Die Bücher mit
Lebensportraits von Diakonen des Rauhen Hauses als
Bände 11 und 13 in der gelben
Buchreihe "Zeitzeugen des Alltags" von Jürgen
Ruszkowski
Sammelband
Franke-Autobiographie
Johann HinrichWichern,
geboren am 21. April 1808, hatte angesichts des
Kinderelends seiner Zeit das das Rauhe Haus 1833 als
junger Kandidat der Theologie mit Hilfe einflussreicher
Hamburger Bürger in dem Dorf Horn vor den Toren Hamburgs
aus kleinsten Anfängen als „Rettungshaus“ für
gefährdete Kinder und Jugendliche gegründet und
aufgebaut. Für seine immer umfangreiher werdende
pädagogische Arbeit benötigte er schon bald
Gehilfen. Aus dem Kreis dieser Gehilfen
entwickelte sich später der Beruf des Diakons.
Das
Familienprinzip, in dem Wichern seine Schützlinge betreute und
erzog, erforderte eine größere Anzahl von Gehilfen. Im Sommer 1834 zog ein Bäckergeselle, namens Josef
Baumgärtner, zu Fuß von Basel nach Hamburg, um Wichern als
erster Gehilfe für ein mageres Taschengeld von 100 Mark im Jahr
bei freier Kost und Logis als Betreuer einer
„Knabenfamilie“ zur Hand zu gehen.Nach drei
Jahren übernimmt Baumgärtner ein eigenes neu gegründetes
Rettungshaus in Mitau im Kurland.1839 ermächtigte
der Verwaltungsrat Wichern, der Ausbildung von Gehilfen im Rauhen
Haus "die gröstmögliche Veröffentlichung zu
geben". Wichern ließ deshalb von 1843 an über die
Gehilfen, schon damals Brüder genannt, eigene Jahresberichte
erscheinen. Auf ihre theologische Ausbildung in seinem
"Gehilfeninstitut" verwandte er große Sorgfalt. Aus seinen „Gehilfen“, die Wichern aus ganz
Deutschland rief und die ihn bei seiner Erziehungsarbeit im Rauhen Haus unterstützten und von den Jungen der
Erziehungsfamilien „Brüder“ genannt wurden, baute er
den hauptberuflichen Mitarbeiterstab der Inneren Mission auf, die
„Berufsarbeiter“, die als Hausväter in
„Rettungshäusern“, als Strafvollzugsbetreuer oder als
Stadtmissionare in ganz Deutschland und im Ausland bis hin nach
Übersee tätig wurden.
„Treue,
gottesfürchtige Männer, so ernst als wahr, so klug als weise,
in der Schrift bewandert, im Glauben gegründet, voll Liebe zum
armen Volke, geschickt zu solch einem Umgang, der Menschen fürs
Himmelreich gewinnt, wünschen wir in Scharen unter das
Volk.“
Erst
Jahrzehnte später nannte man diese „Gehilfen“ entgegen
Wicherns ursprünglichen Vorstellungen Diakone. Bis in die
1970er Jahre sprach man von der männlichen Diakonie.
Daneben gab es den Beruf der Diakonisse. Danach wurden
Ausbildung und Beruf im Rahmen der allgemein sich durchsetzenden
Emanzipation auch für Frauen geöffnet. Aus der
Brüderschaft wurde die Brüder- und Schwesternschaft des Rauhen
Hauses. Heute bildet die Fachhochschule des Rauhen
Hauses in Hamburg Frauen und Männer zu
Diplom-Sozialpädagog(inn)en und Diakon(inn)en aus.
5. Teil des von
Hugo Wietholz selbst verfassten, von Jürgen Ruszkowski überarbeiteten, Textes: Kopien
und Veröffentlichungen - auch auszugsweise nur mit vorheriger
Genehmigung! Lesen Sie den Text in Buchform:
Band 13 - direkt beim Herausgeber zu bestellen
siehe auch ganz unten!
Der Text dieser Seiten ist recht
interessant, zeitgeschichtlich aufschlussreich und sehr
umfangreich. Die Texte sind als eigenständiges Buch und
auszugsweise als Beitrag in einem Sammelband von Diakonenlebensläufen
(Band 11) enthalten: Genossen der
Barmherzigkeit.
Wietholz
Herkunft und Kindheit
Wietholz
Jugend bis zum Eintritt ins Rauhe Haus
Wietholz
Diakonenausbildung im Rauhen Haus, Kriegsdiesnt und
Kriegsgefangenschaft
Wietholz
Gemeindediakon 1948 - 1952 in Hamburg-Horn
Nach dem Diakonenexamen 1848 im Rauhen
Haus war Hugo Wietholz jahrelang
als Gemeindediakon in Hamburg-Horn tätig.
Hier folgen seine interessanten Auszeichungen aus den
Jahren 1953 bis ...
Im Beruf als
Diakon des Rauhen Hauses in der Kirchengemeinde Hamburg-Horn von
1953 bis ...
1953
Zum Beginn des Jahres sind wir immer zum
Gottesdienst gegangen. Denn aller Anfang steht in den Händen
unseres Herrn.
Es wurden Arbeitshilfen für die Pfadfinder
und Sippenführer entwickelt.Mit Bruder Nordmeyer hatten
wir eine Vorbesprechung über die Möglichkeit einer
Posaunenarbeit in unserer Gemeinde. Auch andere Vorbereitungen
waren nötig, einmal für die Bibelstunden, dann forderten auch
die Filmveranstaltungen im Winter ihre Zeit, und ein Elternabend
sollte auch stattfinden. Viele Kleinigkeiten kamen in den Tagen,
Wochen und Monaten dazu, so dass wir über Mangel an Arbeit nicht
klagen konnten.Nebenher lief immer noch an meinen
„freien“ Montag die Jungschararbeit nachmittags in
Billstedt.
Unseren beiden Kinder hatten wir zu
Weihnachten einen großen Koffer geschenkt.In einem
Kinderheim der Kirche in Bad Sachsa im Harz hatten wir zwei
Plätze bekommen.Mit dem Koffer und vielem Zureden haben
wir es dann geschafft, sie für den Harzaufenthalt zu begeistern.Es war nicht einfach.Immer wieder kam ein "Wenn und
Aber".Nun, am 13.1.1953 schafften wir es und brachten
sie zur Bahn, damit sie mit dem Kindertransport mitfahren
konnten.Es gab natürlich einen tränenreichen Abschied.Es ist nicht einfach, noch so junghinaus in die große
Welt zu reisen.
Zum ersten Mal wurde auf der
Mitarbeiterkonferenz über den in diesem Jahr geplanten
Kirchentag in Hamburg verhandelt.Alle Gemeinden waren für
diesen Kirchentag gefordert.Es würde viel Arbeit geben
und dies alles zusätzlich zur Gemeindearbeit.Mein Spruch
hieß auch hier: Von nichts kommt nichts.Also dann in
Gottes Namen: Hinein in die neuen Aufgaben! Hamburg sollte was
erleben.
Vom Hilfswerk bekam ich den Auftrag, den
Kindertransport zurück von Bad Sachsa zu übernehmen.Lisa
und ich fuhren früher, damit wir noch ein paar Urlaubstage in
Bad Sachsa hatten.Besuchten dort unsere Kinder im Heim,
das auf uns keinen guten Eindruck machte.Unsere Kinder
erzählten, nicht mal im Garten dürften sie Schlitten fahren und
das Essgeschirr wäre aus Blech.Wir, Lisa und ich,
schauten uns in Bad Sachsa intensiv um und erlebten allerlei
Lustiges.Nachmittags aber, bei einem Rundgang zur
Ravensburg, natürlich alles im Schnee, rutschte Lisa aus und
brach sich das Handgelenk.Wir mussten zum Arzt, der ihr
einen Gipsverband anlegte.Abends sind wir dennoch im Kino
gewesen.Die Nacht verging einigermaßen schmerzfrei.Wir waren in dieser kurzen Zeit in einem einfachen Hotel
untergebracht.Am nächsten Tag konnten wir die Kinder zu
einer Pferdeschlittenfahrt mit Gebimmel abholen.Es gab
etwas außerhalb Sachsas einen Märchengrund, zu dem fuhren wir.
Die Kinder haben diese Ausfahrt sehr genossen, denn es war etwas
anderes, als eingesperrt im Heim zu sein.
Am 19.2.1953 mussten wir früh aufstehen und
den Kindertransport übernehmen.Pünktlich zur Mittagszeit
kamen wir in Hamburg an und die Mütter können ihre Kinder
wieder in die Arme nehmen.
Während unserer Abwesenheit hatte sich der
schwedische Diakon Svente für mehrere Tage angesagt und wollte
um 14.00 Uhr am Hauptbahnhof abgeholt werden.Dies konnten
wir glücklicherweise gerade noch schaffen.Am nächsten
Tag zeigten wir ihm das Rauhe Haus, und er bekam einen guten
Eindruck von der Anstalt, die langsam wieder aufgebaut wurde.Natürlich wurde ihm Hamburg mit den verbliebenen Schönheiten
gezeigt.Später haben wir dem Karl einen Besuch
abgestattet.Tage später brachten wir ihn mit mehreren
Pfadfindern zur Bahn.Ob wir uns jemals wiedersehen
würden?
Es gab bei einerBesprechung mit den
Pastoren eine starke Meinungsverschiedenheit.Die
Wölflingsarbeit war den Herren zu groß geworden.Die
anderen Gruppen sollten bleiben, aber die Wölflinge sollten
geopfert werden.Nicht mit mir!Wir würden schon
einen Weg finden, um auch diese Arbeit zu retten.Mehrere
Male war ich für einige Jungen unterwegs, um eine Lehrstelle
für sie zu finden.Um die große Schar der Wölflinge in
den Griff zu bekommen, wurden Sippenführer für die Wölflinge
ausgebildet.Dann waren wir an einem Wochenende mit 70 Mann
auf Reiherhorst und in der Nacht wurde ein Nachtspiel mit
Mutproben durchgeführt.Morgens gab es eine Andacht und
nach dem Kaffeetrinken auf zu einem großen Wimpelspiel in diesem
waldreichen Gelände.Wir mussten nach dem Mittag
aufbrechen, denn bis zum Maschener Bahnhof waren es etliche
Kilometer.
Auch das noch: Die CP machten uns
Schwierigkeiten wegen unseres Namens FCP.Wir sollten uns
nicht "Freie Christliche Pfadfinder" nennen.Durch
Bruder Jahnke bekam ich die Adresse von Rechtsanwalt Dr. Uhle,
mit dem über unsere Schwierigkeiten gesprochen wurde.Es
stehe dem nichts im Wege, dass wir uns so nennen, denn der Name
sei nirgends gesetzlich geschützt.Das heißt, keine
andere Pfadfinderschaft in Deutschland trägt, außer uns, diesen
Namen.Ja, was es nicht alles gibt.Es kann der
Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn
nicht gefällt.Ein Glück, diesen Punkt konnten wir
abhaken.Es bedrückte uns nicht weiter.
Auch das kommt vor: Wir waren wegen eines
fortgelaufenen Mädels unterwegs.Wir mussten mit Eltern
und der Gemeindehelferin in Harvestehude über diesen Fall
verhandeln.
Am Ostersonnabend wurden die Vorbereitungen
für die Osterfahrt nach Jesteburg getroffen.Lisa
bruzzelte in der Küche 20 Pfund Gulasch.Dieses Fleisch
hatten wir vom Pferdeschlachter geholt und wurde als fertig
gebratenes Gulaschextrakt im Marmeladeneimer mitgenommen.Mit
34 Pfadfindern zogen wir los und erlebten frohe Tage.Der
Gottesdienst fand meistens in Salem statt, einem Heim für
Mädel, die von lieben Schwestern betreut wurden.Schwester
Ernestine war die Leiterin des Hauses und hielt immer den
Gottesdienst. Mit der Klampfe wurden die Osterlieder
begleitet und die Jungen konnten auch bei unbekannten Liedern
mitsingen.Kuddel, unser Klampfenmann, begleitete dann
unser Lied, was wir den Heiminsassen sangen.Wir waren
viele Jahre Gast bei den Schwestern.Zum Mittag wurden die
Nudeln gekocht und das Gulasch fertig gemacht. Draußen im Hof
hatten wir eine Tafel mit Bänken aufgebaut und dann gab es das
Osteressen.
Vorher hatten einige laut werden lassen, sie
würden kein Pferdefleisch essen.Natürlich wurde
niemandem erzählt, dass es Pferdefleisch gab.Es war alles
so schmackhaft zubereitet, dass die Jungen nicht genug bekommen
konnten.Zum Schluss waren alle rundherum satt.Nun
erst erzählten wir ihnen, sie hätten "Deichselhirsch"
gegessen.Was ist denn das? Nun lüfteten wir das
Geheimnis.Sie konnten es kaum fassen, dass Pferdefleisch
so gut schmecken kann.Ja, was der Bauer nicht kennt,
frisst er nicht.Wir konnten aber viele vom Gegenteil
überzeugen.
Natürlich gab es abends wieder unser
traditionelles Osterfeuer.Am nächsten Tag bekamen wir
Besuch.Der Bruder meines Schwagers Alfred Risch war ein
guter Fotograf und machte von unseren Pfadfindern tolle Aufnahmen
im Gelände.Von diesen Aufnahmen kamen welche in
Zeitschriften und Kalender.Auch so wurden wir ohne unser
Zutun bekannt.An dieser Stelle soll all der lieben
Menschen gedacht werden, die uns auf dem Gelände soviel Freiheit
eingeräumt haben.Es lebe die Familie Unteutsch, mit der
uns bis heute ein herzliches Miteinander verbindet.
Nach den Ostertagen gab es einen freien Tag,
der mit der Familie genutzt wurde zu einer Dampferfahrt nach
Harburg zu der Tante Emmi in der Haake-Straße.
Auch mit meiner Sippe "Die
Bussarde" musste eine Sippenfahrt gemacht werden, diesmal in
die Hahnheide, ein anderes Mal war es an der noch nicht
ausgebauten Autobahn, die später mal nach Berlin führen sollte.Hier an der Autobahn fanden wir in einem Versteck gestohlene
Autoteile.Dies wurde der Polizei gemeldet.
Von nun an wurde immer am 1. Mai, dem Tag
der FCP-Gründung, eine Fahrt unternommen.Diesmal wurde
beim Gastwirt Meyer in Kuddewörde übernachtet, und in der
kleinen schönen Kirche waren wir zum Gottesdienst.Die
Kirche hat einen besonders kunstvollen, aus Holz geschnitzten
Altar.Mit 30 Pfadfindern wanderten wir in die Hahnheide,
ein großes Waldgebiet, und machten unsere Spiele.
Dann wurde immer wieder den Diakoniegroschen
gesammelt, denn die Schwesterstation sollte auch weiter
existieren.
Für mehrere Tage führte ich mal wieder ein
Zeltlager für die Wölflinge in Jesteburg durch.Dann
mussten die Pfadfinder betreut werden.Dazu kam eine
Stammstunde im Thingraum mit 40 Jungen.Einen Tag später
kamen die Wölflinge zu ihrer Stammstunde.
Der Kirchentag in Hamburg war ein großer
Erfolg.Ganz Hamburg wurde davon erfasst.Morgens
waren wir im Zoo und in den dortigen Hallen.Vorträge,
Bibelstunden und Begegnungen mit vielen Menschen aus allen Teilen
der Welt.Eine Großveranstaltung der Jugend mit einem
eindrucksvollen Spiel fand am HSV-Sportplatz statt.Bei der
Schlussfeier im Weggehen wurde ich von einem ehemaligen Jungen
aus Attychi, aus der Gefangenschaft in Frankreich,erkannt
und er rief mir aus der Masse zu, er sei Pastor in Berlin.Für
mich war es eine große Freude, ihn wiederzusehen.
Wir hatten uns im Späherrat vorgenommen,
dass jeder Wölfling, der mit ins Ausland wollte, erst eine
Deutschlandfahrt mitgemacht haben sollte.Planten in diesem
Jahr mehrere Fahrten durch die Bundesländer unseres Vaterlandes.Wenn wieder von einer Fahrt die Rede ist, so sind es
Besonderheiten, die so auf einer Fahrt anfallen.Diesmal
wurde die Gegend um den Taunus bewandert.Wir fuhren mit
der Bahn und kamen bis zum Dornberg bei Kassel, wo es ein großesJugendzentrum gab und wo sehr viele Jugendliche aus dem Ausland
waren.Hier zelteten wir und mischten bei den
Veranstaltungen als Pfadfinder kräftig mit.In Marburg
haben wir die Elisabeth Kirche besichtigt und an dem Sarkophag
von Paul von Hindenburg gestanden.Den hatte man schnell,
noch bevor die Russen kamen, aus Tannenberg/Ostpreussen
herausgeholt und hier beigesetzt.Über Marburg ging es
weiter an die Lahn zum Limburger Dom, der sich unseren Augen als
eine schöne alte romanische Kirche darbot.Es war gut,
wenn auch unsere Jungens die einzelnen Stilepochen kennen
lernten.
Im Drombachtalwar nicht das Zelten
das Besondere, sondern die Pfadfinder entdeckten in einem Bach,
der klares Wasser führte, Forellen. Die Jagdleidenschaft setzte
ein, und man schaffte es, einige der Forellen mit der Hand (!) zu
fangen.
Im Schwarzwald wurde der höchste Berg, der
Feldberg, bestiegen, den Kuddel an der höchsten Stelle mit Stock
und Hut noch um einiges höher machte.Dann kamen wir nach
Frankfurt.Diese Großstadt war erst im Aufbau und bot ein
lebhaftes Treiben. Die Amerikaner waren hier stark sichtbar
mit vielen Schwarzen und ihren großen Autos.
Helmut Koops hatte durch seinen Onkel eine
Empfehlung in der Tasche, so dass wir das in der Nähe
befindliche Sarotti-Werk besichtigen konnten.So eine
Schokoladenfabrik hat ja eine tolle Anziehungskraft.Bei
der Führung durch das Werk wurde uns gezeigt, wie aus der
Roh-Kakaobohne über viele Stationen die Tafeln Schokolade
entstanden und das Fließband herunter kamen.Die
Arbeiterinnen stellen schon jetzt im Sommer den
Schoko-Tannenbaumschmuck her.Worauf wir natürlich
gewartet hatten, trat dann zu unserer Befriedigung ein.Jeder
bekam ein Paket mit Schokolade.Wir hatten also die
Schokofabrik "mit Erfolg" besichtigt.Dann fuhren
wir am Main entlang.Irgendwo wurde gezeltet.Weiter
ging es nach Siegburg zur Görlbach-Talsperre.Hier
schlugen wir unsere Zelte zum letzten Mal auf, bevor wir in
Münster den Zug bestiegen und in Richtung Hamburg davon
dampften.
Jetzt gab es Tage des Ausspannens und
Spannung dazu, denn wir erwarteten unser 4. Kind.Da war ja
auch mein Geburtstag, der 49., der nun eine besondere Bedeutung
bekam, denn es wurde auch der Geburtstag unseres jüngsten
Kindes, der Angelika.Von nun an würden wir in Zukunft
einen Doppelgeburtstag feiern können.Im Rauhen Haus war
es üblich, dass der Brüderälteste der Diakonenschaft zum
Geburtstag gratulierte.An diesem Tag kam Bruder Runge und
wollte gratulieren, was er auch tat, aber sein Bleiben in unserer
einen Stube war nicht möglich, denn da lagen Mutter und Kind.Ich sagte ihm nun, dass dies unser schönstes Geburtstagsgeschenk
sei.Bruder Runge sah dies auch ein und verließ uns bald
wieder mit den besten Wünschen.
Meine Schwiegermutter meinte mal bei einem
Gespräch, mit dem Kinderkriegen sei es wohl nun genug.Daraufhin
konnte ich nur sagen, dass dies doch wohl unsere eigene
Angelegenheit sei.Gott sei hier besonders gedankt, wenn es
auch viel Kindergeschrei gab.Die Entwicklung der Kinder
ging gut vonstatten.
Etwas über unseren Küster Ernst Alm darf
hier nicht fehlen.Er war ja ein lustiges Haus.Bekam
seine Schwierigkeiten mit dem Kirchenvorstand, weil er in
Barsbüttel wohnte und dort ein kleines Haus besaß.Er kam
also zum Dienst mit dem Fahrrad, hatte seine Arbeitsstunden, aber
wohnte leider nicht in der Gemeinde.Und dies sollte der
Punkt sein: Entweder in der Gemeinde wohnen oder kündigen!Quatsch, zu unserer Zeit gab es kaum Wohnungen.Wir hatten
ja auch nur eine 2-Zimmer-Wohnung und dies mit 6 Personen.Von
der Kirche konnte man ihm keinen Wohnraum zuweisen.Auch
wollte er sein Haus nicht aufgeben und blieb bis zu einem
späteren Zeitpunkt, wo ihn das Diakonische Amt in der
Kleiderkammer beschäftigte.Unsere Verbindungen rissen bis
auf den heutigen Tag nicht ab.Durch Ernst hatten wir
manchen Vorteil.Als einmal auf einem großen
Passagierdampfer, der „Italia“, die Matratzen
ausgewechselt wurden, konnten wir uns von der Kleiderkammer eine
große Fuhre für das Freizeitheim in Bötersheim abholen.
Am Erntedank durften wir dann in der
Martinskirche die Angelika taufen lassen.Es gab ein
fröhliches und dankbares Fest an diesem 4. Oktober 1953.
Ohne eine Herbstfahrt in die Heide konnte
der Herbst sich nicht entfalten.Auch habe ich mal einen
Kursus in der Evangelischen Akademie – Esplanade -
mitgemacht und einen alten Bekannten wiedergefunden, der vom CVJM
kam und hier jetzt Hausvater war.
Wir hatten häufig Arbeitsbesprechungen mit
unseren Pastoren, auch mit Pastor Fischer in seinem Pastorat.Es ging hier um den Gemeindeaufbau der Philippusgemeinde.Einen
Namen hatte die neue Tochtergemeinde schon, nur die Kirche
fehlte.Pastor Fischer war so klug, sich rechtzeitig einen
Bauplatz für Kirche und Gemeindehaus zu sichern.
Am Totensonntag sind wir mit etlichen
Jungens am Nachmittag auf dem Friedhof gewesen und besuchten die
Gräber unserer verstorbenen Jungen und des einen Mädels aus
Horn.
Mit einer großen Schar feierten wir im
Jugendheim der Turner in Ohlendorf unsere Adventsfeier.Noch
vor Weihnachten wurde eine Lebensmittelverteilung vorgenommen und
noch kurz vor dem Fest die Gemeindeblätter verteilt.Am 4.
Advent wurde in einer gutbesuchten Kirche das Worpsweder
Hirtenspiel aufgeführt, um sich so langsam auf die
Weihnachtszeit einstimmen zu lassen.
Weihnachten wurde diesmal in einer großen
Familie gefeiert.Wie gut, dass wir die Großeltern noch
dabei hatten.Der Großvater hatte schon vor Weihnachten
sein Schaufenster toll hergerichtet.Vieles von den Puppen
und Schlitten hatte er selber gebastelt.Die Kinder haben
sich an der Scheibe vor Begeisterung die Nasen platt gedrückt.Ja, der Kolonialwarenladen hatte es in sich, wenn auch die
Schwiegereltern sich sehr mühen mussten.Immerhin, es
ernährte die Familie.
Auch in den Nach-Feiertagen mussten die
Jungen durch eine Fahrt betreut werden.Mit den Wölflingen
waren wir wieder in Bahlburg bei Meyer, der seine Meierei jetzt
zu einem ansehnlichen Jugendheim ausgebaut hatte.
Es kam mal wieder Sylvester - die größeren
Kinder werden um 24.00 Uhr geweckt und durften auf dem Balkon der
Großeltern die Wunderkerzen abbrennen und das
Feuerwerk-Spektakel über Hamburg erleben.Neujahr feierten
wir an einem Freitag und Sein Wort war unser Begleiter ins neue
Jahr.
1954
Die Kirche hatte eine neue Kirchenzeitung
herausgebracht und die sollte auf Geheiß der obersten Leitung in
jeden Haushalt.Es gab viele Tage eine Mordsarbeit.Zur
Erholung, angeblich, gab es eine Diakonenfreizeit von der
Landeskirche in Kuddewörde im Clemens-Schulz-Heim.Ein
wunderbares, ausgebautes Strohdachhaus mit einem Jugendheim.Wir waren auch später mit den Pfadfindern in diesem Haus.Erst
viele Jahre später, als die Kirche mit der Jugendarbeit auf
Kriegspfad stand, konnte oder wollte man dieses Haus nicht mehr
haben.Man hatte dieses Haus mit dem Jugendheim und
schönem Grundstück für 5.000,-- DM verkauft!Heute ist
dieses Grundstück viel, viel mehr wert.Schade, dass die
Landeskirche so gehandelt hat.Später kam dann auch die
Heideburg dran, weil man hier nicht den Mut hatte, eine bessere
Lösung zu finden, als sie an Anthroposophen zu verpachten.99 Jahre wird nun die Jugend der Kirche diesen schönen
Stützpunkt nicht mehr besuchen können.
In Hamburg wurde bei einer Wahl nach langen
Jahren die SPD abgelöst.Bürgermeister wurde Dr.
Sieveking.Nun wurden für den Senat neue Mitglieder
gesucht.Auch an Pastor Hans-Otto Wölber wurde gedacht,
der aber lehnte ab.Dafür ließ sich der Sekretär vom
CVJM als Senator wählen.Er sollte das Ressort als
Verantwortlicher in der Jugendbehörde übernehmen.Nahm
einen tüchtigen Anlauf und wollte auch neue Leute auf die
dortigen Posten bringen, aber es gelang nicht.Die Posten
sind so verbonzt und von Parteibuchleuten besetzt, dass er nicht
durchkam und das Handtuch warf.
Unser lieber Aga,Hans G. Beygang,
verlor durch einen tragischen Unfall seine Mutter.Es
geschah in der Küche, als sie über dem Herd Wäsche aufhängen
wollte, als ihre Kleider Feuer fingen und sie Verbrennungen 3.
Grades davontrug.Noch schmerzlicher für seinen Vater, der
an beiden Beinen eine Lähmung hatte.Mit großer
Anteilnahme haben wir sie zu Grabe getragen.Immerhin hat
sich unsere Gemeinde immer sehr um die Beiden gekümmert.
Ja, min Lüd, einmal musste ich im Februar
sogar den Kirchenheizer spielen.Schadet nichts, wir sind
eben Mädchen für alles.
Wer im Sommer was werden will, der muss
schon zeitig mit dem Planen anfangen und auch Verbindungen
aufnehmen.Der eine Raum im Keller, gleich unterm Büro,
wurde als Kajüte ausgestattet.In halber Höhe musste Holz
dran.Dieses hatte ich von einer Holzhandlung am
"Roter Brückenweg" in Billstedt.Als der Vize
hörte, dass es für die Pfadfinder sei, gab es einen niedrigeren
Preis und als Geschenk eine Holzplatte, die einige der
Pfadfinder, die mit Holz umgehen konnten, zu einen Blockhaustisch
zurechtbauten.Der Raum wurde toll gestaltet.Wir
besorgten auch zwei Schiffslaternen, die an den Seiten prangten,
und eine "Kombüsenlampe".
Zwischendurch kamen die Sitzungen von der
Jugendkammer dazu.Die Besetzung bestand aus mehreren
Diakonen, Frau Schüßler, die verantwortlich war für das
Mädelwerk, einigen jungen Pastoren und Wölber.Meistens
ging es um die Weiterführung und Gestaltung der Evangelischen
Jugendarbeit in Hamburg, Ausbau der Heideburg.Was da
manchmal für Vorschläge auf den Tisch kamen, da musste man mit
dem Kopf schütteln.Es passierte auch, dass eine Gruppe,
hier die jungen Pastoren mit Wölber und dem Architekten, Sachen
durchbrachten, die nicht hätten sein sollen.Nur ein
Beispiel: Die Schränke in den Zimmern waren so ein Schund.Wenn die Schranktüren geöffnet wurden, kam einem der ganze
Schrank entgegen.Also mussten sie an der Wand festgemacht
werden.Auch Wölber war versessen:In der Halle
musste ein Gemälde hängen, was nicht billig war.Der
Betrachter stellte fest, der eine Arm des Jungen auf dem Bild war
viel zu lang.Uns wurde erklärt, das sei eben Kunst.Dann kam eine Sitzung, in der man der Meinung war, der Turm der
Heideburg müsse weg.Da gab es aber bei mir einen Protest,
der sich gewaschen hatte.Mit Wölber lag ich im Klinsch
und mit Zorn verließ ich die Versammlung.Später rief die
Sekretärin, Frau Claußen, bei mir an und wollte wissen, ob ich
mich mit Pastor Wölber überworfen habe.Ich konnte sie
beruhigen.Auch ließ sie sagen, der Turm bleibe.Eine
Heideburg ohne Turm wäre ein Schildbürgerstreich gewesen.Dies nur noch von der Jugendkammer.Später sagte ich ade,
denn andere Kräfte versuchten, ihren Einfluss geltend zu machen
und die Jugendarbeit von dem Geistlichen weg zu drängen, aber
ohne mich.Viel später hat sich diese Linie in Hamburg
ausgewirkt, immer kleiner wurden die Kreise.Wer wollte
sich noch am Sonnabend und Sonntag um die Jugend kümmern.
Einer der ersten Pfadfinder, Peter Iden,
wurde verabschiedet, denn er ging nach Canada.Auch eine
Haussammlung wurde durchgeführt.Ich klapperte die Horner
Landstraße mit den Spendenlisten ab.Kam auch in das Haus
am Horner Berg.Die Treppe zum Haus war sehr lang und wurde
Himmelsleiter genannt.Also, oben stand dieses Haus und ich
hinein.Ich rufe, aber im Treppenhaus keine Antwort, nur im
Keller höre ich Stimmen.Dann also hinunter.Unten
in der Küche saßen ein paar Männer und eine Frau.Brachte
kühn mein Anliegen vor.Die Frau war erstaunt, als sie
hörte, ich sei von der Martinskirche.Wir kamen in ein
Gespräch und dabei erzählte sie, sie wären früher gerne in
der Kirche gewesen, bis der Pastor Krome ihren Sohn angemacht
hätte, weil er am Sonntag einen Stuhl getragen hätte.Von
da an wäre es aus gewesen mit Kirche, auch mit dem
Konfirmandenunterricht.Nun, dazu konnte ich nicht viel
sagen.Ob man je verstanden hatte, was das 3. Gebot sagt?Immerhin,ein Betrag wurde in die Liste eingetragen und man
bat mich: "Junger Mann, kommen sie wieder."
Bin später oft bei der alten Frau
Ellerbrock gewesen.Sie erzählte, alle ihre Kinder wären
nach Amerika ausgewandert.Noch auf dem Krankenbett bat
sie, ich solle zu ihr kommen, sie hätte noch ein paar
Gesangsbücher mit Goldschnitt, die sie der Kirche vermachen
wolle.Wir haben noch lange miteinander gesprochen.Wir
sammelten auch alte Bilder von Alt-Horn.Sie gab mir ein
großes Bild mit von der alten Kate am Hirtenkaten.Da
stand sie als junge Frau an der offenen Feuerstelle.Unser
Beisammensein war das letzte Mal.Bald darauf starb sie und
eine alte Hornerin wurde zu Grabe getragen.
Unsere Gründungsfahrtam 1. Mai ging
diesmal zur Lutherklause.Aga musste kochen und wurde
gehänselt, das Wasser nicht anbrennen zu lassen.Beim
Apell wurde dann die erste "Fährte", unser neues
Pfadfinderblatt, verteilt.Die Vorderseite war bunt und
hatte ein modernes Aussehen.
Wieder gab es eine Rüstzeit in Glücksburg.
Das dortige Wasserschloss wurde besichtigt.Die Prinzessin
hatte hier eine Badewanne aus Zink.Die Klo-Angelegenheit
wurde auf einfache Weise gelöst.Im Eckturm war ein Sitz
mit einem Loch und alles fiel dann von oben in den Wassergraben.Umweltverschmutzung kannte man nicht, die Lasten haben wir heute
zu tragen, die damals nicht erkannt wurden.
Pfingsten fand das Lager in Jesteburg statt.Eine große Meute kam mit.Diesmal konnten wir unsere
gekauften Zelte aufstellen.Ein Lagerkreuz wurde errichtet,
unter dem wir unsere Bibelarbeiten und Andachten abhielten.Lisa war mit den Kindern auch mitgekommen und hatte ihr Quartier
in einer Rundhütte.Am Tag war man auf dem Hof.Lisa
kochte in einem Waschkessel das Essen.Barbara war in ihrem
Kinderbettchen am Tage im Freien.Sie hopste mal so, dass
das Bettchen auseinander ging und sie voller Staunen auf dem
Erdboden saß.Hier im Lager hatten wir auch ein
Feldtelefon, dass bei unseren Spielen eifrig genutzt wurde.Auch zur Küche hatten wir eine Leitung gelegt und Lisa konnte
zum Essen rufen.Mit der Zeit kam eine Tugend auf, die uns
nicht immer gefiel, denn nachts versuchten die alten Pfadfinder
sich im Lagerüberfall, der aber immer wieder mit Erfolg
abgeschlagen wurde.Nur das Verpflegungszelt, das bei
Unteutsch auf dem Hof stand, suchte man heim und brachte einige
Nahrungsmittel durcheinander.
Leider sollte dieses Lager ein Nachspiel
haben.Im Haus stellten wir fest, Barbara hatte Blut im
Stuhl.Dies musste nun aber beobachtet werden.Glücklicherweise
konnte mit ärztlicher Hilfe diese Gefahr abgewendet werden.Aber dafür kam der Vater eines Jungen, der mich verantwortlich
machte, dass sein Junge sich auf dem Lager eine
Gehirnhautentzündung zugezogen hätte.Im Krankenhaus
stand mir ein aufgeregter Vater gegenüber.Nur durch das
Gespräch mit dem Arzt wurde er ruhiger.Wie war die
Infektion möglich gewesen?Vielleicht war das Wasser
schuld, aber den Herd dieser Krankheit haben wir nie
herausgefunden.Wie war ich froh, dass nach Tagen eine
Besserung einsetzte und ich die Last von meiner Seele los wurde.So konnten wir uns unbeschwert den nächsten Aufgaben widmen, die
schon auf uns warteten.Nur die beiden Jungen traten aus
der Pfadfinderschaft aus, schade!
Dann gab es einen großen Gemeindeausflug
nach Neuenfelde mit allem Drum und Dran.Ohne
Vorbereitungen für die Kinder und Erwachsenen ging es nicht.Zum ersten Mal machen wir einen Bauern in Kisdorf mit Namen
Oosting aus, der sehr nett war und uns einen Lagerplatz in seinem
nahegelegenen Wald zuwies.Durch die Bauersfrau bekam Lisa
ein Quartier im Haus.Unsere Mädel freundeten sich mit den
Kindern an.Als das Lager stattfand, war eines ärgerlich:
Mehrere Nächte konnten es die alten Pfadfinder nicht lassen, uns
die Nachtruhe zu rauben.Langsam wurde es mit den
Überfällen zu arg und es musste mal ein Machtwort gesprochen
werden.Später sind wir oft bei der Familie Oosting
gewesen.Dem Bauern haben unsere Pfadfinder und die
Wölflinge auf dem Feld beim Rübenverziehen geholfen.
Als in späteren Jahren unser Junge
soweit war, dass wir ihn mitnehmen konnten, haben die Pfadfinder
sich mit ihm einen Scherz erlaubt.Auf dem Hof war für das
Heu ein Gebläse mit langem Rohr vorhanden und dazu ein sehr
zahmer Hund, mit dem sich unser Andreas angefreundet hatte.Eines Tages war er mit dem Hund an diesem Rohr und ein Pfadfinder
hatte am anderen Ende auf dem Heuboden mit tiefer Stimme ins Rohr
gesprochen.Unser Junge erzählte uns aufgeregt, der Hund
kann sprechen.Er war lange Zeit von diesem Ereignis
beeindruckt und überzeugt.
Natürlich lief auch in diesem Jahr das
Lager in Heiligenhafen an und gleich danach war wieder eine Fahrt
in den Teuteburger Wald.Aus ganz bestimmten Gründen
besuchten wir immer gerne die Betheler Anstalten, damit die
Jungen erlebten, wie die geistig und körperlich Behinderten
leben.Wir sind durch etliche Häuser geführt worden und
sahen, wie diese Menschen beschäftigt wurden und voller Stolz
und Freude ihre gebastelten Sachen zeigten.Dann wurden wir
in ein Haus namens „Patmos“ geführt und hier lagen im
Saal in ihren Torfbetten schon seit Jahren die Kranken.Eine
Schwester führte uns an ein Bett, in dem das Kind schon 14 Jahre
lag.Eine Körperseite war ganz abgemagert.Es lag da
mit seinen großen Augen und blickte uns erwartungsvoll an.Die Schwester zeigte am Ende des Bettes auf eine Dose und sagte
zu uns: "Der Kranke sammelt für den Herrn Jesus und würde
sich freuen, wenn wir etwas geben würden."Als wir
dies taten und er es sah, wie das Geld in die Büchse kollerte,
ging ein Leuchten über das blasse Gesicht.Sprechen und
bewegen konnte er sich nicht.Später erfuhren wir, er sei
von seinem Leiden erlöst worden.Noch nach über 40 Jahren
habe ich diese Begegnung nicht vergessen können.Unsere
Jungens waren allein von dieser Begegnung noch lange berührt,
wenn auch wieder etwas auf uns zu kam, was wir noch nicht erlebt
hatten.Man hatte uns für die Übernachtung auf den
Quellenhof verwiesen.In Bethel ist dies ein Bauernbetrieb
mit einem Arbeitshaus für nichtsesshafte Männer.Bodelschwingh
hatte ja ein Herz für die Brüder der Landstraße und hatte auch
für sie das Sennelager geschaffen, wo diese Leute über den
Winter bei Arbeit und Brot bleiben konnten.Heute ist aus
dem Sennelager die Sennestadt geworden.Aber zurück zum
Quellenhof.Hier bekamen wir einen größeren Raum zum mit
sauberen Betten Übernachten angewiesen.Der Hausvater
machte darauf aufmerksam, dass wir morgens früh zeitig und
schnell aufzustehen hätten.Erst einmal haben wir die Tür
mit Möbeln verstellt.Wir wollten keine unliebsamen Gäste
bei uns haben.Man könnte uns auch nachts beklauen und wir
merken so etwas nicht.Die Nacht verlief ruhig, bis mit
einem Mal morgens um 7.00 Uhr ein fürchterliches Musikspektakel
begann und wir bald aus den Betten fielen.Es war nicht
mehr möglich, überhaupt noch in dem Raum zu bleiben.In
Windeseile zogen wir uns an, packten unsere Sachen, sagten
Dankeschön für das Quartier und ab ging die Post zur
Sparreburg.Hier durchforsteten wir die unterirdischen
Gänge.Besuchten den alten Hermann, der noch immer
angeschossen auf seinem Sockel stand.Er hatte sich immer
noch nicht von den Folgeschäden des Krieges erholt.Mit
dem Fahrrad haben wir unsere alte Strecke abgefahren und sind
später, trotz Regen, bei Minden zum Denkmal geklettert.Hier
an dieser Stelle wird der Mittellandkanal über eine Brücke
über die Weser geführt.
Nach meinem Urlaub bekam ich von unseren
Freunden aus Finnland Bescheid, ein Bus mit ca. 50 Finnen möchte
gerne in Hamburg eine Pause zu Mittag einlegen.Schnell
haben wir ein Speiselokal am Hauptbahnhof ausfindig gemacht und
das Essen für alle bestellt.Es gab bei ihrer Ankunft eine
fröhliche Begrüßung und wir konnten sie zum Essen einladen.So konnten wir von der Gastfreundschaft, die wir mal in Helsinki
bei der jungen Gemeinde erlebt hatten, etwas zurückgeben.Glücklicherweise
blieb man nur zu dieser kurzen Rast, denn so viele in kurzer Zeit
in Hamburg unterzubringen, wäre nicht möglich gewesen.Wir
nahmen herzlich Abschied mit dem Versprechen, Finnland mal wieder
zu besuchen.
Christas Geburtstag durfte bei all den
vielen Unternehmungen nicht untergehen, denn die Kleine durfte
ihren 8. Jahrestag feiern.
Wieder war eine Herbstfahrt fällig, und
diese führte erst einmal nach Bardowick.War früher eine
blühende Stadt, bis ein Bulle Heinrich dem Löwen, der die Stadt
belagerte, eine Furt zeigte, und er so die Stadt über diese Furt
erreichen konnte und sie zerstörte.Übrig blieb der Dom,
wo uns der Küster die Grabkammer zeigte.Hier stand ein
geöffneter Sarg, in dem eine junge Frau noch unverwest lag.
Warum?So erklärte es der Küster: dies läge an der
Ausstrahlung von Salpeter in dem Raum.InBardowick
darf man noch heute nicht den Ruf erschallen lassen: Der Bull,
der Bull kommt.Die Einwohner werden dann ungemütlich.
Diesmal zogen wir mit den Pfadfindern durch
die Göhrde und konnten bei einem Bauern in Riebrau, bei dem wir
auch später oft übernachten konnten, einkehren.Hier
erlebten die Jungen auch einmal, wie ein Schwein geschlachtet
wurde, für Stadtjungen immerhin ein Ereignis.
Zwischendurch wurde Pastor Niemann krank,
den wir mit mehreren Pfadfindern in Wintermoor besuchten.Auf
der Rückfahrt sind wir noch in Jesteburg bei Familie Unteutsch
eingekehrt und kamen gerade hinzu, als zwei Zeugen Jehovas die
Mutter Unteutsch bekehren wollten.Wir haben das Gespräch
mit den fanatischen Brüdern aufgenommen und konnten allerlei
Punkte, wie Abendmahl und Dinge vom Ende der Welt, wie Christus
uns sie erklärt hat, ins Feld führen.Dagegen
konnten sie nicht an und zogen ganz plötzlich Leine.Mutter
Unteutsch war froh, dass wir Hilfestellung geleistet hatten, denn
sie war arg in Bedrängnis geraten.
Jugendkonferenz und Sitzungen in der
Jugendkammer forderten auch mal wieder ihre Zeit.Mir
wurden die Sitzungen bald zu viel, denn immer meine kostbare Zeit
auf Sitzungen zu verbringen, konnte mir bald eine Hornhaut auf
der Sitzfläche verpassen.Mit Pastor Dubbels sprach ich
ab, nur noch in dringenden Fällen dabei zu sein zu wollen.Mir war die Gemeindearbeit wichtiger, denn es gab in diesem
zerstörten und im Wiederaufbau begriffenen Stadtteil viel zu
tun.Wir machten mal wieder einen Filmabend für die
Gemeinde mit dem Film "Denn sie sollen getröstet
werden", der gut ankam.
Weniger gut kamen wir bei den Heimkehrern
an.Wenn man sie zum Gottesdienst oder zu Veranstaltungen
im Gemeindehaus einlud, hatten sie die Ausrede, man müsse die
zerstörten Wohnungen aufbauen, danach könnten sie kommen.Ja, natürlich musste aufgebaut werden, aber auch mal Zeit für
einen Gottesdienst bleiben!Der Glaube darf nicht
verhungern.Später kam das Auto und man fuhr hinaus und
alles andere, was man sich vorgenommen hatte, unterblieb.Ja,
ja, der Dübel hat schon seine Finessen.
Auch mit uns Diakonen hatte der
Kirchenvorstand Mitleid wegen des Büroraumes.Wir saßen
im Keller mit unseren Schreibarbeiten.Es wurde auf dem
Flur ein Raum bewilligt, das heißt, der Mauermann durfte eine
Ecke abteilen und neue Wände zu einem neuen Raum ziehen.
Vor Weihnachten erfreuten wir viele
bedürftige Gemeindemitglieder mit Gaben vom Hilfswerk.Bei
der Milchpulververteilung in Tüten staubte das Pulver so, dass
wir wie die Schneemänner aussahen.Das Zeug war so klebrig
im Haar, dass nur kräftiges Waschen half, um wieder vernünftig
auszusehen.
Zu Weihnachten haben die Wölflinge eine
Krippe mit Figuren gebastelt.Diese wurde mit Tannengrün
geschmückt und im Flur des Gemeindehauses aufgestellt.Außer
der Weihnachtsfeier für Jung und Alt gab es auch immer eine
große Verlosung, die Frau Geyer organisierte.Frau Geyer
ging dann in die Horner Geschäfte und bat um Sachen für den
Basar.Der Missionskreis, der auch jahrelang von ihr
geführt wurde, hatte viele schöne Sachen angefertigt, die auch
zur Verlosung kamen.Bei der Verlosung gewann jedes zweite
Los.Bei großer Kaffeetafel und regem Zulauf von
Gemeindemitgliedern hatte Karl das Amt des Ausrufers.Er
verstand sein Handwerk großartig.Ich glaube, auf dem
Hamburger Dom hätte er eine tolle Nummer abziehen können.Einmal wurde eine Gans gestiftet, die wurde amerikanisch
versteigert und brachte eine große Summe ein. Die Gans
bekam dann eine kinderreiche Familie,deren Namen ich noch
heute weiß, denn eines der Mädchen ist später ins Rauhe Haus
gegangen und wurde Diakonin.Die Gelder, die bei diesem
Basar und der Tombola zusammen kamen, ergaben eine große Summe,
die dann der Äußeren Mission zu Gute kam.Ja, und dann
kam von Karl und mir der Vorschlag, doch am 24.12. um Mitternacht
einen Gottesdienst zu halten.Lachen musste ich, als Herr
Geyer, der Kirchenbuchführer, sagte: "Das ist wohl für
Kellner?"Wir aber ließen nicht locker und einer der
Pastoren machte für Horn den Versuch.Und siehe da, die
Kirche füllte sich so zu 3/4.Wir waren sehr zufrieden und
meinten, wenn erst der Anfang gemacht ist, wird es auch einen
Fortgang geben.Es ist tatsächlich bis auf den heutigen
Tag bei dem Mitternachtsgottesdienst geblieben und Herr Geyer
musste einsehen, dass er Unrecht hatte.
Natürlich haben wir in der Familie mal
groß gefeiert, denn wir hatten ja einen 3. Feiertag dazu, unsere
Barbara hatte doch Geburtstag.Auch dieses Jahres nahm
Abschied mit viel Arbeit.Was würde das neue Jahr bringen?Noch war alles verborgen.Mit Gottes Hilfe wird es schon
Licht werden.
1955
Wir hatten ja Grund, gespannt zu sein auf
das Kommende, denn Lisa ging schwanger und was würde diesmal das
Licht der Welt erblicken?Wir aber, der Karl und ich,
wurden weiter von den vielen Aufgaben der Gemeinde gefordert.Ob es kleine oder große waren, weil wir uns guter Gesundheit
erfreuten, konnten wir unser Tagewerk weiter fröhlich betreiben.Man schaue sich nur mal meine alten Diakoniekalender an.Alle
Jahrgänge mit vielen Einträgen sind vorhanden, die einem ein
Bild geben von dem, was tagtäglich anlag.Hier, bei den
Erlebnisberichten, werden nur die besonderen Begebenheiten
herausgestellt und erweitert.Zum Beispiel: Wieder war mal
ein Filmsonntag dran.Nachmittags kam eine Schar Jungen aus
dem Rauhen Haus mit Bruder Mahnke, dessen Namen ich erst mal
kennen lernen musste.Im Laufe eines Gespräches mit ihm
sagte er, er stünde kurz vor seinem Examen.„Und was
soll dann werden?“, war meine Frage.Nun, er wollte
zur Behörde.Davon riet ich ihm ab.Wir brauchen
Gemeindediakone, die zum Aufbau der Gemeinden wichtig sind.Wer ahnte an diesem Tag, dass es mal so kommen sollte, wie es
dann wurde.Denn der Karl wurde Kirchenbuchführer, weil
Herr Geyer in Pension ging.Wir brauchten einen zweiten
Diakon und Walter Mahnke kam zu uns.Man könnte schon
sagen: Wie das Leben so spielt.Nein, hier war Gottes Hand
mit im Spiel, was sich später zeigen sollte.
Unsere Filmvorstellung erregte den neuen
Besitzer vom Kino "Derby Lichtspiele" am Bauerberg.Wir dürften keine Filmveranstaltungen durchführen und keine
spannenden Filme zeigen.Wir hatten aber einen
verantwortlichen Mann für das Filmreferat in der Kirche, Pastor
Wilken vom Männerwerk, dem wir unsere Schwierigkeiten mit diesem
Filmpalastbesitzer erzählten.Pastor Wilken sorgte dafür,
dass diese Schwierigkeiten beiseite geräumt wurden.
Dann kam der 12. März 1955.Es wurde
ein denkwürdiger Tag, denn der Herr schenkte uns einen
männlichen Erdenbürger.Die Geburt ging ohne
Schwierigkeiten vonstatten.Nach dem Ereignis waren Mutter
und Kind wohlauf.Alle unsere Kinder sind im Hause zur Welt
gekommen und soweit es möglich war, war der Vater dabei.Also,
der Neue bekam den Namen Andreas und schrie sofort, als er den
ersten Atemzug in dieser Welt tat.Die Hebamme gab ihm
etwas Zuckerwasser, und er war erst mal damit zufrieden.Vor
Freude über diesen Zuwachs nahm ich erst mal Urlaub.
Dann wurde tüchtig geübt für unseren
Lapplandabend, der am 27.7.1955 stattfand.Thema: Von
Lappland bis zum Alpenschnee.Die Pfadfinder gaben ihr
Bestes.Lichtbilder, Sketche und Gesang füllten den Abend
aus.Vermerkt werden muss der große Zulauf; der Saal war
brechend voll und die erste Milchbar wurde in der Pause kräftig
besucht.
In der Pfadfinderschaft wurde ein neues
Kapitel der Arbeit hinzugefügt.Durch ein sehr aktives
Gemeindemitglied, Herrn Kulick, lernten wir seinen Schwiegersohn,
Herrn Möller, kennen, der Ausbilder beim Roten Kreuz war.Es
wurde mit ihm eine Besprechung durchgeführt und der Späherrat
war einverstanden, dass von nun an Rot-Kreuz-Kurse für die
Pfadfinder abgehalten werden.Immerhin musstendie
Teilnehmer 4 x 2 Stunden absolvieren, um dannnach einer
Prüfung den Ausweis vom RK zu bekommen.Damit wir auch bei
speziellen Einsätzen zu gebrauchen wären, kamen zur Ergänzung
besondere Übungen im großen Verband dazu.Einmal kam es
zu einem großen Einsatz in Billstedt, wo eine Holzhandlung
brannte und wo Feuerwehr und Rotes Kreuz zu Hilfe eilen mussten.
Auch wurden Rüststunden für Sippenführer
in verschiedenen Freizeitheimen durchgeführt, denn ohne
Weiterbildung kann eine Jugendarbeit nicht gedeihen, denn auch
viel Phantasie ist dabei gefragt.
Dann wurde eine Gründungsfahrt zum 1. Mai
auf den Sunderhofgemacht.Bei einer solchen Fahrt,
wir waren mit den Wölflingen eine große Meute, hatten wir von
den Sippenführern den Einfall, die ganze Meute im Sunder
Waldgebiet im Dunkeln allein zu lassen, und sie sollten dann
allein das Haus wiederfinden.Wir mussten lange warten, bis
alle zurück waren.Halt, Nein!Zwei Jungen fehlten
und kamen und kamen nicht zurück.Es wurde schon hell und
uns plagte die große Ungewissheit.Erst spät am Morgen
tauchten sie wieder auf und erzählten uns, sie wären an die
Autobahn geraten und Richtung Bremen marschiert, bis ein
Autofahrer sie von ihrem Irrtum befreite und sie Richtung Hamburg
schickte.Wir waren aber waren froh, dass dieses Abenteuer
glimpflich abgelaufen war.Es gab uns auchdie Lehre,
die Jungen nicht ungeübt im Gelände loszuschicken.
Vom Südkreis wurde auch ein Gemeindetag in
Blohms Park durchgeführt.Pastor Niemann und eine
Turnriege mit einem Tanzkreis taten sich hervor.Eine
besondere Ehre wurde uns zu teil.Der Oberkirchenrat
Herntrich, der ja später Bischof von Hamburgwurde,
besichtigte unsere Pfadfinderräume im Gemeindehaus.Immerhin,
solche Räume gab es in Hamburg in der Ausstattung nicht noch
einmal.Leider ist der spätere Bischof Herntrich bei einer
Fahrt durch die Ostzone bei einem Autounglück ums Leben
gekommen.
Für die Pfadfinder wurde im Kellergang ein
Anschlagbrett befestigt.So konnt jede Sippe ihre neuesten
Unternehmungen bekannt machen.Wir lernten auch bei einem
Treffen auf der Heideburg eine große Pfadfindergruppe aus
Eißendorf-Harburg kennen.Mit diesen hatten wir in ihrem
Heim einen großen Empfang und einen bunten Abend.
Von der Landeskirche wurden Jahr um Jahr
Betriebsausflüge für alle Mitarbeiter gemacht, einmal nach
Krautsand und auch nach Voßloch in Schleswig-Holstein.
Pfingsten kam immer näher, und wir
brauchten für die Pfadfinderschaft einen Zeltplatz. Beim
Durchsehen der Karteiblätter fiel uns ein Blatt besonders auf.Da war vor Tostedt bei Bötersheim ein großes Waldgebiet.Nun
hatte Helmut Koops von seinem Onkel einen kleinenWikingbus
zur Verfügung, und so fuhren wir nach Bötersheim, einemkleinen
Dorf mitten im Wald.Natürlich wurde nach dem Besitzer des
Waldgebietes gefragt.Es war der Gutsbesitzer Rogister.Wir hatten Glück, er war im Haus.Er fragte nach unserem
Begehr und wir brachten ihm unseren Wunsch vor.Er aber
sagte: „Endlich mal eine Gruppe, die um Erlaubnis
bittet.“Natürlich dürften wir am Butterberg,
Nahe der Este, unser Lager aufschlagen.Wer ahnte schon
jetzt, dass dies nicht die letzte Begegnung werden sollte.Unser
Lager fand statt.Hingekommen sind wir mit der Bahn über
Buchholz und mit der Kleinbahn bis Drestedt.Heute gibt es
diese Strecke nicht mehr, schade!
Noch etwas darf nicht vergessen werden,
denn am 5. Juni 1955 wurde unser Andreas getauft. Bevor es
geschah, ließ Pastor Dubbels die Glocken um 15.00 Uhr läuten.In seiner Taufrede vermerkte er, der Andreas solle sich von
seinen Schwestern nicht unterkriegen lassen, es waren immerhin
vieran der Zahl und er war der Jüngste.Beim
Kaffeetrinken war auch Pastor Dubbels dabei und es war alles
recht nett.
Es kam damals selten vor, dassdie
Diakone der Gemeinde in einer Kirchvorstandssitzung dabei waren.Immerhin, der erste Anfang wurde getan:Wir wurden
herbeigerufen, wenn es um Dinge der Jugendarbeit oder andere
Schwierigkeiten ging.
Ein Jungschartag für Hamburg wurde im
Sachsenwald durchgeführt.Wir hatten tief im Wald das
Wrack eines abgestürzten Flugzeugs ausgemacht und die anderen
Jungschargruppen mussten dieses suchen und die angenommene
verunglückte Mannschaft bergen.Es wurde für alle ein
erlebnisreicher Tag.
Dann erfolgte der Aufbau der Zelte in
Heiligenhafen und das große Lager, und später kam die
Schwedenfahrt dran, bei der wir wieder Stockholm und Umgebung
unsicher machten.
Wieder in Hamburg, musste im
Gemeindehauskeller die angefangene Arbeit in der früheren Küche
weitergemacht werden.Die zum Teil abgeschlagenen Kacheln,
die man nach der Bombardierung Hamburgs und Horn zu stiebitzen
versucht hatte, mussten ganz herunter.Die Wand musste
verputzt, eine Aufwasch gesetzt und zwei große Gaskocher mit
neuer Leitung angeschlossen werden.Später kam noch eine
Badewanne mit Badeofen dazu.Diese kleine Badestube wurde
durch einen Vorhang abgeteilt.Der andere, größere Raum
war Teeküche, dennfür die Gemeindeveranstaltungen
brauchten wir Kochgelegenheiten.
Zwischendurch mussten auch Vorbereitungen
für eine Frankreichfahrt mit den ältesten Pfadfindern getroffen
werden.Wir mussten zwei VW-Busse mieten.Zum Glück
waren zwei Fahrer vorhanden:Der Neffe von Karl Görlich,
Günter Schilling, der später an der Uni Professor wurde, und
der andere war Willenbrock, der nach Jahren den Wunsch äußerte,
zur Fliegerei zu wollen.Man riet ihm aber ab.Als er
mich dann nach meiner Meinung fragte, bekam er eine positive
Antwort.Darüber war er sehr froh und blieb
unternehmungslustig.Er machte seine Flugprüfung und wurde
Pilot bei der Lufthansa.
Nun aber erst einmal zur Frankreichfahrt,
die auch so manche Überraschung in sich barg. Unterwegs machten
wir die Entdeckung, dass der Sambawagen - von außen sehr schmuck
mit Oberfenster - auf der Bundesstraße 75 mit denVorderrädern
plötzlich zu stottern anfing.Man musste mit der
Geschwindigkeit herunter, bis dieser Anfall vorüber war.Zum
Glück war es nicht gefährlich, nur die Passanten guckten ganz
dumm, wenn der Wagen mal wieder einen Schwinganfall bekam.Schnell
bekam der Sambawagen den Titel "Der Epileptische".Wir kamen trotzdem gut voran, aber an der französischen Grenze
gab es einen Aufenthalt.Die Pässe wurden sehr genau
durchgesehen.Die Franzosen hatten Listen, die zum
Vergleich herangezogen wurden.Man suchte und fahndete nach
Kriegsverbrechern.Wir aber waren keine.Jeder
Pfadfinder bestand darauf, in seinem Pass vom Zoll den Stempel zu
bekommen.Dann ging es auf Paris zu.Vom Krieg her
kannte ich Paris und so fuhren wir zu den berühmtesten
Sehenswürdigkeiten.Natürlich, alles konnte nicht
besichtigt werden, aber immerhin ein paar hervorspringende Orte:
Notre Dame, der Invalidendom, Grabmal mit Napoleon und berühmten
Feldherren.Vor diesem Grabmal lag noch viel Kriegsmaterial
aus dem letzten Krieg.Hinter dem Invalidendom die Kirche
mit den vielen Fahnen aus den Kriegen, die Napoleon geführt
hatte.Noch war der Verkehr auf dem Place de la Concorde
und Champs Elyseè nicht so stark wie heute.Wir fuhren zum
Triumphbogen und zur Flamme, die für den unbekannten Soldaten
brennt.Unser Weg führte auf die Schlachtfelder des ersten
Weltkrieges, zum Duaumont, an die Somme, zur Marne, wo den
Franzosen die Umkehrung des Kriegsglücks gelang und unsere
Generäle die gebotene Chance nicht nutzten.Unsere Jungens
hatten von der Geschichte kaum Ahnung.Man konnte noch die
Flächen erkennen, wo die gewaltigenMaterialschlachten
gewütet hatten.
Unsere Fahrt ging dann in die Provence.Wir besichtigten Nimes und Aixes, Städte die noch heute sehr
eindrucksvolle römische Baudenkmäler aufzuweisen haben.Dann
ging’s auf ans Mittelmeer.Die Pfadfinder waren noch
nie am Mittelmeer gewesen, und wir kamen an eine Strandstelle, wo
viele Familien der Franzosen ihren Urlaub verbrachten.Als
unsere Busse da auftauchten, waren wir bald von etlichen
Franzosen umringt.Sind hier schon wieder Deutsche, und was
sind das für Autos?Man ging um die Busse herum und suchte
den Motor.Wir zeigten ihnen den, indem wir die hintere
Klappe öffneten.Sie waren bass erstaunt.Wir hatten
ein gutes Verhältnis zu den Franzosen, die uns immer wieder
betonten: Nur wieder keinen Krieg!
Natürlich wurde tüchtig gebadet, und dann
wollten wir auch nach Avignon, einer Stadt mit einer Stadtmauer
und dem ehemaligen Pabstpalast, wo einst der Gegenpapst regiert
hatte.Draußen vor der Stadtmauer hatte Aga ein altes Auto
entdeckt, bei dem der Akku auf dem Trittbrett stand und die
Handbremse zur Verlängerung einen Holzknüppel hatte.So
etwas wäre bei uns unmöglich gewesen.Wir standen um das
Vehikel herum und machten unsere Glossen, was die Franzosen nicht
leiden konnten.Weiter ging die Fahrt nach Reims, wo sich
die Kathedrale befand, in der die Könige von Frankreich gekrönt
wurden.Natürlich wurde hier auchSekt eingekauft,
Reims ist eine berühmte Sekt-Stadt.Von der
Kathedrale waren wir wegen ihrer Schönheit und Erhabenheit
überwältigt.Von hier ging es nach Rethel, einer Stadt
die in zweiKriegen sehr gelitten hatte.Uns zog es
zum Soldatenfriedhof.Unser Hermann Bulla wollte das Grab
seines Vaters finden, was wir auch fanden und Blumen darauf
niederlegten.Aber noch eines erlebten wir.Der
Franzose, der für die Gräberanlagezuständig war, zeigte
uns noch ein Grab, es war das Grab von Hermann Bullas Großvater.Wie eigenartig, der Vater von Hermann musste ausgerechnet im 2.
Weltkrieg hier fallen, wo schon im 1. dessen Vater gefallen war.
Da wir meinten, an der Hauptgrenze sei es zu
voll, wählten wir einen kleineren Grenzübergang.Hier
waren wir die einzigen Übergänger.Der deutsche
Zollbeamte fragte uns, ob wir etwas zu verzollen hätten, und der
Uli antwortete: „Nur eine Klorolle.“Der Zöllner
wurde darauf wütend.Obwohl ich mich entschuldigte, es
nützte nichts.Alles aussteigen und Busse räumen.Ich
bekam Kugelaugen, was da alles aus den Bussen hervor kam,
jedenfalls mehr, als der Zoll erlaubte.Die Kerle hatten
heimlich viele Flaschen Wein eingepackt, von denen ich nichts
wusste.So stand draußen eine große Anzahl von Flaschen,
von denen viele verzollt werden mussten.Der Zöllner ging
noch gnädig mit uns um.Durch diesen Reinfall haben wir
dennoch viel Zeit eingebüßt.Immerhin waren wir für die
Zukunft klüger und der vorlaute Uli bekam einen tüchtigen
Rüffel.
Voll bepackt von den vielen Erlebnissen
kamen wir heil in Hamburg an.Eines wäre noch einen
Nachtrag wert: Einer der Pfadfinder war immer bereit gewesen, bei
Pannen die Reifen aufzupumpen.Bis auf den heutigen Tag hat
der den Spitznamen Pumpi behalten.So ging es also auch
uns: Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erzählen.
Wenn die Sammlungen des Hilfswerks oder der
freien Wohlfahrtspflege zur Abrechnung kamen, saßen die Zähler
und Abrechner abends mit freiwilligen Helfern zusammen.Das
viele Kleingeld musste gezählt und in Geldrollen zusammengetan
werden.Am nächsten Tag ging es mit schwerer Aktentasche
per Pedes zur Sparkasse.Später haben wir es an einem
Morgen mit den Vertretern aus der Gemeinde gemacht.Immerhin
gingen bald vier Stunden drauf, bis alles fertig war.
Eines Tages kam vom Senat der Hansestadt
eine Einladung zu einem Empfang im Rathaus zur Ehrung der Helfer,
die sich besonders für die Not der Armen eingesetzt hatten.Mehrere Ansprachen mussten wir im großen Kreis von Eingeladenen
über uns ergehen lassen und dazu gab es etwas zum Trinken.
Wegen eines Unfalls vor unserem Haus
mussten wir als Zeugen vor Gericht.Viele Unfälle hatten
sich inletzter Zeit auf der Horner Landstraße ereignet.Einmal trafes ein junges Mädchen, unsere Nachbarin, als
sie in dem Augenblick aus dem Treppenhaus trat, in dem ein Auto
über den Bürgersteig fuhr und sie durch die Luftschleuderte.Sie kam mit dem Leben davon, aber hatte jahrelang körperliche
Beschwerden.Wegen der schlechten Beleuchtung auf der
Horner Landstraße sah ich mich gezwungen, eine Eingabe bei der
Polizei zu machen.Nach einiger Zeit bekam die Horner
Landstraße neue Lampen und später wurden die
Straßenbahnschienen aus dem Pflaster entfernt.Sie waren
oft die Ursache der Unfälle.
Zu Christas Geburtstag waren wir wieder in
Heiligenhafen und verlebten schöne Urlaubstage.Meine
Große musste ich einmal ins Wasser schuppsen und untertauchen,
weil sie viel zu weit rausgegangen war und der Untergrund nicht
immer eben war.Zu unserer Beruhigung hat sie dann
bald das Schwimmen gelernt, was Kinder ja nicht früh genugerlernen können.Auch der schönste Urlaub hat einmal ein
Ende und der Alltag mit seinen Aufgaben hatte uns wieder.
Diesmal kam es ganz dick. Die
Kriminalpolizei meldete sich.Es sollten einige unserer
Jungen Mofateile gestohlen haben.Natürlich wurde dieser
Anschuldigung auf den Grund gegangen.Nun hatte jede Sippe
ihre eigene Materialkiste und siehe da, in einer waren solche
geklauten Teile vorhanden.Mit den Jungen wurde bei der
Polizei ganz schnell die Angelegenheit geklärt, und sie kamen
dann mit dem berühmten blauen Auge davon.Hätte der
Kirchenvorstand davon etwas erfahren, die Herren wären bestimmt
in Ohnmacht gefallen.Es gibtimmer einiges, was man
im Blick auf Schwierigkeiten in der Jugendarbeit am besten
alleine austrägt.
Dies muss auch einmal zu Papier: Wenn die
Fahrten zusammengestellt wurden, gab es viel Arbeit.So
einfach wie heute ging es nicht.Die Matritzen wurden
beschrieben, meistens über 15 Stück, und dann mit der Maschine
abgezogen.Wie oft gab es Schwierigkeiten, die Blätter
sauber aus der Maschine zu bekommen.Immerhin wurden über
200 Stück gebraucht.Die Pfadfinder brachten sie mit nach
Hause, damit auch die Eltern lesen konnten, was in der
Pfadfinderschaft und in der Gemeinde anlag.
Zu unserem Rot-Kreuz-Kursus wurde noch ein
Hospitantenkursus als Zusatzausbildung eingerichtet.Wer
diesen Kursus bestand, durfte mit Genehmigung der R.K.-Leitungdas R.K.-Zeichen auf dem Pfadfinderhemd tragen.Ohne diesen
besonderen Kursus war es nicht erlaubt.
Unsere Adventsfahrten, die jedes Mal ein
anderes Ziel hatten, wurden langsam zur Tradition.Diesmal
waren wir auf dem Sunderhof.Ringsherum war der Wald für
unsere Pfadfinderspiele noch in Ordnung.
Vergessen werden soll nicht, dass die
Rauhhäusler immer nach dem 2. Advent ihren Adventskaffee im
Großen Saal des Wichernhauses hatten.Hier traf man wieder
Brüder, die man lange nicht gesehen hatte.Auch im
Gemeindehaus wurde es weihnachtlich.Im Flur baute die
Pfadfinderschaft einen Weihnachtsmarkt auf.Auf dem wurde
vieles zum Kauf angeboten, was die Pfadfinder gebastelt hatten.Wenn dann die Weihnachtsfeiern stattfanden, hatten wir viel
Publikum.Selbst nach Weihnachten wurden die Tage nicht
ruhig.Auf der Heideburg musste unbedingt noch eine
Konferenz stattfinden, und die Wölflinge wollten auch noch eine
Fahrt.Diese bot einige Überraschungenwegen eines
Diebeslagers an der Autobahn, das entdeckt wurde.Das Jahr
ging still zu Ende und wir begingen es mit einem Gottesdienst in
der Martinskirche.
1956
Später musste ich zum Tidekanal, um in
einem Schrebergarten eine Familie zu besuchen, die es nötig
hatte, unterstützt zu werden.Der Mann saß im Rollstuhl
und war ein fröhlicher Geselle.Wieder mal bei einem
Besuch erzählte er mir im Beisein seiner Frau, man hätte ihn
aufs Dach gehoben und er habe mal wieder Dachdecker gespielt.Das war eine Familie, die ihren Halt in Jesus Christus gefunden
hatte.So war es immer eine Freude, diese Familie zu
besuchen.
Wie es so zugeht: Wir hatten rechts vom
Gemeindehaus eine freie Baufläche und der Plan war, ein Wohnhaus
für die Mitarbeiter zu bauen.Mir schwebte aber ein
Projekt vor, Pavillons für die Jugendarbeit zu bauen, und ein
größeres Haus für die Junge Gemeinde, also drei Pavillons und
ein Haus um einen Hof herum zu bauen.Für den Kindergarten
sollte ganz hinten, wo heute das 2. Pfarrerhaus steht, das Haus
gebaut werden.Denn der 2. Pfarrer hatte nichts in
unmittelbarer Nähe der Kirche zu suchen, er sollte in seinem
eigenen Bezirk wohnen und dort leicht erreichbar sein.Ich
war dann bei unseren Architekten Hopp und Jäger, und Herr Jäger
hat dann die Pläne ausgearbeitet und dies für uns noch
kostenlos, denn wir Pfadfinder hatten kein Geld.Natürlich
hat der Kirchenvorstand diesen Plan abgelehnt.Man baute
ein großes Haus.Die meisten Räume dieses Hauses sind
heute vermietet.Im Keller sind ein paar Jugendräume und
im Parterre ist der Kindergarten und hinten ist das Pfarrerhaus.In der Mitte dieses Haustrakts ist noch das Kirchenbüro.Ob
man wohl heute nicht über dieses 2. Gemeindehaus eine andere
Vorstellung hat, als jene, in die man hineingezwungen wurde?
Es erfolgte dann die Grundsteinlegung der
Philippuskirche in der Geest.Bischof Knolle hielt die
Weihrede, und Pastor Fischer richtete noch einige Worte an die
Gemeinde.Immerhin waren einige Schrebergärtner sauer,
weil die Kirche dieses Grundstück bekommen hatte.Darum
haben böse Buben nachts die Begrenzungspfähle für den
Grundriss beseitigt.Es gab so manchen Ärger.Heute
steht die Philippuskirche nebst Gemeinde- und Pfarrhaus.Trotz
der schönen Bauten krampft die Gemeinde mit ihren Mitgliedern
durch die Zeit.Schon lange ist Pastor Fischer nicht mehr
da und damit entfällt eine ganz besondere Säule dieser
Gemeinde.Pastor Fischer kam von der Missionsarbeither
und hatte auch noch andere Vorstellungen vom Gemeindeaufbau.
Noch ein neues Blatt wurde ins Leben
gerufen, der SR-Kurier vom Späher-Rat, der besonders
Entschlüsse und Zukünftiges im Programm festhielt.
In der Berzeliusstraße gab es ein Heim für
Familien, die aus ihren Wohnungen ausgewiesen worden waren, weil
sie Mietschulden hatten.Hier fanden sie eine Bleibe.Für diese heruntergekommenen Familien musste das Sozialamt
Billstedt eingeschaltet werden und für sie war eine weitere
Betreuung nötig.
Zwischendurch wurde für einen Elternabend
tüchtig geprobt.Wir hatten ja viel erlebt.Im März
stieg dann der Frankreichabend unter dem Motto "Als wir nach
Frankreich zogen". Der Abend war gut besucht und
gelang nach Meinung der Eltern fabelhaft.
Jetzt kam die Zeit, in der man viel Klampfe
spielte und durch Vermittlung hatte ich in Hamburg einen
Großhandel für Musikinstrumente an der Hand.Der Wunsch
nach Klampfen war groß, und so besorgte ich nicht nur viele
dieser Instrumente für 39.-- DM das Stück, sondern konnte mit
Bruder Weiß einen Lehrer gewinnen, der Unterricht geben konnte.So hatten wir bald eine Gruppe von Klampfenspielern, die bei
Veranstaltungen mächtig in die Saiten schlagen konnten.
Dies sollte auch nicht übergangen werden:
Nach einer bestimmten Zeit hatte der Kirchenvorstand zu
entscheiden, ob ich als junger Diakon bleiben sollte.Die
Entscheidung wurde der Landeskirche mitgeteilt und so bekam ich
dann meine Anstellungsurkunde als Beamter auf Lebenszeit.
Bei dem Heideburgtreffen hatten die
Gemeindegruppen diesmal Stände aufgebaut, wir auch.In
einem Zelt war der "Fliegende Holländer" zu sehen, an
der Decke baumelte ein Stück Holländischer Käse.In
jeder Bude wurde Eintritt genommen.Jugendpastor Wölber
musste uns natürlich einen Besuch abstatten.Dafür durfte
er sich ins silberne Buch eintragen.Wir hatten mit unseren
Ständen guten Erfolg.
Wir waren oft auf unseren Fahrten in Raven,
wo wir durch den Pastor des Dorfes immer ein gutes Quartier
angeboten bekamen und im Garten unser Lagerfeuer entzünden
konnten.
In diesem Jahr wurde der Gemeindeausflug in
Sinstorf gefeiert.Diese Ausflüge, die viele
Überraschungen im Programm mit sich brachten, wurden von den
Gemeindemitgliedern gerne angenommen.Aber später, als
jeder sein Auto hatte, war es schwer, noch Leute zusammen zu
kriegen.
Dann kam der Tag, wo zwei unserer
Pfadfinder, Helmut und Ede, nach Kanada auswandern wollten.Wir feierten den Abschied noch bei uns in der Wohnung und haben
sie dann im Namen Gottes von uns losgelassen.Wie sie dann
später berichteten, fanden sie in der dortigen deutschen
Gemeinde schnell den Anschluss.
Es kam wieder die Zeit, in der das
Ferienlager in Heiligenhafen bevorstand.Diesmal sollte es
etwas geben, was noch nie stattgefunden hatte.Walter
Mahnke und ich brüteten ein tolles Spiel aus.Es ging um
einen Piratenschatz.Dazu machten wir in aller Stille
unsere Vorbereitungen.Es kam oft ein alter Seebär zu uns,
der den Jungs gerne aus seinem Leben erzählte.Er hieß
Kapitän Kurz und war Feuer und Flamme, als er hörte, worum es
ging.Walter Mahnke machte in Heiligenhafen einen alten
Diakon aus, der altes Schreibpapier hatte.Es musste ein
uraltes mit Tinte geschriebenes Dokument über einen
Piratenschatz berichten, der einst im Pfarrgarten unter einer
Buche vergraben worden sei.Natürlich waren auch bestimmte
Maße und Richtungen anzugeben.Abgemacht war, dass
Kapitän Kurz ein altes Buch mitbringen sollte, in welchem das
Schriftstück hinten im Deckel verborgen war.Nun mussten
wir natürlich eine Truhe haben, die tatsächlich auf dem
Pfarrhausboden gefunden wurde, so ein richtig altes,
wurmstichiges Möbel.Der Pastor wurde natürlich
eingeweiht und erlaubte uns, im Garten an der schon angegebenen
Stelle die Truhe, die mit Steinen beschwert wurde, zu vergraben.Wichtig war, dass die Stelle, wo wir gegraben hatten, wieder im
alten Zustand hergerichtet wurde.Alles lief dann wie
geplant ab.Kapitän Kurz erzählte spannend und ließ dann
beim Weggang das alte Buch liegen.Einige der großen
Jungen machten sich über das Buch her.In ihrer Neugierde
fanden sie natürlich das Schriftstück.Der Inhalt wurde
dann beim Mittagessen verlesen, und es gab begeisterte Jungen und
auch Zweifelnde.Natürlich geriet das Lager darüber in
zwei Gruppen.Mahnkes Gruppe mit Karl war gegen das
Ausgraben, ich war natürlich dafür.Und so begann der
Streit, einmal dafür und einmal dagegen.Zuletzt aber
bekam die Gruppe, die für das Suchen des Schatzes waren, die
Oberhand, und man zog mit Schubkarre und Schaufeln nach
Heiligenhafen, um im Pfarrgarten den Schatz auszubuddeln.Als
die Schatzsucher so über den Graswarder zogen, war es ein
imposantes Bild.Im Pfarrgarten wurde die Stelle bald
gefunden, man hatte ja ein Maßband zur Hand.Als die
Stelle ausgemacht war, wurde sie stark unter die Lupe genommen,
ob nicht etwas Verdächtiges zu finden wäre, womit sie
reingelegt werden sollten.Aber glücklicherweise war
nichts auszumachen und man fing an, zu buddeln.Nach
einiger Zeit des Grabens stieß man auf etwas Hartes, die
Spannung wuchs und fieberhaft wurde vorsichtig weiter gegraben,
bis man die Truhe freigelegt und ans Licht befördert hatte.Wir können euch nun mitteilen, dass die Truhe in einem
Triumphzug durch Heiligenhafen zum Lager gebracht wurde.Pastor
Niemann ordnete an, dass die Truhe in dem Speisesaal auf einen
Tisch gestellt werden und noch nicht geöffnet werden dürfe,
erst am Sonntag.Selbstverständlich wurden Wachen
aufgestellt, damit kein Unbefugter sie öffnen konnte.Wir
aber waren auch nicht untätig und hatten heimlich in
Heiligenhafen eine Pfadfindergruppe auf den Schatz scharf
gemacht.So passierte es, dass dann von der See her des
Nachts einige kamen und, als die Wache nicht aufgepasste, die
Truhe verschwindenließen.Zu spät wurde es
bemerkt.Es gab Alarm.Aber alles Suchen half nichts,
die Truhe blieb bis auf den heutigen Tag verschwunden.Wir
hatten ein gutes Verhältnis zur Wasserschutzpolizei, die wir
auch einschalteten.Am Sonntag kam die Beamten zu uns,
bekam einen Köm und man nahm am Tatort die Spuren auf.Aber
alles blieb später immer noch im Dunkeln.Noch im
Wölflingslager Jesteburg bekamen wir ein Telegramm, in dem die
Vermutung ausgesprochen wurde, man kenne den Drahtzieher.Aber
dieser Schatz hat in Heiligenhafen auch noch die Presse
beschäftigt.Wir waren wir natürlich stolz, dass uns so
ein tolles Ding gelungen war.
Nach Jesteburg begann eine Bayernfahrt mit
der Teilnahme am Kirchentag in Frankfurt, wo wir noch andere
Gemeindepfadfinder kennen lernten.Die Jugendkundgebung war
sehr eindrucksvoll mit den vielen Lichtern, die dann nach dem
Spiel, als das Evangelium nicht mehr verkündet wurde,
ausgelöscht wurden und nur das Dunkel übrig blieb.
Als wir wieder zurück waren, wurde schon
die Italienfahrt geplant.Zwei Busse mussten gemietet
werden, die Fahrer dafür hatten wir, und die Teilnehmer standen
schon bereit.Erst einmal gab es eine zünftige Rüststunde
und dann konnte am 15. August 1956 die Fahrt starten.In
Frankfurt wurde das wieder aufgebaute Goethe-Haus besichtigt.Machte auf uns schon einen tollen Eindruck.Die Küche war
primitiv.In einem Zimmer befand sich ein kleines Theater,
mit dem der junge Goethe gespielt hatte.Auch sonst gab es
viele Dinge, die an den jungen Goethe erinnerten.Wenig war
von seiner Schwester die Rede, die doch mit ihm aufgewachsen war.
In Ulm bestiegen wir den höchsten Kirchturm
Deutschlands, von wo wir auf die Stadt einen herrlichen Ausblick
hatten.Von dort fuhren wir nach Liechtenstein.Der
Fürst hatte an diesem Tag Geburtstag, und wir suchten einen
Souvenierladen heim.Ein Pfadfinder entdeckte ein Brett mit
einer Klorolle und daran eine Schnur.Natürlich musste er
daran ziehen und plötzlich spielte die Spieluhr, die darin
eingebaut war, die Melodie "Was kommt dort von der
Höh'".Die Besitzerin des Ladens war über die Tat
des Pfadfinders sehr ungehalten.Wir kauften einige
Andenken und beruhigten die Inhaberin des Ladens dadurch.
Am Abend haben wir in der Schweiz, zum
ersten Mal am linken Rheinufer, unser Zelt aufgebaut und kochten
hier ab.Dann ging es am nächsten Tag über den Furkapass
nach Italien.Auf der italienischen Seite ging es in
Serpentinen abwärts zur Ebene von Mailand.Bei der Abfahrt
sagte mir Günter, unser Fahrer: „Du, ich glaube die Bremsen
fassen nicht mehr.“Und dies bei einer steilen
Abfahrt.Wir haben Wasser und Blut geschwitzt und waren
froh, als wir den Wagen, mit voller Mannschaft und Gepäck, unten
hatten.In Mailand fuhren wir zu einer Tankstelle, um
Bremsflüssigkeit kaufen.Wohl hatten wir einen ein
Wörterbuch als Sprachhelfer dabei, aber das Wort
Bremsflüssigkeit stand nicht drin.Nach mehreren Anläufen
bei verschiedenen Tankstellen hatten wir Erfolg.Hier
lernten wir einen Deutschen kennen, der seine Benzinscheine
verkaufen musste.Er hatte einen Unfall gehabt.Da
die Italiener noch keine Autoversicherung kannten, hatte er seine
Fahrt aufgeben müssen und wollte nach Hause fahren.Im
Appeningebirge ging dem einen Wagen das Benzin aus, und die
Pfadfinder mussten den Wagen über eine Höhe schieben, bis es
abwärts ins Dorf ging.Hier haben wir stundenlang auf den
Tankwagen warten müssen, bis wir endlich tanken konnten und die
Fahrt nach Florenz weiter ging.Natürlich haben wir uns
die herrliche Stadt mit ihren Kunstschätzen angesehen.Wir
sind auf der berühmten Brücke mit ihren vielen Läden gewesen
und standen am Fluss Arno, der ja später die Stadt überflutete
und viele Kunstwerke zerstörte.Wir fuhren ans Mittelmeer
und hatten den Plan, nach Korsika überzusetzen.Daraus
wurde nichts.Die Abfahrtszeiten lagen für uns ungünstig.Da kam der Gedanke, an der Küste bis Livorno weiterzufahren, zum
Hafen.Wir fuhren nach Elba, wo einst Napoleon herkam.Schnell mussten wir einen Abstellplatz für die Busse finden, und
dann ging es um 12.00 Uhr auf die Fähre.
Später fuhren wir in großer Hitze über
die Berge zu einer einsamen Bucht.Hier stand am Strand gab
es nur noch ein Zelt, sonst waren wir alleine.Wir ruhten
uns erst einmal gründlich aus.Später haben wir gebadet
und Streifzüge in den Berge gemacht.Ein Haus gab es, wo
wir unsere Einkäufe machen konnten.Alles war noch schön
primitiv.Wenn man Weintrauben haben wollte, ging die Frau
mit einer Schere in den angrenzenden Weinberg und schnitt die
Trauben vom Weinstock.Einen Deutschen trafen wir, der unserzählte, er käme schon 15 Jahre hier her, aber langsam
verändere sich alles.Unten am Strand liefen auch schon
Männer mit Meßlatten herum und uns schwante nichts Gutes.In der letzten Nacht kam eine Warnung von den Einwohnern, es
gäbe bald einen Scirocco-Sturm.In aller Eile wurden die
Zelte abgebrochen und wir verkrochen uns in einem Schafstall.Wir hatten richtig getan, es ging ein schwerer Sturm über die
Insel. Am anderen Morgen hatten wir wieder blauen Himmel,
als wäre nichts gewesen.Wir mussten schon um 7.00 Uhr an
der Fähre sein, um an diesem Tag noch das Festland zu erreichen,
schafften es mal eben knapp, und bei der Überfahrt hatten wir
einen starken Seegang.
Nächstes Ziel war Rom, wo wir leider unser
Zelt auf dem überfüllten Campingplatz aufschlagen mussten.Hier überraschte uns noch ein Gewitter, und empört waren wir
über die hohen Campingplatzgebühren.Wir wollten Rom
kennen lernen und so mussten wir eben diese Gebühr zahlen, denn
einen Platz als Standort musste man haben, um etwas von Rom zu
sehen.Am nächsten Tag ging es los.Erst einmal
besichtigten wir das Kollosseum, wo die ersten Christen von den
Löwen zerrissen wurden.Nero, dieser Tyrann, hatte ja
behauptet, die Christen hätten Rom angezündet, darum seine
Rache.Von hier ging es zum alten Rom.Es waren nur
Ruinen zu sehen.Nur noch der Triumpfbogen mit dem Relief
der gefangenen Inder, die Titus nach Rom gebracht hatte, darum
Titusbogen, war in seiner wahren Größe vorhanden.Natürlich
mussten wir auch in den Petersdom.Prächtig, prächtig,
ist er ja mit dem Ablassgeld von Tetzel aus Deutschland erbaut
worden.Es war ein Kommen und Gehen von Touristen, was wir
als ärgerlich empfanden.Von einer Petrusstatue wurde
immer wieder der Fuß geküsst.Die Spitze des Fußes war
schon ganz blank.An der Schweizergarde mit ihren
mittelalterlichen Uniformen musste man vorbei.Auf noch
eine Besichtigung waren wir scharf: Wir wollten die Katakomben
sehen.Nach langer Suche fanden wir die Stelle, wo man dann
von den dort angestellten Mönchen der katholischen Kirche in die
unterirdischen Gänge geführt wurde.Ohne Führung könnte
man sich verlaufen.Wir staunten nicht schlecht über das
Gestein.Es waren nicht nur Gräber, sondern auch Kapellen
hineingehauen worden.Es war schon ergreifend, an Stellen
zu stehen, wo einmal früher Christen ihr Leben verbracht hatten.Als wir wieder an der Oberfläche waren, kauften unsere
Pfadfinder einige Andenken.Alte Öllampen, wie sie einst
gebraucht wurden.Wir haben dann unsere Zelte abgebrochen
und am Fluss Tiber gezeltet, der damals noch sauber war.Durch
die Abbruzzen fuhren wir zur Adria.Besuchten den
Kleinst-Staat San Mario.Auf der Höhe des Berges herrschte
ein toller Betrieb.Wir aber fuhren schnellstens an die
noch saubere Adria.Hier hatte das Meer einen tollen
Wellenschlag, so dass man beim Baden sehr aufpassen musste, um
nicht ins Meer gerissen zu werden.Am Strand machten uns
ältere Pfadfinder aus, die hier ein Lager durchführten.Am
nächsten Tag wurden wir zum Essen eingeladen.Ein
Deutscher, der gut italienisch konnte, übersetzte unsere
Ansprachen.Natürlich tauschten wir Geschenke aus.Immerhin
hatten wir eine prima Gemeinschaft mit den Unbekannten und doch
Bekannten.In Ravenna besuchten wir das Grabmal von
Theoderich und auf der Fahrt wurden einige Basiliken mit den
alten Mosaikbildern besichtigt.Nur nicht zu viele, denn es
gab auf der Fahrt nach Venedig unzählige.In Venedig
herrschte damals ein nicht abreißender Touristenstrom.Natürlichwurden berühmte Baudenkmäler besichtigt, Markusdom,
Dogenpalast, Seufzerbrücke und eine Glasbläserei.Einige
von uns kauften geblasene Gefäße.Wir haben später an
der Etsch gezeltet, um dann bei Cortina über die Alpen durch die
Dolomiten wieder nach Deutschland zu kommen.Vorher, in den
Bergen, wurde noch mit allen eine Familienaufnahme gemacht, die
später auf einem Elternabend noch eine Rolle spielen sollte.Unterwegs bekam der Pedro eine Blutvergiftung, die wir mit Gottes
Hilfe beseitigen konnten.Vor Fulda, an einem langen
Regentag, konnten wir eine Jugendherberge beziehen.Der
Herbergsvater war begeistert.Ich höre ihn noch sagen:
„Endlich mal eine ordentliche Pfadfindergruppe, anstatt
immer Schulklassen.“Am nächsten Tag gab es einen
Sturm und viele Bäume wurden entwurzelt.Dabei erlebten
wir noch kurz vor Celle drei Unfälle.Wir waren dann am
späten Nachmittag wieder am Gemeindehaus.Die Wagen wurden
erst noch gereinigt und dann zum Vermieter zurückgebracht.Im Hause gab es natürlich ein freudiges Wiedersehen, und dann
wurden die Geschenke ausgepackt.Die Kinder bekamen eine
rote Korallenkette und Lisa aus der Glasbläserei, aus Venedig,
eine toll geschmückte Likörflasche mit 6 Likörgläsern.Die
Geschenke existieren noch heute bei uns und den Kindern.
Und jetzt begann im September unser eigener
Urlaub.Diesmal wollen wir ohne Kinder ein paar Tage in die
Heide, und was wurde daraus?Wir landeten in Sprötze und
übernachteten an der Bundesstraße 75 im Gasthaus
"Heins".Am nächsten Tag wanderten wir an Wald-
und Wiesenrändern nach Bötersheim.Wir merkten es erst,
als wir von einem Waldweg plötzlich in diesem kleinen Dorf
landeten.Ein paar Häuser, ein Gutshof und ein großes
Herrenhaus, ein mächtiger Mauerklotz, der eigentlich hier gar
nicht herpasste.Das Haus war scheinbar nicht bewohnt.Wir gingen hinein, riefen, keine Antwort.Erst im
Dachgeschoss trafen wir auf eine Frau, die uns Auskunft gab.Wir hörten, dass der Besitzer von Rogister hieß und gegenüber
wohnte.Die ehemaligen Bewohner der unteren Räume waren
umgezogen und hatten woanders eine Wohnung bekommen.Was
mit dem Haus würde, wisse sie nicht, denn auch sie wollten bald
ausziehen.Wir haben uns dann im Dorf umgesehen.Es
lag einfach herrlich, mitten in einem Waldgebiet und hat noch
nicht einmal 500 Einwohner.In einem kleinen Krämerladen
haben wir ein paar Einkäufe gemacht.Hörten von der
Inhaberin, Frau Brockmann, so allerlei über die Bewohner des
Dorfes.Wir entdecken eine Schankwirtschaft
"Gerberding" und haben bei denen ein kräftiges
Bauernfrühstück eingenommen.Am Nachmittag wollen wir auf
den Gutshof zum Besitzer.Trafen aber nur Rogisters
Schwester an und hörten, dass das Haus vermietet werden sollte.Natürlich meldeten wir von der Gemeinde unser Interesse an.Wir wurden gefragt: „Ist diese Gemeinde eine Sekte?“„Nein“, antworten wir, „wir sind von der
Hamburgischen Landeskirche.“Wir machten einen Termin
ab, um dannmit den Besitzern zu verhandeln.
Am 12.9.1956, dem Gründungstag des Rauhen
Hauses, waren wir noch in Bötersheim, hatten in der Nacht noch
bei einer Frau Peters geschlafen und sind dann noch lange in
diesem großen Waldgebiet, durch das auch die Este floss,
sparzierengegangen.Nach diesen Urlaubstagen haben wir dann
mit Pastor Dubbels über Bötersheim und die Möglichkeit, dieses
große Herrenhaus zu mieten, gesprochen.Telefongespräche
mit Rogister wurden geführt und am 26.9.1956 sind wir mit Pastor
Dubbels nach Bötersheim gefahren, und die ersten Verhandlungen
wurden aufgenommen.Es gab ein langes Hin und Her, denn der
vorherige Mieter, ein Fabrikant aus Drehstedt, musste aus seinem
Vertrag aussteigen.Das war noch an so einige Bedingungen
geknüpft, die juristisch gelöst werden mussten.Zwischendurch
wurde mit den Pfadfindern eine Kontaktfahrt nach Langenrehm im
Rosengarten gemacht.Mit Bötersheim waren die
Verhandlungen soweit gekommen, dass wir erst mal 5 Jahre das
halbe Haus bekommen könnten.Miete sollte 200.-- DM sein.Rogister sagte, erst einmal wolle er sich mit uns nur
"verloben" und dann später weitersehen.Die
nächste Hürde war der Kirchenvorstand.In der Sitzung
durfte ich dabei sein und über das Haus und die Möglichkeit, es
zu einem Freizeitheim herzurichten, berichten.Malte dem
Kirchenvorstand alles in bunten Farben, was es bedeutete, einen
Stützpunkt in der nächsten Nähe, nur ca. 40 km von Hamburg
entfernt, zu haben.Natürlich wurden Bedenken angemeldet.Einmal wegen der Miete und einer sprach von Holzbock und über
die Instandsetzung de Außenhaut.Zwei Herren waren sogar
dagegen, denn wir hätten Heiligenhafen und da bräuchten wir
noch Inventar.Mit meiner Überzeugungskraft und
stichhaltigen Argumenten konnte der Kirchenvorstand sich endlich
zu einem Ja für Bötersheim durchringen.Von Rogister
bekam von dem Beschluss Bescheid und ließ darauf von seinem
Mauermann, der auf dem Gutshof die Arbeit machte, die Türen zum
nicht gemieteten Hausteil mit der Verkleidung herausreißen.Die Türfüllungen wurden einfach zu gemauert.
Am 1. Advent feierten wir mit der
Philippsgemeinde das Kirchweihfest.Dann wurde auch noch im
Dezember mit Rogister der Vertrag über das Haus abgeschlossen.Später gab es noch manche Anfechtung und Schwierigkeiten von der
Gemeinde zu überwinden.Bei all der vielen Arbeit war es
gelungen, durch Verhandlungen mit der Leitung der Alsterdorfer
Anstalten, meine Mutter aus Heiligenhafen, wo man sie schon
hinverfrachtet hatte, herbeizuholen und in Alsterdorf
unterzubrigen.So hatten wir einen nicht mehr so weiten
Weg, um sie zu besuchen.
Weihnachten durften wir mit vielen
Überraschungen feiern.Bevor das alte Jahr zu Ende ging,
fuhren wir nach Bötersheim und orientierten uns im Haus,was
an Arbeit zu tun wäre. Eines stand fest, da lag noch eine Menge
Arbeit vor uns...
1963
Trotz des Winters und der Kälte ging der
Barackenabriss in der Holstenstraße und Wiederaufbau voran.Zuerst kamen die Balken für den Grundriss dran.Hierbei
halfKröning noch mit, aber dann mussten wir in
Selbsthilfe die Wände aufstellen und absichern, bis die
Deckenkonstruktion zur Festigung der Seitenwände dran war.Natürlich halfen Pfadfinder mit, aber morgens waren viele in der
Schule oder bei der Arbeit.War ich dankbar, dass Herr
Schmidt aus der Hasenclever Straße, ehemaliger CVJMler, eine
große Hilfe wurde.
An einem Nachmittag halfen nun ein paar
Pfadfinder, die schweren Dachplatten aufzulegen und zu
befestigen.Später besorgte Herr Hintze noch die fehlende
Dachpappe und die Klebemasse, damit das Dach richtig abgedichtetwerden konnte.Wir sind bei der Schwerstarbeit tüchtig ins
Schwitzen gekommen.Der innere Ausbau musste ganz neu von
uns vorgenommen werden.Mit neuen Dämmplatten wurden die
Wände erstellt.Türen waren genug da, nur mussten sie neu
eingebaut werden.Bei dieser Innenarbeit haben wir beide,
Herr Schmidt und ich, gesungen.Aus Übermut sogar das Lied
"Es ist so schön, Soldat zu sein, Rosemarie".
Da der gute Schmidt erwerbslos war, wurde er
nach Beendigung unserer Arbeit - wir hatten Glück, ihn so lange
zu haben - vom Arbeitsamt vermittelt und musste in Hamburg in
eine Soldatenkaserne, um dort zu arbeiten.Wenn wir uns mal
nachmittags trafen, begrüßten wir uns mit einem Lachen:
"Es ist so schön, Soldat zu sein".Noch heute
denken wir, wenn wir uns begegnen, an die Barackenzeit gerne mit
einem Schmunzeln zurück.
Die Baracke wurde, als sie fertig war,
tüchtig von unserer Gemeinde für die verschiedenen
Veranstaltungen gebraucht.Vom Eingang links hatte ich ein
kleines Zimmer als Büro, in dem auch später mal eingebrochen
wurde.Etwas Geld, was im Schreibtisch war, wurde
gestohlen.Die Polizei hat am Tatort Spurensicherung
gemacht.Später sollen die Täter, bei einem anderen
Bruch, erwischt worden sein.Um die Baracke herum wurde ein
Garten mit einem Jägerzaun angelegt, damit unser Gegenüber im
Häuserblock auf der anderen Straßenseite, einen guten Eindruck
von unserer Baracke bekam.
Dann kam der Gedanke in mir auf, unser
Domizil in Bötersheim würde nichtfür immer für uns da
sein, und da überall günstige Bauernhöfe angeboten wurden, sah
ich mich um, so etwas für unsere Gemeinde zu finden.Bei
Lüchow-Danneberg kamen wir zu spät, entsprach auch nicht
unseren Ansprüchen.Zähle mal an dieser Stelle einige
Grundstücke auf, die wir mit Leuten aus dem Kirchenvorstand
ansahen.Aber man hatte nicht den Mut, so ein Grundstück
zu erwerben.Eines war ganz in der Nähe vom Bahnhof
Göhrde für 40.000 DM, mit einem Haus und dazu 10.000 qm
Grundstück, Wasserleitung auf dem Gelände.Die Herren
pflückten Pflaumen von den Bäumen, aber sonst war nichts drin.Später bot sich ein Haus in der Nähe von Stade an, aber auch
hier zeigte man Unentschlossenheit.Es gab noch manch
andere Gelegenheit, aber alles war bei diesen Männern des
Kirchenvorstandes nur Wind vor der Haustür.
Zwei Fälle müssen bei dieser Gelegenheit
noch erzählt werden.Der 1. Fall war ein tolles
strohgedecktes Pfarrhaus bei Witzhave mit einem prima Gutachten
von einem Architekten.Die Hannoversche Landeskirche wollte
dies für ca. 40.000 DMmit einer großen Wiese und dem
schönen Pfarrgarten verkaufen.Unser Kirchenbuchführer,
Herr Stahl, fuhr nach Hannover, um im Landeskirchenamt zu
verhandeln.Aber er hatte keine gute Hand, da war irgend
etwas Persönliches dieser Kirche gegenüber, so wurde im
Kirchenvorstand dieses schöne Projekt zu den Akten gelegt.Ein Witz, denn zur Verblüffung eines der KV-Herren las ich
später in der Zeitung, dieses Grundstück wurde mal eben für
70.000 DM vom Makler verkauft!Später sind meine Frau und
ich an diesem Pfarrgrundstück vorbei gegangen, um zu sehen, was
daraus geworden ist.Im Garten tummelten sich junge Leute.Schade, dass unsere Gemeinde nichtBesitzer geworden ist.
Da in Bötersheim die Dorfschule aufgegeben
wurde, stand diese mit Grundstück zum Verkauf.Auch hier
war der KV zur Besichtigung gebeten, und auch vom Diakonischen
Werk war jemand gekommen.Man fand alles in gutem Zustand
und war nicht abgeneigt, die 70.000 DM zu zahlen.Heute
erzählte mir Pastor Dubbels, dass er das Geld gut hätte
aufbringen können, nur von Seiten der Landeskirche wurde er
torpediert.Als wir von unserer Gemeinde endlich gewillt
waren zu kaufen, istv. Rogister von seinem Kaufangebot zu
Gunsten unserer Geimeinde zurückgetreten.Nun, bei all den
Projekten kann es nur heißen: Es hat nicht sein sollen.
Auch wäre es heute eine Frage, ob eine
Gemeinde noch im Stande wäre, ein solches Projekt bei der miesen
Lage unserer Kirche und der zurückgehenden Jugendarbeit
durchzuhalten.
Für uns gab es in der Gemeinde Arbeit
genug.Pastor Kohlenbergers 40. Ordinations-Jubiläum wurde
am 24.1.1963 gefeiert.Für eine kleine Weile war Bruder
Binder bei uns als Diakon eingestellt.Diese Herrlichkeit
dauerte aber nicht sehr lange, denn die Kirche musste auch
sparen, und so war seine Zeit nur kurz und er wurde zu einer
anderen Gemeinde versetzt.
Was auch passieren kann, ein Hilferuf aus
Bötersheim: Im Haus war eine Verstopfung, die schnellstens
beseitigt werden musste.Also schnellstens hin, um dies zu
erledigen.
Von irgendeiner Seite bekam ich Wind, dass
im Sachsenwald bei Börnsen, ein Arbeiter-Radsportverein ein Heim
in der Dahlbekschlucht hätte, also hin und mit der Hausmutter,
Tante Anni, wegen einer Freizeit mit Erfolg verhandelt.Später
wurde eine Wochenendfahrt in die Dahlbekschlucht durchgeführt.Wir haben später noch mehrere Male Tante Anni aufgesucht, weil
wir uns dort im Heim ganz wohl fühlten.Auch das Essen war
immer sehr gut.Nach Jahren wollten wir, Lisa und ich,
Tante Anni besuchen, aber das Heim war nicht mehr da, schade.
Eines steht fest, außer der Gemeindearbeit
hat der Aufbau der Baracke doch viel Zeit gekostet. Immer wieder
musste ich von der Arbeit abspringen, um für laufende Stunden da
zu sein.Im April wurden die letzten Malerarbeiten
ausgeführt.Alles musste in Selbsthilfe gemacht werden,
denn die 1.000 DM durften nicht überschritten werden.
Ab und an gab es dann auch im
Kirchenvorstand eine Beschwerde über die Jugendarbeit.Was
man vorbrachte, war schon ein Krampf, weil man die sich wandelnde
Diakonie in unserer Zeit nicht verstand.
Auch dies war neu: Es gab von der Stadt her
ein Jugenderholungswerk, für das auch von uns Kinder gemeldet
und verschickt werden konnten.Natürlich suchten wir mit
den Pastoren die bedürftigen Familien aus.
Ab und an wurde auch ein Gemeindemitglied,
das behindert war, mit dem VW-Bus transportiert.Später
wurden Alte, die nicht so gut zu Fuß waren, zum
Sonntagsgottesdienst gefahren.Dies war auch neu, denn zu
Zeiten unseres ersten Pastor Schetelig gab es so etwas noch
nicht.
Wieder war in Bötersheim eine
Konfirmandenfreizeit fällig.Lisa als Kochmutter und ich
fuhren zur Unterstützung von Pastor Dubbels mit, und dies
mehrere Tage.
Der Fahnenmastin Bötersheim musste
erneuert werden.Ich bat v. Rogister um einen Tannenmast.Mensch, hat der sich bei seinen vielen Tannen gewunden.Endlich
habe ich es mit meiner Überredungskunst geschafft, ihm einen
Baum abzuluchsen.
Am Karfreitag war ich, ohne es zu ahnen, zum
letzten Mal in der Marsch bei Kohlenberger in der Kirche und
hörte eine gute Predigt.Ostern waren wir wieder mit der
F.C.P. in Bötersheim auf dem Butterberg.Erlebten einen
Flächenbrand, der dann von uns gelöscht wurde.Von
Rogister war uns dankbar, dass wir auf seinen Wald aufpassten,
weil so viele Fremde ohne Erlaubnis sein Gebiet betraten.Später
bekam ich von ihm ein Schreiben mit einer Vollmacht, dass wir
berechtigt seien, Fremde von seinem Gebiet zu weisen.
Für die Weiterbildung der Lehrer im
Religionsunterricht gab es eine Tagung mit Pastor Junge in
Alsterdorf.Bei einem Gespräch mit ihm machte ich den
Vorschlag, dass diese Weiterbildungen der Religionslehrer von der
Landeskirche gemacht werden müsse.Erst nach Jahren, als
Pastor Junge verstorben war, gründete man in der Kirche das
Katechetische Amt.
Auch das noch!Hatte mit Karl einen
Streit, er wollte keine Reinemachstelle für die Baracke
bewilligen.Ja, ja, die alte Bürokratie, dann fegen wir
die Räume eben selbst aus, fertig!
Am Samstag, dem 21. April 1963, überraschte
uns der Küster von der Marsch, Herr Radtke, mit der Nachricht,
Pastor Kohlenberger sei nicht im Gottesdienst erschienen.Man
hatte amBauerberg, wo er wohnte, seine Haustür geöffnet
und ihn tot vorgefunden.Wir waren sehr erschrocken über
dieses plötzliche Ableben.Dann kam am 29.4.1963, um 18.00
Uhr die Trauerfeier, bei der Bischof Witte sich den Vorwurf nicht
verkneifen konnte, wir hätten Kohlenberger allein gelassen.Was weiß er schon von uns.Kohlenberger war wegen der
Einstellung zu den Deutschen Christen ja auch von der
Landeskirche bestraft worden, sie hatten ihn ja nur kommissarisch
nach Horn versetzt.Die Jugend hatte ihn aber gerne, dies
zeigte sich auch bei der Trauerfeier.Wer wusste überhaupt
etwas von seinem Leben?Er erschloss sich schwer seinen
Mitarbeitern.Wir kamen oft ins Gespräch und wenn mal
über das Alte Testament gesprochen wurde, war er gegen das AT;
er konnte nicht begreifen, dass es bereits auf Jesus hinweist.In seinem früheren Leben, er kam aus Nürnberg, hatte er zum
Teil eine gute Jugendarbeit.Ich fand noch Bilder von ihm
beim Auflösen des Haushaltes.Auf der anderen Seite seines
Lebens war ein großer Schatten, denn seine Frau, oder angehende,
war ihm davongelaufen.Trotz allem hinterließ er eine
große Lücke.Erst bei dem Nachfolger, Pastor Sorgenfrei,
merkten wir, was wir verloren hatten.
Im Mai fand dann mit Herrn Möller vom Roten
Kreuz eine Schulungsfreizeit in Bötersheim statt.Es wurde
draußen mit den Krankenträgern für den Notfall geübt.
Eins darf nicht vergessen werden, Frau Geyer
war eine Mutter der Gemeinde und bei den Bibelstunden konnte sie
zum Text doch allerlei sagen.Zuerst wurde ich von ihr
geschnitten, aber siehe da, mit der Zeit fanden wir immer mehr
zusammen.Ja, bis in die letzten Stunden ihres Lebens hat
sie uns nicht vergessen.Eine Karte bekam ich später ins
Marienkrankenhaus, die ich bis heute aufbewahrt habe.
In Bötersheim hatten wir ja einen großen
Garten, der in der oberen Ecke natürlich auch von uns als
Gemüsegarten, genutzt wurde.Der Kampf gegen das Unkraut
wollte auch kein Ende nehmen.Weil wir uns immer eine
längere Zeit in Bötersheim aufhielten, bekamen wir aber immer
wieder Oberhand.
Dann gab es wieder einen Gemeindeausflug insSteinautal, Waldburg bei Büchen, mit 200 Mann.Wir hatten
diesmal, am 23.5.1963, herrliches Wetter und konnten uns im Wald
tüchtig tummeln.Auch viele andere Dinge hielten einen in
Schwung : Abrechnungen, Müttergenesungswerk, Fahrten und
Vorbereitungen auf das Lager im Kinsdorfer Wohld bei Oostings.Den Pfingstgottesdienst erlebten wir in Kaltenkirchen, in dem
Ort, wo ich damals für die Wehrmacht gemustert wurde.Eigenartig,
dass man so etwas wieder sehen kann.Es wurde auch bei
diesem Lager ein zünftiges Bergfest gefeiert.Später
wurden die Jungen in Etappen nach Hause gefahren, aber als unsere
Familie dran war, riss das Kupplungsseil.Aber mit
Reparieren war es nichts, alle Mühe bis zum Dunkelwerden waren
war vergeblich.Wir mussten erst ein neues Seil besorgen,
was Herr Hennig für uns tat.Es war mittlerweile Sonntag
geworden, aber mit dem Einbau des neues Seiles schafften wir es
bis zum Mittag.Aßen noch bei Oostings zu Mittag,sie
waren uns immer sehr zugetan, und wir haben sie später noch
immer wieder besucht.Frau Oosting kam aus der
Evangelischen Jugend und kannte auch die Heideburg.Später
haben wir beide, sie und ihn, mal zur Heideburg gefahren.
Am 30.6.1963 wurde unser Kantor 75 Jahre
alt, was natürlich gefeiert wurde, das heißt, wir besuchten
Frau Helmke in Volksdorf.
Wir hatten eine Familienfreizeit in
Bötersheim, mit einem Waldgottesdienst mit Pastor Nordhof.Ich bin mehrer Male gefahren, einmal Kepper geholt, später
Dubbels und Heinz Schlicht und noch am selben Tag wieder zurück
nach Hamburg gefahren.Hier kann man sehen, wie gut es ist,
dass wir den Bus hatten.
Eine Frau Schwanke musste am 13.7.1963 von
Tostedtabgeholt werden. Sie wollte für ihre Berliner
Kinder unser Heim kennen lernen.Zum Abschluss der Freizeit
machten wir ein Gartenfest mit bunten Lampen am Abend.Später
kamen die Berliner Kinder, mit denen wir eine Hafenrundfahrt
gemacht haben.
Horst Helbig machte mit den Wölflingen eine
Deutschlandfahrt, damit wir, die älteren Pfadfinder, für die
anstehende Schottlandfahrt frei waren.
Am 2.8.1963, abends, begann die Fahrt.Am anderen Tag waren wir schon morgens um 4.00 Uhr auf und um
19.00 Uhr in Oostende.Der Wagen musste sicher
untergestellt werden.Fanden eine Reparaturwerkstatt, die
uns einen Platz einräumte.Um 0.30 Uhr Abfahrt von Calais
mit der Fähre nach Dover.Um 4.30 Uhr waren wir in England
und fuhren gleich im Zug nach London. Hier gab es einen kurzen
Aufenthalt, und dann ging es um 11.00 Uhr weiter nach Perth, wo
wir um 21.00 Uhr abends ankamen und sofort die Jugendherberge
aufsuchten.Natürlich sind wir über die große
Eisenbahnbrücke bei den Firth Fors gefahren; eine grandiose
Eisenkonstruktion.In Perth suchten wir also die
Jugendherberge auf und wurden vom Herbergsvater herzlich
begrüßt.Natürlich musste auch Hitler herhalten.Ich
schnitt ihm bei dieser Gelegenheit das Wort ab und sagte nur:
„Der Führer ist tot.“Sonst hatten wir ein gutes
Verhältnis zu den Engländern.
Manchmal kamen wir in der Halle zusammen und
haben unsere Fahrtenlieder geschmettert, darauf hin gesellten
sich viele Jugendliche zu uns. Es hat uns viel Spaß
gemacht, nun einmal zu zeigen, wir sind noch da.Wenndie Zeit es erlaubte, erkundeten wir das Land und waren angetan
von der herben Schönheit Schottlands.Vom Herbergsvater,
der deutsch sprach, hörten wir, dass eine Grafenfamilie dieses
schlossähnliche Haus gestiftet hätte, zum Andenken an ihren als
U-Boot-Kommandant gefallenen Sohn.Nach einiger Zeit
packten wir unsere Sachen und fuhren nach Edinburg.Dort
gab es viel zu sehen: Einmal die Festung, dann den hübschen Park
mit der Blumenuhr, Kaufhäuser, irgendwo wurden auch ein paar
Andenken für die Lieben zu Hause gekauft.Fazel, Peter
Steenbuck, suchte die Geschäftsstelle der Pfadfinder auf und ist
mit dem Chef in ein gutes Gespräch gekommen, denn zu diesen
Zeitpunkt reisten noch keine deutschen Pfadfinder nach
Schottland.
Wir hatten doppeltes Glück, im Park gab
eine Dudelsackkompanie eine tolle Vorstellung.Bei all den
Eindrücken, die wir von dieser schönen Stadt, die uns
aufgenommen hatte, bekamen, fehlte uns für die Nacht ein
Quartier.Das zweite Glück kam, denn als wir einen
Hausbesitzer fragten, der ein großes leerstehendes Haus hatte,
wurden wir sofort aufgenommen.Er hatte "Schlag"
für uns Deutsche, nicht für die Engländer, das fanden wir bald
heraus.Sonst war alles prima.Ich meine, es gab auch
etwas Verpflegung, denn in den unteren Räumen wurde wohl eine
Party gegeben.Am anderen Morgen bedankten wir sechs uns
und wollten den Gastgeber gut in Erinnerung behalten.
Ab ging es nach London und dort
übernachteten wir in einer nicht guten, dafür aber
überfüllten Jugendherberge.Von hier ging es dann durch
die überfüllte Großstadt zum Buckingham-Palast, wo wir noch
rechtzeitig den Wachwechsel erlebten.Die Männer mit ihren
Pelzmützen in der heißen Sonne.Die Königin sahen wir
nicht, die machte wohl Sommerurlaub.Immerhin war viel Volk
auf den Beinen, um das Schauspiel der Wachablösung zu sehen.Wir haben den Big Ben schlagen hören, das Parlamentsgebäude
gesehen, waren im Panoptikum der Madame Tussot, um die Geschichte
der Engländer anzusehen.Den Teppichbeißer Hitler hatten
sie auch in Wachs, der stand am Treppenaufgang in einer Ecke.Natürlich war Baden Powel in voller Montur und Pfadfinderhut zu
sehen, denn er hat ja auch ein Stück englische Geschichte
mitgeprägt.Natürlich musste auch Maria Stuart gezeigt
werden, die ihrer Rivalin Elisabeth von einem Henker den Kopf
abschlagen ließ.In diesem Kabinett war man mit manchem
aus der englischen Geschichte nicht zimperlich umgegangen.Wir
aber hatten von dem vielen Herumlaufen die Nase voll und fuhren
zur Fähre und von dort nach Oostende, um unseren Wagen zu holen
und nach Hause zu fahren.
Endlich, am 16.8.1963, landeten wir gesund
und munter vor dem Gemeindehaus.Alles war mit Gottes Hilfe
ohne Pannen abgegangen. Fuhr gleich weiter nach
Bötersheim, um mich von den Strapazen zu erholen.
Eines soll hier auch erwähnt werden: Unsere
Frau Laukat schaffte es mit den Gruppen und dem Saubermachen
nicht, sie konnte nicht sehr energisch auftreten, also mussten
wir raus, um das Haus sauber zu halten.
Im Rathaus gab es mal wieder eine Feier, 100
Jahre Rotes Kreuz.Zu der Feier war ich auch eingeladen.Wie immer viele Ansprachen und ein Glas Sekt.Dies war
alles.
Nachdem in der Gemeinde viele Arbeiten und
Aufgaben erledigt waren, konnte ich an meinen Urlaub denken, der
noch ausstand.Lisa hatte ich erzählt, wir sollten die
Stellen mal wieder aufsuchen, wo ich als Soldat und Gefangener
gewesen war.Und dies wurde dann am 13.9.1963 in die Tat
umgesetzt.Also, los ging es dann von Bötersheim nach
Münster und wir suchten unsere altbekannte Familie Lücke, die
wir leider nicht mehr ausfindig machen konnten.So
schliefen wir im Wagen im nahegelegenen Wald.Zeigte Lisa
das Barackenlager, in dem wir gelebt hatten, und machten noch ein
paar Aufnahmen, die von den Insassen als provozierend empfunden
werden, weil sie als Zigeuner dort leben mussten.Unterwegs
fuhr ich nach Castrup, um immer noch Lücke zu suchen, aber
leider vergebens.
Dann brauchten wir Benzin und es gab
Schwierigkeiten wegen der Versicherungskarte, die ich nicht
hatte.Wir mussten doch Benzin bekommen haben, um die Fahrt
nach Köln fortzusetzen.Natürlich wurde der Dom
besichtigt, der ein beeindruckendes Gefühl hinterließ.Es
gab in Köln noch viel zu sehen, aber wir wollten nicht.Vielleicht
hätten wir später nochmals die Gelegenheit.Jetzt ging es
erst einmal ab nach Münstereifel, wo wir auch übernachteten.
Zwischendurch musste auch nach Hamburg
telefoniert werden, wie es unseren Kindern ohne uns erging. Am
Sonntag haben wir den Gottesdienst in Münster-Eifel mitgemacht,
um dann nach Prüm weiterzufahren.Dort wurde zu Mittag
gegessen und später das Fest der Feuerwehr angesehen.Nächstes
Ziel war Rüdesheim.Hier waren wir bei dem Bauern Post
einquartiert.Wir fanden alles so vor wie früher und
wurden voller Erstaunen und Freude in der Familie aufgenommen.Natürlich gab es viel zu erzählen.Die damalige kleine
Deern war jetzt verheiratet.Alle waren gut über den Krieg
hinweggekommen.Beim Kaffee wurde dann noch Wein spendiert
und später, mit etwas Wehmut im Herzen, nahmen wir Abschied.Ab ging es nach Prüm, wo wir am Waldrand unser Quartier
aufgeschlagen haben.Von Prüm nach Trier ist es ja nicht
weit, also hin.Denn Trier ist eine interessante Stadt.Hier hatten sich einstmals die Römer häuslich niedergelassen.Noch heute zeugen viele Bauten von ihrem langen Hiersein.Da
ist die Porta Nigra, die römischen Bäder und die wieder
hergerichtete Basilika, in der evangelischer Gottesdienst
abgehalten wurde.Endlich bekam ich den Brief mit der
grünen Versicherungskarte.Ohne die wäre ich nicht über
die französische Grenze gekommen.Bevor es weiter ging,
wurde noch in einer Fischbratküche zu Mittag gegessen, um dann
nach Mühlheim weiter zu fahren.An der Mosel fanden wir
einen Platz zum Übernachten.Am Morgen merkten wir, dass
der Wagen unter echten Kastanienbäumen stand und von den
fallenden Früchten gelbe Farbflecke bekommen hatten, aber der
nächste Regen wusch alles wieder ab.Es ging dann an der
Mosel entlang.Unserem Zeltplatz gegenüber lag
Traben-Trabach, diesen Ort muss man gesehen haben, also zu Fuß
hinüber und in einer Weinstube einen Schoppen Wein getrunken.Die Auswirkung des Weines auf Lisa war besonders komisch, denn
Lisa wurde lustig wie noch nie.Was geschah: Am anderen
Morgen kam eure Mutter spät aus den Federn und dafür musste ich
auch noch die Betten machen, uha!
Die Moselfahrt ging weiter und wir machten
Rast vor Bielstein, einem schönen Städtchen.Natürlich
musste in einer solchen Weingegend auch ein Weinkeller
heimgesucht werden und dabei durfte ein guter Tropfen nicht
fehlen.Nach Bielstein musste man mit der Fähre
übersetzen.Wir waren also gegenüber auf dem Campingplatz
gelandet.Wir machten dort drüben einige Ausflüge und
aßen im Lokal "Zur Guten Quelle".Bei diesen
Erinnerungsunternehmen hatten wir zum Glück immer gutes
Herbstwetter.So schön, wie diese Moselfahrt war, es hielt
uns aber nicht hier.Weiter ging’s in Richtung
Luxenburg und Verdun.Hier in Verdun und Umgebung war die
Erinnerung an die schweren Kämpfe des ersten Weltkrieges noch
immer wach, schon allein das Fort Faux, um das hier schwer
gekämpft wurde und immer wieder seinen Besitzer gewechselt hat.Lisa konnte ich von dieser Gegend umDuaumont viel
erzählen.Auf dem Duaumont ist ein gewaltiges Denkmal mit
einem Leuchtturm errichtet.In der Halle waren all die
Regimente verewigt, die hier in der Gegend gekämpft hatten:
Engländer, Amerikaner, Franzosen, nur die Deutschen fehlten, die
liegen mit ihren Gebeinen und den damaligen Feinden in einer
Totenkammer, denn immer noch werden Gebeine gefallener Soldaten
hier auf den Schlachtfeldern gefunden.Vor dem Mahnmal war
ein Gräberfeld mit 14.000 Kreuzen und nicht weit entfernt der
sogenannte Bajonettgraben, wo verschüttete Franzosen mit den
Bajonetten aus dem Sand schauen.In weiter Ferne war eine
Figur zu sehen, die die Höhe des „toten Mannes“
anzeigte.Ringsherum war die Gegend nur mit Büschen
bewachsen und man sah noch die Mulden und Narben des Krieges.
Unsere Fahrt ging Richtung Reims, vorher
schliefen wir im Argonner Wald.Mittags waren wir in Reims
mit der herrlichen Kathedrale.Hier waren die Könige
gekrönt worden.Welch ein Gefühl, durch diesen herrlichen
Kirchbau zu gehen und die Erhabenheit der gotischen Architektur
auf sich wirken zu lassen.So etwas muss man selbst erlebt
haben und dazu die gotische Rose an der Westseite der Kathedrale.Lisa kann solchen Baudenkmälern nur wenig Interesse abgewinnen,
aber sie kam auf ihre Kosten: Es gab eine Hochzeit zu bestaunen
und diese Begebenheit wurde natürlich tüchtig genossen.Bevor
wir Reims verließen , musste Lisazum ersten Mal in einem
französischen Geschäft für 5 Fr. etwas kaufen.Zu Mittag
aßen wir französisch, um dann 60 km vor Paris auf einen
Campingplatz erst einmal Rast zu machen. Wir waren langsam müde
geworden von dem vielen Umherlaufen.
Am anderen Morgen hatten wir Nebel, der sich
glücklicherweise bald verzog.Es war Sonntag und wir waren
um 10 Uhr vor der Oper.Der Wagen konnte hier stehen
bleiben.Wir gingen zur Madeleine-Kirche.Da war ein
Trubel, die Kirche war überfüllt.Erlebten einen
katholischen Gottesdienst mit allem Drum und Dran, was doch
nichts mit einem Gottesdienst zu tun hatte.Auf den Treppen
vor der Kirche (oder Tempel, so sieht das Ding aus)hatten
sich Veteranen mit ihren Fahnen aufgestellt, um diesen Tag,
besonders zum Andenken an den 1. Weltkrieg, zu feinern.Wir
beobachteten, wie die junge Generation achtlos und mit einem
Lächeln an dieser Prozession vorbei ging.Wir gingen durch
den Park Bologne, besichtigten den Place de la Concorde und
fuhren zur Notre-Dame-Kirche.Hier in der Kathedrale
herrschte ein mystisches Dunkel.Mich haben die alten
Kirchenfenster besonders interessiert.Die Malerei stammt
noch aus dem Mittelalter und die Farben sind so gut, als wären
sie gestern gemalt worden.In der Nähe der Kirche gingen
wir in ein Restaurant zum Essen, und weil Sonntag war, ließen
wir fünfe gerade sein.Bummelten noch am Seine-Ufer
entlang und fuhren dann zum Invaliden-Dom.Kamen vorher am
Eiffelturm vorbei, der von uns tüchtig wegen seiner eisernen
Konstruktion bestaunt wurde.Dann kam der französische
Held Napoleon dran, der ein neues Europa schaffen wollte und mit
seinen Ideen scheiterte, weil er seine Macht missbrauchte.Da
lag er nun in einem teuren Marmorsarkophag.Der Marmor war
aus Ägypten herangeholt worden, aus dem Land, in dem er mal als
Sieger gefeiert worden war.Um seinen Sarg war ein Kreis,
in dem als Mosaik alle die Schlachten mit Namen eingelassen
worden sind, die er siegesreich bestanden hatte.Nebenan in
der Kirche hingen all die Fahnen von feindlichen Regimentern, die
sie erobert hatten.Jetzt müssen sie mit einem Netz auf
dem Tuch zusammen gehalten werden, sonst würden sie zerfallen.Draußen vor dem Invaliden-Dom hatte man Deutsche Panzer mit
Kanonen zur Erinnerung an den 2. Weltkrieg aufgestellt.
Es gab so viel zu erleben in Paris, dafür
reichte ein Tag einfach nicht aus.Lisa bekam langsam genug
und so fuhren wir den berühmten Champs Eliseè herunter auf den
Triumpfbogen zu und schlugen die Richtung nach Beauvais ein.Schauten bei Combiegn vorbei, wo Hitler das Mahnmal vom 1. Krieg
sprengen ließ und der Waggon stand, in dem die Unterschrift zur
Kapitulation gegeben wurde.Es war einmal, und nur eine
öde Fläche istzurückgeblieben.Wir suchten noch
vor Beauvais einen Campingplatz und fanden ihn in einer Mulde mit
Bäumen.Hier waren wir alleine und erlebten eine
unheimliche Nacht.Es wurde immer wieder am Wagen gekratzt.Erst am Morgen fanden wir heraus, dass es ein vom Wind bewegter
Zweig war.Nach dem Frühstück ging es auf zu meinem alten
Standort Beauvais.Standen vor dem Gasthaus, in dem wir
unsere Dienststelle der Kriegspfarrer hatten.Lisa schaute
sich interessiert um, denn diese Stadt war damals von
Flugzeugbomben zerstört worden.Nur die katholische
Kathedrale, von der die damaligen Bauherren wegen des sumpfigen
Geländes nur den Altar fertig stellten, blieb stehen.Beauvais
ist nicht wieder zu erkennen, denn Deutschland hatte den
Neuaufbau finanziert.Dann zog es uns ans Meer nach Le
Treport.Hier hatte ich damals mit Pfarrer Werner gestanden
und nach England geblickt.Wir bestaunten die Steilküste
und der Strand war mit runden Steinen bedeckt.Zu Mittag
wurde hier gegessen und Lisa kaufte eine große Portion Krabben.So langsam mussten wir das Steuer Richtung Norden richten.In
Mons hatten wir eine große Schwierigkeit mit den Campingplatz.Fanden, dass der auch sehr eng war.Am nächsten Tag fuhren
wir durch das französisch-belgische Industriegebiet, was wir
auch schnellstens hinter uns brachten.In Holland, in
Apeldorn, versuchten wir die Cousine Paula von Lisa zu finden,aber es gelang nicht.Einen Holländer fragten wir nach dem
Telefon und wie man anrufen könne.„Ja“, meint
er, „man muss dann bellen“.Wir haben über den
Ausdruck "bellen" gelacht, wie hier das Anrufen genannt
wird.
Eines stellten wir fest - Lisa natürlich:
die Preise waren im Verhältnis zu uns niedrig.Bevor wir
Holland verließen, wurde an der Grenze noch tüchtig eingekauft.Besonders Fleisch- und Wurstwaren, sowie Kaffee und Tee.Eines
muss man den Holländern nachsagen: Straßen und Plätze waren
sehr sauber, und kinderfreundlich ist man auch, denn die
Kinderplätze hatten vieles an Geräten, damit die Kinder sich
beschäftigen konnten.Auf der Heimfahrt setzte ein
schlimmer Regen ein.Als wir über Nordhausen fuhren, gab
es noch eine kleine Panne.Immerhin landeten wir um 21.30
Uhr glücklich in Bötersheim.Wenn wir auch erst mal
ausschlafen konnten, am nächsten Tag sprang einen die Arbeit an.
Wieder musste eine Verstopfung beseitigt
werden.Weil es zu oft passierte, stellten wir fest, die
Kinder brauchten zuviel Papier.Manchmal wurde die
Klo-Rolle in den Wasserkasten geworfen und das Wasser lief dann
ununterbrochen.
Wenn man so die Tage des Jahres durchgeht,
staunt man immer wieder, wie viel Arbeit anlag, was getan werden
musste.
Da war noch etwas besonderes passiert: Auf
einer Fahrt mit dem Wagen wurde ich von einem Herrn angehalten,
der eine Panne hatte, und ich konnte ihm helfen.Dafür
versprach er, der Brathähnchen verkaufte, uns welche zu bringen.Natürlich waren wir gespannt, ob er wohl Wort halten würde.Eines Tages klingelte es an der Haustür und ein Mann gab eine
Tüte mit Brathähnchen ab.Wir bedankten uns.Hier
hatte nun doch einer sein Wort gehalten, und wir haben uns mit
Appetit über die Hähnchen hergemacht.
Die Herbstfahrt ging diesmal über
Hösseringen durch die unendlichen Wälder, die später durch
eine Waldbrandkatastrophe ziemlich gelitten haben.In
Meinholz fanden wir einen netten Bauern, der uns gerne aufnahm
und den wir auch später allemal besucht haben.
Im Gemeindehaus gingen die Bauarbeiten flott
voran.Ich musste aber meine Ansprüche anmelden, keine
großen Räume, sondern etliche kleine für die Sippenarbeit.Und keine zu hellen Farben: Alles wurde bei der Jugend schnell
schmutzig.Später haben wir die Räume ganz ausgeschalt
und auch den Flur.Mit Pfadfindern wurde er mit einer
festen Tapete ausstaffiert, die hat dann auch jahrzehntelang
gehalten und die Gemeinde hat die Kosten der Renovierung gespart.Heute mag man nicht runter schauen, denn die Tapeten sind zum
Teil abgerissen.Was kann denn daraus werden, wenn man
nicht die Pfadfinder-Jungen so recht unter seine Fittiche nimmt.Dies ist ein ganz wunder Punkt in dieser heutigen Gemeinde.
Da es in der Kirche keinen
Bücheraushangkasten gab, stellte ich den Antrag dafür und der
Kirchenvorstand genehmigte ihn.
Bei unserem Kindergottesdienst-Ausflug nach
Witzhave habe ich die Puppenspieler geholt und auch später
wieder weggebracht.Immerhin hatten wir den ganzen Tag viel
Sonnenschein.
Auch musste damit gerechnet werden, dass ein
Pfadfinder einen Austritts-Koller bekam, was manchmal natürlich
vorkam, wenn es zu lahm zuging.Immer persönliches
Einschalten, um zum Bleiben zu animieren und Vorurteile
auszuräumen, war nötig und kostete auch Zeit.Es kam auch
mal bei einigen Sippenführern die weiche Welle, die aber wieder
überwunden wurde.
Ach ja, mal wieder KV-Sitzung bis spät in
die Nacht hinein.Es gingwieder um die Jugendräume.Man konnte schlecht von alten Vorstellungen los, leider.Für
bestimmte Änderungen im Saal konnte man sich nicht erwärmen.Es war nötig, Möglichkeiten zu schaffen, damit die kahlen
Wände zur Dekoration benutzt werden konnten.Aber nein,
man war zu stur für diese Auffassung.Später zeigten sich
dann die Folgen der Benutzung, die Gemeinde brauchte Jahre um die
Räume mit Farbe zu erneuern - so sparte man viel Geld.
Am 11.11.1963 wurde dann mal wieder der
Kirchweihtag der Martinskirche gefeiert.Wenn man bedenkt,
was so in einem Jahr für Veranstaltungen über die Bühne gingen
und dazu noch all die kleinen Begebenheiten und Arbeiten, dann
kann man nur staunen, wie dies alles so werden konnte.Immerhin
waren es bis zu meinem Pensionsalter noch gut 10 Jahre, und es
würde bis dahin noch viel Wasser die Elbe herunter fließen.
Über die Familie Oestings wurde uns in
Henstedt-Rehn-Ulsburg, ein schönes Gelände für die Gemeinde
angeboten.Es wäre prima für die Gemeinde geeignet.Der Kirchenvorstand mit Dubbels fuhr mit hinaus, um das Gelände
zu besichtigen.Man fand es gut und im Preis annehmbar.Bin dann nach Segeberg zum Bauamt gefahren, um mit dem
Baudirektor über das Gelände zu verhandeln.Bekam eine
entschiedene Abfuhr, alles über dieses Gelände sei mit dem
Bürgermeister schon besprochen.Man hatte also schon unter
sich über dieses Gelände bestimmt.Hatte über diese
ganze, schon abgesprochne Sache eine Wut im Bauch.Später
sind wir mal an Ort und Stelle gewesen und siehe da, eine
Reithalle oder etwas ähnliches stand auf dem Gelände.War
natürlich schön sauer, als wir dies dann sahen.Ja, ja,
wenn die, die Macht haben, unter sich sind!
Auch dies gab es mal: Pastor Nordhof regte
sich über die Unruhe meiner Konfirmanden auf.Ich habe
eben eine andere Art, den Unterricht zu machen.
Karl Görlich wurde krank und klagte über
Nierenschmerzen.Er hattedamals beim Pferdeverkauf
in Bötersheim, wo er mit dem Pferdehändler auf den guten
Verkauf noch Wein getrunken hatte, daraufhin eine schlechte Nacht
erlebt.Jetzt lag er im Haus und es ging ihm wieder so
einigermaßen.Am 27. musste Karl doch noch ins
Krankenhaus, der Zustand hatte sich verschlimmert.
Auf der Fahrt nach Bötersheim erlebten wir
bei Steinbeck auf der B 75 einen schweren Unfall.Immer
noch sehe ich im Geiste den kaputten Wagen mit dem toten Mann auf
der Kreuzung liegen.Noch etwas erlebten wir in
Bötersheim: Als wir ins Dorf fahren wollten, sahen wir am
Waldrand Frau v. Rogister liegen, die sich nicht wieder
hochrappeln konnte.Jetzt in Windeseile zu ihrem Haus und
einige Männer alarmiert und ein Türblatt als Trage genommen,
sie sofort darauf und dann nach Hause, um ärztliche Hilfe herbei
zu holen.Sie kam dann ins Krankenhaus und man stellte
fest, dass der Hüftknochen gebrochen war und genagelt werden
musste.An diesen Waldausflug wird sie ihr ganzes Leben
denken, denn von nun an brauchte sie einen Stock, um mit dem
Humpeln zurecht zu kommen.Tannen und Tannengrün sowie
Äpfel besorgten wir und konnten am Abend froh und dankbar diesen
ereignisreichen Tag beschließen.
Ein Antrag und eine Aufstellung für
Bötersheim musste für die Behörde gemacht werden, und die
Prüfung des Wassers musste immer wieder stattfinden, und das
Ergebnis ging dann auch an die Behörde nach Winsen.
Es folgte die Vorbereitung für die
Weihnachtsfeier der Hilfsorganisation der Freien
Wohlfahrtsverbände.Dafür ging eine Liste an Fräulein
Graumann zur Kaiser-Wilhelm-Straße und gleichzeitig die
Einladungen ans Ortsamt.Der Ortsamtsleiter ließ es sich
nicht nehmen, mit einer Vertreterin in der Altersarbeit dabei zu
sein.
Dazwischen kam Frau Geyer mit dem Aufmarsch
ihrer Frauen aus dem Missionskreis.Die Verlosung im
großen Saal wurde hergerichtet mit all den vielen Sachen, die
angefertigt oder von Geschäften gestiftet worden waren.Frau
Geyers Motto lautete: Jedes 2. Los gewinnt.Wir haben uns
oft gefragt, wie dabei ein Gewinn bleiben sollte, aber durch den
gestifteten Kaffee und Kuchen, der beim Verzehr bezahlt werden
musste, kam dann doch für die Mission ein schöner Geldbetrag
zusammen.
Alle Jahre hatte Karl bei der Verlosung den
Ausrufer gemacht, aber an diesem 5.12.1963 fehlte er uns, denn er
lag im Krankenhaus.Mitten in unseren Trubel kam die
traurige und schmerzvolle Nachricht, unser Karl Görlich sei um
13.00 Uhr für immer von uns gegangen.Es hieß, die Nieren
hätten versagt, wären schon vorher angeknackt gewesen und so
keine Rettung mehr möglich gewesen.Jetzt galt es, Lydia
über die Runden zu bringen, was bei ihrer Einstellung zu Jesus
Christus nicht schwer fiel, denn der Tod ist durch Ihn
überwunden.Nun, jetzt galt es, das Alleinsein möglichst
klein zu halten.
Unsere Adventsfahrt hatte als Stützpunkt
das Volksheim bei Horst.Wir hatten damals viel Zeit zum
Tippeln und Geländespiele.Das Nachtspiel dauerte bis um 3
Uhr nachts.Die Kerle kamen schwer zur Ruhe.
Am 10.12.1963 um 11.30 Uhr war dann die
Trauerfeier für Karl in der Martinskirche, bei großer
Beteiligung.Selbst Bischof Wölber ließ es sich nicht
nehmen, Abschiedswortezu sprechen.Er hielt ja viel
von seinen Diakonen der ersten Stunde.Später war dann die
Beisetzung auf dem Schiffbeker Friedhof.Es war für uns
doch eine schwere Stunde.
Nach den großen Weihnachtsfeiern mussten
wir wieder zur Beerdigung.Karl H. Schlichts Vater war
gestorben.Tod und Leben ist doch eng beieinander.
Dann kam der Alltag: Der große Baum in der
Kirche musste geputzt und viele Pakete ausgegeben werden.Dies
geschah bis in den Heiligabend.Nach den Gottesdiensten
konnten wir im Haus Weihnachten feiern.Am 1. Weihnachtstag
besuchten wir Onkel Johannes in Billwerder.Er war sehr
kümmerlich geworden und saß nur in seinem Lehnstuhl.
Nach Weihnachten riss die Arbeit nicht ab.Barbaras Geburtstag wurde zwischendurch gefeiert, aber die
Aufgaben der Gemeine hielt mich in Trab.Wir brauchten Ruhe
und sind dafür am Ende des Jahres in Horn geblieben.
1964
Die nächsten Tage des neuen Jahres 1964
verbrachten wir in Bötersheim in unserem Schetelighaus.Vergessen
darf ich dies eine nicht: Herr Kulik, ein tätiger Mann in
unserer Gemeinde, hatte in seiner Freizeit ein Holzschild mit dem
eingeschnitzten Namen des Hauses gefertigt, welches draußen
links vor der Tür jahrelang prangen sollte.Im Haus gab es
immer wieder Kleinigkeiten, die getan werden mussten.
In Hamburg wieder angelangt, besuchten
wir in der Friedrich-Ebert Allee die Großeinkaufsgesellschaft
und haben dann für eine längere Zeit unsere Einkäufe für das
Freizeitheim immer dort gemacht.Ein Vorteil war dabei,
einiges war bei größerer Menge niedriger im Preis und man bekam
große Dosen, die auch nicht so viel Abfall verursachten.Später
aber gaben wir die Firma wieder auf, denn in Billstedt bei Detje
- jetzt Wiebe- hatten wir einen Geschäftsmann gefunden, bei dem
wir sehr günstig einkaufen konnten und auch manches geschenkt
bekamen.Er war der Kirche gegenüber positiv eingestellt.Nach einiger Zeit bekamen wir auch eine Einladung zur Feier
seines Geschäftsjubiläums im Fährhaus Zollenspieker.
Dann kam auch wieder mal der Auftrag,
für unser Kirchenblatt einen Artikel zu schreiben!
Immer wieder richteten wir es ein, Bruder
Dietrichs Geburtstag im Januar zu feiern, manchmal unter großen
Schwierigkeiten mit dem VW-Bus bei Schnee und Straßenglätte.Wir waren immer wieder dankbar, abends spät unsere vier Wände
erreicht zu haben.
Eines Tages bekam ich Besuch von einer
Frau Schulz, in ihr erkannte ich meine ehemalige Maria wieder,
mit der ich in Borstel vor langer Zeit ein Krippenspiel
aufgeführt hatte.Ja, ja Luise, es war mal der Traum der
ersten Liebe.Jetzt hatte sie ein Anliegen, da sie
verheiratet war, es waren zwei Kinder da, ein Junge und ein
Mädel, sie, Frau Schulz, hätte gerne jemanden zum Ausfahren der
Kinder.Und so kam es, dass ich meine Tochter Renate
empfehlen konnte, die es dann gerne über eine längere Zeit
getan hat.Der Junge, Martin, wurde dann später ein
tüchtiger Pfadfinder bei uns, der gar nicht schnell genug vom
Wölfling zum Jungpfadfinder aufsteigen konnte.Der Vater
besuchte am Sonntag immer pünktlich den Kindergottesdienst.DieMutter von Frau Schulz, die Diakonenfrau gewesen ist,
haben wir oft in unserem Bus bei besonderen Veranstaltungen
zwischen Rauhem Haus und Gemeinde hin und hergefahren.Es
geht doch im Leben oft eigenartig zu, wer hätte das damals, als
ich junger Mann war, voraussagen können!Bis heute ist
diese Freundschaft geblieben und wenn der Seniorenkreis vom
Rauhen Haus seine Ausfahrten macht, ist sie gerne dabei.
Bei unseren Filmvorführungen im
Gemeindehaus ging es oft nicht so reibungslos ab.Immer
wieder hatten wir mit dem Filmapparat unsere Schwierigkeiten, die
oft um ein Haar die Vorstellungen zum Platzen bringen konnten,
aber immer wieder gelang es, im letzten Augenblick den Schaden zu
reparieren - man bedenke, der Saal war meistens dicke voll.
Auch mal wieder mussten wir ein liebesGemeindemitglied hergeben. Am 28.1.1964 trugen wir Frau Helmke zu
Grabe. Über 40 Jahre hatte sie mit ihrem Mann im Kirchenchor der
Martinsgemeinde im Dienst gestanden und war auch oft bei meinen
Schwiegereltern am Sonntag zum Essen eingeladen.Von ihrem
Mann bekam ich manches Lustiges zu hören, was er selber in der
Gemeinde erlebt hatte.
Dann hatte ich eine lange Besprechung.Es ging um die Organisation des fahrenden Mittagstisches.Einmal
musste eine Küche gefunden werden, die das Essen für die Alten
herstellte und wer sollte es ausfahren?Alles dies musste
geklärt werden und mir kamen dann auch einige Pläne, die in die
Tat umgesetzt wurden.
Es dauerte dann
noch bis in den Mai, bis alles so weit geklärt war.Im
Rauhen Haus war natürlich Bruder Füßinger
mit seinen Bedenken dazwischen, denn wenn mal mit dem Essen was
nicht in Ordnung sei, dann gehe es auf das Rauhe Haus los.Wir
aber konnten die Bedenken mit Bruder Niethammer, der der
Verantwortliche in der Küche war, zerstreuen.Noch einer
hatte seine Bedenken bei einer Besprechung angemeldet, Pastor
Nordhoff: „Was soll diese Essensausgabe? Ist doch nichts
für uns.“Ich machte jedoch darauf aufmerksam,
dass es eine diakonische Aufgabe se und wir kämen in viele
Häuser und zu Menschen, an die wir sonst nicht herankommen.Dies sah man ein.Jetzt musste die Sozialbehörde
eingeschaltet werden, denn mancher Rentner hatte nicht so viel
Geld, um das Essen auch bezahlen zu können.Die Behörde
und ihr Vertreter in dieser Sache waren einverstanden, nur von
nun ab musste mit dem Vertreter der Behörde abgerechnet werden.Ich hatte die Aufgabe, den Essenbetrag nach der Höhe der Rente
festzulegen.Die Herstellung des Essens war klar.Abnehmer
fehlten auch nicht.Nur der Ausfahrer musste noch her, und
der wurde in der Horner Marsch gefunden.Josenhans hatte
ein Fuhrunternehmen und war bereit, mit seiner Frau das Essen
auszufahren.Es muss hier gesagt werden, mit einer
beispielhaften Treue taten sie dies.Mit der Zeit wurde
ganz Horn befahren.Überall in den Gemeinden waren Alte,
die nicht mehr selbst kochen konnten, aber durch den Essendienst
doch noch im Hause bleiben konnten.
Vom Rauhen Haus, Propst Prehn, gab man
mir - mit meinem Einverständnis - wieder mal einen Praktikanten.Diesmal war es Bruder B., der die Gemeindearbeit kennen lernen
sollte und auch erlebte.Zuerst bekam er die
Jungschararbeit, die vorhanden war, aber weitergeführt werden
musste.Ja, so ganz einfach war es mit den Praktikanten
auch nicht.Aber als Brüder des Rauhen Hauses rauften wir
uns schon zusammen.Einmal kam er schön in Schale mit dem
Regenschirm unterm Arm und vorher hatte ich gesagt, wir müssten
einen sozialen Einsatz machen.Es half nichts, er musste
Arbeitsklamotten anziehen, dann nahmen wir die übrig gebliebenen
Fußbodenbretter, die hinter dem Gemeindehaus lagerten.Mit
Handwerkszeug und Brettern zogen wir in die Horner Marsch, wo
schon eine Frau auf uns wartete, der ich versprochen hatte, in
der Schlafstube ihren Holzfußboden zu reparieren.Nun, der
Dietmar hatte mal beim Tischler gelernt und mit seiner Hilfe
konnte dann die Arbeit flott vorangehen.Die Frau war
überschwenglich dankbar, denn nun konnte sie ihr Schlafzimmer
benutzen.
Dietmar wurde von Bruder Prehn gefragt,
worin denn der soziale Einsatz bestand, und er erzählte von
unserer Holzarbeit, die der Propst besonders gut fand.
Über den fahrenden Mittagstisch muss
noch einiges gesagt werden, was viele nicht wissen.Die
Seele für das Fortbringen und Organisieren war Frau Josenhaus.Sie passte auf, dass kein Fehler gemacht wurde, nahm die An- und
Abbestellung an, und am Wochenende kam ich dann in ihr Haus und
wir verglichen unsere Listen, um einige Bestellungen dazu
zunehmen oder andere zu streichen.Wir hatten abgesprochen,
sollte bei einem Rentner das Essen am nächsten Tag noch vor der
Tür stehen, musste Meldung bei mir gemacht werden und meistens
war etwas passiert und die nächsten Angehörigen mussten
benachrichtigt werden.Schwieriger wurde es, wenn keiner
von den Angehörigen mehr da war, so bei einem Fall in der
Washington-Allee.Das Essen war nicht reingeholt und stand
so vor der Tür.Feststellen konnte ich, dass die
Schlüssel noch im Schloss steckten.Von der Nachbarin
ließ ich mir eine Trittleiter geben und da die Wohnung im
Paterre lag, konnte man an das Küchenfenster, an dem war die
obere Klappe geöffnet.Mit Mühe konnte man den unteren
Riegel des Fensters erreichen und das Fenster öffnen.Nun
war das Einsteigen möglich und ich fand die Frau, die schon
lange Krebs hatte, tot im Bett.Mit dem Schlüssel von der
Haustür ging ich zur Polizei und meldete den Vorfall, der ja zu
einer Untersuchung kommen musste, und wenn alles natürlich mit
dem Tod abgelaufen war, konnte die Wohnung freigegeben werden.Es waren auch keine Erben da, und so mussten dann die Möbel von
einer Ausräumfirma abgeholt werden.Um die Bestattung
sorgte sich die Behörde, die sich auch um den Nachlass
kümmerte.Es gab schon manche Schwierigkeiten bei solchen
Fällen, wenn noch Angehörige da waren, das Essengeld zu
erhalten.Wenn im Sommer meine Ausfahrer in Urlaub gingen,
übernahm ich das Ausfahren des Essens mit Lisa.Wir hatten
alle Hände voll zu tun, um die über 100 Essenempfänger zu
betreuen.Dankbar sind wir allezeit gewesen, dass wir uns
auf das Ehepaar Josenhaus so gut verlassen konnten.
Später, als wir die Kate in Wiegersen
hatten, hat er uns manche Fuhre Baumaterialien dort hingefahren.Jetzt wo ich dieses schreibe, liegt er auch schon unter dem
Rasen, wie so manch lieber Mensch aus unserer Gemeinde.
In Bötersheim kam ein neuer Pastor Beck
und Frau, und besuchte uns bei einer Konfirmandenfreizeit.Er
war sehr angetan von dem Haus und stiftete uns später noch einen
Gong, mit dem wir die Freizeitler besser zum Essen zu rufen
konnten.
Ich war später wieder in Bötersheim.Zu der Zeit hatte Fräulein Brehmer eine Mädel-Freizeit, auf der
dann ein Mädel, Margit, über Schmerzen im Leib klagte und wir
sind abends um 23.30 Uhr, Lisa natürlich mit, ins Jüthorner
Krankenhaus gefahren und dann wieder zurück nach Bötersheim.Dies alles war schon aufregend.Am nächsten Tag war die
Freizeit zuende und wir mussten Fräulein Brehner mit ihrer Schar
auf die Sprünge helfen, sonst buddelten die sich fest und kamen
nicht zum Zug.
Ein paar Tage später lief die Osterfahrt
an, die als Standort Finteln hatte.Etwas neues gab es, was
nicht alle Tage auf dem Programm stand: Eine Moorwanderung mit
allerlei unvorhergesehenen Überraschungen, manch einer konnte
sich dabei nasse Füße holen.
Was auch selten war: Wir hatten diesmal
weiße Ostern.Die Mädel sind von Bötersheim nach Finteln
gewandert und nahmen am Ostergottesdienst teil.Blieben den
Tag über bei uns und nahmen am Abend am Osterfeuer teil.Nur
ich musste sie dann mit dem Bus nach Bötersheim. zurückfahren,
denn in der Herberge war kein Platz.Mal gut, denn in der
Nacht gingen im Haus die Gespenster um und haben manchen
erschreckt.
Der Ostersonntag brachte uns schlechtes
Wetter.Trotzdem fand draußen ein Appell mit Aufnahme von
neuen Pfadfindern statt.Mit dem VW-Bus wurde noch eine
Fuhre Pfadfinder zur Bahn gebracht und dann konnte unsere Familie
auch den Bus benutzen, um nach Hause zu kommen.
Eben war eine Arbeitstagung mit dem KV
zuende, schon ging es zu einer Diakonenfreizeit nach Glücksburg.Einen Tag fuhren wir nach Dänemark und haben dort ein Kloster
und eine Kirche besucht.Wir ließen uns auch von
Kirchenleuten erzählen, wie denn die Deutschen hier in Nord-
Schleswig zurecht kamen.Die Dänen kehrten ihr
Nationalgefühl stark heraus und die Deutschen spürten den
Druck.Immerhin, eine solche Freizeit war schon etwas wert,
denn man konnte sich mit Brüdern austauschen.
Wieder wurde in der Baracke eingebrochen,
aber diesmal waren wir schlauer.Es gab nichts zu klauen,
man hatte sich verrechnet.
In Büchen hatten wir in der
Jugendherberge schon vorher Quartier bestellt und da der 1. Mai,
Gründungstag der FCP, auf einen Freitag fiel, hatten wir mehrere
Tage frei, die wir dann auch tüchtig nutzten.Als Helfer
war unser Dietmar Bornkak mitgefahren, der uns auf der Fahrt mal
richtig kennen lernen sollte.
Himmelfahrtstag war mal wieder der
Gemeindeausflug fällig, der mir sehr viel Arbeit machte.Wir
waren auf der Heideburg, hatten diesmal Familie Oesting
mitgenommen, abends haben wir Oestings nach Kisdorfer Wohld nach
Hause gebracht.
Unser Freizeitheim in Bötersheim
forderte schon seinen Mann.Jetzt war die Halle dran und
musste gestrichen werden, denn bei den vielen Benutzern waren
schon an den Wänden die Spuren zu sehen.Danach auch war
ich mal wieder mit Lisa zusammen unterwegs.Diesmal
besuchten wir Helgoland mit den Landeskirchlichen Mitarbeitern.Auch der Bischof war mit auf dem Deck.Diesmal mussten wir
schnellstens wieder nach Bötersheim, denn die neue
Kücheneinrichtung war eingetroffen und musste eingebaut werden.Wir hatten eine gute Firma, die uns durch ihren Vertreter beraten
und uns für die Raumgestaltung gute Vorschläge machen konnte.
Wieder war eine Familienfreizeit
durchzuführen, und Lisa hatte damit in der Küche viel zu tun.Mal gut, dass sie Hauswirtschaftsleiterin war und schon einem
größeren Betrieb vorgestanden hatte, denn mit dem Kochen
alleine war es nicht getan, die Materialien mussten berechnet und
angeschafft werden.Zum Sonntag kam Pastor Nordhoff raus
und hielt uns den Gottesdienst, der immer gut besucht wurde.Mit mancher Schwierigkeit galt es fertig zu werden, wenn es
Regentagegab und wir uns auf Heimspiele umstellen mussten.Dann kam doch noch in den letzten Tagen heißes Wetter, und das
Abschiedsfest konnte im Garten stattfinden.
Nach einer schönen Urlaubsfahrt lag
schon wieder eine Lapplandfahrt an, die Monate vorher vorbereitet
worden war.Uli, der sonst zünftige, tauchte in langen
Hosen auf, was wir ihm natürlich verübelten.Es ging
über Stockholm nach Kiruna, wo im Tagebau das Schwedenerz
gewonnen wird.In Abisko gab es ein großes Touristikhotel,
wo der verwöhnte Wanderer ausspannen konnte.Wir wollten
über den See und mussten lange auf den Schiffer warten.Die
Überfahrt gelang endlich um 20.00 Uhr.Die Nächte sind ja
oben hell und so stöberten wir eine echte Lappenkothe auf, in
der wir unser müdes Haupt hinlegen konnten.
Unser Praktikant Dietmar war auch mit,
und um die Morgenwache einmal zu halten, hatte er einen Kommentar
über den Korintherbrief mit im Tornister.Nun kamen wir
plötzlich an einen wild schäumenden Bach, der bezwungen werden
musste.Wir schmissen unsere Torni‘s über den Bach
und hangelten uns an Zweigen über dies Hindernis.Unser
Dietmar schmiss auch seinen Torni hinüber, aber zu kurz und so
ging mit dem Gepäck auch der Kommentar baden.Danach galt
es eine Höhe zu erklimmen, und der Weg ging nun über
Schneefelder und durch Bäche.Hinter uns her stöhnte
unser Dietmar: „Ich kann nicht so schnell, meine
Pumpe.“Sein Herz meinte er.„Siehste, das
kommt vom vielen Trinken und Zigarettenrauchen.“Ob er
wollte oder nicht, er musste mit, denn in der Wildnis konnte er
nicht bleiben.Es war hier oben kalt und ungemütlich.Nach 14 Stunden hatten wir die Wasserscheide und die norwegische
Grenze erreicht, gekennzeichnet nur durch mehrere Steine.
Auch mit Nebel hatten wir zu kämpfen.Aber dann schlugen wir an einer geschützten Stelle unsere Kothen
auf.Jetzt kam auch wieder die Sonne durch, und man konnte
es hier oben aushalten.Es gab einen Ruhetag.Dabei
stellten wir fest, Jonas, Uwe Johansen, bekam das ganze Gesicht
voller Flecken und eine Art Pickeln.Was nun?Kein
Arzt in der Nähe, Narvik war weit weg.Wir hatten aber
Maispulver dabei.Also kurz entschlossen wurde das Gesicht
eingepudert und siehe da, diese komische Schwellung nahm ab.
Noch eine komische Entdeckung machten wir
in unserer Gemeinschaft: Der Uli, der mit anderen hart umging,
hatte eine merkwürdige Auffassung in manchen Dingen.Wo
war gerade hier sein Azb., dies Päckchen für alle Notfälle?Nicht da!Plötzlich riss ihm der Trageriemen vom Rucksack
und er hatte keine Nieten.Der Stammführer musste hier
aushelfen.Auch hatte er mehrere Brote bei sich, aber
teilen konnte er nicht.Wir waren doch etwas schockiert
über dies alles.
Morgens mussten wir uns im eiskalten
Bergwasser waschen, wurden aber dadurch schnell munter.Am
Nachmittag wurden die Kothen abgebaut, und los ging es nach dem
Kompass Richtung Narvik, und dies war noch sehr weit entfernt.Wir sind gewandert bis nachts um 3.00 Uhr und haben dann das
Lager aufgeschlagen, wir waren hundemüde.Am nächsten Tag
ging das Wandern durch die Wildnis weiter, bis wir endlich,
endlich eine Straßen zu fassen hatten.Dann ging es bis zu
einer kleinen Ortschaft.Hier wurde erst einmal das Lager
aufgeschlagen und die müden Füße gepflegt.Am nächsten
Tag ging es wieder weiter auf der Straße, es war ein hartes
Gehen.Zum Glück wurden wir bis Bardo von einem
Militärfahrzeug mitgenommen.Es war inzwischen sehr warm
geworden.In Bardo wurde erst einmal Kaffee getrunken.Hier stellten wir fest, es gibt eine Busverbindung nach Narvik,
die wir auch gleich um 15.30 Uhr nutzten, denn endlich hatten wir
die Straßenwanderung satt.In Narvik besuchten wir die uns
bekannte Jugendherberge und hatten noch Zeit zum Stadtbummel.
Um Narvik ist im 2. Weltkrieg schwer
gekämpft worden und die Norweger sind noch heute nicht gut auf
die Deutschen zu sprechen, weil durch uns die Stadt damals schwer
gelitten hatte.
Es war nicht viel los in dieser Stadt,
darum sind wir am nächsten Tag um 10.55 Uhr mit der Bahn bis
Jakmonk, Eisenbahnknotenpunkt im Norden Schwedens, gefahren.Schlechte Quartiersmöglichkeit, aber mit Geduld und Spucke
schaffen wir es.Am anderen Tag ging es auf die Bahn, diese
Strecke führte durch die Wildnis nach Göteborg, wo wir ja auch
hin wollten.Aber unterwegs erlebten wir noch etwas nicht
alltägliches erlebt: Eine Rentierherde machte sich auf dem
Bahnkörper breit und trotz Geheul der Lokomotive, ging doch ein
stures Tier nicht von den Schienen.Der Zug hielt, der
Bahnführer versuchte das Tier von den Schienen zu bekommen, aber
es misslang.Was man dann wohl schon öfter getan hatte,
der Beamte erstach das Tier und entfernte es von den Gleisen.Verpflichtet war er, auf der nächsten Station dem Besitzer von
dieser Tat Mitteilung zu machen, die Bahnverwaltung zahlt eine
Entschädigungssumme.Für uns als Mitteleuropäer war dies
natürlich neu!
Zwischenstation Östersund, wo wir
umsteigen mussten, um später weiterzukommen.In Jämtli
war eine Lappensiedlung, die wir unbedingt sehen mussten.Aber
auch hier hatte die neue Zeit Einzug gehalten.Einige
Hütten gab es noch, aber man hatte auch schon feste Häuser.In Östersund brauchten wir ein Quartier, und wir entdeckten ein
Missionshaus, wo wir vorsprachen und auch Erfolg hatten.Eine
liebenswürdige Hausmutter war bereit, uns aufzunehmen.Am
Abend ergab es sich, dass wir lange mit ihr klönen konnten, denn
sie wollte über uns und auch über Deutschland viel erfahren.In der Gegend gab es einen hohen Berg und einen Aussichtsturm,
den wir besteigen mussten, um die Umgebung mit den Seen und
Wäldern in uns aufzunehmen.Ein paar Tage später nahmen
wir von unserer Hausmutter Abschied und am frühen Morgen ging
die Fahrt nach Göteborg, und dann ging’s auf die Fähre und
nach Hause.Zu Hause mussten wir erst einmal tüchtig den
Schlaf nachholen, der uns gefehlt hatte.
Auf der Heideburg, im oberen Teil des
Geländes, stand die Einkehr und diese wurde abgerissen und wir
durften uns noch etliche Möbel und Betten holen, die dann nach
Bötersheim geschafft werden mussten.
Wieder mal war ich wegen eines
Grundstückes unterwegs und dann in Lüneburg mit der Verwaltung
verhandelt, aber der KV hatte meistens keinen Mut und so fiel ein
Projekt nach dem anderen ins Wasser.
Nur unsere Herbstfahrten wurden Jahr um
Jahr durchgeführt, immer mit neuen Zielen.Diesmal war es
die Jugendherberge in Inzmühlen.Von dort ging es durch
die Heide.In Eggersmühle fanden wir einen netten Bauern,
der uns auf seinem Hof abkochen ließ.Einen Tag später
sind wir dann nach Holm Seppensen gewandert.Im Bahnhof
hatten wir die Begegnung mit einem alten Herren, der uns
erzählte, dass diese Eisenbahnlinie von Buchholz nach Soltau zu
Kaisers Zeiten von Pionieren gebaut worden ist.Mit der
Bahn fuhren wir bis Drehstedt.Die Linie ging damals noch
von Buchholz Richtung Stade, heute gibt es sie nicht mehr,
schade.Von Drehstedt wanderten wir nach Bötersheim und
dort wurde erst einmal Mittag gegessen und ausgeruht, dann gab es
noch Kaffee und um 16.30 Uhr ging es ab nach Sprötze, wo der Zug
genommen wurde, der uns nach Hamburg brachte.Zu Hause
konnten dann die Jungen ihre Füße pflegen, die bei der
Wanderung manche Blase abbekommen hatten.
Danach musste der vom Rauhen Haus
angesetzte Brüdertag abgeleistet werden.Ha, ein paar Tage
später hatte ich einen Durchfall der vom Rauhen Haus bis zu uns
reichte.Ob das Essen im Rauhen Haus nicht einwandfrei
gewesen ist, der Geier weiß es.
Jetzt kam am 20.10.1964 der
Sonntag, an dem der neue Kirchenvorstand gewählt wurde.Bis
abends um 20.00 Uhr war ich deshalb im Gemeindehaus.Die
Fahrerei nach Bötersheim nahm auch kein Ende.Dann war der
Kohlenmann Brumm dran, und die Kohlen mussten nach Bötersheim,
meistens auch Holz und Öl dazu.Dann mussten die
bestellten Kartoffeln aus Kakensdorf geholt werden.
An einem Wochenende war eine
Jungscharfreizeit, wozu die Jungen von Appenbüttel hin und her
gefahren wurden.Es ging immer darum, die Kosten einer
Fahrt so niedrig wie möglich zu halten.Von der
Jugendbehörde hatten wir auch verbilligte Fahrscheine.In
Bötersheim wurde selbst gekocht und die Übernachtung war im
Preis sehr niedrig, so konnte der Preis sehr niedrig gehalten
werden, und die Eltern ließen so auch ihre Kinder mitgehen.
Es war so langsam November geworden und
wieder wurde verlangt, dass die Baracke weg müsse.Der
Platz würde gebraucht, und so ging es tagelang darum, Stück
für Stück die Baracke abzutragen.Wir hatten nun doch,
nach langem Hin und Her, im Keller unsere gewünschten Räume
bekommen.Die Barackenteile wurden auf einen Platz gelegt,
der für ein späteres neues Gemeindehaus reserviert war.Trotz
Lisas Geburtstages musste am Sonnabend morgen wieder die Baracke
noch weiter abgerissen werden.Man hatte es eilig.Mir
kam es oft so vor, als wäre man mit dem Ding nicht recht
einverstanden, denn man war schnell bei der Hand, diese schöne
und auch gut erhaltene Baracke zu verschenken.Ein paar von
uns hätten diese gerne auf einem eigenen Gelände wieder
aufgestellt, aber so beweglich war ja eben der Kirchenvorstand
nicht: Lieber in altgewohnten Gleisen weiterfahren wie bisher.Dieses Erbe ist in vielen Gemeinden bis heute erhalten geblieben.Man schaue sich doch den heutigen Gemeindebrief der
Martinsgemeinde an.Nichts gegen Altenarbeit, aber wenn die
in erster Linie das sogenannte Feigenblatt der Gemeinde ist, dann
man gute Nacht.Denn heute sind die Probleme der Menschen
noch größer geworden, gerade durch den Wohlstand.
Ach so, Pastor Beck verabschiedete sich,
war ja nur eine Stippvisite.Mit ihm hatte ich mal einen
längeren Disput wegen des Ostermarsches, der für ihn sehr
wichtig sei.Auch für mich war Frieden immer wichtig,
aberwichtiger ist für uns doch ganz was anderes, der Auftrag,
das Evangelium an den Mann bringen!
Kaum ein Gemeindemitglied kannte das
Rauhe Haus mit seinen Ausbildungsstätten.Also
arrangierten wir ein Familientreffen im Rauhen Haus für unsere
Gemeindemitglieder mit Führung und Kaffeetrinken.Viele
waren von der Vielfältigkeit der Arbeit der Diakone und ihrer
Mitarbeiter sehr angetan.
Ein Krippenspiel für Weihnachten musste
eingeübt werden.Es waren verschiedene Spiele. Einmal die
Weihnachtskiste, Krippenspiel der Zeit, oder das Worpsweder
Krippenspiel.Diese Spiele wurden auf mehreren
Weihnachtsfeiern der Gemeinde aufgeführt.Nicht ganz
einfach war es, die Kinder zusammen zu halten.Wenn einer
ausfiel, woher den Ersatz nehmen?Später half Lisa
tüchtig mit und so wurde manches leichter.
Dann erlebte auch die FCP am 2. Advent
eine tolle Eis- und Schneefahrt.Abends kam eine Sippe zu
spät in Bötersheim an.War mal wieder etwas unterwegs
gemacht worden, was nicht sein sollte.An der Bundesstraße
75 bei Steinbeck gab es das Lokal „Zur Tanne“, da
musste man natürlich einkehren und Bier trinken.Wie oft
hatten wir es den Jungen gesagt, wenn ihr Durst habt, lasst euch
heiße Brühe geben, wir haben es auch nie anders gemacht.Also
gab es an diesem Abend noch einen mächtigen Krach, denn ein
Pfadfinder ist gegen Alkohol und bekämpft ihn auch.Am
nächsten Tag haben sich die Jungen bei der Führung offiziell
vor der Mannschaft entschuldigt, und so konnte der Haussegen
wieder gerade gehängt werden.Wir hatten nun doch eine
harmonische Adventsfahrt.
Wir hatten in der Horner Landstraße bei
Kallweit im Haus eine blinde Frau, die geschieden war und uns
bat, ihr Kind, das bei ihrem ehemaligen Mann in Lokstedt lebte,
zu ihr zu holen.So holten wirdas Mädel am 2.
Weihnachtstag bei dem Vater ab, um es zur Mutter zu bringen.Jedesmal war Lisa dabei, um auf das Kind aufzupassen.Diese
Aufgabe fiel mehrere Male im Monat an und musste erledigt werden,
um der blinden Frau willen, die das Kind ja nicht selber holen
konnte.
1965
ImSchetelighaus hatten wir die
junge Gemeinde aus der Apostelkirche.Das war ein Verein,
Jungen und Mädel sind zusammen in die Betten gekrochen.Ich
musste sie erst einmal rauswerfen.Für so eine
Jugendarbeit bedanke ich mich.Sie hatten sich in den
Wäldern um Bötersheim verlaufen.Später kam noch
hinzu, dass in dieser Jugend in Hamburg Mord und Totschlag war.Wir waren froh, als diese Gruppe von Bötersheim bald das weite
suchte.
Wir waren in Sprötze zum Gottesdienst.Dort trafen wir auch Pastor Ruppelt aus Tostedt, zu dem wir ein
gutes Verhältnis hatten.
Wer mich aufregte, war Bruder Stahl, der
ja Kirchenbuchführer war, und von mir den Spitznamen
„Aktenwurm“ bekam, weil er alles genau unter seiner
Fuchtel haben wollte.Heinz Schlicht hatte bis zur Stunde
die Kasse vom Schetelighaus in Bötersheim gut verwaltet.Nein,
Stahl musste diese Kasse mit einem großen Übertrag, später
waren es über 20.000 DM, in seine Bücher einverleiben.So
gehörte dies Geld wohl der Gemeinde, aber weil es Eigenkapital
war, konnte auch Nordelbien sagen, ihr habt ja genug Geld, wir
müssen sparen, nehmt mal von eurem Ersparten.Bötersheimer
Geld sollte aber für ein eigenes Freizeitheim verwendet werden.Später aber, als die Finanzlage schwierig wurde, bestand die
Gefahr, dass es mit aufgebraucht werden konnte.Die
späteren Herren waren nicht so sparsam wie Dubbels.Bruder
Stahl sah dann auch später ein, dass seine Maßnahme in dieser
Sache ein Fehler war, den man aber nicht mehr gut machen konnte.Wir aber hatten den blöden Ärger.
Am 22.1.1965 platzte wieder mal ein
Projekt, das wir in der Göhrde besichtigt hatten.Immer
das alte Leiden: Erst ja, dann immer das Zurückziehen, langsam
bekam man ein dickes Fell in dieser Sache.
Im März verabschiedeten wir unseren
Praktikanten Dietmar Bornkak, zu dem wir doch mit der Zeit ein
gutes Verhältnis gefunden hatten.Der Kontakt zu ihm hat
bis auf den heutigen Tag, trotz aller Belastungen, die wir mit
ihm ausstanden, gut gehalten.
Auch dies gab es, mein Freund Erich
Dietrich feierte seine Silberhochzeit, zu der wir hinfuhren und
ihn nicht antrafen.Pech!Hätte er ja auch vorher
sagen können, dass er nicht feiert!
Wir waren auf einer Freizeit in Horst, wo
wir uns selbst verpflegen mussten, was allerlei Mühe kostete.Später wurden wir von einem Gewitter überrascht und nass bis
auf die Haut .
Dann kam eine Fahrt mit einigen
Pfadfindern, bei der wir vor Soltau bei Wolterdingen ein tolles
Gelände anschauen konnten und der Bauer es mit einer gut
erhaltenen Baracke verkaufen wollte.Wir waren begeistert
über den niedrigen Preis und das Entgegenkommen des Bauern.Natürlich wurde mit ein paar Herren aus dem Kirchenvorstand
hingefahren.Sie waren auch ganz angetan von dem Gelände,
verhandelten auch noch lange mit dem Bauern und zum Schluss war
kein Wagnis da, wie immer.Heute hätte dieses Grundstück
einen großen Wert, aber wer nicht handelt, den schlägt das
Leben später, so auch hier.
Was alles in der Gemeinde los war und in
Bötersheim immer wieder zu tun war, kann man aus meinen
Tagebüchern ersehen, denn vieles, vieles ist gar nicht möglich
aufzuzählen.Wenn ich es heute lese, dann frage ich mich,
wo und wie man dies alles bloß geschafft hat.Wenn ich
nicht eine liebe Frau an meiner Seite gehabt hätte, die in
vielen Dingen mitgeholfen und auch Geduld gehabt hatte!
Noch etwas platzte in unsere Arbeit
hinein.Pastor Niemann legte sein geistliches Amt nieder.Ja, wogegen man früher zu arg gewettert hatte, tat man selber.In Heiligenhafen war er mit einem Mädchen sittlich ausgerutscht.In der Gemeinde hatte man auch nicht den Mut, einfach eine Schuld
einzugestehen, man wollte es verschweigen, und es kam doch über
die Landeskirche heraus.Um Niemann tat es mir leid.Andere
wurden verdächtigt.Ich aber sagte nur dieses: Wer ohne
Sünde ist, werfe den ersten Stein.Später, als eine Frau
aus Bremen bei der griechischen Gruppe in Bötersheim war, hörte
ich,Niemann mache in Bremen diakonische Arbeit.
Später trafen wir Herrn Buse vom
Kirchenvorstand.Natürlich kam das Gespräch auch auf
Pastor Niemann.Den Fall Niemann hätte man anders lösen
können.Die SPD hatte den Bürgermeister damals auch von
seinem Posten abgesetzt, aber nicht in die Wüste geschickt.Bei Niemann hätte man gerade in einer christlichen Gemeinde
anders handeln sollen.Der Herr Christus hat auch nicht die
Ehebrecherin weggeschickt, sondern hat ihr vergeben mit einer
Auflage: „Gehe hin und sündige nicht mehr.“Niemann
wollte sich von seiner Frau scheiden lassen, aber Frau Niemann
lehnte ab und blieb bei ihrem Mann.Überhaupt hatte ich
schon von Heiligenhafen her eine hohe und gute Meinung von ihr.
Ach ja, da wir kein Geld für Handwerker
hatten, mussten wir die Malerarbeiten selber machen. Aber mit der
Zeit lernte man vieles, was man früher nicht gemacht hatte.
Ein neuer Praktikant wurde uns
zugewiesen: Bruder Günther, der mal von Beruf Tischler gewesen
war und uns, Lisa und mir, sein tolles Gesellenstück, einen
Schreibtisch, zeigte.Sein Elternhaus war in Langendorf.Über Dannenberg mussten wir fahren, um in dies kleine Dorf zu
gelangen.Zum Anfang ging es so einigermaßen mit dem
Bruder Günther.Aber so ganz war ich mit seiner Auffassung
zur Arbeit nicht einverstanden.Später stellte sich doch
immer so ein widerstrebendes Wesen heraus.Er blieb mir
auch viel zu lange nachmittags im Rauhen Haus.Hier
erfolgte überhaupt keine Kontrolle, was er überhaupt mit seiner
Zeit machte.Er sollte gleich nach der Mittagspause bei uns
den Dienst antreten, wer nicht kam, war er.Natürlich
wurde er in alle Jugendarbeiten mit hineingenommen.Bis so
ziemlich zum Ende des Jahres blieb er noch bei uns, dann rief das
Rauhe Haus ihn zurück, und wir hörten, er sei dann bald darauf
ausgetreten.
Dann gab es mal wieder einen
Kinderausflug zum Steinautal bei Büchen.
Da wir ja oft viele Gäste in unserer
Freizeit hatten, wurden die Wolldecken auch stark verschmutzt.Wir hatten Glück, im Waschhaus des Rauhen Hauses war Frau
Rottländer als Chefin, und sie bot uns an, die Decken in den
großen Waschmaschinen zu waschen.Nun mussten die vielen
Decken von Bötersheim ins Rauhe Haus gefahren werden, später,
nach dem Waschen und Trocknen, wieder eingeladen und nach
Bötersheim gebracht werden.Lisa half tüchtig mit, denn
in Bötersheim mussten die Betten ja wieder neu bezogen werden,
ebenfalls die Bettlaken und Kopfkissen, die man ja auch im Rauhen
Haus gewaschen und gebügelt hatte.Diese ganze Prozedur
geschah später noch mehrere Male, und unsere Gemeinde hat durch
diese Freundlichkeit von Frau Rottländer, die immer bereit war
uns zu helfen, viel Geld gespart.Zur Erhaltung eines
Heimes gehört doch viel, um auch alles in Ordnung zu halten.
Im Dezember waren wir, Günter
Scheuermann, ich und Josenhans, mit seinem Transporter wieder in
Langeloh und durften im Wald eine große Tanne fällen und für
die Martinskirche holen, natürlich auch ein paar kleine Bäume
für den Hausgebrauch, dies nur noch nebenbei. Damit war dann
Langeloh für immer abgeschlossen.
Eine goldene Konfirmation ist mir noch in
guter Erinnerung, weil ein ehemaliger Leuchtturmwärter seine
Erlebnisse zum Besten gab.Von Hein ten Hoff, der ein gutes
Lokal in Poppenbüttel hatte und auch für Festlichkeiten Essen
ausgab, holte ich dann Gulasch, Kartoffeln, Gemüse und einen
guten Nachtisch.Am großen Appetit der älteren Leute
merkten wir, wie gut das Essen war.
Man merkte, so langsam konnten sich die
Leute Autos anschaffen, und unsere Gemeindeausflüge waren nicht
mehr so gut besucht.Ganze 180 Personen waren mit uns
unterwegs.
Bei der letzten Freizeit zu Pfingsten in
Langeloh wurde unser VW-Bus oft gebraucht.Musste mehrere
Male fahren, um die Pfadfinder zum Schneverdinger Bahnhof zu
bringen.In der Zwischenzeit musste auch noch die Polizei
eingeschaltet werden, weil Sachen aus dem Zeltlager gestohlen
worden waren.Von den Dieben haben wir leider nichts mehr
gehört.
Wieder lief eine Familienfreizeit an.Diesmal gab es eine Bibelarbeit über die Bergpredigt.
Ich hörte, in Tostedt sei ein Zirkus,
fuhr hin und besorgte Karten.So fuhren wir an einem
Nachmittag in die Vorstellung, was den Kindern natürlich ein
besonderes Vergnügen bedeutete.Am Sonntagfuhren
wir nach Sprötze zum Gottesdienst.An diesem Sonntag
bekamen wir viel Besuch aus Hamburg, dass es uns bald reichte,
denn der Tag begann mit Regen.
Durch Frau Rottländer imRauhen
Haus lernte ich auf einer Veranstaltung in Wandsbek den Mann von
Mama Lilie kennen, die in Calabrien als Schweizer Eheleute ein
Ferienzentrum aufgemacht hatten.Wir wurden eingeladen,
einmal dieses Freizeitheim, das an der Meerenge von Sizilien
liegt, bei Cantana, zu besuchen.Wir also machten uns mit
dem VW-Bus und einem PKW auf und kamen noch eben bis hinter
Hannover.Kurz vor der Ausfahrt Grasdorf hatten wir
Motorschaden und ganz langsam trudelten wir in Grasdorf ein.Erst einmal gingen wir zum Gottesdienst, der von einer Pastorin
gehalten wurde und gar nicht so schlecht war.Im Dorf
konnte man den Wagen nicht reparieren, wir müssten nach
Hildesheim, dort gäbe es ein großes VW-Ersatzteillager.Die
Jungen blieben in Grasdorf und mussten sich so beschäftigen.Mit ein paar Pfadfindern tuckerten wir mit dem VW-Bus nach
Hildesheim.An einer Tankstelle bei dem Ersatzlager machten
wir Halt, aber da Sonntag war, gab es nichts.Der Tankwart
beruhigte uns, er hätte jemanden, der von einem VW-Bus einen
guten Motor hätte, der ca. 30.000 km gefahren sei.Der
Motor wurde geholt und mit ca. DM 500 bezahlt und dann mit Hilfe
des Tankwartes und unseren Leuten eingebaut.Vom kaputten
Motor montieren wir noch die Kupplungsscheibe ab, die noch nicht
alt war.Ein Glück, dass wir das gemacht hatten, denn
später mussten wir sie noch gebrauchen.Probefahrt, als
der Motor drinsaß, und mit großem Jubel ging es dann ab nach
Grasdorf, um die anderen Pfadfinder einzuladen und ab nach Kassel
usw.Wir bekamen dann vor Hannoversch Münden eine
Steigung, und der Motor zog nicht mehr.Wir blieben liegen
und mussten uns dann gleich nach Hannoversch Münden zur
Werkstatt abschleppen lassen.Wir hatten Glück, der
Besitzer war gerade nach Hause gekommen, und als wir ihn baten,
doch morgen früh gleich den Wagen in Arbeit zu nehmen, bedurfte
es doch unserer ganzen Überredungskunst, um gleich als erste auf
die Liste zu kommen.Wir übernachteten dort in Hannoversch
Münden in der Jugendherberge und sollten vor 7.00 Uhr nicht
aufstehen.Aber wir schafften es dennoch gegen das Verbot
des Hausvaters.Um 7.00 Uhr waren wir schon in der
Werkstatt und warteten ungeduldig auf unseren Wagen.Man
konnte gut unsere Kupplungsscheibe gebrauchen und so kostete die
ganze Reparatur uns etwas über 30 DM, was uns sehr freute, denn
der Abschleppdienst war doch ausgekocht, mal eben über 60 DM
mussten wir blechen.
Nun aber hieß es: Ab die Post, denn wir
mussten in Kufstein abends den Zug erreichen.Dabei saß
ich über 7 Stunden am Steuer.In Kufstein mussten wir
schnell eine Werkstatt finden, wo wir die Wagen abstellen
konnten.Eben eine Stunde vor Abgang des Zuges war alles
geschafft.Und nun fuhren wir im überfüllten Zug
stundenlang unserem Ziel entgegen: Süd Italien.Abends
waren wir aus Kufstein abgefahren, und erst am nächsten Tag um
12.00 Uhr mittags waren wir bei Mama Lilie in ihrem Freizeitheim
gelandet.Mama Lilie nahm uns sehr freundlich auf und wies
uns einen Platz an, wo wir am Strand unsere Kothe aufbauen
konnten.
Die nächsten Tage wurden sehr heiß und
wir bauten uns aus Schilfmatten ein Dach über dem Kopf.Ohne
Schatten war es überhaupt nicht auszuhalten.Am Strand
musste man schnell laufen, um zum Wasser zu kommen, denn der Sand
war so heiß, dass man sich die Fußsohlen verbrannte.Das
Wasser war hier glasklar, aber die Kühlung hielt nicht lange an.Mit dem Essen warteten wir bis zum Abend, am Tag hatte man keinen
Appetit.Uns versorgte ein junger Mann mit Früchten, der
mit dem motorisierten Dreirad zum Strand kam.Einmal gab es
Melonen zum Sattessen.
Wenn wir nicht bis nachmittags faul auf
der Haut lagen, gab es auch mal früh morgens eine kleine
Bergtour.Ringsherum sind nur Berge, die uns aber nicht so
anlockten, weil die Hitze unsere Energie zum Schmelzen brachte.Der Mann von Mama Lilie hatte einen großen Bus gechartert und so
gingen wir mit einer größeren Feriengemeinschaft mit ihm auf
Fahrt.Wir fuhren Richtung Reggio und von dort in den
südlichen Zipfel Italiens.Besichtigten Bergdörfer, die
zum Teil verlassen waren, oder alte Kultstätten der Sarazenen.Wir fanden auch ein Grab und eine Tonscherbe nahm ich mit nach
Hause.Am Hafen sahen wir die Boote, mit denen die Fischer
nachts mit großen Lampen am Bug ihre Fische fangen.Ein
Schwert von einem Fisch konnte ich erwerben, um es zu Hause den
Angehörigen zu zeigen.Für uns war es eine interessante
Fahrt.
In den nächsten Tagen nahmen wir
Verbindung zu den Pfadfindern in Reggio auf und luden sie zu
einem Strandfest ein.Sie selber luden uns zu einem
Pizzaessen ein, was zu einer Pizzaschlacht ausartete, soviel
Pizza ließ man auffahren.Abends am Strand fand dann bei
einem Lagerfeuer ein tolles Fest statt, mit allerlei Sketchen und
einem Ringkampf gegen einen starken Italiener.Alle sahen
in ihrem Mann den Sieger, aber unser Reinhard Königsmann, der
bei der Polizei war und die Jui Jitsu Griffe kannte, legte seinen
Gegner spielend auf den Boden.Wir hatten eine große
Zuschauermasse und die war des Staunens voll über unsere
Darbietungen und Gesangseinlagen.Natürlich wurden
Ansprachen gehalten, auch ich musste tönen.Meine Rede
wurde von Mama Lilies Mann von deutsch ins Italienische
übersetzt.
Wir hatten auch Verbindung zu den
Pfadfindern in Cantana aufgenommen und deren Pfadfinderklause
besichtigt.Am 10.8.1965 sind wir morgens ganz früh
aufgebrochen und ein Stück mit der Bahn gefahren, bis zum
Fährhafen und dann erfolgte die Überfahrt nach Sizilien und mit
der Bahn weiter zum Ätna.Den feuerspeienden Vulkan
wollten wir unbedingt sehen.Etliche sind dann bis zum
Gipfel aufgestiegen.Mir reichte eine bestimmte Höhe, von
dort konnte man einiges über den Krater sehen.Am Gipfel
roch es nach giftigen Gasen und so war es besser, unterhalb zu
bleiben.Von dort ging es dann zum Hafenstadt Messina und
zurück ins Lager.
Bevor wir die Heimreise antraten, wurde
noch an einem Abend ein Abschiedsfest mit all den Teilnehmern des
Freizeitzentrums gefeiert.Hier wurde auch der Tanz der
Tarantel aufgeführt, eine wilde Angelegenheit, bei der man ins
Schwitzen kam.
Am nächsten Tag gab es dann den
berühmten Abschied mit der Bitte vom Ehepaar, doch bald
wiederzukommen.Unsere Fahrt ging nun noch nach Pompeji,
das wir natürlich ausgiebig besichtigt haben.Pompeji war
ja im Jahre 9 von der Asche des Vesuv verschüttet worden und
später wieder ausgegraben.Es war dort auch ein Museum
eingerichtet, in dem man viele Gegenstände der ehemaligen
Einwohner bewundern konnte, auch einen Menschen als Hohlkörper
in hockender Haltung, wie ihn die Katastrophe überrascht hatte.Viele Wandmalereien waren wieder freigelegt worden, unter anderem
ein Badehaus, das auch Bilder von nackten Menschen darstellte.
Von hier fuhren wir nach Rom, wo wir um
die Besichtigung der wichtigsten Kulturstätten nicht herumkamen,
unter anderem sahen wir auch die berühmten Katakomben.Eine
Übernachtung mussten wir noch in der Jugendherberge Fulda
machen, um am nächsten Tag dann Hamburg zu erreichen.
Als Nächstes nahm einen schon wieder die
Arbeit und einiger Ärger gefangen.Etwas Freudiges gab es
auch, einer unserer treuen Pfadfinder schipperte in den Hafen der
Ehe.
Seit geraumer Zeit wohnte Pastor
Sorgenfrey im Gemeindehaus.Er ist der neue Pastor der
Nathanaelgemeinde, der uns noch allerhand Ärger machte.Einmal
konnte er es nicht kapieren, dass die Spielsachen seiner Kinder
nicht in den Pfadfinderkeller gehören.Er gab aber nichts
auf mein Reden, bis ich ein neues Schloss in die Kellertür setze
und er sich damit die Nase stieß.Ein anderes Mal redete
er dann über seine Amtsbrüder, auch hier bekam er einen Stups
von mir.Dann regte er sich über Gemeindemitglieder auf,
die bei uns sind und nicht bei ihm, auch hier hieß es: Alles mit
der Ruhe genießen, es kann auch anders kommen, und es kam auch
so.
Seit geraumer Zeit hatten wir einen neuen
Diakon, Bruder Giering, der dann auch von Sorgenfrey gebraucht
wurde.Wir hätten keinen Anspruch auf zwei Diakone.Natürlich
nahm uns die Landeskirche den 2. Diakon.Lange war sein
Bleiben sowieso nicht, denn er meldete sich zur Personalabteilung
der Landeskirche.
Wieder startete eine Herbstfahrt durch
die Göhrde.Bei einem Bauern in Domatzen hatten wir ein
gutes Quartier.Sein Name war Luther.Natürlich
haben wir nach seinen Vorfahren gefragt, er aber konnte sich
nicht erinnern.In Polau kamen wir bei Bauer Schmalcke
unter.Erst begegnete man uns mit Skepsis.Wir
bekamen aber ein gutes Verhältnis zu ihnen.
Am 27.10.1965 wurde vom Diakonischen Amt
ein Vormundschaftsverein gegründet, zu dem ich auch gehörte.Am 5.11.1965 wurde mir vom Amt der Freien Wohlfahrtspflege in der
alten Börse, Trostbrücke, für 10 Jahre ehrenamtliche Mitarbeit
eine Urkunde verliehen.Wieder etwas, um es an die Wand zu
hängen.
Nach einem Rot-Kreuz-Kursus in
Bötersheim fahre ich am 21.11.1965 bei Glatteis und Schneesturm
mit Hangen und Bangen von Bötersheim nach Hause.Dank
unserem Herrn, dass alles gut verlaufen ist.
Zwischendurch tat sich ein neuer
Arbeitszweig auf: die Altenarbeit.Über die musste im
Diakonischen Werk mit Frau Büchsel gesprochen werden.Es
ging um eine Anstellung, und die Stelle sollte meine Frau haben,
was dann auch bewilligt wurde.Natürlich half ich später
mit, weil wir auch die Männer gerne für diese Stunden im
Gemeindehaus haben wollen.
Im Dezember hatte ich ein Gespräch mit
Bruder Füßinger,
im RH lagerten ja viele Möbel, ob ein Klavier darunter sei.Natürlich wäre da eines und Brüder könnten es in die Horner
Landstraße bringen, was auch geschah.Es wurde später von
einen Klavierstimmer auf Vordermann gebracht.
In der Zwischenzeit waren wir doch noch
einmal nach Langeloh gefahren und haben von dort für viele
Familien Tannenbäume geholt.Wie immer musste von mir der
große Tannenbaum in der Kirche geschmückt werden, dies gehörte
schon zur Tradition.
Den Jahreschluss begingen wir mit der
Familie in Bötersheim und die junge Gemeinde wollte auch im Haus
feiern. Na, dann man viel Spaß.
1966
Den Jahresanfang erlebten wir im
Gottesdienst in Tostedt, den Pastor Ruppelt hielt.
Einer unserer Pfadfinder, Uwe Lindemann,
hatte nach manchen Schwierigkeiten im Rauhen Haus die
Diakonenprüfung bestanden und hat uns mit seiner Frau besucht.Es ging dann später in die Gemeinde nach Rastadt, wo wir ihn im
Sommer besuchten und er uns dann da erzählte, der Kirchenrat
wollte ihn nicht als Diakon anerkennen und sienannten ihn
Gemeindehelfer. Dies ließ er durch ein Protestschreiben über
das Rauhe Haus ändern.Noch heute kann sich unsere
Evangelische Kirche nicht allerorts dazu durchringen, das
Diakonenamt mit rechter Namensnennung offiziell anzuerkennen.Der Diakonenberuf wird unter ferner liefen als
diakonisch-missionarischer Beruf geführt!
Dann kam der Februar mit viel Schnee und
Frost, so dass ich mein Fahrrad zur Fahrt ins Gemeindehaus nicht
benutzen konnte.
Bei einer Fahrt nach Horst, bei diesem
vielen Schnee, konnten wir ein zünftiges Fährtenspiel
durchführen.Am Gemeindehaus und rund um die Kirche
zusammen mit Pastor Dubbels Schnee geschippt.Anschließend
für ein Kinderfest den großen Saal geschmückt, damit die
Kleinen auch ihre Freude hatten. Später gab es eine
Gemeindeversammlung, die gut besucht war und ich ca. 10 Minuten
über meine Arbeit zu sprechen hatte.
Vom Diakonischen Werk wurde ich zu einer
Besichtigung des Altersheims Oberaltenallee aufgerufen, wo wir
uns mit großen Interesse durch die Häuser führen ließen.War uns aber für die alten Menschen nicht die ideale Anstalt,
von wegen mit mehreren Heiminsassen in einem Saal, nee danke!
Auch das noch: In unserem Heim in
Bötersheim wurde vom E-Werk die elektrische Anlage durch einen
Ingenieur geprüft und etliches beanstandet.Traf ein
Abkommen mit dem Herrn, dass wir diese Fehlerquellen selbst
beseitigen durften, da ich ja selber vom Fach bin.Wieder
noch zusätzliche Arbeit, denn ein Handwerker von draußen hätte
viel Geld gekostet und wir hatten ja nichts.Alle
Beanstandungen wurden dann zur Zufriedenheit erledigt und so
waren wir von dem E-Werkdruck frei!
Wieder musste eine Konfirmandenfreizeit
mit Pastor Dubbels in Bötersheim auf mehrere Tage durchgeführt
werden, bei der jedes Mal Lisa als Kochmutter dabei war.
Die Spur nach Bötersheim musste in den
nächsten Tagen langsam heiß geworden sein, denn so oft hieß
es: Fahrt nach Bötersheim.
Bei einer Stammfahrt der Pfadfinder nach
Bötersheim haben wir oft auch einige Zeit in einer Erdkate bei
den ehemaligen Karpfenteichen verbracht.Diese Erdkate war
von Pfadfindern erbaut worden und eine tolle Sache, in der wir
immer wieder schön Feuer machen konnten und sonst war das
Gebäude prima zum Spielen geeignet.
Zum 1. Mai waren wir mal wieder auf
Jubiläumsstammfahrt, diesmal in die Dahlbekschlucht.Aufgabe
für die 4 Sippen war es, im Sachsenwald die Lolly-Buche zu
finden.Drei Sippen konnten ihre Aufgabe lösen.Uns
gefiel das Heim von Anfang an, weil die Hausmutter für
Jugendgruppen ein Herz hatte und auch gut kochen konnte.Leider
musste das Heim abgerissen werden, weil man den Platz für eine
Schule brauchte.
Am 18.5.1966 mussten wir nach
Bötersheim, um die Vorbereitungen zu treffen, damit 200 Personen
etwas zu essen hatten.Am nächsten Tag, beim Gemeindefest
war das Wetter langsam gut geworden, so dass die Wölflinge am
Nachmittag das Spiel aufführen konnten „Bart des
Propheten“ von Horch, das allerdings lange Texte hatte.Die Zuschauer wunderten sich, die Jugend konnte doch noch
auswendig lernen.
Unser Pfingstlager war in Ohlsen.Hatten
Quartier bei einer ehemaligen, ausgebauten Schule.Unsere
Koten hatten wir draußen aufgebaut und erlebten Ende Mai sehr
kalte Nächte.Wir hatten den Jumbo mit, ein sehr dicker
Pfadfinderführer von Rahlstedt.Der leistete sich ein
tolles Ding: Haute im Wald eine hohe Tanne um und brachte sie als
Fahnenmast ins Lager, wenn der vom Förster geschnappt worden
wäre, hätte es eine hohe Strafe gegeben.Eine andere
Sache leistete er sich, als man das Lager überfallen wollte,
blieb der trotz Alarm einfach auf der faulen Haut liegen.
Unser Kirchgang ging in die alte Kirche
nach Undeloh, wo der Glockenturm aus Holz an der Seite steht und
bei Regen reingeholt wird.Nein, die Kirchtürme sind in
den Heidedörfern so niedrig, denn die feindlichen Horden des
30jährigen Krieges sollten die Dörfer nicht ausfindig machen.Zum Ende des Lagers musste ich dann die Pfadfinder in Gruppen
nach Marxsen zur Bahn fahren.
Zwischendurch platzte mal wieder eine
gute Gelegenheit, in Bahrendorf einen Bauernhof zu kaufen.Man
hatte in solchen Dingen Routine: Erst Anschauen von eventuellen
Freizeitobjekten und dann immer wieder auffliegen zu lassen.
In Bötersheim gab es eine berühmte
1000jährige Eiche, die von vielen Besuchern bewundert wurde.Eines Tages, an einem warmen Sonnentag, es ist draußen
windstill, saßen wir noch unten im Führerzimmer beieinander,
als wir draußen ein lautes Krachen hörten.Erst meinen
wir, es sei ein Gewitter, aber draußen war danach alles ruhig.Die Ursache des Krachens: Von der 1000jährigen Eiche war ein
mordsdicker Ast, der selbst als Baum hätte gelten können,
abgebrochen.Dieser abgebrochene Ast hatte ein großes Loch
im Stamm hinterlassen.Rogister hatte einen Baumchirurgen
kommen lassen, um den dicken Rest der Eiche noch zu retten.Die Eiche ist bis auf den heutigen Tag erhalten geblieben.
Schon warteten weitere Vorbereitungen auf
uns.Eine neue Lapplandfahrt stand vor der Tür, die
diesmal besondere Schwierigkeiten beinhalteten sollte.Einmal
gab es in diesem Jahr unheimlich viele Mücken und unter anderen
bekam H. Günter Beygang eine Gelbsucht, und wir befanden uns
mitten in der Wildnis.Es nützte nichts, wir mussten
weiter.Schliefen nachts in einer Erdkote und am nächsten
Tag ging es über eine wackelige Hängebrücke Richtung
Ricksgrenzen, letzte Bahnstation vor der norwegischen Grenze.Fuhren von hier nach Narvik und besuchten unsere alte
Jugendherberge.Am nächsten Tag hatten wir gutes Wetter
und nutzten es, einmal mit der Seilbahn zu fahren.Am
Sonntag besuchten wir einen norwegischen Gottesdienst und den
Deutschen Soldatenfriedhof, der sich in einem sehr guten Zustand
befand.Leider war unsere Zeit in Norwegen nur kurz
bemessen und die Fahrt ging nach Schweden zurück.In
Galliware, Eisenbahnknotenpunkt, nahm Aga von uns Abschied und
fuhr allein nach Hause zurück. Wir nahmen die andere
Richtung Östersund-Mora-Göteborg.Vorher hatten wir in
Mora noch auf der Veranda eines Sportheims übernachtet, um dann
später die Fahrt weiter fortzusetzen.Von Trelleborg ging
dann die Fähre ab nach Travemünde.Hatten nachts auf dem
Sonnendeck geschlafen, es war vorher ein heißer Tag gewesen und
ein schweres Gewitter blieb nicht aus.
In Hamburg habe ich mich gleich mal um
Aga gekümmert, der war schon im Eilbeker Krankenhaus.Der
Vater, selbst behindert, wurde in der Zwischenzeit von seiner
Schwester betreut.
Zwischendurch schipperte mal wieder ein
Pfadfinder den Hafen der Ehe an: Gerhard Meyer ließ sich in der
Christuskirche, Eimsbüttel trauen.
Am 25.9.1966 wurde nun endlich das
neu umgebaute Gemeindehaus eingeweiht.
Diesmal ging die Herbstfahrt in eine
andere Richtung.Wir fuhren bis Bevensen, wurde später
Kurort, weil man beim Bohren eine Mineralquelle fand.Unterwegs
ging uns ein Junge verloren, den wir aber später wiederfanden.Am Abend waren wir in Bansen, bei Bauer Keysen und hatten es sehr
gut.Tille hatte unser Gepäck in einem Anhänger gefahren
und so konnten wir ohne Gepäckbelastung durch die Gegend
wandern.Wir hatten bei diesem Bauern im Stroh geschlafen.Nur die Jungen machten uns Arbeit, denn sie konnten es nicht
lassen, die Strohballen durcheinander zu werfen, also musste
alles neu aufgestapelt werden.Unsere Fahrt ging über
Hösserringen, wo wir im Wald eine alte Thingstätte
besichtigten, dann weiter bis kurz vor der Gerdauer Mühle.Weil der Tag sehr heiß war, ging es nur langsam voran, bis wir
bei Bauer Jahn ein gutes Quartier fanden.Natürlich waren
die Jungen müde und abgespannt.Die berühmte
Geistergeschichte haben die meisten nicht mehr mitbekommen.Am anderen Tag wollte man wissen, wie es denn mit dem
Schlossgespenst ausgegangen war.Überhaupt war dies mein
Trick, wenn wir abends im Stroh oder Heu lagen, gab es immer eine
spannende Geistergeschichte.So konnte man die Jungen immer
gut in den Schlaf bekommen.
Bis wir unsere Bahnstation Soltau
erreicht hatten, gab es noch mehrere Übernachtungen, für die
wir uns schon Wochen vorher angemeldet hatten.In Soltau
wurde der Aufenthalt bis zur Ankunft des Zuges mit Schlemmen in
einem Cafe verbracht.Wir hatten mit unserer Reisekasse gut
hausgehalten und so war dann ein Überschuss da, der dann am Ende
der Fahrt vernascht wurde.Dies war dann der letzte
Höhepunkt einer Herbstfahrt.
Zum ersten Mal durfte ich eine Andacht in
der Kirche halten.Es war am 25.10.1966.Später, als
Pastor Dubbels nicht konnte, wurde es sogar eine Sonntagspredigt
über die Berufung des Petrus.Immerhin mussten 18 Jahre
Dienst in dieser Gemeinde vergehen, bis solche Zulassung erteilt
wurde!
Eine neue Arbeit kam hinzu: Wir nahmen
den Turnbetrieb auf und konnten dafür in der Weddestraße die
Turnhalle mieten.Nur war ich noch nie ein guter Turner,
aber mit ein bisschen Mut gelang es uns, einen Turnbetrieb zuwege
zu bringen.Der Mittwoch war dann der Turntag.
Dann musstewieder Quartier besorgt
werden, und diesmal ging es Richtung Harsefeld-Orensen, dort
hatten Pfadfinder eine alte Walkmühle wieder neu aufgebaut.
Am 1.12.1966 wurde im Beisein von Frau
Büchsel die Altentagestätte eingeweiht.Meine Frau, als
neue Leiterin für die erste Tagesstätte überhaupt in der
Gemeinde, hatte für Kaffee und Kuchen gesorgt.Wir mussten
uns Frau Büchsel als Freundin erhalten, denn aus Ihrem Etat für
Altenarbeit ist dann manches Stück Geld in unsere Gemeinde
geflossen.Immerhin konnten wir die Altentagesstätte mit
25 Personen eröffnen.Schon am nächsten Tag hatten wir 10
Männer, die in einen Nebenraum Skat spielten und dabei stark
rauchten.Dafür musste später ein Ventilator eingebaut
werden, sonst hielt man es in dem Zimmer nicht aus.Nach
einer gewissen Zeit, die Tagesstätte war Tag für Tag am
Nachmittag ab 14.00 Uhr geöffnet, und es kamen immer mehr
Männer, die erstaunt waren, solch schöne warme Räume
vorzufinden.„Ja,“ sagte ich, „ihr hattet
gemeint, die Kirche hättte nichts für euch. Ihr seht es ja und
wofür habt ihr mal Kirchensteuer gezahlt?“Die
Männer hatten wir eine lange Zeit bei uns, bis sie zur
Arbeiterwohlfahrt abwanderten, denn die Behörde hatte denen
einen neuen Pavillon hingestellt und gegen die Kirche musste nun
mal Konkurrenz sein.Zu bieten hatten sie nur äußere
Dinge, bei uns aber gab es auch noch eine eiserne Ration für den
inneren Menschen.
In der Walkmühle hatten wir uns am 2.
Advent gut eingelebt, wenn auch der alte Ölofen im Tagesraum
nicht gut funktionierte; er qualmte oft.Dafür machten wir
die Bekanntschaft mit dem Stammführer des BDP, Karl Daumeyer,
der uns viel von dem Aufbau der Walkmühle erzählten konnte.Am Abend hatten wir unsere Adventsfeier.Mit Liedern und
Adventssprüchen wurde die Feier ausgestattet.Natürlich
hatten wir auch für einen bunten Teller gesorgt, somit bekam der
Gaumen auch etwas ab.
Als wir wieder im Haus waren, ging schon
wieder die Fahrt an, um Tannenbäume aus Langeloh zu holen.Damit die Alten auf den Weihnachtsfeiern gut hören konnten,
wurde immer wieder die Lautsprecheranlage vom Männerwerk geholt
und aufgebaut.Sammlung für Weihnachten, Geld zählen,
Pakete ausgeben und den Tannenbaum in der Kirche aufstellen,
waren Arbeiten, die jedes Jahr anfielen.Eines stellten wir
Jahr um Jahr mit Freuden fest, der Mitternachtsgottesdienst wurde
immer besser besucht.Am 24.12.1966 besuchte uns ein
ehemaliger Pfadfinder, Axel Werner, aus Amerika.Wir haben
uns riesig gefreut, als er in der Kirche aufkreuzte.
1967
Der 1. Januar 1967 fiel diesmal auf einen
Sonntag.Wir waren morgens in der Kirche und hatten später
einen freien Tag.Auf Grund der vielen Arbeit vor dem Fest
gab es meistens um Neujahr herum ein paar Tage zum Ausspannen,
bevor der Betrieb wieder anging mit den vielen Aufgaben.
Wir hatten Glück, es gab viel Schnee und
dann war das Wandern durch den verschneiten Wald besonders schön
und reizvoll.
Natürlich fing danach der tägliche
Betrieb in der Tagesstätte wieder an, und Lisa musste ab 14.00
Uhr auf dem Posten sein.
Was meistens einen Tag aufhielt, war das
Ausschmücken des Saals für das nächste Kappenfest. Jedes
Kappenfest stand unter einem neuen Motto: Piratenfest, Pigalle
oder Alt-Hamburg, Hummel, Hummel usw.
Dann wurde Holz aus dem Sachsenwald
geholt und mit den Wölflingen ein Raum im Keller zur Blockhütte
umgestaltet.Dies nahm auch mehrere Tage in Anspruch. Als
die „Blockhütte“ fertig war, wurde sie feierlich
eingeweiht, und sie ist heute noch ein Stolz der Pfadfinder.
Dann kam wieder etwas Neues hinzu: In
Oldenfelde wurde mit Absprache von Pfarrer Jessel eine neue FCP
gegründet, die Jumbo leitete, der uns jedoch später viel Ärger
bereitet hat.Dann gab es auch bei uns Ärger.Man
wollte die FCP ausbooten und mich abschieben.Es ging um
den leidigen Jugendpflegefond und um die Blockhütte, war doch
ohne Erlaubnis des Kirchenvorstandes entstanden.Aber es
ging alles vorüber, nur Geduld liebe Seele, die Einsichten kamen
doch, wenn auch später!
Am 25.2.1967 war die Trauung von Dietmar
B. mit Antje L., die dann fröhlich im großen Kreis im
Schetelighaus Bötersheim gefeiert wurde.Es gab viel
Arbeit in der Küche für Lisa, die mit Hilfe von Möllers das
Hochzeitsessen bereitete.Bis in die Nacht hinein wurde
gefeiert.Am anderen Morgen wurde die ganze Gesellschaft
mit einem Choral geweckt und nach dem Kaffee die Morgenandacht
gehalten.Der Tag selbst stand der Hochzeitsgesellschaft
zur Verfügung und wurde mit Spaziergängen ausgefüllt.Um
18.00 Uhr waren wir dann wieder in Horn.
Am Pagenfelder Platz wohnte ein altes
Gemeindemitglied, Frau Ohlhöft, bei der wir oft zu Besuch waren.
Diesmal musste eine Antenne für ihr Radio gerichtet werden, so
was gab es auch!
In Bötersheim im Haus war die
Kellertreppe sehr ausgetreten.Hans-Günter, unser Aga,
nahm Maß und setzte neue Stufen ein, was eine Verbesserung für
das Haus war.
Vom Ortsamt kamen über Frau Becker
einige Hinweise auf ältere und behinderte Leute.
Es musste ja mal wieder eine
Wölflingsstammfahrt sein, die ins Heim der fahrenden Gesellen
nach Marxen ging.Das Heim war sehr primitiv.Beim
Feueranmachen im Tagesheim, fiel von der hinteren Wand am Ofen
der Stein heraus, so dass kein Feuer gemacht werden konnte.Das Plumpsklo befand sich am Rand des Geländes.Interessant
war das Innere.Aus Eisenbahnabteilen hatte man die
Schilder abmontiert und hier angenagelt.Da waren Sprüche
drauf wie: „Nicht aus den Fenster spucken“oder:
Die Dame mit der Hutnadel solle ihren Hut gut festhalten beim
Geschäftemachen,und noch eines: „Bitte nicht die
Notbremse ziehen“, zum ziehen gab es aber nichts.Wir
waren ja mehrere Tage im Heim, war das Essenkochen eine Qual,
denn der Herd brachte nichts und war zu klein.Sonst
konnten wir uns trotz Schnee und Eis gut im Gelände tummeln,
denn es war dort ein waldreiches Gebiet.Bevor wir dann
abgezogen sind, wurde die Bude noch auf Hochglanz gebracht.Unser Mottohieß immer: Alles so verlassen, dass man mal
wieder kommen darf.
Trotz Regen und Sturm waren wir am 23.
März 19676, demGründonnerstag um 16.30 Uhr im Haus.Diesmal feierten wir Ostern ohne Fahrt, hatten also auch mal frei
für die Familie.Nach Ostern mussten wir unsere liebe
Gemeindeschwester verabschieden, die nun in ihr Mutterhaus
zurück ging.
Zwischendurch wurde der 2. Raum für die
Pfadfinder als Zelthütte eingerichtet.Hatte einen Ballen
Rupfen als Sackleinen gekauft und dies dann geklebt und
aufgehängt.Später kam dann die Feuerwehr und nahm die
Räume ab, aber erst einmal gab es eine Auflage gegen
Brandgefahr.Mussten die Zelthütte und Blockhütte mit
einer Flüssigkeit bestreichen, die das Material unbrennbar
machte.Die Flüssigkeit stank so stark, dass man längere
Zeit Hustenanfälle erlitt. Auch diese zusätzliche Arbeit musste
gemacht werden, hieß es doch: „Ihr habt diese Räume
eingerichtet und nun seht man zu, wie ihr damit fertig
werdet.“
Am 28.4.1967 haben wir im Rauhen Haus
wird die Grundsteinlegung für das Brüderhaus mitgefeiert, es
war 15 Uhr nachmittags.
Übers Wochenende haben wir mal eine
kleine Spritzfahrt zu Schwester Käthe in ihr Mutterhaus bei
Minden unternommen.Nach langem Suchen waren wir doch noch
bei ihr gelandet.Sie freute sich riesig, mal alte Bekannte
aus Horn zu sehen.Am nächsten Tag fuhren wir am
Steinhuder Meer entlang, um wieder nach Hause zu kommen.
Am 2. Mai 1967 schaute ich mir in
Trittau-Billetal das Altenheim an, das von den Gebrüdern Schulz
geleitet wurde.Die drei Brüder waren jeweils für ein
Heim zuständig, eines in Wittenbergen an der Elbe, ein anderes
als Wohnheim am Lütjensee.Das Heim am Lütjensee wurde
von einem Herrn aus der Martinsgemeinde bezogen. Das Haus
Billetal war für unsere Gemeinde wichtig.Oft konnte ich
in Hamburger Altenheimen keinen Platz bekommen, aber im Billetal
wurde es immer möglich gemacht.Noch vor kurzem musste
unsere Tante Erna schnellstens in ein Heim, weil sie sich
draußen nicht zurecht fand.Nirgends war eine
Möglichkeit, nur im Billetal.
In den Pfingsferien hatten wir unser
Lager bei heißem Wetter wieder in Olsen.Und so waren wir
oft im Freibad in Hanstedt, natürlich der dicke Jumbo immer
dabei.Für die Jungen und Zuschauer im Bad: die wandelnde
Badewanne.Natürlich wollte man das Lager nachts
überfallen, aber unsere alten Pfadfinder mussten sich geschlagen
geben, denndie Lagermannschaft war auf Draht.Bei
Lagerspielen, Sport und Feuerrunde erlernten die Pfadfinder das
Bumerangwerfen, was einen tollen Spaß machte.
Am 12. Juni 1967 begann die erste
Stadtranderholung für unsere Gemeinde.Morgens ging es los
und abends waren wir wieder in Horn und zu Hause: Reisen ohne
Koffer.Natürlich nutzen wir für diese 14 Tage das
Schetelighaus.Frau Wietholz kochte für die Gruppe von
über 50 Personen.Man hatte es ja bei gutem Wetter
herrlich.Wir hatten Liegestühle und Sonnenschirme
angeschafft, und so konnte man im Garten herrlich ruhen.Wenn
wir abends im Bus heimfuhren, wurde meistens tüchtig gesungen.Am letzten Tag der Stadtranderholung gab es im Garten bei Kaffee
und Kuchen und vielen Spielen eine Abschiedsfeier.
Wieder gab es eine Familienfreizeit mit
Überraschungen.Die meisten Teilnehmer waren in
Bötersheim, nur eine Frau mit 4 Kindern fehlte, der wir von der
Gemeinde einen Platz möglich gemacht hatten.Da sie
geschieden war und über wenig Geld verfügte, hatte die Gemeinde
einen Großteil des Verpflegungssatzes bezahlt, fahren wollte ich
die Familie schon.Als alle in Bötersheim waren, fehlten
sie also.Also ich zur Hasencleverstraße und die Familie
mit den Bus abgeholt.Vorher war ich schon mit Karl
Görlich bei ihr gewesen.Es war ein zweifelhaftes
Frauenzimmer.Der geschiedene Mann kam einmal in der Woche,
um sich die Haare schneiden zu lassen, aber inder Wohnung
und dem Schlafzimmer sah alles anders aus, als normal.Die
Kinder spielten draußen, als wir kamen und fragten: „Onkel,
wolltihr zu meiner Mutter?“Allein machte
ich die Besuche nicht mehr.Also, den Verein in den Bus
geladen und ab nach Bötersheim.Unterwegs riefen die
Kinder: „Guckt mal, was für Tiere dort auf der Wiese!“Die 3 Kleinen kannten nicht mal Kühe.Man merkte es den
Kindern an, die Mutter hatte sie nicht ordentlich betreut.Im
Heim hatten wir erst Schwierigkeiten, als der Badetag kam und
Heinz Schlicht den Bademeister machte.Was haben die 3
Kinder für einen Aufstand gemacht, bis Heinz sie endlich in der
Badewanne hatte.Anscheinend waren sie in ihrem Leben noch
nie gebadet worden.Das 4. Kind war noch ein Säugling und
war die meiste Zeit im Schlafraum.Wir hatten derFamilieden unteren Schlafraum ganz zur Verfügung gestellt.Abends
hatten wir dann keine rechte Kontrolle über diese Frau.So
passierte es, dass sie eines Abends Richtung Tostedt auf die
Vergnügungstour gegangen war und uns die schreienden Kinder
überlassen hatte.Natürlich gab es am nächsten Morgen
ein Donnerwetter, das nur so durchs Haus dröhnte.Wir
stellten fest : So einem Flittchen war einfach nicht zu helfen,
wenn es sich auch nicht helfen lassen wollte.Die Kinder
sind ihr später von der Behörde weggenommen worden. Schade um
so ein Menschenkind!Ansonstenaber durften wir die
Freizeit harmonisch beenden.
Dann bekamen wir eine neue Auflage: die
Treppenaufgänge mussten feuerfest sein.Also mussten
unterwärts Gipsplatten untergenagelt werden.War keine
leichte Arbeit und etliche halfen mit.
Gleich wenige Tage später starteten wir
mit einer kleinen Gruppe zur Rumänienfahrt.Unterwegs
erlebten wir einmal die Sperrung der Autobahn wegen
Auffahrunfällen und auch sonst gab es wegen eines Unwetters so
einige Autounfälle.Über Salzburg ging es nach Wien, wo
der Stephansdom besichtigt und Kaffee getrunken wurde, bis es zur
Grenze ging.In Gattendorf, im Wirtshaus, übernachteten
wir und trafen sehr nette Leute vor.An der Ungarngrenze
ging es stalinistisch zu, mussten eine Stunde warten, bis es
weiterging.Waren die Straßen in Ungarn schlecht!In
Budapest haben wir in einem Hotel gegessen, war mal früher
pompös gewesen, jetzt alles verblasst.Bummelten durch die
Stadt: Das Parlamentsgebäude ist toll und die Eisenbrücke mit
ihren Bögen über die Donau; kann sich sehen lassen.Vor
der rumänischen Grenze haben wir auf einem Campingplatz
geschlafen.Hatten nur noch Matratzen frei.Einen Tag
später fuhren wir in ein Gewitter und erleben, wie ein Blitz in
einen Heuhaufen fuhr und ihn entzündete.An der
rumänischen Grenze ging die Abfertigung zügig voran.Am
Abend entdeckten wir auf einem Feld eine Heuhütte, die sofort in
Beschlag genommen wurde.Nachts störten uns die
Mäuse, die hier ihr Quartier aufgeschlagen hatten.In
einem Dorf, Wespberg, besuchten wir den deutschen Pfarrer, der
uns von seinen Schwierigkeiten in der Arbeit erzählte.Gottesdienst
war kaum.Die Kirchen wurden nur als Kulturdenkmäler
erhalten.Wir besichtigten auch so eine Kirche, die nur
Bretter als Bänke aufzuweisen hatte.Dann ging die Fahrt
weiter nach Bukarest: Ganz interessant mit den breiten Straßen.Hier kauften wir etwas Obst und fuhren weiter auf Constanza zu.Unterwegs auf der Straße wollte uns ein Mädel ein Quartier
andrehen, wir aber dankten.Abends waren wir auf der Seite
von Mamaia, an der Küste am Schwarzen Meer.Am Strand,
weit hinter den großen Hotels, hatten wir ein einsames
Plätzchen gefunden und schlugen unser Lager auf.Hier
hatten wir eine tolle Brandung und erlebten heiße Tage, so dass
die Gefahr eines Sonnenbrandes nicht mehr fern war.Es kam
heimlich ein deutscher Junge aus Siebenbürgen zu uns und
erzählte von den Schwierigkeiten, die die Rumänen den Deutschen
machten.Machten auch noch eine Bekanntschaft mit einem
Lehrer, der aber sehr stalinistisch angehaucht war.Besichtigten
Constanca, gingen in eine Moschee und ins Rathaus.Später,
gegen Abend, wurde in ein Cafe gegangen, war aber nichts
Besonderes.Erlebten eine Hochzeitsgesellschaft und abends
gesellte sich zu uns ein Nachtwächter, der viel zu erzählen
hatte, weil der Wein ihm die Zunge gelöst hatte.
Am 24.7.1967 brachen wir vom Schwarzen
Meer auf und fuhren in die Karpaten und besichtigten bei Harzu
eine der berühmten Kirchenburgen mit ihren herrlichen Malereien.In der Nähe zelteten wir in unseren Kothen, wenn auch Aga
brummte, er fühle sich wohl nicht so, wie es sein solle.Am
nächsten Tag ging es auf der staubigen Straße weiter.Obwohl
ich gewarnt hatte, ging die Fahrt bis in die Nacht.Es war
nicht ungefährlich, nachts zu fahren, weil die Fuhrwerke
unbeleuchtet fuhren und man sie sehr spät erkannte.Morgens
waren wir dann in Timordora und landeten dort auf dem Markt.Viel Getriebe war um uns herum, als wir mit den westdeutschen
Autos auf dem Markt standen.Erst guckten wir uns die
Markthallen an, in der Kolchose-Halle gab es nichts zu kaufen, in
der anderen Halle, wo die Privaterzeuger anboten, war alles zu
haben, allerdings für höhere Preise.Wir hatten von zu
Hause ein paar Sachen mitgebracht, u.a. Nylonstrümpfe, die wir
anboten und die uns förmlich aus der Hand gerissen wurden.Wir hatten am Wagen den Gepäckraum geöffnet und mussten
aufpassen, dass man uns die Sachen nicht herausholte.Einer
hatte schon den Schlafsack in der Hand, den wir ihm aber
schleunigst wieder abnahmen.In der Gruppe, die uns umgab,
trat plötzlich ein Mann hervor, der sich als Parteifunktionär
vorstellte.Er machte Kuddel das Angebot, den VW-Golf gegen
Fleisch einzutauschen.Aber mit uns war in dieser Hinsicht
kein Geschäft zu machen.Darauf lud er uns zum Essen ein,
was wir gerne annahmen und mal tüchtig rumänisch essen konnten.Es war etwas außerhalb in einem Waldlokal.Beim Essen gab
es natürlich Gespräche über den Westen.Dabei mussten
wir auf der Hut sein, nicht von einem Spitzel der Partei
hochgenommen zu werden.Wir machten uns nach dem Essen mit
einem Dank schnellstens auf den Weg, durchfuhren Siebenbürgen,
ein Land wie im Schwarzwald, aber deutsche Bewohner, drangsaliert
von den Rumänen.Auf der Fahrt nach Zagreb, auf der
Autoschnellstraße, erlebten wir noch ein schweres Autounglück.Überhaupt war die Straße an den Rändern von Autoschrott
übersät, dass einem Angst und Bange wurde, diese Strecke zu
fahren.Als wir zur Grenze kamen, hatte uns der Regen
wieder eingeholt und blieb auch noch in Österreich unser treuer
Begleiter.In St. Michael, Österreich, gingen wir in einem
kleinen Hotel schlafen, waren nette Leute, aber unsere Geldbörse
erhielt ein ziemliches Loch.In zwei Etappen über Bamberg
und Saale erreichten wir dann am 29.7.1967 wieder wohlbehalten
das Gemeindehaus.
Ha, die Wiethölzer hatten schon am
6.9.1967 ihre Silberne Hochzeit, das wurde mit der Gemeinde groß
gefeiert.Erst Gottesdienst und dann mit einer großen
Besucherschar in Bötersheim mit großem Bahnhof, wie man es
nennt.Der Tag nahm einen harmonischen Lauf, und unsere
Kinder werden das übrige dazu beigetragen haben.
Am 12. September, dem Gründungstag des
Rauhen Hauses sind wir um 19 Uhr zur Einsegnung der neuen
Diakonen gewesen.
Schon wartete die nächste Altenfahrt auf
uns und es ging mit der Gruppe in die Waldhalle bei Büchen.War das eine beendet, ist auch die nächste Aufgabe da.Fuhr
mit Lisa auf Quartiersuche für die Herbstfahrt.So etwas
nimmt meistens den ganzen Tag in Anspruch.
Unsere Herbstfahrt ging in den Raum von
Danneberg, und wir machen auf einem Gut Grabow zum ersten Mal
Quartier und lernten neue Alte Herrschaften mit ihren Ansichten
kennen.Sonst kamen wir in den nächsten Tagen beim
Bürgermeister in Gulden unter und in Weste beim
Kirchenvorsteher.Dies soll auch mal vermerkt werden, was
nicht immer zutraf: In Karwitz Leesen beim Bauern Klafforth,
bekamen wir die Milch umsonst.Am letzten Tag wanderten wir
nach Lüneburg.Mussten tüchtig tippeln, waren etwa 7 km
vom Weg abgekommen, und dies bei fürchterlichem Regen.
Schon am 8.10.1967 gab es einen großen
Gemeindeausflug mit 3 Bussen und vielen PKW’s. Dann wurde
auch mal wieder von der Gemeinde ein Betriebsausflug gemacht.
Bruder Stahl hatte ein nettes Lokal in Brunsbüttelkoog gefunden,
wo wir dann zu Mittag einkehrten.Wir waren 24 Leutchen.Am Nachmittag gab es gutes Wetter, und wir konnten an der
Elbmündung die Schiffsbewegungenbeobachten.
Dann war mal wieder eine Abrechnung für
das Schetelighaus in Bötersheim bei Rogister fällig.Dies
wurde aber meistens mit Frau v. Rogister vorgenommen, denn das
Haus, von dem großen Erbe von Weihe, war nur noch ihr Eigentum,
über dass sie verfügen konnte.Wenn wir nun bei den
Abrechnungen sind: Es gab ab und an mit der Sozialbehörde und
deren Vertretern für Altenarbeit wegen des Fahrendes
Mittagstisches lange Abrechnungen und Besprechungen über die
Essengebühr, die die Rentner zu zahlen hatten.
Am 29.9.1967 wurde in Mecklenbeck die
Martin Luther Kirche eingeweiht.Hatte aber keine Meinung
hinzufahren und habe ein Telegramm geschickt.Wie mir
später vom Studienrat Schmidt berichtet wurde, musste er über
die ersten Anfänger in Mecklenbeck berichten.Beinahe
wäre dies auch noch unter den Tisch gefallen.Irgendwie
hatte ich so eine Ahnung: Es ist ja meistens so, dass sich die
Pastoren die Federn an den Hut stecken, die einmal der Joseph,
wie man sagt, gerupft hatte.
Um einen besseren Kontakt zu den Lehrern
in der Pachthof-Schule zu haben, hatten wir eine
Lehrerversammlung mit Besprechung über Religionsthemen
eingeladen.
Natürlich mussten dann wieder die
Tannenbäume von Bauer Röhrs in Langeloh geholt werden.
Anschließend gab es mal eben eine Weihnachtsfeier der
Stadtranderholer zusammen mit den Besuchern der
Altentagesstätte.
Mit Dietmar, der in Rocklum amtierte,
hatten wir eine Absprache getroffen, wir wollten am 1. Advent bei
ihm sein und feiern.Also fuhren wir am Sonnabend los,
hatten zuerst starken Nebel, aber kamen dann gut durch.In
Wolfenbüttel holte uns Dietmar ab, und es wurde dann noch ein
schöner Abend.Am Sonntag waren wir um 9.00 Uhr in der
Rocklumer Kirche.Lisa half dann der Antje, das Essen zu
machen, und später schauten wir uns die nahgelegene Zonengrenze
an, die keine 5 km von hier entfernt war.Bei Regen und
Sturm fuhren wir dann wieder um 16.30 Uhr zurück, und waren um
20.15 Uhr wieder glücklich im Hause.Für die Kinder war
dies ein Erlebnis.
Jetzt gab es in diesem Jahr eine
Überraschung.Viel Schnee und Glatteis machten uns zu
schaffen.Beim Fahren mit dem Auto nach Schneverdingen, war
es eine ganz gefährliche Fahrt, denn der Wagen wollte immer
wieder von der Fahrbahn abrutschen.Bei der Adventsfahrt
nach Bötersheim ebenso, zweimal hatten wir diePfadfinder
von Appelbüttel bei Schnee und Eis geholt.
Hatte mal beim Eingang zu Bötersheim das
alte Mühlenrad bei Schnee fotographiert, was später abgerissen
wurde und nun konnte ich der Familie v. Rogister so eine Aufnahme
schenken, die viel Freude auslöste.
Am 13.12.1967 fand mal wieder eine große
Weihnachtsfeier mit 280 Personen im großen Saal statt, bei der
immer wieder besondere Darbietungen stattfanden: Einmal das
Mandolinenorchester von der Hochbahn und dazu ein plattdeutscher
Redner.
Auch das noch, am 24.12.1967 zur
Christvesper und beim Gottesdienst Küster gespielt.Nach
der Weihnachtsfeier bekam ich über Bruder Jahnke die Aufgabe,
für die Diakonfreizeit die Bibelarbeit zu halten.Darauf
kommt noch einige Arbeit auf mich zu.Sonst verlebten wir
den Jahresabschluss in Bötersheim.
1968
Lisa und ich sowie eine gute Helferschar
veranstalteten alle vier Wochen im großen Saal eine
Zusammenkunft mit Mittagessen für unsere Alten.Nach dem
Gottesdienst ging man in den großen Saal, der schon für das
Essen vorbereitet war, alles war schon einen Tag vorher in die
Wege geleitet worden, von den Besorgungen der Verpflegung bis zum
Kartoffelschälen.Es musste meistens für über 50
Personen gesorgt werden.Das Essen bestand aus mehreren
Gängen, natürlich auch mit Nachtisch.Kuchen für den
Nachmittag wurde auch in der Küche gebacken.Zuerst war ja
diese blöde Teeküche für so einen Großeinsatz überhaupt
nicht recht zu gebrauchen, aber mit der Zeit wurde dann aus dem
hässlichen Entlein auch eine ganz tolle Küche.Geschirr
und auch bessere Tischtücher wurden angeschafft.Nach dem
Essen mit einer kleinen Pause, wurde dann bis zum Kaffeetrinken
so allerlei geboten.Auch Anna Groth kam mit ihrem Chor zur
Darbietung.Es gab Vorträge oder Erlebnisberichte, so wie
das Angebot eben war.
Zu Ostern bekamen einige Alte eine
Adresse von Kranken, denen sie noch vor dem Essen ein Blümchen
als Ostergruß brachten.
Die Tagung der Diakone wurde nun auf
meinen Vorschlag gleich am Anfang des Jahres gemacht, weil dann
die Arbeit in den Gemeindennoch nicht auf Touren gekommen
war.Auf dieser Freizeit im Harz hatte ich nun die
Bibelarbeit zu halten, von der ich noch heute einige Bruchstücke
weiß.Wie sie angekommen ist, kann ich nicht sagen;
jedenfalls war ich froh, sie gehalten zu haben!
Von unserer Wohnung bis zum Gemeindehaus
war am Tag mehrere Male immer ein Fußmarsch von 20 Minuten
nötig.Um diese Strecke schnellstens zu überbrücken,
fuhr ich hauptsächlich mit dem Fahrrad.Dabei kam es auch
mal zu einen Unfall, wobei ich mir das Bein ganz schön
aufkratzte.
Dann kam zwischendurch zu anderen
Hausbesuchen auch der Krankenhausbesuch zu Aga dazu, der an Krebs
erkrankt war und dem es mit der Zeit immer schlechter ging.
Um immer mal wieder einen neuen Zeltplatz
zu haben, war es notwendig neue Plätze zu erforschen.Die
Gemeinde St. Gabriel hatte in Gudow eine Möglichkeit, die wir
uns mal ansehen mussten, ob die was taugte.Bruder Herman
hatte dort eine Baracke aufgestellt, aber es war nichts für uns.
Frau Brinkmann, die im Altenheim Billetal
war, hatte Geburtstag.Also los mit 4 Alten auf zumBesuch.
Alle Jahre wieder, am 3. Februar, war die
Ansgar Feier in St. Petri, wo wir uns immer für den Ordnungs-
und Kollektendienst einsetzten.Danach gab es dann im
Gemeindehaus Kreußlerstraße ein Knackwurstessen mit
Kartoffelsalat.
Im Gemeindehauskeller war oft noch
einiges zu verbessern.Leitungen wurden verlegt oder im
Saal musste für das Kappenfest, das unter dem Motto
„Lumpenball“ stand, viel ausgeschmückt werden.Am
Sonnabend, dem 17. Februar 1968 ging der Ball mit über 80
Personen über die Bühne, und Lisa und ich waren erst um 4.00
Uhr nachts im Haus, aber am Sonntag durfte der Kindergottesdienst
nicht ausfallen, also wieder an Deck!Oft musste Herr
Glodeck aus der Geest geholt werden, der behindert, und mit
seiner Familie ein treues Glied der Gemeinde war.
Ab und an gab es dann zur Abwechslung mal
Meinungsverschiedenheiten mit den Pastoren über die Jugendarbeit
und die Räume, was aber nicht lange andauerte.
Dann liefen die Vorbereitungen für den
Rumänienabend an.Ausschmücken, Üben und nochmals Üben.Dafür war dann der Abend mit Erfolg gekrönt.Für unsere
Arbeit fiel dann auch noch manches Geld ab, nach der Methode:
Eintritt frei, aber Austritt war nicht kostenlos!Mancher
Eltern- und Gemeindeabend bekam noch eine besondere Note. Unser
Horst Tecklenburg, genannt Teckel, verstand es, so ein
Fahrtenereignis in Verse zu kleiden, meistens nach einer Melodie
mit einer Leierkastenmusik.Diese Handorgel wurde bei
Dettmering, Steindamm, ausgeliehen und kostete Miete.
Immer wieder wurden Besuche bei Aga im
Krankenhaus gemacht, dessen Zustand sich von Woche zu Woche
verschlechterte.
Eines unserer Gemeindemitglieder hatte
sich als Meister seines Berufes als Maler etabliert und bekam
dann eines Tages den Auftrag im Gemeindehaus Malerarbeiten
durchzuführen.Dies wird deshalb erwähnt, weil der
Jürgen Auneckens von früh an in unserer Jugendarbeit zu Hause
war und wir sein Werden als jungen Meister miterlebt hatten.
In dieser Zeit kam auch eine
verhängnisvolle Theologie zum Zuge: dieGott-ist-tot-Theologie
wurde propagiert.Natürlich lebte für viele Gott in dem
Sinne, wie Jesus Christus den Glauben verstand, nicht mehr, hier
war er tatsächlich tot.Aber sonst lebt er in seiner
Gemeinde in der Kraft des heiligen Geistes bis zur heutigen
Stunde.
Bei einer Freizeit von Bötersheim
erlebte ich, dass ein Junge sich beim Spiel das Knie aufhaute und
wir schnellstens zu Dr. Pieper, der hier unser Hausarzt war, nach
Tostedt fahren mussten, um den Jungen verarzten zu lassen.Dabei
musste die Polizei meinen Wagen wegen Falschparkens aufschreiben.War wütend, denn später wurde gerade dieser Platz ein
Parkplatz.Immerhin musste ich zur Polizei und 5 DM Strafe
bezahlen.
Dann musste für mehrere Tage eine
Konfirmandenfreizeit durchgeführt werden.Ein Nachtspiel
wurde durchgeführt, dass bis tief in die Nacht dauerte.An
einem Tag lief eine Schnitzeljagd an und der letzte Abend wurde
mit einigen lustigen Stunden durchgeführt.Wegen des
Fahrgeldes, was schon damals nicht gering war, habe ich die
Gruppe in mehreren Etappen zur Bahn gefahren.Es war dann
nur noch eine kleine Strecke mit der Bahn, die uns dann nicht so
teuer wurde.
Was wir schon lange geahnt hatten und
unausweichlich wurde, unser lieber Aga verstarb am 1.4.1968.Es war für viele Pfadfinder ein Schock, und man musste sich auf
den letzten Gang mit ihm einstellen.Der Vater war bei der
Schwester in Stellingen untergebracht, und hier wurde dann auch
etliches wegen der Trauerfeier besprochen.Am 8.4.19668
wurde dann in der Kapelle am Schiffbekerweg die Trauerfeier unter
großer Beteiligung von Kirchenvorstand, Gemeinde und Pfadfindern
begangen.Pastor Dubbels hielt die Trauerpredigt und mit
großer Bewegung folgten wir seiner Rede, die auch bei aller
Traurigkeit das Evangelium und die Zusage unseres Herrn Jesus
Christus durchscheinen ließ.Anschließend saßen wir an
einer Kaffeetafel noch ein Weilchen beieinander.
Zwei Veranstaltungen mussten
nochvorbereitet werden: Einmal ging es um den Gemeindeausflug,
der zum Sunderhof bei Hittfeld gehen sollte.Dann war da
die Pfingstfahrt und dafür gelang es, in Reimerdingen ein altes
Bauernhaus mit einem Zeltplatz zu chartern.
Dann wurde eine Besprechung mit dem
Busunternehmer durchgeführt.Er sollte diesmal die
Pfadfinder nach Schweden fahren und dabei auch allerlei
mitnehmen.Diese Verhandlung verlief positiv und wir
konnten für den Sommer planen.
Soweit wir in Hamburg waren, sind Lisa,
ich und die Kinder Ostern früh morgens an Wicherns Grab gewesen
und haben mit den Rauhhäuslern eine Feier mitgemacht.
Am Sonntag, dem 5.5.1968, zogen wir mit
der Gemeinde zum Sunderhof.Der Gottesdienst wurde durch
den Chor von St. Gabriel verschönt.Am Nachmittag hatten
die Pfadfinder eine Arena mit Zeltwänden aufgebaut, und es wurde
ein Lagerzirkus vorgeführt und viele lustige Spiele
durchgeführt.Zum Schluss wurde der Tag mit einer Andacht
beendet.Wir hatten zum Anfang große Bedenken, denn es war
schlechtes Wetter, was sich aber ab Mittag so änderte, dass wir
"eitel Sonnenschein" hatten.
Immer wieder war im Schetelighaus etwas
los.Vorher hatte ich für den Essenaufzug ein neues Tau
besorgt, weil das alte nicht mehr langte.Also wurde das
neue Tau von uns eingebaut, was auch prima klappte, aber alles
kostet seine Zeit.Danach habe ich mit Kuddel Hein in
Reimerdingen die Kothen aufgebaut.Dann Besorgungen für
die Verpflegung gemacht, auch etliches aus Bötersheim geholt.
Lisa wurde in dem alten Bauernhaus
einquartiert, wo sie in einem Zimmer ihre Schlafstatt hatte.Nur zum Pfingstmorgen wurde sie im Schlaf geweckt, denn vor dem
Haus sangen grölten Bauernjungen ihre Lieder und stellen nach
alter Sitte einen Maibaum auf.Nun musste immer der
Beschenkte einen aus der Flasche geben, was aber bei Frau
Wietholz nicht geschah und darauf die Bauernjungen: „Die
Alte, die ist geizig!“
Am Pfingssonntag morgen waren wir in
Wolterdingen in der Kirche und die große Schar von Pfadfindern
fiel natürlich auf.
Der Platz auf dem unsere Kothen standen,
war glücklicher Weise trocken, sonst waren die Wege suppig.An einem Tag war das Wetter so mies, dass wir unsere Bibelarbeit
in der Scheune halten mussten.Dann kam wieder ein guter
Tag, und die nassen Klamotten konnten in der Sonne getrocknet
werden.Abends gab es eine zünftige Feuerrunde.Kuddel
Hein hat das Lager gefilmt und so gab es für die Nachwelt eine
gute Erinnerung.
Danach fuhr uns Josenhaus einen
gestifteten Kühlschrank nach Bötersheim, den wir dort ganz gut
brauchen konnten.
Danach lief schon wieder die
Stadtranderholung an, für die Lisa als Kochfrau mal wieder
tätig war.Wer meint, es war eitel Sonnenschein, der irrt,
denn diesmal hatten wir mehrere Regentage,und dann ist mit
den Leutchen im Haus einiges an Beschäftigung dran.Hatten
wir ein Glück, der letzte Tag war noch mal trocken.Zu
Mittag hatten wir als Nachtisch eine Eisbombe in Tostedt
bestellt, die dann auch geliefert wurde.Am Nachmittag zum
Abschied saßen wir im Garten, und es gab viel Spaß und dazu
eine Bowle.
Am 3.7.1968 war dann die Rüststunde der
Schwedenfahrer.Nuggi, Rudolf Schmidt, hatte in Lohbrügge
als Küster angefangen und dort eine neue FCP gegründet.So
hatten wir nun drei Stämme, in Horn, Rahlstedt und Lohbrügge.Von diesen Pfadfindern wollten natürlich etliche mit nach
Schweden.Darum benötigten wir wegen der großen Zahl den
Bus von Meyer.Bevor die Abfahrt nach Schweden losging, gab
es erst einmal mehrere Tage Arbeit über die Jahresaufstellung
des Fahrenden Mittagtisches.Dann kam der 13.7.1968, an dem
wir bis abends spät die Sachen für Schweden einpackten.Ich
musste meinen VW-Bus fertig machen, weil der Platz im großen Bus
nicht reichte.Wollte auch früher in Mora, im Land
Dalarna, sein, um dann alles Weitere zu organisieren.Am
14.7.1968 ging es dann um 6.25 Uhr los.Unterwegs besuchten
wir einen Gottesdienst, um dann zu Mittag in Dänemark in einer
Cafeteria zu essen.Abends sind wir dann in der Hafenstadt
Friedrichshaven angekommen.Bis zur Abfahrt der Fähre, um
11.00 Uhr abends, machen wir einen Stadtbummel mit der Familie.Auf dem Schiff später konnte ich schlecht schlafen.Wir
waren dann um 2.30 Uhr in Göteborg.Alles schlief noch in
der Stadt, und so wanden wir uns auf verschiedenen Straßen aus
Göteborg heraus.Da das Benzin plötzlich alle war,
hielten wir in einem kleinen Dorf, mussten aber auf die Öffnung
der Tankstelle warten.Derweil machte ich ein kleines
Schläfchen auf der Bank.Unsere Insassen wurden jetzt auch
langsam mobil, und als wir endlich tanken konnten, ging die Fahrt
weiter.Später wurde in einem Lokal gegessen, um dann nach
Mora weiter zu fahren.Von dort fuhren wir in die Wildnis
zu einem verlassenen Dorf mit seinen Blockhütten, und eine
bekamen wir von den Bauern zur Verfügung gestellt sowie die
dazugehörige Wiese mit dem hohen Gras, das wir gerne
niedertrampeln durften.
Erst einmal haben wir in der Blockhütte
geschlafen.Am nächsten Tag fuhren wir durch die Wildnis
nach Mora und fingen Meyer mit dem Bus ab.Er setzte uns
die Leute beim Bahnhof ab:„Nun seht mal weiter zu,
wie ihr nach oben kommt.“Erst einmal ging’s zum
Essen in ein Lokal um dann, wie abgesprochen, marschierten wir in
Etappen nach oben.Da war erst einmal das viele Gepäck und
dazu die Kothen und die Verpflegung.Lisa organisierte den
Transport und den Abmarsch in Gruppen zum verlassenen Dorf, und
ich fuhr die Strecke etliche Male rauf und runter, bis die letzte
Gruppe im Dorf war.So einfach war es doch nicht, denn eine
der Gruppen hatte sich verlaufen, und wir hatten Mühe, sie
wiederzufinden.Diesmal war Lisa nicht alleine.Wir
hatten auch Frau Görlich mitgenommen, dazu war dann auch der
Sohn dabei.Mit dem hatten wir noch später Ärger, er
wollte nicht mehr bei den Jungen im Zelt schlafen.Es gab
an diesem Tag des Lageraufbaus spät Abendbrot und bis
Mitternacht dauerte es, bis alle Zelte standen.Natürlich
wurde lange geschlafen, und dann wurde weiter am Lager gebastelt.Es gab viel zu tun.Einige beschnupperten die Gegend, alles
herum war Wald, nur Wald.Man durfte sich nicht sehr weit
vom Lager entfernen.
Zwischendurch bin ich mit Lisa nach Mora
gefahren, um nach Post zu sehen und mal im Supermarkt nach den
Preisen zu gucken.Erst mal hatten wir ja Verpflegung für
gut eine Woche, aber Kartoffeln brauchten wir, und als wir den
Preis für einen Zentner Kartoffeln hörten, ca. 45 DM in
Deutschem Geld, fielen wir bald auf die Nase.Es musste
viel Eintopf gekocht werden, denn die Meute sollte doch satt
werden.Später ging der Vorrat an Brot aus, und mit
Knäckebrot bekamen wir sie nicht satt, also musste wieder ein
Eintopf her.Dann kam noch ein Pech dazu, Nachbarn
beschwerten sich, wir hätten den Brunnen bis zur Neige
ausgeschöpft.Also suchten wir uns einen neuen
Sickerbrunnen, den wir auch fanden, nur mussten unsere Leutchen
das Wasser mit Eimern heranholen.
Sonst lief der Pfadfinderbetrieb auf
vollen Touren.Lagerspiele, ein Kannibalenfest startete.Ein Bastelwettbewerb fand statt und eine Waldläuferstafette mit
vielen Proben.Die Sippen mussten im Wald eine Laubhütte
bauen und nachts darin schlafen.
Über Natur und Pflanzenwelt wurde
aufgeklärt, aber zuerst lief morgens die Bibelarbeit, die für
unsere junge Mannschaft wichtig war.Es kam auch mal ein
Gammeltag.Wir fuhren nach Mora, um die Stadt anzuschauen.
Einmal war ich mal eben etwas vom Lager
entfernt und habe dann 4 Stunden gebraucht um das Lager
wiederzufinden, war arg in Sorge.An einem Tag wurde uns
eine große Fuhre Abfallholz ins Lager gebracht, und so hatte
unser Lagerfeuer wieder lange Nahrung.Im Gelände fanden
wir Wasser, so dass wir eine Badestelle hatten und uns an heißen
Tagen abkühlen konnten.Leider war kein See in der Nähe.Zum Schluss wurde noch ein Spiel veranstaltet: Wir hatten einen
Dieb im Lager, den man finden musste.Dann saß die
Führerclique beisammen und brütet den Abschiedsabend aus, der
unter großem Hallo und Gaudi stattfand.Für die besten
Bastelarbeiten wurden die Preise verteilt.Wir hatten
Glück, am 1.8.1968 hatte es Meyer mit seinem Bus doch gewagt,
bis zu uns hinauf zu fahren.In kurzer Zeit war das Lager
abgebaut und um 13.00 Uhr konnte Meyers Bus mit der Mannschaft
das Weite suchen.
Mit einem Mal war es für uns so still im
Lager, bis plötzlich ein Polizeiauto da war und von uns wissen
wollte, was die eine Sippe der Pfadfinder, von denen sie Zettel
gefunden hatte, getrieben hatte.Ich konnte ihnen Auskunft
geben, denn sie hatten damals keine Flaschen mit.Denn
durch den Boden einer Flasche, der wie ein Brennglas wirkte, war
ein Waldbrand entstanden.Ich war froh, dass von unserer
Seite nichts passiert war.
Die Schwedenfahrt, als Großfahrt, war zu
Ende.Wir packten unsere Sachen, dankten unserem Herrn,
dass alles so gut verlaufen war und fuhren nach Mora.In
einem Restaurant wurde gegessen und zwar zum ersten Mal
Rentierbraten.Unterwegs nach Stockholm haben wir noch
Kaffee getrunken und Torte gegessen.Dies war mir aber
wahrscheinlich nicht gut bekommen, wurde später schlapp und
hatte Durchfall.
Unser Ziel war jetzt Stockholm, wo unsere
ehemalige Gemeindeschwester Angelinmit einem Schweden
verheiratet war und eine Wohnung hatte.Nach langem Suchen
fanden wir in einem Vorort ihre Wohnung und wurden herzlich
aufgenommen, Lisa, Andreas, Geli und ich.
Mein Durchfall, von der Torte im Cafe,
beruhigte sich und nach einer Atempause konnten wir die
Besichtigung von Stockholm vornehmen.Natürlich ging es
nach Skansen, dem Vergnügungspark von Stockholm, fuhren mit den
Fahrstuhl bei Slüssen in die Höhe und beobachteten den Verkehr.Bei guten Wetter ging es in die Alt-Stadt und am Sonntag in die
deutsche St.-Gertrud-Kirche zum Gottesdienst mit Abendmahl.
Ganz interessant war der Besuch der Wasa,
ein gehobenes Kriegsschiff aus dem Mittelalter.Es befand
sich in einem großen Holzgebäude, und das Schiff musste dann
mit Wasser besprüht werden, weil sonst das Holz austrocknen
würde.
An einem Tag lernen wir die verheiratete
Tochter von Angeline kennen.Harald, Angelins Mann, zeigte
uns auf der Werft seinen Arbeitsplatz.Abends saßen wir
noch mal gemütlich beisammen, um am anderen Morgen früh in
Richtung Göteborg zu fahren.Unser nächstes Ziel war
unser altes Quartier in Lökken auf einem Bauernhof.Natürlich
wurde hier noch einmal tüchtig gebadet und dann rollten und
roltlen wir der Heimat entgegen und landeten im Regen um 23.30
Uhr in Horn.
Der nächste Tag war ein heißer, und nun
musste ich mir doch noch neue Reifen für die Vorderräder
spendieren, die alten hatten kein Profil mehr.
Die nächsten Tage waren mit viel Arbeit
ausgefüllt, eine Familienfreizeit wurde vorbereitet.Detje-Wiebe
lieferte uns die Verpflegung zu ganz günstigen Preisen und
dadurch konnten wir auch den Verpflegungssatz günstig gestalten.
Am Sonnabend begann die Freizeit und
langsam füllte sich das Haus.Am Sonntag nach dem
Gottesdienst holte ich Frau Sonsalla von der Bahn ab, die sich
auf der Hinfahrt verfahren hatte, und auf die ich eine Stunde
gewartet habe.Lisa fand in Frau Sonsalla eine tüchtige
Küchenhilfe.Jeden Morgen wurde eine Bibelarbeit gehalten.
Diesmal war das Johannes-Evangelium dran, was aber auch immer
gründliche Vorbereitungen nötig hatte.
Unsere Gartenstühle waren mit
Plastikbändern versehen, die aber mit der Zeit kaputt gingen
oder von Jugendlichen zerschnitten wurden.So mussten die
Stühle immer wieder repariert werden, was auch viel Zeit
kostete.Dann waren etliche Fensterriegel verrostet, neue
mussten besorgt und angemacht werden.Einmal wurde es im
August so kalt, sodass die Öfen geheizt werden mussten.
Der 21.8.1968 war politisch sehr unruhig.Die Russen waren mit den DDR-Soldaten in Prag und Ungarn
einmarschiert.Man konnte den politischen Prager Frühling
nicht ertragen, also musste wieder mit Panzern gerollt werden.Die ganze Welt protestierte gegen den Panzereinsatz.Wir
aber machten unsere Abschiedsfeier mit allem Drum und Dran.Anschließend fuhr ich Frau Sonni zur Bahn.
Schon wieder mussten wir uns um die
Verpflegung der Stadtranderholung kümmern.Mit 32 Leutchen
ging es nach Bötersheim, und da machen wir die Entdeckung, man
hatte uns bei Nacht und Nebel 10 Gartenstühle gestohlen,
so’ne Schweinerei!
In der Zwischenzeit fuhren wir mal eben
am Sonnabend 320 km ab, um Quartiere für die Herbstfahrt zu
besorgen.
Oft waren zwischendurch Reparaturen an
Wasserkästen und Wasserhähnen fällig.
Dann kam der erste "Quark" mit
Jumbo, wir stellten fest, der Mann war nicht ganz gesund, aber
die Schwierigkeiten sollten erst noch kommen.
Die Termine für Herbstfahrt und
Brüdertag überlagerten sich, und so musste ich mich teilen.Erst ging es nach Bardowick, wo wir den Dom besichtigten und die
Totenkammer, in der ein offener Sarg stand und die Leiche der
toten Frau durch den Salpeter, der aus den Wänden strahlte,
nicht verweste.Die Herbstfahrt führte durch die Göhrde.Einmal hatte uns ein Pastor in Barskamp das Quartier besorgt.
Immer mal musste ich abspringen, jetzt
galt es, die Mädchenpfadfinder von der Walkmühle zu holen.Ich brauchte über 3 Stunden mit dem VW-Bus für hin und her.In Himbergen, auf einem großen Bauerhof, der von einer
Bauersfrau bewirtschaftet wurde, konnte ich die Gruppe wieder
einholen.Hier hatten wir schon oft Quartier bezogen.Trotz Regens war der Fahrt ein guter Erfolg beschieden.
Später musste eine Schulungsfreizeit
für Jungspäher übers Wochenende in Bötersheim abgehalten
werden, zu der wir, wegen eines Unfalls auf der Autobahn, erst
sehr spät das Schetelighaus erreichten.
Dann kam eine Auseinandersetzung mit dem
katholischen Pastor auf der Geest.Er habe immer die
Verantwortung für die Sammlung vom Hilfswerk gehabt, er wolle
sie wieder.Aber da kam er bei uns an die richtige Adresse.Hier sind die Evangelischen in der Überzahl und seit Jahr und
Tag lag diese Arbeit in unseren Händen.Er war natürlich
nicht einverstanden damit, und dann musste ein Diakon ihn in
seine Schranken weisen.War natürlich schlecht, aber er
kam nicht mit seinem Antrag durch.Verzankt haben wir uns
nicht, zur Weihnachtsfeier kam er trotzdem.
Auch das noch: eine Frau, die von uns
Essen aus dem Rauhen Haus bekommen hatte, erkrankte plötzlich
sehr und musste ins Krankenhaus.Natürlich wqr man im
Rauhen Haus furchtbar aufgebracht, besonders Füßinger,
der diesen Fahrenden Mittagstisch nicht haben wollte.Alle
Befürchtungen, es sei das Essen vom Rauhen Haus Schuld, stimmten
aber nicht, die Frau war an verdorbenem Hack erkrankt.Der
Sturm im Wasserglas legte sich, und das Essen wurde weiter
ausgefahren.Natürlich war nachher noch ein langes
Gespräch mit Bruder Niethammer nötig, einiges am Essen musste
verbessert werden.
Was ich früher nicht durfte, geschah nun
meistens am Sonntag: alte Leute mit dem Bus zum Gottesdienst
abholen.Einmal, bei Eisglätte, rutschte mir der Wagen weg
und die Alten meinten, esginge rückwärts nach Hause, wir
sind aber gut davon gekommen.
Die Adventsfahrt ging mit 50 Mann zur
Walkmühle.War ein schlechtes Unterkommen, es fehlten
Wolldecken im Schlafraum.Am nächsten Tag musste eine
Gruppe zu Fuß nach Bötersheim, wo Lisa mit den Mittagessen
wartete.Für mich war die Aufgabe, die Pfadfinder der
übrigen Sippe in Etappen nach Bötersheim zu befördern.Unterwegs,
bei Wiegersen sah ich eine halb verfallene Kate, die mir später
wieder in Erinnerung kam.Nachdem ich ca. 400 km gefahren
bin, waren alle Sippen zum Mittagessen in Bötersheim.Hier
wurde dann noch der Adventskaffee eingenommen und dann ging es
wieder in Etappen nach Appenbüttel, denn mit der Straßenbahn
war die Fahrt bis Horn auf Ermäßigungsschein enorm billig.
Am 13.12.1968 machte ich mich auf, um in
Bötersheim noch etwas zu arbeiten und dann um ca. 12.45 Uhr in
Wiegensen zu sein, wo ich mal mit dem Besitzer der Kate sprechen
wollte.In nächster Nähe war ja ein Bauernhof und ich
bekam heraus, der Besitzer hieß Klindworth.Der Hausherr
war da, und ich wurde in der guten Stube empfangen.Ich
brachte mein Anliegen wegen der Kate vor, und er meinte,
natürlich könnten wir sie haben, denn er hätte sie sonst im
Januar abreißen wollen.Hatte ihm gesagt, wir würden sie
wieder in Ordnung bringen.Er war einverstanden und wollte
keine Miete.Froh darüber, zog ich nach Hause.
Am Sonnabend fuhren wir mit der Familie
nach Wiegensen und besuchten Familie Klindworth und besichtigten
zusammen die Kate.Im Dach war ein riesiges Loch und die
Kinder vom Dorf hatten so manches im Innern kaputt gemacht.Ganz schnell musste hier gehandelt werden, um der Gewalt Einhalt
zu gebieten.Lisa mochte ich die Kate erst gar nicht
zeigen, denn sie hätte doch nur gemeutert, meinte ich, aber es
kam ganz anders.Sie war mit mir hell begeistert, na also!
Im Alltag hatte ich erst einmal andere
Sorgen, denn jetzt kam wieder der Großeinsatz für die
Weihnachtsfeiern im Saal.
Unser Mitternachtsgottesdienst ist von
der Gemeinde gut angenommen werden. Es kommen immer mehr, die
davon Gebrauch machen.
Mit mehreren Mann haben wir zum ersten
Mal in der Kate gearbeitet und Fenster und Türen dicht gemacht.Wilfried Schulz, der Tischler ist und am Berliner Tor bei der
Feuerwache arbeitet, versprach, einige Fenster zu machen.Später
bekam ich noch einiges Material, das aus der Feuerwache
herausgerissen worden war, für die Kate.
Voller Dank gegenüber unseren Herrn, durften wir das Jahr
1968, im Rückblick ein erfolgreiches Jahr, beschließen.
1969
Der 1. Januar 1969 hatte es in sich.Es gab viel Schnee zu schippen.Jetzt kam die Zeit, dass
wir aufzwei Hochzeiten tanzen mussten.Schetelighaus
musste in Schuss bleiben und die Kate in Wiegersen auf Vordermann
gebracht werden.So lange es möglich war, eignete sich der
Sonnabend dazu, wenn keine anderen Verpflichtungen riefen.Schon
am 4.1.1969 fuhren wir mit einer Gruppe zur Kate, um so allerlei
Arbeiten zu leisten.
Die ersten, die dabei waren, sollen noch
mit Namen genannt werden: Tille, Pinki, Hannes, Armin genannt
Latte, Andreas und KoHe.
Wir haben schwer geschuftet: Fenster
gekittet und abgedichtet, Scheiben eingesetzt, natürlich auch
das große Loch auf der Innenseite des Hauses mit einer
Plastikplane abgedeckt.Armin sollte von innen einiges
festmachen und brach durch die Decke, in das Zimmer, das mal
Schlafzimmer werden sollte.Am Sonntag besichtigte Lisa die
Kate, aus der wir von der Tenne viel Gerümpel entfernt hatten.Wir wurden von Klindworth zum Kaffee eingeladen und hatten dabei
viel von unserer Gemeinde zu erzählen.Den nächsten
Sonnabend sah man uns wieder in Wiegersen an der Kate arbeiten.In der Zwischenzeit holte ich mir bei Klindworth Erkundigungen
über einen Dachdecker ein, der immer noch Strohdächer decken
konnte.Diese Sorte von Dachdeckern gab es zu dieser Zeit
kaum noch.Also ab nach Ramshausen, dort bei Ehlert
vorgefragt, wie es ist mit dem Dachdecken sei und welche Kosten
auf uns zukämen.Aber die Sache zerschlug sich.
Auf der Rückfahrt haben wir uns dann in
Wulmstorf im Cafe erst einmal tüchtig aufgewärmt und Kuchen
gegessen, was wir später nach getaner Arbeit öfter taten.
Wenn ich über den Ausbau der Kate bei
den Alten berichtete, gab es ab und an mal eine Spende für die
Kate.Oft musste es sein, dass gehbehinderte Alte zum
Zahnarzt oder so gefahren wurden.
In der Zwischenzeit besorge ich zwei
Fenster bei einer Baufirma, die dann am Sonnabend in der Kate
eingesetzt wurden, wo vorher links und rechts auf der Tenne
Viehställe waren.Draußen waren wir dabei, den Stall, der
furchtbar morsch war, abzureißen.Dabei halfen Nuggi und
seine Braut.Von Klindworth hatte ich die Adresse des
Dachdeckers Corlei, der in Allerstedt wohnte, mit dem ich
verhandelte, und der dann im Frühjahr für 15 DM pro qm das Dach
decken wollte.Es war 1969, und später im Jahre 80 kostete
ein qm mal eben 90 DM.Immerhin mussten wir für über 100
qm auch ein schönes Sümmchen hinblättern, aber die Hauptsache
war, das Dach musste so schnell wie möglich dicht, damit die
Innenarbeiten beginnen konnten.
In der Zwischenzeit gab es Ärger.Möchte
gerne für die Altenarbeit im alten Gemeindehaus den
Konfirmandensaal haben, aber man wollte nicht, ließ lieber die
Alten im neuen Gemeindehaus die Treppen steigen.Heute hat
man eingesehen, dass es doch besser ist, im alten Gemeindehaus
die Altenarbeit zu machen.Wir schreiben inzwischen auch
1989, und ein Pastor macht die Altenarbeit, ist ja auch leichter
als alles andere.
Es gelang mir, den Vater eines
Pfadfinders, Herrn Grützmacher, der Maurermeister war, für die
Arbeit in der Kate zu gewinnen.Bin auch an einem Sonnabend
mit ihm rausgefahren und er hat sich dann die Kate mal angesehen.Leider ist er zu seinem Einsatz nicht mehr gekommen. Er starb
plötzlich an einem Herzinfarkt, sehr jung an Jahren.
In Horngab es im Keller - im
großen Thingraum - viel mit den Wölflingen zu tun.Der
Raum wurde von der Decke bis zu den Wänden mit einem
Rohrgeflecht verkleidet, sah schick aus.Nur nach Jahren
kam die Feuerwehr zur Besichtigung: das Geflecht musste raus, es
sei feuergefährlich, aber all die Jahre hatte keiner etwas
dagegen.
Oft erlebte ich bei Besprechungen über
die Gemeindearbeit und ihr Vorantreiben die ganze
Kleinkariertheit der Verantwortlichen.Man versuchte
Kompromisse, die leider auch nicht weiter halfen, sondern alles
beim Alten ließen.
Pastor Nordhoff wollte in Bötersheim
eine Konfirmandenfreizeit halten, und so sind wir, Armin, Nuggi
und ich nach Bötersheim gefahren und haben im Schetelighaus erst
einmal eingeheizt.Dann ging es zur Kate, um in dem
einen Zimmer den Fußboden mit Zement auszugießen, denn der
Holzfußboden war total hin.
Am Montag mit Herrn Eichhorn in Trittau
Billetal gewesen, um einen Platz im Altersheim zu finden.
Mit dem Diakonischen Werk wollten wir ein
Altenheim besichtigen, verschlief die Zeit, aber mit der Taxe
schaffte ich den Zug noch, und wir fuhren nach Wolfsburg,
besichtigten im Hochhaus das Altenheim und das Diakoniezentrum.Hatten einen schönen Tag in Wolfsburg, welches ja erst durch das
große VW-Werk entstanden war.
Dann kam mal wieder eine
Brüderversammlung im Rauhen Haus, auf der man sich immer bei all
den Anträgen schwer tat.Diesmal ging es um eine neue
Brüderordnung, es war auch nicht die letzte.
Zur Abwechslung lief dann der
Rot-Kreuz-Kursus mit Herrn Möller, bei dem wir diesmal viele
Anwärter hatten.
Zwischendurch gab es im Februar auch noch
viel Glatteis und Schnee, und die Fahrt zur Kate musste darum
ausfallen.Die Nächte brachten so viel Schnee, dass ich zu
Fuß ins Gemeindehaus gehen musste.Immerhin konnten wir am
Sonnabend Material, wie Holz, Zement, Gips und Gipsplatten auf
Josenhans´ Auto aufladen, dann erst nach Bötersheim und
geheizt, weil sonst Leitungen einfrieren würden, und
anschließend weiter zur Kate, abladen und im Schneegestöber
wieder nach Hause.
Am Sonntag, den 16.2.1969 wurde die
Schneekatastrophe ausgerufen.Auf den Straßen und Gehwegen
war kein Durchkommen mehr.In den nächsten Tagen musste
viel Schnee geschaufelt werden.Mein Gang zum Zahnarzt
Alfred musste ausfallen.
Trotz der vielen Schneemassen kamen viele
Alte zum Bunten Nachmittag mit der Vorführung eines Films über
Hamburg.Von jetzt an war Lisa richtig angestellt, die
Altentagesstätte zu leiten.
Trotz des vielen Schnees fuhren wir nach
Bötersheim und nach Wiegersen zur Kate, um Sachen abzuladen.In Bötersheim musste mal nach dem Rechten gesehen werden, wie
weit es mit dem Einfrieren der Wasserleitung bestellt war.Bis
auf ein offenes Fenster war alles noch in Ordnung.
Wieder war der Mittwoch da, wo ich
diesmal in der Turnhalle Weddestraße den Betrieb leiten musste,
oft nicht ganz leicht.
Am Sonnabend war ich mal wieder zur Kate,
die Plane vom Dach hatte sich selbständig gemacht und musste neu
befestigt werden.Der Dachdecker war da und hat sich das
Dach angeschaut und brauchte auch eine Anzahlung für das Reet.
In der Politik ging es gefährlich zu.Chinesen und Russen beschießen sich an der Grenze, wieder mal
etliche Tote.
Am 8.3.1969 war bei Zielasek ein
Klassentreffen, bei dem Bruder Rehse, der in Alsterdorf
arbeitete, noch dabei war.Später hatte er sich bei seiner
Arbeit eine Blutvergiftung geholt und war daran gestorben.
Na, diesmal, am 11. Februar 1969, war ja
im Schetelighaus was los!Beim Anstellen des Wassers zeigte
sich, dass viele Rohre geplatzt waren.Allein 10
Rohrbrüche (!) mussten beseitigt werden.Es gab aber was
zu löten.Wie gut, dass ich Material dabei hatte.Abdichtungen
an den Wasserkästen waren nötig, und eine Verstopfung musste
beseitigt werden, dazu musste vor dem Haus Schnee geräumt
werden.Zum Schluss musste ich wegen des vielen Schnees die
Cuxhavener Strecke fahren.
Frei aber gab es nicht, denn viel
Gemeindearbeit wartete noch auf mich.In diesem Jahr wollte
der Schnee wohl kein Ende nehmen.Alles musste ohne Rad
gemacht werden.Eine Frau Schäfer nach Barmbek gefahren,
den Jumbo in Rahlstedt in seiner ungemütlichen Behausung besucht
und dies alles trotz Schnee und Eis.
Aber in den Osterferien ging es trotz
Schnee auf der Autobahn Richtung Ramelsloh, nur eine Spur zu
befahren.Kamen aber mit 3 Stämmen in Ohlendorf, Turnheim,
gut an.Diesmal waren Jumbo, Nuggi und ich mit 34 Jungen
dabei, und wir haben uns ein tolles Programm zurecht gemacht.Trotz Schnee und Sturm waren wir draußen.Ein Reporter von
der Harburger Zeitung fotografierte die Meute und wollte viel von
uns wissen.Später hörten wir, dass wir in der Zeitung
abgebildet und mit einem guten Bericht dargestellt wurden.Natürlich
mussten wir die Zeitung haben, die heute im Archiv des FCP
einzusehen ist.
Jetzt hörten wir auch, dass eine
Konfirmandenfreizeit mal 4 Tage wegen der Schneemassen aus
Bötersheim nicht heraus konnte.Von Rogister hatte mit
Kartoffeln und Milch ausgeholfen.
Das Wetter wurde wärmer.Wir
konnten mit einem kleinen Trupp Leute zur Kate.Trotz
eisigen Windes wurde draußen die Traufkante gemacht.Abends
um 18 Uhr waren wir wieder im Haus.
Wieder musste ich nach Bötersheim: Im
Haus war die Wasserleitung zu reparieren und es musste geheizt
werden.
Am Freitag Einkäufe gemacht für das
Altenessen am Sonntag im Gemeindehaus.Am Sonnabend mit
Josenhans und den vielen Gipsplatten zur Kate, die wir dann dort
abgeladen haben.Am Sonntag war Lisa mit ein paar Helfern
tätig, das Alten-Mittagessen fertig zu machen.
Zum ersten Mal kam die Posaunenarbeit bei
uns zum Ziele.Habe von der Gemeinde St. Gabriel die von
Bruder Langhans versprochenen Instrumente erhalten.Bruder
Niethammer wollte uns das Blasen beibringen.Anfänger
waren vorhanden.Also, diese neue Arbeit begann am
2.4.1969, aber ganz neu war sie nicht, denn schon zu Beginn
unserer Gemeinde im Jahre 1886 hatte es einen Posaunenchor mit
Lehrer Rieckmann gegeben.
Einmal gab es Schwierigkeiten wegen der
Mädelpfadfinder.Fräulein Schilling sollte irgendwie
helfen, was wohl nicht gelang.
Dann am 12.4.1969 wieder frisch auf nach
Wiegersen.Die Gipsplatten sollten verarbeitet werden.Aber erst mal mussten die Außenwände mit
Styropor-Isolierplatten abgedichtet werden, denn die Wände waren
zum Teil durchlässig.Dann ging es noch anschließend nach
Bötersheim: Im Haus viel Abfall weggebracht.Es blieb uns
nichts anderes übrig, die im Garten hinten am Rand zu vergraben,
denn vom Dorf gab es für den einzelnen Bauern nur seine
Privatdeponie.Rogister hatte seine tief im Wald, was auch
nicht recht war.Dann ging es nach der Buddelei in den
Keller, und ich entdecke, man hatte sich an die Kellertür
herangemacht, um sie zu öffnen und sie dabei sehr beschädigt.Aber glücklicherweise war man wohl nicht ins Haus gekommen,
sonst wäre wohl vieles gestohlen worden.Jetzt galt es,
die Tür wieder in Ordnung zu bringen und so zu reparieren, dass
sich die Einbrecher, sollten sie wiederkommen, gehörig die Nase
stießen.So waren wir durch diese unvorhergesehene
Tätigkeit mal eben erst um 20.30 Uhr wieder im Hause.Unterwegs
hatten wir mal eben Windstärke 11 und viel Regen.
Am Sonntagabend musste ich mit Pastor
Dubbels noch zu Frau Kana, die ihre Möbel der Gemeinde vermachen
wollte.
Am 14.4.1969, und dann immer Montags, war
die Posaunenstunde im großen Saal mit Hans Niethammer.
Mit Josenhaus viel auf sein Auto geladen,
dann zu der Kate und alles abgeladen, was an Holz da war.Zum
ersten Mal war der Dachdecker an der Arbeit, und das Dach wurde
neu gedeckt.Ein Bauer kam, Prigge hieß er, und meinte, es
lohne sich doch nicht, er habe Grundstücke zu verkaufen, wenn
wir wollten.Aber woher das Geld nehmen, bei dem m²-Preis
von qm 35 DM?
Lisa blieb in Bötersheim und machte das
Haus sauber.Ich fuhr nach Horn zum Gojenbom, um die
Wohnung zu räumen und die Möbel nach Bötersheim zu bringen.
Für einen Gemeindeausflug nach
Lichtensee habe ich einen Tag abgemacht.Später bekamen
wir aus dem Heim prima Matratzen für die Kate, die uns gut
zustatten kamen.
An einem Sonnabend war ich allein in der
Kate und habe erst einmal die Decke im großen Zimmer gemacht.Nachmittags erschien Kuddel und half ein bisschen mit.Am
Sonntag hatten wir Filmdienst im Gemeindesaal.Wir zeigten
den Film „Der alte Mann und das Kind“.Abends kam
die Nachricht durch, De Gaule musste zurücktreten.
Am 1. Mai 1969 waren wir, Lisa und ich,
unterwegs und klapperten die Ostseeküste nach einem Zeltplatz
ab.Erst Timmendorf, dann Schöneberger Strand.In
Kappeln bei Gelting übernachteten wir und fuhren nach Dänemark
auf die Insel Alsen.Nach langem Hin und Her bekamen wir
hinter Sonderburg auf dem nördlichsten Zipfel der Insel bei
Familie Schmidt, die uns freundliche aufnahmen, einen guten
Kontakt und dazu einen tollen Zeltplatz angewiesen.Hier
gab es in nächster Nähe einen Strand und ein Stück
Steilküste.Wir machten die Zeit unseres Kommens ab und
fuhren frohgemut der Heimat entgegen.
In der Gemeinde war übergenug zu tun.Auch musste für das Lager einiges geklärt werden, die
Lohbrügger wollten auch mit.Der Jumbo aber machte Ärger
und hatte sich abgespalten und auch den Eltern seiner Jungen von
Alsen erzählt, die aber waren dann der Meinung, der Stamm fahre
mit uns, was gar nicht stimmte.Als er später mit seinem
Haufen nicht zu Haus war,aber unsere Jungen, riefen die
Eltern bei mir an und wollten wissen, warum ihr Junge nicht dabei
sei.Da kam es für die Eltern heraus, dass der Jumbo hier
ganz verkehrt gehandelt hatte.
Am 14.5.1969, am Tag von Bonifatius, gab
es den heißesten Tag seit 90 Jahren, also mal was anderes.In der Kate wurde viel gearbeitet.Ob es noch bis Pfingsten
was würde, war fraglich.
Am Himmelfahrtstag gab es einen
Gemeindeausflug zum Sunderhof.Hier fand dann nachmittags
ein Bunter Nachmittag statt und mit einer Abendandacht der
Abschluss.
In der Kate ging es rund.Tille
hatte für die Giebelspitze zwei Pferdeköpfe gemacht, und die
wurden am Giebel befestigt.Für mich war Arbeit genug da,
erst in der Küche gemauert und dann die Gräben für Wasser und
Abflussleitung ausgehoben.Für die Wasseruhr musste ein
Schacht gemauert werden.Später wurde die Wasseruhr
eingebaut und ab und an die Gebühren für Schornsteinfeger,
Brandkasse, Licht und Wassergeld bei Klindworth bezahlt.
Natürlich rief mal wieder die
Landeskirche zu einem Betriebsausflug nach Voßloch Richtung
Pinneberg auf.Solche Ausflüge waren beliebt, man kam mit
vielen Bekannten aus der Kirche zusammen und Essen und Trinken
waren kostenlos.
Unser Bruder Rehse, ein Klassenkamerad
von mir, war an einer Blutvergiftung gestorben und wurde am
23.5.1969 beerdigt.Die Trauerfeier war in einer
vollbesetzten Kirche in Alsterdorf.
Danach die Vorbereitungen für das
Pfingstlager in Wiegersen.In der Nachbarschaft der Kate
bauten wir auf dem Gelände das Kothenlager auf.Die
Stämme trudelten langsam ein.Unsere Kinder waren auch
dabei, natürlich die Mädel auch.Dabei hat sich Renate in
Armin verliebt und die haben schön herumgeflirtet.Lisa
schlief im Haus, denn die Zimmerwände waren schon mit
Gipsplatten versehen.So war das Haus ganz schön wohnlich.Für die Freundlichkeit der Klindworths, dass wir auf dem
Gelände sein durften und die Kate ein Stützpunkt für uns
wurde, zogen wir mit den Pfadfindern vor ihr Haus und haben ihnen
ein paar Lieder gesungen.Natürlich hatten wir unser
Programm, und es wurden viele Spiele durchgeführt, sogar ein
Nachtspiel, denn wir hatten ja den Wald in unmittelbarer Nähe.Auch wurde nie vergessen, dass das C bei uns in der
Pfadfinderschaft groß geschrieben wurde.Trotz der
Ausrichtung auf das Wort Gottes, konnte Jumbo seine Stänkereien
nicht lassen.Später auf der Fahrt im Bus kam es zu einer
Auseinandersetzung über die Haltung seiner Pfadfinder.Es
waren so richtige Kindereinen, man hatte mich schon früher vor
dem Jumbo gewarnt, aber ich musste selbst seine Erfahrungen
sammeln.
Eines muss noch nachgetragen werden:
Unsere Küchenmamsell, Frau Lisa, hat auf dem Propankocher ein
tolles Essen gezaubert.
Diesmal hatten wir ein heißes
Pfingstwetter, so dass sich viele nachmittags sehr matt fühlten.Das Lager ging mit einer Disharmonie zu Ende, weil ein Junge sich
bei Auseinandersetzungen nicht beherrschen konnte, und so war ich
froh, dass wir am Pfingstmontag abends wieder zu Haus waren.
Einer der Pfadfinder, Bernd Hübbe, wurde
von uns verabschiedet, er ging nach Australien.Dann musste
für die Stadtranderholung geworben und die Einladungen
vervielfältigt werden.
Freitagabend fuhr ich nach Wiegersen und
habe dort geschlafen, um am anderen Tag schon früh mit der
Arbeit zu beginnen.Es musste gemauert werden.Nachmittags
nach Bötersheim und Sachen für die Kate geholt.
Dann kam eine Stadtranderholung, an die
ich lange zurück denke.Im Dorf konnten unsere Frauen bei
Frau Peters Wurst kaufen, dabei hatte sich unsere liebe Frau
Schmuck, als sie über eine Schwelle trat, das Bein gebrochen.Mal gut, dass ich den VW-Bus dabei hatte, so konnte ich sie nach
Buchholz ins Krankenhaus fahren.Später haben wir von ihr,
aus Dankbarkeit, eine Kuckucksuhr geschenkt bekommen, die noch
heute vorhanden ist und geht.
Auf dieser Stadtranderholung in
Bötersheim hatten wir40 Leutchen, die auch von Lisa
bekocht wurden.Natürlich eine treue Hilfe darf nicht
vergessen werden, Frau Sonni.Beim Kartoffelnschälen tat
sich immer wieder Herr Kulik hervor, der uns auch sonst
handwerklich zur Hand ging.Auch im Garten gab es viel zu
tun.Das Blumenbeet wurde oft verschönt, Gemüse und
Kartoffeln gepflanzt.Auch eine kleine Eiche wurde gesetzt,
die heute schon zu einem großen Baum herangewachsen ist.
Wir bekamen zu hören, im Dorf solle die
Schule verkauft werden.Aber wie immer hatten wir eine
Ablehnung vom Kirchenvorstand: Bötersheim bringe uns angeblich
rote Zahlen, was überhaupt nicht stimmte.Später stellte
sich heraus, wir hatten mit dem Schetelighaus 20.000 DM
herausgewirtschaftet.Anscheinend war dies nicht genug.Wenigstens hatte sich Bruder Jahnke mit einigen Herrn das
Schulgebäude angesehen und für gut befunden.Herr von
Rogister sagte mir, er wolle gerne zurückstehen, wenn die
Gemeinde die Schule für 72.000 DM kaufen wollte.Viel
später hörte ich, dass der Kauf von einem Bruder sabotiert
worden sei.Nun ja, bei dem heutigen Stand der Dinge in der
Martinskirche würde wohl auch die Betreibung eines solchen
Heimes heute nicht mehr möglich sein.Wenn ich mich auch
mal wieder geärgert habe, so hörte ich, Pastor Nordhoff hätte
die Schule gerne gekauft.
Im Schetelighaus musste einiges
verbessert, die Toilettenwände gestrichen, Fenster und Scheiben
eingesetzt werden, denn von Jugendgruppen war manches Fenster
kaputt gemacht worden.An einem heißen Tag bekamen wir in
Bötersheim Besuch von Dubbels und Frau.Wir feierten
Angelins Geburtstag.Sie war bei uns von Schweden auf
Besuch.Am 20. Juni 1969 habe mit Rogister gesprochen, um
den Vertrag über das Schetelighaus zu verlängern: Es bestehe
die Aussicht.
Tante Friedas Wohnung musste geräumt
werden und so wurden Möbel von Josenhaus nach Bötersheim und
Wiegersengefahren.
Dann kam die Rüststunde für alle
Pfadfinder, die mit nach Dänemark auf die Insel Alsen wollten.Jumbo schloss sich aus und machte seinen Laden alleine, aber
nicht mehr unter der Firma FCP, denn wir wollten nicht für seine
Dummheiten haftbar gemacht werden.
Am 28.6.1969 waren die Nahrungsmittel und
sonstigen Sachen für das Lager besorgt worden, um dann mit dem
großen Bus zu starten.Unterwegs wurde Nuggi mit seinen
Pfadfindern aus Lohbrügge abgeholt, und dann waren wir abends
spät auf der Insel Alsen, wo wir sofort die Kothen aufbauten.Nachts um 24.00 Uhr waren wir endlich fertig und konnten in die
Schlafsäcke kriechen.Am nächsten Tag war dann schönes
Wetter, und das Küchenzelt konnte aufgebaut werden, denn Frau
Lisa war ja wieder die Lagerkochfrau.Später wurden auch
im Lager Kochstellen aufgebaut, die von uns Pfadfindern bedient
werden wollten.
Weil wir keine Tische hatten, wurde ein
Erdtisch ausgebaut, das heißt, ein Graben rings um ein Erdpodest
gezogen und so konnten die Pfadfinder sitzend ihr Essen
einnehmen.
Nebenan hatte ein Bauer ein
Kartoffelfeld, und wir konnten ihm beim Einbringen der Ernte
helfen.Die kleinen Kartoffeln durften wir für uns
sammeln.
Das Wetter war heiß, und so wurde viel
gebadet.Am Strand stand eine alte verdorrte Weide, aber
sehr knorrig, die durften die Pfadfinder umhauen.Haben die
aber lange gebraucht, bis das Ding umfiel.Später diente
es dann als Floß im Wasser.Dann war da noch eine
Steilwand, an der die Sippen üben mussten.Ein Boot hatten
wir auch, das abwechselnd gebraucht wurde und dazu gab es
ausgiebigeWasserschlachten.
An einem Tag bekam ich den Drang, mal den
breiten Fjord zu durchschwimmen. Es war eine lange Strecke,
bis ich den gegenüberliegenden Strand erreicht hatte.Nur
mit einem langen Ausruhen konnte die Rückstrecke bewältigt
werden.An unserem Ufer verfolgten unsere Leutchen mein
Unternehmen und waren froh, als ich das rettende Ufer wieder
erreicht hatte.
Dann kam Kuddel mit Sohn noch hinzu und
füllte das Lager.Auch hatten wir herausgefunden, dass der
Jumbo ein Stück weit weg von uns auf einem Bauernhof Quartier
gefunden hatte.Natürlich reizte es uns, mit Kuddel und
ein paar Pfadfindern dieses Lager nachts zu überfallen.Unsere
Leute brachten von diesen Ausflug den Hut und das Halstuch von
Jumbo mit und erzählten, seine Leute hätten fest geschlafen.Einsam stand die Kothe auf dem Platz und alles schlief selig, und
in der Mitte des Platzes stand die Mitternachtsvase.Jumbos
Sachen wurden am Fahnenmast als Siegestrophähe unter großen
Jubel hochgezogen.Auf unseren früheren Lagern war der
Jumbo nicht zu bewegen, Nachtwache zu schieben, obwohl wir
manchmal wussten, dass wir mit einen Überfall rechnen mussten.
Eines Tages kam in unser Lager ein
Reporter von der Nordschleswiger Zeitung, der sich unsere
Geschichte der FCP erzählen ließ und Aufnahmen vom Lager
machte.Wir bekamen etwas später die Zeitung mit dem
Artikel und den Bildern aus unserem Lager und wir waren
ordentlich stolz.
Eines Tages bekamen wir Besuch vom
Archäologen Herrn Nikolaisen, der hier in der Nähe aus
germanischer Zeit Krüge und Tonscherben fand, ein Museum und
eine Werkstatt einrichtete und wieder Krüge herstellte, wie sie
die alten Germanen gemacht hatten.Wir besuchten sein
Museum mit all den Kostbarkeiten, die zum Teil aus über 1000
Jahren stammten.Herr Nikolaisen konnte gut aus der
damaligen Zeit berichten und wir waren auch froh, einen Regentag
im Lager auf diese Weise überwunden zu haben.
Es kam der letzte Tag, und es wurde mit
einem großen Lagerfeuer der Tag der Germanen.Jeder musste
auf irgendeine Weise eine germanische Verkleidung tragen.Uns
überraschten die Söhne von Bauer Schmidt mit einer tollen
germanischen Ausrüstung, dazu auch der Kopfputz mit den
Hörnern.
Unser ganzes Lagerleben hatte Kuddel
gefilmt.Später sahen wir uns das Kunstwerk an: es war
prima gelungen.Wir wollten eine Kopie davon machen lassen,
aber der tolle Film wurde uns in der Kopieranstalt gestohlen.Armin hatte sich dafür noch mächtig eingesetzt, um den Film
wieder zu bekommen.Nur irgendeiner von den Leuten der
Kopieranstalt besaß die Frechheit, sich für den Film zu
bedanken, dies stand auf einem Zettel am schwarzen Brett.Wir
haben noch heute eine Wut im Bauch über diese Frechheit.
Am 12.7.1969 waren wir von diesem
schönen Dänenlager wieder zurück in Hamburg.
Frau Bade, Jumbos Frau, rief bei uns an,
wir hätten Jumbos Sachen geklaut und sollten die wieder
herausgeben.Diese Frau verstand überhaupt nichts von
pfadfinderischen Handlungen, denn Pfadfinder klauen nicht und
zweitens schämte er sich, selbst anzurufen.
Der Tag kam, an dem die erste Raumkapsel
auf dem Flug zum Mond war.Wir schrieben den 20.7.1969, und
die ersten Menschen landeten um 21.22 Uhr auf dem Mond.Wir
konnten alles im Fernsehen gut verfolgen.Um 3.26 Uhr stand
der erste Mensch auf dem Mond und wir gingen erst um 5.30 Uhr ins
Bett.
Vom Baugeschäft Kröning, Horner
Landstraße, bekamen wir Balken und Bretter für Wiegersen
geschenkt, die dann auch noch dort hintransportiert werden
mussten, was am Sonnabend geschah.An diesem Tag wühlten
wir in drei Zimmern.Die Gipswände und Decken musstenverspachtelt werden.Erst um 22 Uhr waren wir wieder im
Hause.
Am Sonntag hörten wir beim Gottesdienst,
dass unser Herr Geyer gestorben ist.
Am Dienstag war eine Besprechung, ob wir
das Schetelighaus weiter behalten wollten, die lange dauerte.Einmal gab es ein Ja, die Mehrheit sagte nein.
Durch einen großen Wolkenbruch über
Hamburg soffen viele Keller ab, auch der Keller des
Gemeindehauses: Viel Schlamm und eine dicke Sauerei.
Es war mal wieder eine Wohnung
auszuräumen: Von Frau Goldbek, die verstorben war.Die
Sachen mussten nach Bötersheim, konnten sie dort gut gebrauchen.
Am 22.8.1969 war dann in der Kirche die
Trauerfeier für Herrn Geyer.Nachmittags waren wir bei
Bruder Weber zum Geburtstag.Er hatte noch in seiner
Pensionszeit das Morath-Stift verwaltet.War allerdings
auch ein guter Posaunenbläser.
Auch musste ich mal Ersatzteile für den
VW-Bus haben, darum zum Ersatzteillager nach Ochsenzoll. Dort
wurde von dem Personal der alte Bus Baujahr 1951 bestaut.In
der Halle fanden wir dann noch eine Hinterachse und Bremsteile.Natürlich habe ich diese gleich mitgenommen, denn später war es
schwerer, Teile für den Bus zu bekommen.
In Wiegersen legte Kuddel in der Kate die
Leitung, und wir verlegen das Erdkabel von der Kate bis zum
Schweinestall von Klindworth.
Mit der Stadtranderholung gab es auch
manche Probleme.Es galt den Leuten klar zu machen, zu
welcher Gemeinde sie gehören und nicht immer bei der einen oder
anderen die Rosinen aus dem Kuchen zu picken.
Immerhin machte sich auch Frau Büchsel
vom Diakonischen Werk auf und besucht uns in Bötersheim.
Nach der Stadtranderholung hatte ich
Glück, in Horn mussten ein paar Kohlenöfen abgeholt werden.Einer aus dem Horner Weg und aus der 2. Etage.Nicht ganz
einfach, aber mit etlichen Helfern klappte es.Am Sonnabend
ging es ab zur Kate und sie wurden dort aufgestellt und
angeschlossen.Später noch haben wir einige Zimmer mit
Raufaser tapeziert.
Auch mit Nuggi musste ein langes
Gespräch geführt werden, denn seine Pfadfinderarbeit artete zur
Jungschararbeit aus, was sich dann auch später herausstellte.Er machte dann die leichte Arbeit der Betreuung, wofür man kaum
Vorbereitungen treffen musste.Schade!
Dann gelang es, 6 Leute für die Kate
mobil zu machen.Unter gewissen Schwierigkeiten mauerten
wir den Schornstein höher, konnten nur mit einer langen Leiter
von Prigge auf das Dach.In der Zwischenzeit hatten die
anderen die Zimmer fertig gemacht.
Am Sonntag feierten wir dann in Horn das
Erntedankfest mit anschließendem Altenessen.Später wurde
ein Film gezeigt : „Des anderen Last“.
Es stand die Herbstfahrt an.Diesmal hatten die Jungen es
gut, denn in einem Anhänger fuhr uns Tille das Gepäck von einem
Stützpunkt zum anderen.Es ging über Hösseringen nach
Hermannsburg.Bei Bauer Hellweg gab es 3 Dosen
Landleberwurst zum Abendbrot.Unser Mittagessen hatten wir
bei Lutterloh gekocht. Hier war der Bauer Thies sehr freundlich.Unsere Fahrt endete in Soltau erst in einem Cafe, wo tüchtig
Kuchen gegessen wurde.Tille hatte das Gepäck ins
Gemeindehaus gefahren.
Ein paar Tage im Hotel in Grömitz zur
Ausspannung,immer wieder im Wellenbad gebadet. Wir hatten
gutes Wetter und konnten auch viel spazieren gehen.Lisa
war natürlich als Wasserratte voll befriedigt.
Als wir wieder in Hamburg waren, mussten
wir eine Ausfahrt für die Alten klar machen.Diesmal
sollte es in die Göhrde gehen und wir fanden dafür die
Gaststätten und Kirche: Im Schützenhof bei Scharnebek wurde
gegessen und dann das Schiffshebewerk, das in Bau war,
besichtigt.In Göhrde in einem Restaurant Kaffee
getrunken, im Wildgehege die Wildschweine bestaunt, und in
Himbergen hielt uns der Pastor die Abendandacht.So ging
bei schönem Wetter die Fahrt gut zu Ende.
Wir hatten mit den Alten das
Pumpspeicherwerk in Geesthacht besichtigt, und dann ging es
weiter nach Bötersheim.Dort fand mal wieder eine
Konfirmandenfreizeit statt, auf der Lisa die Kochmutter spielte
und Dubbels und ich jeden Morgen eine Bibelbesprechung hielten,
bis es anschließend ins Gelände ging.
Über Fazels Schwager, der im Freihafen
arbeitete, kamen wir zu einer Ladung Balken, die aber erst durch
den Zoll mussten.Für 1 DM durften wir dann den Zoll
passieren und gleich ging die Fuhre ab nach Wiegersen.Hier
konnten wir die Balken gut für Fußboden und Dachboden
gebrauchen.Aus den Balken mussten erst mal alle Nägel
entfernt werden, denn dies Holz diente vorher für Verschläge
von Transportgütern.
Bei unserem Bauern Stöver in Kakensdorf
luden wir mal wieder Kartoffeln auf, die unter den Mitarbeitern
der Gemeinde verteilt wurden.Erst um 22 Uhr war ich
endlich im Hause.
Bei all der Arbeit in der Gemeinde durfte
Lisa‘s fünfzigster Geburtstag natürlich nicht untergehen.
Es war viel Besuch im Haus.
Dann musste mal wieder eine Fahrt nach
Billetal gemacht werden, denn Frau Rehder wollte man nicht mehr
im Krankenhaus behalten und alle anderen Heime waren besetzt.Im Haus Billetal konnte ich zu jeder Zeit und Stunde unsere
Leutchen unterbringen.Dafür war ich dem Besitzer, Axel
Schulz, sehr dankbar.Die Freundschaft besteht bis auf den
heutigen Tag.
Der Sonnabend war meistens unser
Arbeitstag für Wiegersen.Diesmal ging es mit etlichen
Pfadfindern ganz früh ab, um in der Kate tüchtig zu schaffen.Die Lichtleitung wurde angeschlossen und Erdarbeiten mussten
gemacht werden.Natürlich sollte auch zur Mittagszeit
Essen auf dem Tisch stehen, das ich in der Küche zubereitete.Später, als nur noch Matten, Schille, Andrusch und ich jeden
Sonnabend zum Arbeiten raus fuhren, ging es meistens zum Essen in
den Gasthof in Sauensiek, was etwas teurer war, uns aber viel
Zeit sparte und die Jungen hatten ihren Spaß.
Am 19.11.1969 an einem Bußtag, war die
2. Mondlandung.
Unser Architekt vom Gemeindehaus bot uns
an, in Wohltorf ein ausgebautes Verandafenster abzuholen.Es
passte genau in die Eingangstür in Wiegersen.So langsam
bekam die Kate Form.Am 29.11.1969 kam zum ersten Mal
elektrisches Licht in die Kate.
Der Advent nahte und diesmal feierten wir
schon mit 47 Mann in der Kate.Hatte vorher schon die Kate
geheizt, damit es wenigstens ein wenig warm war.Schon
vorher hatten wir aus Bergedorf eine Fuhre Fußbodenbretter
bekommen, die wir mit den Wölflingen sortierten.Auf den
Boden der Tenne kamen nun Isoliermatten, darüber die Balken und
dann die Fußbodenbretter.Einige Bretter hatten wir noch
aus der Baracke von damals, alles wurde verarbeitet.Auch
der Boden war jetzt ausgebaut und bekam einen Fußbodenbelag.Fenster waren eingebaut, dazu musste das Strohdach durchstoßen
werden.Heinz Graf arbeitete bei der Firma Donar-Türen und
besorgte uns eine ganze Fuhre Türblätter für 5 DM das Stück
und Hartfaserplatten.Die Türblätter schraubten wir an
das Dachgerüst und bekamen so eine tolle Isolierwand.Alle
Decken und Wände wurden mit farblosem Lack bestrichen, was lange
hielt.Auf dem Boden hatten wir zwei Schlafräume
geschaffen, einen für Jungen, einen für Mädchen.Vom
Freizeitheim Lichtensee bekamen wir viele Decken und Matratzen.So war dann alles zum Empfang bereit.Erst mal musste man
zum Boden über eine Leiter, später haben wir eine richtige
Treppe eingebaut (Eigenbau mit einem Geländer aus Bötersheim).Die Küche war auch soweit fertig, so dass Lisa die Meute zum
Advent versorgen konnte.Dies war die erste Adventsfahrt
nach Wiegersen.Wir hatten viel Spaß und es war ein gutes
Gelingen, nur ein Pech, der VW-Bus wollte nicht anspringen, aber
wir hatten ja die Werkstatt von Dietrich nebenan und dort wurde
der Schaden behoben.
In diesem Dezember hatten wir starken
Frost, und da waren im Schetelighaus etliche Rohre geplatzt, die
gelötet werden mussten.Diese Reparaturen blieben nicht
aus, weil das Haus bei Nichtbenutzung ja nicht geheizt wurde.Von Bötersheim ging es dann nochmals nach Wiegersen, um der
Familie Klindtwordt etliche Weinachtsgeschenke zu bringen, auch
für den Dachdecker fiel etwas ab.Herr Klindtwordt
erlaubte uns, in seinem Wald einen Weihnachtsbaum zu schlagen.
Am 31.12.1969 musste Frau Haßkerl vom
Krankenhaus nach Billetal verlegt werden.Mit großem Dank
gegenüber unserem Herrn durften wir dies Jahr beenden.
Leserreaktion des Karsten F. Kröncke aus
Freiburg - Sonntag, 25.01.2004
Lieber Herr Ruszkowski,
dankend habe ich das Buch ‚Wietholz‘
erhalten.
Zu Hugo Wietholz möchte ich Ihnen noch etwas
Persönliches mitteilen. Für uns war er nicht der Diakon, seine
Andachten nahmen wir quasi in Kauf für das, was wir durch ihn an
Abenteuern zu erleben hofften.
Das Beispiel ‚Piratenschatz‘
(Buchseite 133) beschreibt stellvertretend für viele andere
Unternehmungen: kreativ, einfallsreich, absolut glaubwürdig,
großartig inszeniert und dann sogar ein Ausgang, mit dem keiner
gerechnet hatte - und doch tröstlich für alle. Tagelang hielt
uns der Piratenschatz in Atem, für alle Beteiligten bis heute,
45 Jahre danach (!) unvergesslich.
Karl Görlich und Udo Wietholz, ein Supergespann! Adda, wie wir
Görlich zärtlich nannten, war sensibel, feinfühlig, zart und
ein vorzüglicher Vorleser. Wie hangen jeden Abend an seinen
Lippen, wenn er uns die in Fortsetzungen aufgeteilte
„Gute-Nacht-Geschichte" vortrug.
Und dann Hugo, wie wir ihn respektvoll und
zugleich respektlos nannten: risikofreudig, auch etwas grob,
abenteuerlich, waghalsig, rustikal, zünftig, Wind und Wetter
trotzend, nicht zimperlich mit sich und gegen andere - und dann
so religiös, kirchentreu (worüber wir uns so manches Mal
respektlos amüsierten, ihm zum Kummer). Er war trotz seines
Alters (immerhin Ende 40) jugendlich und beweglich, als
„Vorgesetzter" souverän und überlegen, beweglich und
geschäftig, redselig und anständig, redlich, kämpferisch und
friedlich, auf Harmonie bedacht, freundlich und anmutig, konnte
sich über das Geringste freuen wie ein Kind, war
begeisterungsfähig, womit er uns ansteckte, was uns gefiel,
rücksichtsvoll und auch grob (manchmal auch gehässig, andere
mit groben Worten abwertend), handelte eigenmächtig und
selbständig, selbstverantwortlich, war fortschrittlich, auf
immateriellen Erfolg bedacht und zugleich konservativ,
bodenständig, strebte immer eine glückliche Entwicklung an, war
gleichmütig gegenüber Widrigkeiten des Wetters usw., war
bescheiden und optimistisch, zuversichtlich, lebhaft und wollte
aufklären (nicht bekehren), war psychologisch und kannte
intuitiv die Grundstrukturen von Film und Werbung - und dann
seine vielen Wiederholungen, (ohne müde zu werden), strebte eine
ausdehnende Entwicklung an, war bereit zu experimentieren, etwas
auszuprobieren und dann, auf der untersten Ebene des sozialen
Einsatzes, erhaben und überlegen, stets Kopf hoch und Blick
geradeaus.
Sein Verhältnis zu seinen „Oberen"
war immer gespannt. Zu Niemann war es besser als zu Dubbels.
Sogar wir als Wölflinge und später als Pfadfinder erst recht,
spürten und bekamen viel mit von dem, was ihm von oben in den
Weg geworfen wurde. Natürlich kannte ich die Pastoren Niemann
und Dubbels. Niemann taufte mich und meine drei Geschwister,
Dubbels konfirmierte uns und traute meinen Bruder (meine anderen
Geschwister und ich heirateten auswärts).
Hugo Wietholz, ein Original wie die Filmfigur
Don Camillo: pragmatisch und listig, naiv und mutig, fleißig und
einfallsreich, ideenreich und sozial, konnte sich bescheiden und
einschränken, poltern und in sich versunken im Gebet seine Kraft
holen. Und dann seine Ehefrau Lisa: Schon wir als Jugendliche
bewunderten sie! Das „Bißchen", was wir mitbekamen,
reichte zur hohen Wertschätzung.
Seine beiden Töchter Christa und Renate standen uns
altersmäßig etwas näher, weshalb ich sie auch gut in
Erinnerung habe.
Einleitend zitieren Sie Wietholz auf Seite 1
„...aber was ist nun von bleibendem Wert?" Diese Zeile
steht „zufällig" unter seinem Bild, das ihn als
lustigen älteren Herrn zeigt. Für mich kann ich sagen: Von
bleibendem Wert ist mir sein nicht enden wollender Einsatz für
die Jugend (als Gesamtheit, als Altersgruppe), der er eine
Perspektive zwischen etwa ihrem 10.-20. Lebensjahr gab. Es gelang
ihm! Hierin war er für mich Vorbild. Zwar wollte ich ihm nicht
folgen, nicht das machen, wie und was er gemacht hat, wohl aber
entschied ich mich mit anderen Pfadfinderkameraden „hinter
den Kulissen" arbeiten zu wollen. So betreuen wir hier in
Freiburg und im Schwarzwald je ein Haus, das wir den Pfadfindern
in Eigenverantwortung überlassen. Auf gleiche Weise unterstütze
ich ebenso die Freie Schulbewegung, insbesondere die
Waldorfschulbewegung. Weil Erziehung und Bildung Elternaufgaben
sind. Jene Eltern wollen das nicht dem Staat überlassen. Sie
nehmen Bürgerpflicht und Eigenverantwortlichkeit ernst. Unser
Grundgesetz schützt sie.
Mir ist die Selbstorganisation von „unten" wichtig.
Genau das ist das, was Pfadfinder früh lernen und sich darin
üben. Im Hintergrund „wachen" betreuend die Großen,
ohne reinzufunken. Darin steckt eine Idee, von Wietholz
vorgelebt, eine Idee „ ...von bleibendem Wert".
Vielleicht wird er es nicht ganz so verstanden wissen wollen -
aber so ist das nun mal. Wir säen, aber die Weizenkörner fallen
auch auf fruchtbaren Boden, wo wir vielleicht keinen erwarten...
Ihrem Vorwort entnehme ich, daß Sie
seelsorgerisch für Seeleute tätig waren, Hut ab! Welche
Leistung! Ich kenne einige Schicksale und habe mich immer
gefreut, wenn ich draußen in der Welt von dem einen oder anderen
hörte, dass sie im Seemannsheim eine Weile Wärme und
Geborgenheit fanden. So manches Lob, das Ihnen und Ihren
weiblichen und männlichen Mitstreiter galt, durfte ich mir
anhören. Keine Ihrer Leistungen war umsonst. Sie wirkten
segensreich. Ich hoffe und wünsche, dass dieser seelsorgerische
Bereich auch weiterhin seine Kraft von „unten"
erfährt, weil von „oben" solche nicht angeordnet,
„gemacht" werden kann.
Meine schöne Jugendzeit und auch
bisherigen sozialen Aufgaben sind untrennbar mit Wietholz
verbunden. Ich weiß, was er damals geleistet hatte, weiß seinen
Einsatz zu schätzen. Durch ihn (und seine Mitarbeiter) waren
erst alle meine guten Erfahrungen möglich geworden, er schuf die
Voraussetzungen dazu, wofür ich ihm dankbar bin - und so wollte
ich von seiner Idee etwas zurückgeben und auch kommenden
Generationen besondere Möglichkeiten bieten, wie sie mir einst
geboten worden waren. Es funktioniert gut, aktiv im Hintergrund
still und unauffällig zu wirken, damit Jugend in
Eigenverantwortlichkeit sich selbstbewußt entfalten kann. Mein
stiller Dank ist sicherlich im geistigen Sinn längst bei
Wietholz angekommen, so dass er die Antwort auf seine Frage
„... was ist von bleibendem Wert?..." von mir kennt.
P.S. Ich bin 1943 im Elim-Krankenhaus, Hohe
Weide geboren, wohnte drei Jahre in der Bismarckstraße (Ecke
Roonstraße, die parallel zur Wrangelstraße, in der Wietholz
geboren wurde, verläuft!), drei Jahre in Hamm, 12 Jahre in Horn,
davon zwei gegenüber dem „Rauhen Haus"; wohne seit
über 30 Jahren in Freiburg.
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Ein Leben auf See amüsant und spannend wird über das Leben an Bord vom Moses bis zum Matrosen vor dem Mast in den 1950/60er Jahren, als Nautiker hinter dem Mast in den 1970/90er Jahren berichtet
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