Da in Bötersheim die Dorfschule aufgegeben wurde, stand diese mit Grundstück zum Verkauf.Auch hier war der KV zur Besichtigung gebeten, und auch vom Diakonischen Werk war jemand gekommen.Man fand alles in gutem Zustand und war nicht abgeneigt, die 70.000 DM zu zahlen.Heute erzählte mir Pastor Dubbels, dass er das Geld gut hätte aufbringen können, nur von Seiten der Landeskirche wurde er torpediert.Als wir von unserer Gemeinde endlich gewillt waren zu kaufen, istv. Rogister von seinem Kaufangebot zu Gunsten unserer Geimeinde zurückgetreten.Nun, bei all den Projekten kann es nur heißen: Es hat nicht sein sollen.
Auch wäre es heute eine Frage, ob eine Gemeinde noch im Stande wäre, ein solches Projekt bei der miesen Lage unserer Kirche und der zurückgehenden Jugendarbeit durchzuhalten.
Für uns gab es in der Gemeinde Arbeit genug.Pastor Kohlenbergers 40. Ordinations-Jubiläum wurde am 24.1.1963 gefeiert.Für eine kleine Weile war Bruder Binder bei uns als Diakon eingestellt.Diese Herrlichkeit dauerte aber nicht sehr lange, denn die Kirche musste auch sparen, und so war seine Zeit nur kurz und er wurde zu einer anderen Gemeinde versetzt.
Was auch passieren kann, ein Hilferuf aus Bötersheim: Im Haus war eine Verstopfung, die schnellstens beseitigt werden musste.Also schnellstens hin, um dies zu erledigen.
Von irgendeiner Seite bekam ich Wind, dass im Sachsenwald bei Börnsen, ein Arbeiter-Radsportverein ein Heim in der Dahlbekschlucht hätte, also hin und mit der Hausmutter, Tante Anni, wegen einer Freizeit mit Erfolg verhandelt.Später wurde eine Wochenendfahrt in die Dahlbekschlucht durchgeführt.Wir haben später noch mehrere Male Tante Anni aufgesucht, weil wir uns dort im Heim ganz wohl fühlten.Auch das Essen war immer sehr gut.Nach Jahren wollten wir, Lisa und ich, Tante Anni besuchen, aber das Heim war nicht mehr da, schade.
Eines steht fest, außer der Gemeindearbeit hat der Aufbau der Baracke doch viel Zeit gekostet. Immer wieder musste ich von der Arbeit abspringen, um für laufende Stunden da zu sein.Im April wurden die letzten Malerarbeiten ausgeführt.Alles musste in Selbsthilfe gemacht werden, denn die 1.000 DM durften nicht überschritten werden.