Diakon Hugo Wietholz

im Beruf als Diakon des Rauhen Hauses ab 1970 in der Kirchengemeinde Hamburg-Horn

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Lebensbilder von Diakonen des Rauhen Hauses

Die Bücher mit Lebensportraits von Diakonen des Rauhen Hauses als

Bände 11 und 13 in der gelben Buchreihe "Zeitzeugen des Alltags" von Jürgen Ruszkowski

Sammelband

Band 11:

Genossen der Barmherzigkeit

Wietholz-Beitrag in gekürzter Fassung

Diakone des Rauhen Hauses

Diakonenportraits

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Wietholz-Autobiographie

Band 13:

Autobiographie:

Diakon Hugo Wietholz

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Johann Hinrich Wichern, geboren am 21. April 1808, hatte angesichts des Kinderelends seiner Zeit das das Rauhe Haus 1833 als junger Kandidat der Theologie mit Hilfe einflussreicher Hamburger Bürger in dem Dorf Horn vor den Toren Hamburgs aus kleinsten Anfängen als „Rettungshaus“ für gefährdete Kinder und Jugendliche gegründet und aufgebaut. Für seine immer umfangreiher werdende pädagogische Arbeit benötigte er schon bald Gehilfen. Aus dem Kreis dieser Gehilfen entwickelte sich später der Beruf des Diakons.

Das Familienprinzip, in dem Wichern seine Schützlinge betreute und erzog, erforderte eine größere Anzahl von Gehilfen. Im Sommer 1834 zog ein Bäckergeselle, namens Josef Baumgärtner, zu Fuß von Basel nach Hamburg, um Wichern als erster Gehilfe für ein mageres Taschengeld von 100 Mark im Jahr bei freier Kost und Logis als Betreuer einer „Knabenfamilie“ zur Hand zu gehen. Nach drei Jahren übernimmt Baumgärtner ein eigenes neu gegründetes Rettungshaus in Mitau im Kurland. 1839 ermächtigte der Verwaltungsrat Wichern, der Ausbildung von Gehilfen im Rauhen Haus "die gröstmögliche Veröffentlichung zu geben". Wichern ließ deshalb von 1843 an über die Gehilfen, schon damals Brüder genannt, eigene Jahresberichte erscheinen. Auf ihre theologische Ausbildung in seinem "Gehilfeninstitut" verwandte er große Sorgfalt. Aus seinen „Gehilfen“, die Wichern aus ganz Deutschland rief und die ihn bei seiner Erziehungsarbeit im Rauhen Haus unterstützten und von den Jungen der Erziehungsfamilien „Brüder“ genannt wurden, baute er den hauptberuflichen Mitarbeiterstab der Inneren Mission auf, die „Berufsarbeiter“, die als Hausväter in „Rettungshäusern“, als Strafvollzugsbetreuer oder als Stadtmissionare in ganz Deutschland und im Ausland bis hin nach Übersee tätig wurden.

„Treue, gottesfürchtige Männer, so ernst als wahr, so klug als weise, in der Schrift bewandert, im Glauben gegründet, voll Liebe zum armen Volke, geschickt zu solch einem Umgang, der Menschen fürs Himmelreich gewinnt, wünschen wir in Scharen unter das Volk.“

Erst Jahrzehnte später nannte man diese „Gehilfen“ entgegen Wicherns ursprünglichen Vorstellungen Diakone. Bis in die 1970er Jahre sprach man von der männlichen Diakonie. Daneben gab es den Beruf der Diakonisse. Danach wurden Ausbildung und Beruf im Rahmen der allgemein sich durchsetzenden Emanzipation auch für Frauen geöffnet. Aus der Brüderschaft wurde die Brüder- und Schwesternschaft des Rauhen Hauses. Heute bildet die Fachhochschule des Rauhen Hauses in Hamburg Frauen und Männer zu Diplom-Sozialpädagog(inn)en und Diakon(inn)en aus.


5. Teil des von Hugo Wietholz selbst verfassten, von Jürgen Ruszkowski überarbeiteten, Textes: Kopien und Veröffentlichungen - auch auszugsweise nur mit vorheriger Genehmigung!

Der Text dieser Seiten ist recht interessant, zeitgeschichtlich aufschlussreich und sehr umfangreich. Geplant ist die Herausgabe als eigenständiges Buch und auszugsweise als Beitrag in einem Sammelband von Diakonenlebensläufen. Es wird bis zur endgültigen Fertigstellung noch Monate dauern.


Wietholz Herkunft und Kindheit

Wietholz Jugend bis zum Eintritt ins Rauhe Haus

Wietholz Diakonenausbildung im Rauhen Haus, Kriegsdiesnt und Kriegsgefangenschaft

Wietholz Gemeindediakon 1948 - 1952 in Hamburg-Horn

Wietholz Gemeindediakon ab 1953 in Hamburg-Horn

Nach dem Diakonenexamen 1848 im Rauhen Haus war Hugo Wietholz jahrelang als Gemeindediakon in Hamburg-Horn tätig. Hier folgen seine interessanten Auszeichungen aus den Jahren 1953 bis ...

 

Im Beruf als Diakon des Rauhen Hauses in der Kirchengemeinde Hamburg-Horn von 1970 bis ... und anschließender aktiver Ruhestand

1970

Jetzt schrieben wir schon das Jahr 1970 und nur noch 4 Jahre waren es bis zu meiner Pensionierung, wie schnell lief doch die Zeit.

An dieser Stelle will ich auch noch den Fall Haßkerl aufarbeiten, denn der war einer mit Haken und Ösen. Frau Haßkerl war eine etwas schwierige Frau. Bei Besuchen in ihrer Wohnung hatte sie oft zu klagen. Sie meinte, es wäre ihr Geld gestohlen worden, das man aber später unter der Matratze fand. Als sie nun ins Pflegeheim musste, fiel uns die undankbare Aufgabe zu, die Wohnung zu räumen. Was musste da nicht alles auf den Müll! Ein paar kleine Schränke nahm Andreas. Plötzlich meldete sich aus Dänemark ein junger Mann, ein unehelicher Sohn des verstorbenen Ehemanns und meldete Erbansprüche an. Etwas Geld war bei der Volksfürsorge zu holen, ich musste den ganzen Kram zu einer Akte zusammenstellen, das ganze ging dann zum Amtsgericht nach Trittau. Um die Beerdigung, die in Heide stattfand, kümmerte sich dieser Verwandte nicht, das mussten wir machen. Herr Schulz, Lisa und ich fuhren also nach Heide. Ich schreibe dies einmal so ausführlich, weil solche Nachlässe üblicherweise leichter aufzulösen sind.

Jetzt war mal wieder eine Diakonenfreizeit dran, diesmal im Müttergenesungsheim auf dem Hessenkopf, das zu dieser Zeit frei war. Von dort machten wir eine Rundfahrt durch den tiefverschneiten, winterlichen Harz. Auf dieser Fahrt zeigte uns Bruder Jahnke das Gelände beim Buntenbock, das für ein Freizeitheim vorgesehen war.

Dieser Januar hatte es in sich, manche Fahrt musste wegen Glatteis abgesagt werden.

Unsere Übungsstunden für das Blasen gingen unvermindert weiter, wenn auch einige das Blasen wieder aufgaben, so kamen doch Neue dazu.

Im Rauhen Haus kam etwas verrücktes vor: Die Studenten von der Fachhochschule streikten! Früher waren es Diakonenanwärter, die immerhin schon wussten, was die Mitte des Dienstes war. Hier ging es meistens um schulische Dinge im Sozialbereich, was von uns älteren Brüdern früher anders bewältigt wurde, nicht mit Streik.

Inzwischen hatte ich wegen eines Aufenthaltes der Pfadfinder im Sommer an einen Schloßbesitzer nach Österreich geschrieben. Wir mussten passen, denn es war zu teuer.

Es war immer anstrengend, die Sketche für den nächsten Elternabend einzuüben, denn es kostete viel Geduld und Phantasie, etwas Richtiges von dem damaligen Lager in Dänemark zustande zu bringen.

Dann war mal wieder der Sonntag mit dem gemeinsamen Mittagessen dran, wo Pastor Dubbels am Nachmittag Bilder vom Heiligen Land zeigte. Später musste der Saal für den Dänemarkabend ausgeschmückt werden. Am Sonnabend ging es dann los. Der Abend war ein großer Erfolg und brachte auch eine gute Kollekte für unsere Pfadfinderarbeit. Die viele Arbeit vorher hatte sich gelohnt. Diesmal bekam auch Lisa für ihren unermüdlichen Einsatz in der Gemeinde von Frau Reuterfeld eine Blumenstrauß.

Über mehrere Tage gab es dann auf der Heideburg eine Tagung über die Altenarbeit, die ja immer mehr im Mittelpunkt der Gemeindearbeit stand.

Inzwischen war es März geworden. Diesmal hatten wir einen Winter mit viel Schnee und Straßenglätte. Trotzdem wagte ich die Fahrten nach Bötersheim und Wiegersen. Es musste mal wieder gearbeitet werden. In der Kate wurde die Decke isoliert. Lisa fuhr mit und sorgte für das Mittagessen, dieweil wir arbeiten.

Angelika hatte ihre Entlassungsfeier in der Wichernschule, die sie trotz einiger Schwierigkeiten erfolgreich beendet hatte, nun kam der nächste Schritt.

In den Osterferien war mal wieder eine große Stammfahrt mit den Wölflingen fällig. Es ging nach Bötersheim. Nuggi (Rudolf Schmidt) brachte seine Lohbrügger mit, und so fahren wir mit 47 Jungen los. Es gab viel Arbeit und ohne Lisa als Kochmutter konnte so eine Freizeit nichts werden. Großangelegte Geländespiele, wir hatten ja so viele Jungen, machten einen Heidenspaß. Abends saßen wir im Esssaal in großer Runde um den Kamin und hörten spannende Geschichten. Noch eine Überraschung gab es, mein Auto war aufgebrochen worden, die Polizei in Tostedt nahm sich der Sache an, aber von Erfolg bei der Tätersuche keine Spur. Bevor es nach Hause ging, musste das Haus auf Vordermann gebracht werden, damit die nächste Freizeit stattfinden konnte.

Nun noch etwas über Wiegersen: Bis alles so fertig war, wie wir es uns wünschten, waren noch viele Tage und Stunden Arbeit erforderlich. Immer wieder waren an jedem Sonnabend die drei Getreuen Matten, Schille und Andrusch zur Stelle, die sich später im Zement beim Bau des Waschhauses mit ihren Namen verewigten. Natürlich sollte das Plumsklo draußen so schnell wie möglich verschwinden. Dafür wurden die Grundmauern für das zukünftige Waschhaus gesetzt. Wir hatten zufällig solche Maße genommen, dass später die Plattenwände, die wir von Photo Porst aus der Dammtorstraße unentgeltlich bekamen, genau darauf passten. Diese Platten teilten ein Großraumbüro und sollten abgebaut werden. Mit Josenhans fuhr ich hin, bauten sie ab und transportierten sie von der 2. Etage herunter. Wir waren froh, auf so günstige Weise zu den Wänden für unser Waschhaus zu kommen. Vorher war es aber nötig, eine Klärgrube hinter dem Waschhaus zu schaffen. Es wurde eine Grube mit Dreikammersystem. Der Überlauf konnte über eine Wiese in den Graben fließen. Beim Ausschachten half ein Bagger, aber beim Zuschaufeln machten die Wölflinge einen Wettkampf daraus. Als nächstes wurden dann Zu- und Abfluss zum Waschhaus gelegt. Für das Dach bekamen wir das Holz aus Kamerun von einem Holzhändler zu einem günstigen Preis. So hatten wir dann ein Waschhaus mit zwei Toiletten, im Vorraum eine große Waschgelegenheit für die Jungen, ein Waschbecken, Anschlüsse für Waschmaschine und Geschirrspüler. Diese bekamen wir später geschenkt.

Nicht nur das Dach für das Waschhaus musste montiert werden, wir brauchten auch noch einen Schuppen, der dann auch bald erstand. Lichtleitungen wurden in beide Gebäude gelegt und dann der Zementboden gegossen. Alles wurde mit viel Einsatz und Begeisterung geschafft, denn wir sahen das Werk unserer Hände stetig wachsen. Einen Zwischenfall gab es beim Bau der Klärgrube. Ich bekam einige Zementbrocken ins Auge, als ich ein Loch stemmen wollte. Leider hatte ich keine Schutzbrille getragen. So musste ich am Sonntag ins Uni-Krankenhaus, damit der Fremdkörper entfernt werden konnte.

Auch die Küche musste Wasseranschluss und Abfluss bekommen. Danach konnten wir eine Spüle und einen Boiler anbringen. Alle Türen im Haus wurden Schiebetüren. Dafür holten wir die Aufhängungen aus Winterhude. All diese Ausgaben - auch für Holz und Dachpappe - waren gar nicht so niedrig. Es gingen über 500.- DM drauf. Die Waschrinne für das Waschhaus holten wir aus Barum von einem Campingplatz. Es war eine sehr schwierige Fahrt bei dichtem Nebel.

Wenn man heute die Kate mit Waschhaus und Schuppen sieht, kann man sich nicht mehr vorstellen, wie viele Einsätze nötig waren, um dies alles zu schaffen, denn als wir anfingen, war es eine abbruchreife Kate.

Es kam der Karfreitag und wegen des Schneefalls blieben wir mal im Haus. Es war schon längst Frühlingsanfang gewesen und der Winter wollte und wollte nicht weichen.

In der Zwischenzeit nahm Bruder Giering Abschied von seiner Gemeinde und ging ins Kirchenverwaltungsamt. Bei einer Aussprache warnte ich ihn und hatte damit recht. Er blieb nicht lange dort und wurde dann ein tüchtiger Gemeindediakon in Eilbek. Noch heute haben wir ein gutes Verhältnis zur Familie.

Auch mit unserem Essensausfahrer Josenhans gab es ein gutes Miteinander. In der Horner Marsch, wo er ein nettes kleines Haus besaß, waren wir zum Essen eingeladen.

Dann ging es mal wieder zur Kate und von dort nach Bötersheim, um da den Laden mal wieder in Ordnung zu bringen, eine Gruppe hatte das Haus ganz saumäßig verlassen. Wir hatten bis 23 Uhr zu tun. Unterwegs halfen wir noch einigen Leuten, die in einen Unfall verwickelt worden waren. So waren wir erst um 0 Uhr 35 im Haus. Am nächsten Morgen standen wir früh auf, denn Lisa sollte im Chor singen.

Ja, und dann kamen die großen Vorbereitungen für den 20. Jahrestag der F.C.P. am 1. Mai 1970. Was musste nicht alles an Verpflegung heran geschleppt werden. Der Saal wurde geschmückt, die Wölflinge und Pfadfinder übten ihre Lieder. Wir hatten ein großes Programm. Zuerst der Festgottesdienst und dann ging es im Saal weiter. Über 200 Personen waren gekommen. Fünf Kaffeestuben waren eröffnet, auf der Bühne gab es ein Puppentheater, Dias und ein Film wurden gezeigt, Lieder gesungen, Berichte über die Arbeit gegeben. Es war ein ereignisreicher Tag. Draußen vor dem Gemeindehaus standen Koten und am Fahnenmast flatterte die Pfadfinderfahne. Bei der Feuerwehr hatten wir das Lagerfeuer angemeldet und aus dem Fenster des Gemeindehauses strahlte ein Scheinwerfer das Pfadfinderlager an. Die Bewohner der gegenüberliegenden Häuser bekamen Kugelaugen, so etwas hatten sie noch nicht gesehen. Es wurde dann bis spät in den Abend aufgeräumt. Am nächsten Tag, einem Sonnabend fuhren wir mit den ehemaligen Pfadfindern zur Kate, wo Lisa den Kaffeetisch gedeckt hatte.

Am Alltag war dann wieder allerhand los, Herr Lachmann war hingefallen und musste zum Arzt gefahren werden. Die gezeigten Filme mussten zum Männerwerk zurück gebracht werden. Abends war dann wieder Blasen. Am nächsten Tag wurde der Fahnenmast wieder an seinem Platz hinter der Kirche eingegraben.

Der Himmelfahrtstag nahte, wir machen in Schnakenburg, im Schützenhof das Essen klar und konnten dann mit mehreren Bussen dort hinfahren und einen schönen Gemeindeausflug erleben. Am Abend, als wir zurück fahren wollten, hatte der eine Bus eine Panne, die Stechachse war entzwei. Bis Ersatz kam, dauerte es recht lange und manche Leute wurden ungeduldig. Erst um 23 Uhr konnten wir die letzten Gemeindeglieder vor dem Gemeindehaus absetzen.

Auch das gibt es mal: Wir sind mit der Familie ganz allein zum Kaffeetrinken in Bötersheim, es ist mal ein ruhiger Tag.

In den Pfingstferien waren wir mit den Pfadfindern in Wiegersen. Hinter dem Haus hatten wir vier Koten aufgebaut. Lisa war als Kochmutter dabei. Die Jungen wurden in Etappen von Wulmsdorf geholt, weil bis dort der Fahrschein des HVV galt und wir so die Kosten niedrig halten konnten. Es wurde ein Fahnenmast aufgestellt, und nun konnten wir jeden Morgen und Abend Appell halten. Meistens wurden am letzten Tag neue Wölflinge und Pfadfinder für die F.C.P. verpflichtet, dies geschah immer nach dem internationalen Pfadfinderversprechen. Feuerrunde, Lagerüberfall, Nachtgeländespiel und Probenabnahme wurden durchgeführt. Jeden Morgen saßen wir in einer Runde über einen Bibeltext. Am Pfingstsonntag fuhren wir zur Apenser Kirche. Es war sehr schön, als dort ein Gitarrenchor den Gottesdienst mit seinen Liedern ausschmückte. Als wir wieder im Lager waren, hatte der eingeteilte Tischdienst seines Amtes zu walten, denn Lisa wartete schon mit dem Essen auf uns.

Noch etwas wurde geschafft, wir hatten einen alten Bauernwagen zu einem Planwagen umgebaut, der stand fortan seitwärts auf der Wiese - als besonderes Zeichen. Dann wurde der Eingang zum Grundstück mit einem Tor versehen, rechts und links wurden große Wagenräder aufgestellt. Das Scheunentor der Kate hatten wir umgebaut, früher ging es nach innen auf ,jetzt wurde es nach außen geöffnet und das war ein guter Schutz für die Innentür, die ja viel Glas hatte. Wichtig war, die Koten bei gutem Wetter abzubauen damit die Kotenblätter möglichst trocken ins Gemeindehaus kamen. Als das Lager beendet war, ging es in Etappen wieder nach Wulmsdorf. Immer wieder waren wir froh, alle gesund nach Hause zu bekommen. Am 22.5. 1970, dem Geburtstag meines Vaters, waren wir dann alle um 18 Uhr glücklich wieder zu Hause, der Himmel hatte seine Schleusen geöffnet, so fiel der Abschied nicht so schwer.

Dann gab es ein paar freie Tage. Emmi und Alfred hatten in Grömitz im Hanseat II eine Ferienwohnung, die durften wir ab und zu benutzen. Zum ersten Mal waren wir jetzt im neuen Wellenbad. Grömitz hatte sich seit damals, als wir mit Christa und Renate dort waren, sehr gemausert. Viele Hochhäuser und Ferienwohnungen waren gebaut worden. Nach diesem Urlaub wurde ich ziemlich krank, hatte Schmerzen und Erbrechen, keine gute Nacht. Warum soll es auch immer gut gehen, sonst wird man vielleicht noch übermütig.

Kaum war ich wieder etwas auf den Beinen, da lag schon wieder die Stadtranderholung in Bötersheim an. Diesmal waren es nicht nur schöne, sondern heiße Tage.

Mit Herrn Kulick, Frau Sonsalla und Frau Witt fuhren wir an einem Tag mal nach Wiegersen, um ihnen das gute Stück zu zeigen. Am 4.6.1970 habe ich unseren Wagen mit nach Bötersheim genommen, weil wir nachmittags zur Beerdigung von Onkel Johannes nach Billwärder fahren mussten. Anschließend waren wir bei Ruth Gabriel in Billbrook zum Kaffeetrinken.

Am Freitag wurde der Kirchenvorstand nach Bötersheim gefahren, um mit Herrn von Rogister über den weiteren Mietvertrag zu sprechen. Rogister machte bei dem Gespräch zur Bedingung, wenn der Mietvertrag weitergeführt werden sollte, dann müssten wir eine Zentralheizung einbauen. Das würde etwa 40.000.-DM kosten. Dafür war der Kirchenvorstand nicht zu haben. Also würde der Mietvertrag nach 15 Jahren auslaufen und somit das Haus aufgegeben werden. Mal gut, dass ich vorgesorgt und die Kate auch ohne Genehmigung des Kirchenvorstands privat übernommen hatte. Bei der damaligen Baufälligkeit der Kate hätte der K.V. nur alles abgelehnt.

Inzwischen lief die Fußballweltmeisterschaft, bei Deutschland erst gegen England 3:2 gewann, dann aber gegen Italien 3:4 in der Verlängerung verlor. Ein Spiel mit vielen Fouls und Aufregungen.

In Horn blies der Posaunenchor zum ersten Mal im Gottesdienst und kam gut an.

In der Woche mussten Angelika und Andreas zum Zahnarzt, dafür war Onkel Alfred zuständig. Ich fuhr sie hin.

Mit den Alten wurde eine Ausfahrt nach Sonderburg bei schönstem Wetter gestartet. Leider hatte das Schiff nur 2 Stunden Aufenthalt, so blieb nicht viel Zeit zum Einkaufen.

Nun kam von Frau Höpfner eine traurige Nachricht: Der junge Mann aus dem Posteltsweg, den wir betreut hatten, beendete sein Leben durch Selbstmord. Mir war dabei nicht recht wohl dabei, er wurde zwar von seinem Vater vernachlässigt, aber unsere Betreuung war wohl auch nicht ernst genug.

Unser Leben schien zu der Zeit wohl von Beerdigungen eingerahmt zu sein. Schon wieder waren wir auf dem Schiffbeker Friedhof, Frau Müller - aus der befreundeten Familie uns gegenüber - war plötzlich gestorben.

Dann kam eine Hochzeit der Tochter unseres Rotkreuz-Freundes Möller, die in der Pauluskirche gefeiert wurde. So liegen die Begebenheiten in diesem Leben dicht beieinander.

Unsere Großfahrt ging in diesem Jahr mit Matten, Schille und Andrusch nach Schweden und Finnland. Wir fuhren nach Nortälje, 70 km nördlich von Stockholm. Dort gab es eine preiswerte Fährverbindung nach Turko in Finnland. Hier besuchten wir das Museumsdorf von Turko mit all den Einrichtungen aus alter Zeit, Bauernhöfen, Werkstätten verschiedener Art, Schuster, Schmied, Tischler, Seilmacher usw. Dann ging es durch Finnland. Unterwegs machten wir auf einem Campingplatz mit Sauna Rast und hatten auch Zeit zum Angeln. Es waren schöne Tage mit einer solch kleinen Mannschaft. Auf der Fahrt nach Helsinki kamen wir dicht an die russische Grenze, aber wir wollen mit dem Posten nichts zu tun haben. In Helsinki besichtigen wir bei Regen die Stadt, besonders die deutsche Kirche und das Parlamentsgebäude.

Über die Frau, die uns durch das Parlament führte, mussten wir lachen, da sie meinte, man dürfte hier nicht laut sprechen.

Wir verließen die Stadt und fuhren wieder nach Turko, um auf dem Campingplatz zu schlafen. Doch daran war kaum zu denken, denn die ganze Nacht dröhnte es aus dem nahegelegenem Sägewerk. Am anderen Morgen waren wir froh, als wir wieder Schiffsplanken unter den Füßen hatten und nach Schweden übersetzen können. Unterwegs plagte uns dicker Nebel auf See. Ich stand oben an Deck und versuchte die Nebelwand mit den Augen zu durchdringen. Das gelang aber nicht. Plötzlich tauchte an der Backbordseite ganz dicht ein Schiff auf. Ich bekam einen wahnsinnigen Schreck. Hier konnte ich die Erfahrung machen, wie gefährlich eine Nebelfahrt sein kann. Ein langer Weg durch Schweden führte dann nach Trelleborg und mit der Fähre nach Travemünde. Mit Verspätung landen wir dort an einem warmen Samstagabend. Die Überraschung: Um 22 Uhr 30 erwarten uns Lisa, Christa mit ihrem neuen "Heini", Helmut Prehn und Geli. Mit großem Hallo und Freude fandt die Begrüßung statt, und es wurde im Haus dann noch ein langer Abend.

Bist du eben im Haus, geht am nächsten Tag der alte Dreh mit der Arbeit wieder los. Die große Abrechnungen für den fahrenden Mittagstisch standen an und hier war immer ein Vertreter der Sozialbehörde dabei, um zu prüfen, ob die Rentner auch nicht zu viel Zuschuss von der Behörde bekämen.

In Bötersheim war auch wieder etliches zu tun. Und dann kamen ein paar Tage zum Ausspannen.

Barbara hatte ihren Führerschein und sich einen gebrauchten Käfer gekauft. Sie fuhr mit uns nach Dänemark, natürlich schneller und voraus. Am nächsten Tag trafen wir sie in einer Cafeteria, wo wir dann gemeinsam Mittag essen. Abends waren wir in Lökken bei unserem Bauern, der inzwischen angebaut hat und uns mehrere Zimmer anbieten konnte. Natürlich suchten wir unsere alten Stätten in Lökken auf. Lisa fuhr mit Barbara zum Baden an den Strand, um den Wasserspiegel zu erhöhen. Dann gab es eine Überraschung, Christa kam plötzlich mit ihrem Helmut in einer „Ente“ zu uns. Mit diesem Auto hatte es so seine Bewandtnis, Christa hatte uns vor einiger Zeit bedrängt, wir möchten doch einen Kredit für den Kauf geben. Der Helmut war zur Ausbildung im Rauhen Haus und würde uns das Geld von einem demnächst fälligen Sparvertrag zurück geben. Dabei gab es später allerlei Schwierigkeiten, aber zuletzt bekamen wir das Geld dann doch wieder. Erst mal waren sie also in Lökken und haben uns letztlich auf der Tasche gelegen. Mal hat Helmut mir geholfen beim Einbau einer Scheibenwaschanlage, sonst aber war es ziemlich dämlich von ihm, mit seiner Ente im Salzwasser am Strand zu rasen. Wir machten viele Ausflüge zum Steilufer, nach Skagen und nach Friedrichshaven, um Einkäufe zu machen. Später fuhren Barbara, Geli und Andrusch zusammen nach Hause. Sie wollen wohl prüfenen, wie gut ihre Schwester fahren kann. Abends spät riefen wir in Horn an und waren froh und dankbar, dass sie heil und gesund angekommen sind. Christa und ihr Heini sind auch schon weg. Wir fahren dann nach Sonderburg, besuchen den Bauern Schmidt und holen beim Töpfer die bestellten Gefäße ab. In Sonderburg übernachteten wir im Hotel „Zum goldenen Stern“ und aßen zu Abend. In Erinnerung habe ich, dass das Abendessen so reichlich war, dass wir nicht dagegen an konnten. In Schleswig waren wir zum Gottesdienst im Dom und haben den Bordesholmer Altar bestaunt. Von dort ging es an die Schlei und haben da nach langem Warten doch noch ein Mittagessen bekommen. Über Bad Bramstedt, dort Kaffeetrinken, fuhren wir dann nach Hause.

Ich hatte noch Urlaub, darum ging es gleich weiter. In Altengamme am Deich in einer Gaststätte gab es ein gutes Bauernfrühstück. Weiter ging es nach Barum zu Emmi und Alfred. Dort haben wir Kaffee getrunken und geklönt. Dann fuhren wir in den Harz. Im Dunkeln landen wir in Braunlage und übernachten im Haus Gerda. Die nächsten Tage schweiften wir durch den Harz, die Wurmbergbahn wurde benutzt, und vom Wurmberg hatten wir einen Blick in die abgegrenzte DDR. Alte Stätten wurden aufgesucht: Bad Sachsa mit dem Märchenwald, Bad Harzburg mit seiner Fußgängerzone, wo das Spazierengehen noch Spaß machte. Zum Mittag wollte Lisa unbedingt Forelle essen, was auch geschah. Dann unternahmen wir eine Fahrt zur Okertalsperre, die ein riesiges Wasserbecken hat, das Wasser wird noch in Braunschweig gebraucht. In Hedeper suchten wir D. B., doch nur A. war da. Abends saßen wir dann zusammen. Die Losung dieses Tages, 28.8. passte genau zu dieser Affaire: „Lasst uns erforschen und prüfen unseren Wandel und uns zum Herrn bekehren.“ In Hornburg nahm uns das Freizeitheim „Haus Stadthagen“ zur Übernachtung auf. Auf der Heimfahrt haben wir noch kurz in Wiegersen nach dem Rechten gesehen und dann ging’s zu Kuddl-Hein nach Neugraben. Wir trafen ihn aber nicht an und waren dann am Sonntag noch mal in Neugraben, fanden ihn bei einer Wanderung durch die Heide. Mit viel Hallo ging es zu seinem neuerworbenen Haus, das erst mal besichtigt werden musste und dann gab es Kaffee.

Seit einiger Zeit hatten wir eine neue Gemeindehelferin, Hiltraut Röding. Jetzt hörte ich, dass sie bereit sei, die Mädchenpfadfinderinnen zu übernehmen. Prima!

In Wiegersen war wieder einiges zu tun, die Küche brauchte einen Bodenbelag und im Waschhaus musste ein Waschbecken und später ein Boiler angeschlossen werden.

In Horn brachten wir eine Filmstunde zustande mit dem schwedischen Film: „Der große Abenteurer“.
Wenn eine Haussammlung für die Innere Mission lief, durfe man auch mal etwas Nettes erleben, als immer nur das „Nein“.

Dann kam wieder eine Altenfreizeit Bötersheim in, und als ich den Alten von unserem neuen Projekt, der Kate in Wiegersen, erzählte, bekamen wir so manchen Geldschein für den weiteren Ausbau in die Hand gedrückt. Der letzte Tag der Freizeit wurde - wie immer- besonders festlich begangen. Es gab ein Festessen und dann eine Eisbombe.

Nach vielen Arbeiten und Kleinkram im Gemeindehaus, fuhren Lisa und ich auf Quartiersuche in die Göhrde. Überall hatten wir Erfolg und durfen bei der kommenden Herbstfahrt bei verschiedenen Bauern übernachten. Es sollte diesmal nach Himbergen, Riebrau, Domatzen, Polau und Dornte gehen. Über Bevensen ging es dann zurück nach Hause. Wir konnten immer wieder unserem Herrn danken, dass wir unbeschadet in Horn ankamen.

Am 18. 10 um 10 Uhr war überraschend Ewald Koops im Gottesdienst. Er war zu einem kurzen Besuch aus Kanada hier. Unsere neuen Pfadfinderräume im Keller konnten wir ihm zeigen, er war hell begeistert. Ich hatte noch Bilder von einer Lapplandfahrt für Peter Iden, der ja bei ihnen in Kanada in der Nähe wohnte. Jetzt konnte ich sie ihm mitgeben.

Ende Oktober durften wir mal wieder für ein paar Tage nach Grömitz. Dabei machten wir einen Abstecher nach Heiligenhafen, um uns das umgebaute Haus Sturmöwe anzusehen. Sprachen mit einigen Leuten über die Martinsgemeinde, die ja den Anfang dieses Ferienhauses begründet hatte. Auf der Heimfahrt schauten wir in Trittau das Altenheim Billetal an, das jetzt ausgebaut wurde. Mit Axel Schulz und seiner Familie trunken wir Kaffee und fuhren dann nach Hause.

In der Zwischenzeit war dann wieder allerlei passiert, aber einen Tag muss ich besonders anmerken. Am 30.10.70 hatte der Kirchenvorstand endlich beschlossen, dass die Mitarbeiter der Gemeinde an den Sitzungen des K.V. teilnehmen durften. Ich hatte wegen unseres Ausschlusses von den Sitzungen schon lange gemosert, auch beim Bischof.

Am Sonntag gab es dann wieder das Altenessen, wobei Pastor Dubbels von seiner Reise nach Pompeji erzählte.

Dann kam der Augenblick, an dem der angekündigte Besuch des Bischofs Wirklichkeit wurde. Auch uns Mitarbeitern widmete Bischof Wölber seine Zeit. Meine Aufgabe war es, einen Vortrag über die Diakonie in der Gemeinde zu halten. Später waren wir Mitarbeiter mit ihm allein und konnten unsere Sorgen und Vorstellungen von Gemeindearbeit vor ihm ausbreiten. Natürlich hielt der Bischof am Sonntag auch die Predigt und nahm danach an einer Gemeindeversammlung teil. Eines stand fest: Pastor Dubbels und ich kamen in die Jahre und unser Verhältnis wurde immer besser.

Am Sonntagnachmittag besuchten wir Herrn Salchow, den wir vor einiger Zeit in das Wohnheim von Schulz in Lütjensee gebracht hatten. Er hatte sich gut eingelebt. Als er noch in Horn lebte, erzählte er mir einmal, dass er im Krieg mit seiner Kompagnie vor Leningrad gelegen hätte und sich jetzt schuldig fühle, dass die Bevölkerung bei der Belagerung so leiden musste.

Dann kam die Advents- und Weihnachtszeit mit ihren vielen Veranstaltungen und auch Sammlung und Paketverteilungen. Eine treue Bibelstundenbesucherin war im Krankenhaus und wurde besucht, später musste ich ihren Haushalt auflösen.

Dann ist da der 4.12.1970, an dem Renate mit ihrem Armin zum Standesamt gingen. Die kirchliche Trauung sollte später folgen. Jetzt wurd erst mal mit einem festlichen Mahl im engsten Familienkreis gefeiert.

Unsere Adventsfahrt, die immer am 2. Advent stattfand, ging diesmal nach Olsen. Die alten Pfadfinder halfen mit, und so ging alles ganz gut über die Bühne. Abends saßen wir bei Kerzenschein zusammen, es wurden Adventsverheißungen gelesen, Lieder gesungen und auch mal eine spannende Geschichte vorgelesen.

Lisa und ich fuhren zu Horst Zielasek. Er hatte 25jähriges Eintrittsjubiläum.

In Bötersheim musste mal wieder gewühlt werden. Der Schornsteinfeger hatte unser schönes Strohlager auf dem Boden beanstandet. Das musste nun geräumt werden. In Zeltbahnen haben wir das Stroh hinunter in den Garten geschafft und dort verbrannt.

In der Kirche wurd der große Christbaum geschmückt, wie immer meine Aufgabe. An diesem Heiligen Abend schneite es. Trotz Kälte und Frost bliesen wir vor der Kirche. Der Mitternachtsgottesdienst war gut besucht, viel junges Volk war dabei.

Am 30.12.1970 wurde Karl Peters 60 Jahre alt, und wir feiern mit. Wieder ging ein Jahr mit so vielen Ereignissen zuende, nur einem gilt der Dank, unserem Herrn Jesus Christus für alle Barmherzigkeit und Liebe.

1971

Und nun schrieben wir das Jahr 1971 und begannen es wieder mit einem Gottesdienst. Dann wurden wieder in Bötersheim Rohrbrüche beseitigt. Trotz Kälte ging es weiter zur Kate. Auf dem Boden wurde die Decke mit Holz verschalt.

Nachdem die Abrechnung für das Essen fertig war, fuhren wir zum Rauhen Haus. Dort war Frau Rottländer immer so lieb, unsere Wäsche für das Schetelighaus zu waschen und zu bügeln.

Am 29.1.1971 unser Kennenlerntag, habe ich unterwegs an einer Tankstelle das Glück, dass mir der nicht anspringende Motor repariert wird. Abends ging es dann mit Lisa ins Hansa Theater, das wir immer wieder gern besuchten.

Am 31.1.1971 feierten wir mit etlichen Gemeindegliedern Pastor Dubbels Geburtstag.

Plötzlich kam von Uli Seibt die Nachricht, dass seine Frau gestorben sei. Am 5.2.1971 war die Beerdigung in der neuen Kirche von Geesthacht. Die Ansprache hielt Uli‘s Onkel, der Pastor war. Etliche alte Pfadfinder waren dabei. Aber von da an verlor sich die Spur von Uli. Viele Versuche ihn zu erreichen, scheiterten, er sollte bei der Bundesbahn arbeiten aber keiner wusste wo.

Am 3.2.1971 waren die Pfadfinder wieder zur Ansgarfeier in St.Petri, um den Ordnungsdienst zu versehen.

In Billstedt wurde ein altes Haus abgerissen. Ich versuchte mit Andrusch eine alte Treppe auszubauen, was auch gelang, aber für die Kate war sie doch nicht zu gebrauchen.

In der Faschingszeit organisierten wir ein Kappenfest. Später nutzten wir den geschmückten Saal, um auch mit den Alten eine kleine Feier zu veranstalten. Soll aber sehr anstengend gewesen sein. Immer wieder versuchte ich, den Kirchenvorstand davon zu überzeugen, dass die Alten einen Raum im alten Gemeindehaus brauchten, wo sie nicht so viele Treppen zu überwinden hatten. Das wurde immer wieder abgelehnt.

Trotz Eis und Schnee waren wir wieder ein paar Tage in Grömitz und danach wieder in der Kate, wo wir bei eisiger Kälte arbeiteten. Die Jungen setzten sich manchmal auf den elektrischen Ofen, weil es so kalt war.

Dann kam wieder am Sonntag das Altenessen mit einem Filmprogramm. Der Film hieß: „Das Wunder des Malachias“. Welch ein Wunder, er konnte trotz viermaligem Reißen doch noch zuende gebracht werden.

Ja, auch der letzte der Mohikaner, unser Andrusch hatte am 9.3.1971 in der Wichernschule seine Entlassungsfeier und ging mit vielen guten Wünschen davon. Was nun wohl werden würde.

In den Osterferien fand eine Stammfahrt der Wölflinge mit einem großen Programm statt: Waldläuferspiel mit vorher ausgelegten Stationen, wo die Proben abgenommen werden, Mutproben durch den dunklen Wald oder auf dem Friedhof, wo ein Gespenst auf der Gräbergruft lauerte. Jeder, der dort angekommen war, musste seinen Namen auf eine Tafel schreiben. Eine tolle Schnitzeljagd durfte nicht fehlen und in der dunklen Nacht (Bötersheim hatte noch keine Straßenbeleuchtung) gab es ein schwieriges Orientierungsspiel. Mit großer Mühe und viel Geduld wurde zum Schluss das ganze Haus sauber gemacht.

Am 30.3.1971 hatte Frau Sonsalla, unsere Sonny, Geburtstag. Das wurde kräftig gefeiert. Sie war uns immer eine treue Hilfe.

Es war ja lange keine Beerdigung: Onkel Max Gabriel war plötzlich gestorben und wurde auf dem Billwärder Friedhof beigesetzt.

Dann kamen wir einer Einladung von Dietmar B. nach, der Pastor geworden war und vom Braunschweiger Bischof ordiniert wurde. Nach dem Kaffee mache ich einen Spaziergang durch das Dorf Hedeper und entdecke neben der Kirche ein leerstehendes Haus. Dietmar erzählt, es gehöre einem Herrn Bötel. Ich bat ihn, einmal zu erkunden, ob das Haus zu haben sei. Wir blieben an diesem Tag sehr lange auf und schliefen nachher im Pfarrhaus auf dem Dachboden. Später kam dann von Dietmar die Nachricht, er habe mit dem Landwirt Bötel gesprochen und die Zusage erhalten, dass die Horner Gemeinde das Haus 20 Jahre mietefrei bekommen könne. Natürlich musste das Haus von Grund auf überholt werden. Also fuhr dann Abordnung der Gemeinde hin, sah sich das Haus an, ich machte Innenaufnahmen und dann kam der Augenblick, wo der Kirchenvorstand entscheiden sollte. Der Kirchenrat wurde auch eingeschaltet. Das Ergebnis war enttäuschend. Was wurde nicht alles an Negativem vorgebracht. Alle meine positiven Argumente, 20 Jahre mietefrei, die Nähe des Harzes, die Autobahn, die in nächster Zeit bis Bad Harzburg führen sollte, nutzten nichts. Die Bitte, 3.000 DM für die Instandsetzung zu bewilligen, wurde abgelehnt. Einige Männer aus dem KV hatten eine ziemliche Wut und wollten aus dem KV austreten. Wir fanden einen besseren Weg. Hartmut Keiper, Halli Unteutsch, Karlheinz Schrödter, Viktoria Weihrauch (alle aus dem KV), später auch Rolof und Barbara, und ich bildeten eine Arbeitsgemeinschaft. Am 10.12.1971 zogen wir zu Bötel und haben den Vertrag dann von unserer Seite unterzeichnet und mit einer Flasche Sekt begossen. Abends saßen wir dann noch lange mit Dietmar im Pfarrhaus zusammen und haben später bei ihm übernachtet. Wir besichtigten das Haus, das nun unser Freizeitheim werden sollte, maßen die Zimmer aus und machten Pläne. Im Dorf haben wir uns auch etwas umgesehen. Dies ist alles schon etwas vorgegriffen, aber das Werden dieses Stützpunkts Hedeper musste doch erzählt werden.

In Hamburg ging es dann um unseren VW-Bus. Die Zinsen für den Kredit bei der Sparkasse waren doch recht hoch. Unser Schwager Alfred hatte uns die Restsumme zinslos zur Verfügung gestellt. Darüber waren wir sehr froh.

Dann kam wieder mal eine Betreuung einer alten Dame, die uns allerlei Schwierigkeiten brachte. Erst musste sie nach Ochsenzoll, dann brachten wir sie in ein Erholungsheim nach Bad Schwartau. Als sie wieder in ihrer Wohnung in Horn war, gab es mit den Angehörigen wegen Geld und Schmuck viel Quark. Glücklicherweise hatte ich alles aufgeschrieben, was sie besaß und das von der Altenpflegerin quittieren lassen. Dies alles kostete viel Nervenkraft und Geduld.

Am Ostersonntag mussten wir Barbaras Käfer bis nach Schneverdingen abschleppen zur Reparatur. Von dort nach Bötersheim. Im Haus die Öfen geheizt und mit der Familie schöne Stunden verlebt.

Frau Köhn befand sich in Trittau und da war dann auch hin und wieder ein Besuch fällig. Auch Uli‘s Vater war plötzlich verstorben und Uli stellte uns sehr viele Kohlen für Bötersheim zur Verfügung. Jetzt kam die schwere Arbeit, diese vielen Zentner aus dem Keller nach Bötersheim zu schaffen.

Der Altensonntag wurde wieder vorbereitet und im Gottesdienst sang der von Pastor Nordhoff neu gegründete Seniorenchor, auch nachher noch im Saal.

In Wiegersen erlebten wir, dass Bauer Klindtworth das Holz, das wir für die Dächer brauchen, mit dem Fuhrwerk von der Holzhandlung holte.

Mit dem Fahrenden Mittagstisch hatten wir guten Erfolg. Jetzt waren es im Monat ca. 2.000 Essen, die ausgefahren wurden, und über 5.000 DM mussten kassiert werden. Unser Bezirk hatte sich über ganz Horn ausgedehnt. Unsere neue Hauspflegerin, Frau Westerhausen, musste für ihren Einsatz eingewiesen werden. Immer wieder war es nötig, alte Menschen, die pflegebedürftig geworden waren, nach Trittau zu fahren.

Dann kam der große Tag, an dem Renate mit ihrem Armin in der Martinskirche von Pastor Dubbels getraut wurden. Großer Empfang im Gemeindehaus mit dem anschließenden Hochzeitsessen, viele Ansprachen und auch Darbietungen von einigen Gästen. Es waren auch viele Verwandte von Armins Seite dabei, die wir erst mal kennen lernen mussten. Einen Tag später, am Sonntagnachmittag, erholten wir uns am Metzensee im Haus von Emmi und Alfred.

Es gab doch merkwürdige Augenblicke: Da waren wir beim Arbeiten in der Kate, und plötzlich machten wir einen Einsatz bei der Bekämpfung eines Waldbrandes. Nach diesem Einsatz fuhren wir ins Schetelighaus, um uns von dem heißen Tag, der abends ein Gewitter nach sich zieht, auszuruhen. Am nächsten Tag hieß es wieder, auf zur Stadtranderholung. Morgens hin und abends zurück aus Bötersheim. Zwischendurch musste für die Verpflegung gesorgt werden.

Zum Glück hatten wir in Billstedt beim Detje-Laden einen Herrn Wiebe, der unserer Gemeinde sehr zugetan war. Der Gute hat uns vieles günstig verkauft und kam auch nach Bötersheim, um uns zu besuchen. Es war schon gut, Verbindungen zu haben, die unserer Gemeinde zum Vorteil dienten.

Dann war mal wieder eine Sammlung für das Müttergenesungswerk fällig. Also auf zur Schule, wo wir bisher immer gute Unterstützung hatten. Aber jetzt lehnte der Schulleiter plötzlich jede Hilfe ab, Schüler um das Sammeln zu bitten. Sein Argument: Es könnten auch andere Vereine mit solcher Bitte kommen. Dabei ist das Müttergenesungswerk doch kein Verein und die Sammlung sollte doch allen Müttern zugute kommen. Ich war ziemlich ungehalten, nun musste ich versuchen, bei den Konfirmanden um Sammler zu bitten. Allgemein war das Ergebnis dieser Sammlung noch gut, nur unsere Gemeinde hatte schlecht abgeschnitten, aber diese Arbeit war erst mal geschafft.

Trotz aller Arbeit in Bötersheim, konnte ich noch manche Fahrt mit geschenkten Möbeln nach Wiegersen machen. Von Bötersheim nach Wiegersen ist es ja nur halbsoweit als von Hamburg.

Zwischendurch war im Kirchenbüro eingebrochen worden, man hatte den Blechschrank aufgebrochen, aber kein Geld gefunden, weil alles Bargeld täglich zur Bank gebracht wurde. Später bekam die Gemeinde einen Geldschrank, der so schwer war, dass man befürchtete, dass die Betondecke sein Gewicht nicht aushalten würde.

In Wiegersen bekamen wir Besuch von einem Herrn, der früher unter ganz primitiven Verhältnissen in der Kate gewohnt hatte. Als er die Kate jetzt wiedersah, war er sehr erstaunt, so wie sie jetzt renoviert war, wäre er wohl nicht ausgezogen.

Vor einiger Zeit hörten wir, dass mein Onkel, Karl Wietholz in einer Altenwohnung am Schiffbekerweg wohnen sollte. Wir besuchten ihn dort und fanden ihn noch ganz gut beieinander. Später, als wir ihn wieder besuchen wollten, war er verzogen. Mit Mühe fanden wir heraus, dass er bei Segeberg bei einer Familie untergekommen war, da ging es ihm aber schon nicht mehr gut.

Wieder waren die Pfingstferien da und das große Pfadfinderlager mit allem Drum und Dran stieg wieder in Wiegersen. Wir waren diesmal mit gutem und warmen Wetter gesegnet, und so konnten viele Planspiele gemacht werden. Wie gut, dass wir etliche gutausgebildete Sippenführer hatten, die mächtig mit zupacken konnten. Eine tolle Nachtwanderung wurde gemacht. Es musste die Höhe 52, der Ahrensberg, gefunden werden, eine schwierige Aufgabe. Die Mädel mit H. Röding haben die Aufgabe auch gut gelöst. Wir kamen morgens um 3 Uhr bei der Kate wieder an, unvergesslich der Augenblick, als dann die Sonne aufging. Wir krochen noch alle in die Koten, denn für diesen Tag war allgemeines Gammeln angesagt. Die Essenszeiten wurden auch verschoben, dafür gab es dann abends noch ein zünftiges Geländespiel.

Kaum waren wir wieder in Horn, da war schon wieder ein Sonntag mit Essen dran. Erst habe ich über die viele Arbeit geknurrt, aber dann wurde ich ganz schön beschämt: Etliche der Alten gaben mir wieder manchen Geldschein für den Aufbau der Kate.

Bei der Abrechnung für den fahrbaren Mittagstisch steigerten sich die Einnahmen: Schon für zwei Monate musste ich mal eben 9.000 DM kassieren. Die Zahl der Essensempfänger war ganz schön gestiegen.

Am 12. 6.1971 wurde der VW-Bus fit gemacht. Ich hatte mir von einem Schrottplatz in Harksheide zwei gebrauchte Reifen für je 25 DM geholt. Nun konnte die erlebnisreiche Reise mit Lisa nach Frankreich losgehen. Mittags bei Heber, an der B 75, erst mal gut gegessen. Abends waren wir dann bis Obergeis gekommen. Dort im Gasthaus zur Traube, wo wir schon öfter übernachtet haben, geschlafen. Am Sonntag sind wir erst in Bad Hersfeld in der Kirche. Dann geht es über Würzburg, wo Lisa lange auf ihr bestelltes Hähnchen warten musste und ich schon längs meine bayerischen Knödel verzehrt hatte, bis nach Erlinghausen, wo wir Quartier beziehen. Vorher wird noch ein Schoppen Wein zur Brust genommen, was für Lisa einige Folgen hatte. Ihre Füße wurden ihr schwer und sie schaffte es nur mit Mühe, ins Bett zu kommen. Ja, Kinder Eure Mutter ist mal ausgeflippt, trotzdem war der Schlaf gut. Bei strahlendem Sonnenschein fahren wir am nächsten Tag in Tübingen ein. Pfarrer Werner wollten wir besuchen, aber das war ein Schlag ins Wasser. Dafür geht es aber zur Burg Lichtenstein, eine noch intakte Burg. Über diese Burg schrieb Haugh seine Märchen. Unterhalb der Burg war ein Lokal, in dem wir Forellen aßen, die gerade aus dem Bach gefischt wurden. Dann fuhren wir durch die Schwäbische Alb. Zwischendurch sind wir in die Nebelhöhle, eine der größten Höhlen Europas, gestiegen. Wir erlebten herrliche Grotten mit angestrahlten Stalaghtiten. Die Wanderung durch die unterirdischen Gänge dauerte sehr lange und fröstelnd erreichten wir die Oberfläche, um uns zu erwärmen. Wir hatten Pech, es kam Regen auf, der uns nicht mehr verließ. Regen in Oberammergau, in Innsbruck und darum schnell weiter nach Italien an den Gardasee. Hinter Riva in einem Hotel Quartier bezogen und erst mal tüchtig ausgeschlafen. Am nächsten Tag hatten wir Sonne und im Städtchen Grado setzten wir uns am Hafen fest und genießen das Leben und Treiben.Lisa hatte über ein Hamburger Reisebüro für uns ein günstiges Angebot eingeholt: Eine Woche in einem Hotel in St. Theresa auf Sardinien.Also machten wir uns auf nach Genua, um uns am nächsten Tag auf der Fähre einzuschiffen. Erst mal in Genua den Liegeplatz der Fähre ausgekundschaftet und dann hin und hergefahren, aber nirgends ein Campingplatz zu finden. Die Geburtsstadt von Columbus hatte ein sehr reges Verkehrsleben und man musste höllisch aufpassen, um mitzuhalten. Wir mussten 50 km aus Genua heraus fahren und fanden bei Regti endlich einen Campingplatz, waren wir froh. Am anderen Morgen den Benzinkocher klargemacht und Kaffee gekocht, um munter zu werden. Um 16 Uhr sollte das Verladen auf derFähre beginnen, es wurde aber 17 Uhr. Zwischendurch waren wir zum Essen gegangen, wo wir nur Fisch und Obst bekamen; war nicht nach unserem Geschmack. Überhaupt schien es, als sollte alles nicht so gut gehen. Beim Einschiffen bekam ich einen ganz schlechten Platz für unseren VW Bus. Die Kabine war dicht am Maschinenraum, darum sehr laut. Lisa hatte sich beim Essen am Büffet zuviel zugetraut, ich konnte zuerst auch nicht schlafen und ging an Deck, um in die Finsternis zu starren und die frische Luft zu genießen. Dann ging es mit dem Schlafen ganz gut bis um 6 Uhr. Wir erlebten auf dem Oberdeck einen herrlichen Sonnenaufgang. Um 8 Uhr erreichten wir den Hafen auf Sardinien, um dann ab 9 Uhr auf den unbekannten Straßen Sardiniens gen Norden zu rollen. Um 12 Uhr 40 waren wir in unserem Hotel, mussten aber noch eine Stunde warten, ehe wir unser Zimmer beziehen konnten. Im Restaurant sitzen wir mit einem Münchner Ehepaar zusammen an einem Tisch. Das Essen ist gut und schmeckt auch wieder nach den vorherigen Pleiten. Unser Zimmer liegt im Parterre mit Veranda, großes Bett, Tisch und Stühle. Der Boden hat Steinplatten und darum die Tritte von oben sehr, sehr laut. Nach dem Einräumen machen wir erst mal einen tüchtigen Mittagsschlaf. Abends wird warmes Essen bei Kerzenschein serviert. Am nächsten Morgen will ich mich rasieren, aber was haben sie hier für primitive elektrische Leitungen! Ich baue einen mächtigen Kurzschluss. In St. Theresa machen wir einige Einkäufe. Ich kaufe einen italienischen Stecker für meinen Rasierapparat. Lisa ließ sich bei einem Einkauf um 4000 Lire beschummeln. Alles Reklamieren nutzt nichts, wir geben auf und verlassen diesen Laden mit Zorn im Bauch. In Zukunft wird der Laden von uns gemieden. In der Nähe gab es alte Befestigungsanlagen. Wir besteigen einen dieser Türme. Das Wetter war schön und heiß. Das Hotel lag direkt am Meer, wir konnten baden, baden soviel wir wollten. Im Garten gab es außerdem einen Smimmingpool.

Es gab eine Möglichkeit, nach Korsika überzusetzen, was wir natürlich nutzten. Auf der Fähre sammelten sie unsere Pässe ein, damit gab es später noch Ärger. Erst einmal betraten wir Korsika. Mit einem Boot fuhren wir zu einer Grotte unter den Felsen, die bei Sonnenlicht ganz herrlich schimmerte. An der hohen Felswand an der Küste machte uns der Schiffer auf die Treppe aufmerksam, die bis nach oben in den Fels hineingeschlagen war. Diese Treppe war einst von kriegerischen Horden innerhalb einer Nacht in den Fels gehauen worden, um die Festung einzunehmen. Wir haben in Bonifatio dann die Festung, die mit Fremdenlegionären besetzt ist, angesehen. Bevor es dann wieder nach Sardinien ging, haben wir noch einige Ansichtskarten und Dia‘s gekauft, um zu Hause zu zeigen, wie schön es hier ist.Als es dann mit der Fähre losgehen soll, gibt es erst mal Krach. Die Zöllner hatten die Pässe nicht abgestempelt, darum durfte das Schiff nicht ablegen, was haben sich die Passagiere über diese Bummelei aufgeregt. Eigentlich dürften die Pässe gar nicht eingesammelt werden, aber hier hatte der Zoll seine eigenen Gesetze. Als wir endlich wieder in unserem Zimmer waren, ging es schnell ins Wasser, denn es war ein sehr heißer Tag gewesen. Es gibt ein paar Tage des Nichtstuns und immer wieder mal ein Gang in die Stadt. Dann kam der vorletzte Tag, der Abend wurde mit einem besonderen Essen bei Kerzenschein gefeiert. Es wurden Spanferkel gebraten, dazu Musik und Unterhaltung. Am Pool dann im Dunkeln viele Glühwürmchen bewundert. Der nächste Tag ist für uns Abreisetag.Ab Richtung Hafen. Erst eine gute Straße, dann durch das Innere des Landes, denn Lisa wollte unbedingt Korkeichen sehen, die sehen wir, aber die Straßen sind voller Schlaglöcher. Wir sind froh, den Hafen erreicht zu haben und können uns dann einschiffen. In Genua ist der erste Weg zur Hauptpost, in der Hoffnung Post von zu Hause vorzufinden. War aber eine Pleite.

Unsere Fahrt geht dann an die italienische Riviera, was für ein Betrieb herrscht hier. Ganz Italien gibt sich hier wohl ein Stelldichein. Unterwegs an der Straße einmal kurz geparkt und ins Wasser, wir haben wenigstens mal an der Riviera gebadet. In San Remo gehen wir auf einen Campingplatz, es ist für heute genug gefahren worden. Baden war hier nicht drin, es ist eine zu hohe Brandung. Dafür haben wir in einem Restaurant gut gegessen und sind dann vergnügt in die Falle gestiegen. Immerhin hatten wir auf dieser Fahrt gutes Wetter, was ein großes Plus war. Lisa muss einen weiten Weg machen, um Brötchen zu holen, während ich Kaffee koche. Dann geht die Fahrt weiter an der Küste entlang nach Monaco. Wir gehen nicht in die Spielbank, sondern in den berühmten Garten mit all den vielen Kakteen, von welchen wir die meisten noch nie gesehen hatten. Hinter Nizza passieren wir die italienisch/französische Grenze und sind bald in der Provence. Nach 100 km finden wir ein Motel mit Schwimmbad. Natürlich musste Lisa in der Dunkelheit ohne Badeanzug in das Bad, denn es ist niemand zu sehen. Bis plötzlich doch jemand auftaucht. Der merkt, dass da einer im Schwimmbad ist und macht - zu Lisa´s Überraschung - die Laternen am Rand an. Die Schwimmerin verkriecht sich vor lauter Schreck in die dunkelste Ecke, bis der Mann wieder verschwunden ist. Ganz aufgeregt kommt Madame dann im Evakostüm ins Hotelzimmer gestürmt. Mich selber reißt es zu einer großen Lache. Sie aber: "Was hab´ ich für Ängste ausgestanden, ehe der Kerl wieder verschwunden ist!". Immerhin war das ein tolles Badeerlebnis, was nicht alle Tage vorkommt. Der nächste Tag, nach dem Baden, diesmal mit Badeanzug, brachte für die Provence schlechtes Wetter und viel Wind. Wir landen in Avignon. Nachdem wir Obst eingekauft und getankt hatten, müssen wir so langsam an die Heimfahrt denken. So geht es dann auf breiten Straßen an Lyon vorbei in die Vogesen, wo wir kurz vor Dunkelwerden ein Hotel mit Garage erwischen. Das Essen war sehr gut, wenn auch die Wirtin so ein muckschiges Gesicht machte. Aber die Betten! Merkwürdiges Bettzeug, schlechte Matrazen, die Deckbetten zu dick und schwer. Wir haben sehr schlecht geschlafen, die Schlafstelle war das Geld nicht wert. Am anderen Morgen noch Pech: man hatte unseren Bus mit anderen Wagen so eingekeilt, dass ich Mühe hatte, heil herauszukommen. Fluchtartig verließen wir diese unangenehme Stätte und fahren im Regen weiter. In Colmar gehen wir im Regen zum Essen, um dann später in Straßburg vor dem Münster zu parken. Natürlich mussten wir das auch besichtigen. Wir regten uns über einen modernen Engel mit Strahlenkranz auf.

Im Bühlertal noch einige Einkäufe, um unseren Proviant zu ergänzen. Dann geht die Fahrt durch den Schwarzwald mit seiner herrlichen Landschaft Richtung Obergeis, wo wir unser altes Quartier wieder beziehen. Hier ist die Verpflegung und besonders die Mitmenschlichkeit besonders gut. Auf der Rückfahrt besuchen wir Helga und Adolf Koops in Grünenplan. Denen geht es jetzt besser, seit die Bauerei ein Ende hat. Um 21 Uhr 30 sind wir endlich im Haus und beschließen mit Dank gegen Gott diese dreiwöchige Urlaubsreise. Wir sind ca. 4000 km gefahren und das alles ohne Panne.

Nach der langen Urlaubszeit mussten wir mal wieder in der Kate und in Bötersheim nach dem Rechten sehen. Sonni, Andreas, Christa und Bernhard Kunze waren mitgekommen.

Eine zusätzliche Arbeit wurde mir aufgetragen: Jeden Montag sollte ich mit der Hauspflegerin, Frau Westerhausen, ihren Einsatz besprechen.

Dann gab es mal wieder einen Betriebsausflug mit den Mitarbeitern der Gemeinde. Auf Vorschlag von Herrn Stahl sind wir nach Klingenberg an die Ostsee gefahren. Es war ein heißer Tag. Zur Abkühlung wurde in der Ostsee gebadet. Gemeinsam gegessen wurde in einem Lokal an der Steilküste und dort dann auch entlang gewandert. Um 20 Uhr waren wir wieder im Hause. Da Lisa ja für die Altenarbeit eingestellt worden war, gehörte sie diesmal auch dazu.

Nun fingen die Vorbereitungen für die Kinderfreizeit an. Um dann alle nach Bötersheim zu transportieren, musste ich zweimal mit dem VW-Bus fahren. Zu Beginn starteten wir eine große Anfangsparty, bei der Barbara und Rolof tüchtig mithalfen. Es wurden viele Spiele organisiert, nicht etwa Sackhüpfen und Eierlaufen, nein, eine ganze Menge neuer Spiele. Nur ein Beispiel: Luftballons, mit Wasser gefüllt an einer Leine hängend, mussten von Blinden mit einem spitzen Gegenstand zerstochen werden. Es gab einen Heidenspaß, wenn man den Ballon erwischte und zur Belohnung eine Dusche abbekam. Es war ja ein heißer Tag und alle leichtbekleidet. Abends gab es eine Feuerrunde, und jeder konnte sich seine Wurst am Stock braten. Rolof spielte Klampfe, und es wurde tüchtig gesungen. Ganz neu war dann am Schlusstag die große Schwedentafel (Kaltes Büffet), wo jeder sich soviel zum essen holte, bis beinahe der Bauch platzte. Mit einem großen Bus fuhren die Kinder nach Hause, wo sie von den Eltern stürmisch begrüßt wurden.

Nach diesen arbeitsreichen Tagen, gönnte sich die Familie einen Ausflug an das Elbufer. Vor Bleckede sind wir in einer Rauchkate eingekehrt und haben dort gut gegessen. Später sind wir durch die Göhrde gefahren, um Bickbeeren zu pflücken und dies mit Erfolg. Auf Umwegen landen wir in Tostedt, um zu baden und Eis zu essen. Im Schetelighaus wurden noch einige Sachen abgeholt, die mit nach Hamburg sollten. An diesem Sonntag, es war der 25.7.1971, waren wir mal eben 12 Stunden unterwegs.

Die nächsten Tage hatten es in sich, es war als wollte die Arbeit niemals enden. Für die Hundsrückfahrer gab es eine Rüststunde. Über Bruder Niethammer, der schon früher mit einer Jugendgruppe durch den Hundsrück gewandert war, wurden wir auf die Jugendherberge in Simmern aufmerksam. Ich schrieb dahin und bekam eine positive Antwort. Am 9.8.1971 trafen wir uns um 6 Uhr vor dem Gemeindehaus, und ab ging die Post mit dem VW-Bus Richtung Koblenz. Auf der Fahrt am linken Rheinufer machten wir an einer Kirschplantage halt und aßen uns an Kirschen satt, die zu der Zeit gerade reif waren. In Simmern waren wir um 15 Uhr und bekamen den Schlüssel für die Jugendherberge, die im Schinderhannes-Turm untergebracht war. Hier sollte der Schinderhannes eingesperrt gewesen, aber auch wieder ausgebrochen sein. Diese alte Jugendherberge war nun für etliche Tage unsere Bleibe. Von hier aus machen wir Ausflüge in die nähere Umgebung, besuchen auch den Gottesdienst und fuhren mit der Herbergsmutter nach Bielstein an die Mosel, wo sie so gern mal eine moderne Jugendherberge besichtigen wollte. Dort konnten wir dann die derzeit modernste und teuerste Jugendherberge der Bundesrepublik besichtigen. Sie soll 1 Million Mark gekostet haben. Sie war auch bestens ausgerüstet, in der Halle ein großer Kamin für die Feuerrunde, die Küche nach den neuesten Erkenntnissen eingerichtet, alles für zwei Gruppen zugleich. Da waren Räume für Disco und ein Raum für Raucher, die Schlafräume prima möbliert. Wurde eine Matraze beschmutzt, musste der Benutzer bezahlen. Das konnte teuer zu stehen kommen. Man erzählte uns, eine Kindergruppe hatte furchtbar gehaust, die musste 1.000 DM an Renovierungskosten bezahlen.

Wir aber hatten genug von der Moderne und fuhren gern wieder in den Schinderhannesturm zurück. Wie wir hörten, sollte diese Herberge bald geschlossen werden; im Tal wurde schon an einer neuen gebaut. Wie viel Romantik nimmt doch die sogenannte neue Zeit den Menschen. Heute da ich dies schreibe, besinnt man sich wieder auf das gute Alte in der Wohnbauweise.

Nach der Besichtigung eines Klosters, machen wir eine Rheinfahrt zur Lorelei und zurück. Dann machten wir uns auf, um den Abend nicht zu verpassen, wo der „Rhein in Flammen“
stehen sollte. In der Nähe des Drachenfelsens suchen wir einen guten Standort und erleben die vielen Feuer und Lichter, zum Teil farbig, am Ufer des Rheins bis zum Ehrenbreitstein. In nächster Nähe gab es einen Campingplatz, den wir für diese Nacht aufsuchten. Unser nächstes Ziel war Köln mit der Besichtigung des Domes, der bei den Jungen einen großen Eindruck hinterließ. Bis an den Dummersee sind wir dann noch gefahren. Mit dem Baden war hier nichts, das Wasser war sehr flach und muffig. So waren wir froh, am nächsten Tag das Weite suchen zu können. In der Tostedter Badeanstalt haben wir das gute Baden nachgeholt und dort in einem Lokal zu Mittag gegessen, bis wir dann gegen 17 Uhr am Gemeindehaus diese Fahrt beendeten.

So langsam musste man auch etwas für den VW-Bus tun. Es waren neue Türen nötig, die ich glücklicherweise - für das Modell 1951 - noch auf einem Schrottplatz entdeckte.

Die Gemeindearbeit mit ihren vielen Ansprüchen musste weiterlaufen. Wir bekamen einen neuen Diakon, Bruder Menzel. Zuerst meinte ich, er sei der richtige Mann auch für die Pfadfinderarbeit, aber da lag er nicht richtig. Er wohnte im Gemeindehaus und seine Frau hatte wohl viel zu sagen, denn oft wurde er von ihr von der Arbeit abgerufen. Ich hatte mal ein längeres Gespräch mit ihm über seine Forderungen an den Kirchenvorstand. Ich bat ihn, doch nicht gleich mit so vielen Bedingungen zu kommen, aber er ging darauf nicht ein. Er kam aus einem anderen Brüderhaus, wo man wohl manches anders sah als im Rauhen Haus. Nun, er musste sich bei uns eben durchwurschteln, wir versuchten jeder, die eigene Arbeit zu tun. Was aber dabei heraus kam: Der Kirchenvorstand erstellte einen Dienstauftrag, damit die Diakone wussten, was sie zu tun hatten. Als mir Pastor Dubbels so ein Papier in die Hand gab, wurde ich wütend, denn all die Jahre brauchte ich ein solches Papier nicht, so auch jetzt nicht. Denn all die Jahre meines Dienstes hatte ich mehr getan, als in dem Vertrag drin stand. Wenn aber ein Diakon seinen Auftrag in der Gemeinde nicht erkennt, kann er mir nur leid tun. Als ich dann 1973 mit einem Herzinfarkt im Marienkrankenhaus lag, musste Bruder Menzel die Betreuung der Essensempfänger übernehmen, und er sagte mir später, so viele Besuche hätte er noch nie gemach. Ja, ja, es wird schon etwas von einem gefordert. Unsere alten Pfadfinder nahmen ihn auch auf die Schippe, denn sie erleben, dass der Herr ab 18 Uhr nicht mehr zu sprechen war. So etwas geht doch in der Jugendarbeit nicht, denn die Älteren sind doch erst abends da. Lange war dann auch seines Bleibens nicht in unserer Gemeinde. Wir haben versucht, so gut es ging, in Frieden zu leben. Er hat dann in Ochsenwerder eine neue Stelle gefunden.

Mit den Alten war wieder eine Ausfahrt fällig. Es ging ins Wümmetal. Dort speisten wir im „Waldschlöschen“.

Im KV spukte ein neuer Begriff immer wieder herum: die Sozialstation. Ein Pastor aus der Timotheusgemeinde wollte dies unbedingt in die Hand nehmen, aber bei uns blieb man bei der eigenen Schwesternstation, weil wir eine Schwester, Frau Wittkowski, für diese Arbeit gewinnen konnten. Sie hat dann Jahrzehnte treu ihren Dienst versehen. Früher hatten wir weniger Geld, doch zwei Gemeindeschwestern, die von der Gemeinde bezahlt wurden. Jetzt sammelte man nicht einmal mehr den Diakoniegroschen, denn das Gehalt zahlte ja die Landeskirche.

Unser Fahrer für die Essensausgabe, Herr Josenhans, ging in Urlaub, und so mussten Lisa und ich einspringen und für ganz Horn das Essen ausfahren. Um 12 Uhr ging es von der Küche des Rauhen Hauses los und erst gegen 14 Uhr waren wir fertig, es waren über 100 Portionen, dies war in den Septembertagen 1971. Aber auch die Abrechnung usw. mussten gemacht werden.

Am 1. Oktober hatte ich ein langes Gespräch mit Rogister. Seinen Forderungen für das Haus konnten wir nicht nachkommen und so war das Ende für unser Freizeitheim gekommen. Mal gut, wir haben Wiegersen und Hedeper, aber alles ohne den Kirchenvorstand. Wir waren froh über diese Stützpunkte.

Die diesjährige Herbstfahrt ging über Bötersheim, Walkmühle nach Stade. Als wir in Stade in einem Cafe Eis essen wollten, war ein Herr so freundlich und gab für die ganze Gruppe Eis aus. In der Jugendherberge hatten wir schon früher einmal übernachtet. Der Hausvater war noch einer von den Alten, der nicht verstehen konnte, dass es Gruppen gibt, in denen keine Disziplin herrscht und gequalmt wird wie die Schlote.

Im Rauhen Haus fand der Brüdertag statt. Diesmal waren die Vorträge von Gehalt. Nur mit dem Diakonenamt kommt unsere evangelische Kirche nicht klar, wenn sich auch viele gute Professoren Mühe geben, dieses Amt in der Kirche nachzuweisen.

In Bötersheim war eine Berliner Gruppe untergekommen. Nach ihrer Abreise fanden wir das Heim als einen Saustall vor. Einen Ölofen hatte man mit Wasser gefüllt, wir hatten Mühe, ihn wieder funktionsfähig zu machen. Auch sonst herrschte ein großes Chaos. So durfte eine Gruppe sich nicht aufführen. Hier zeigten sich Auflösungserscheinungen in der Jugendarbeit. Einen anderen Fall mussten wir erleben: Ein Pastor hatte das Heim für seine Konfirmanden übers Wochenende gemietet. Am anderen Tag erzählten mir Dorfbewohner, was die Jungen angestellt hätten. Sie wären aus dem Fenster geklettert und mit Bierflaschen in der Hand auf dem First herum geturnt. Der Herr Pastor machte zu der Zeit seinen Mittagsschlaf. Gut, dass ich von der Kletterei erfuhr, denn als ich mir die Stelle ansah, wo sie herausgeklettert waren, sah ich etliche zerbrochene Dachziegel. Da wir auf dem Dachboden einige Ersatzziegel hatten, konnte ich den Schaden reparieren, sonst hätte es eine böse Überraschung geben können. Wenn es bei diesen Lehmdecken durchregnet, dann „Gute Nacht“. Als ich am nächsten Tag bei diesem Pastor anrief, war nur seine Frau da, und als ich ihr unser Befremden über diese Freizeitführung aussprach, wurde sie noch frech. Ich drohte ihr mit Schadensersatzansprüchen, da wurde sie still. Was soll’s, es blieb unter uns, aber so langsam merkte man, wo die Jugendarbeit hintrieb.

Nach dem Ärger gab es mal wieder ein paar Tage in Grömitz, um aufzutanken. Danach lief wieder eine Ausfahrt mit den Alten. Diesmal ging es mit zwei Bussen in die Holsteinische Schweiz. In Bordesholm wurde Mittag gegessen und die Klosterkirche besichtigt. Wir erlebten einen engagierten Küster, der uns durch die Geschichte der Kirche führte und dessen Begegnung uns unvergessen bleibt.

An einem Sonntag feierten wir den Geburtstag meiner lieben Frau. Viele Gäste stürmten unser Haus.

In Wiegersen hatten die Spatzen Löcher in das Strohdach gerissen, so musste Hühnerdraht über das Dach gespannt werden. Immer wenn wir kamen, lagen viele Strohhalme vor der Tür.

Da wir beim Hamburger TÜV Schwierigkeiten hatten, die Ingenieure waren hier besonders scharf bei alten Wagen, fuhren wir nach Lüneburg zum TÜV und bekamen die neue Plakette.

Es war dann mal wieder so weit für den Basar, der in unserer Gemeinde ja schon Tradition hatte, aber auch immer allerlei Geld für die Leipziger Mission einbrachte. Als das letzte Gemeindeglied gegangen war, zeigte die Uhr mal wieder 21 Uhr.

Am Bußtag hatten wir mit den Brüdern aus der Klasse im Rauhen Haus eine Freizeit im Heim der Gemeinde Nord-Barmbek. Eine wunderschöne Villa, aber als Jugendheim nicht recht geeignet. Nachmittags sind wir mit den Brüdern nach Bötersheim gefahren und haben ihnen das Heim gezeigt.

Am 1. Advent war im Gemeindehaus wieder der Tisch für die Alten gedeckt. Später wurde der Film: „Stern von Bethlehem“ gezeigt. Jetzt machten die Filmvorführungen richtig Spaß, denn die Gemeinde hatte endlich einen eigenen Apparat.

Nun war es auch wieder Zeit für die Karpfenfahrt. Diesmal fuhren wir nach Appelbek am See. Vorher nahmen wir an der Morgenandacht in der Martinskirche teil.

Die Adventsfahrt der Pfadfinder ging noch einmal nach Bötersheim ins Schetelighaus. Trotz Regenwetter hatten wir eine gute Feier. Nuggi, Rudolf Schmidt, erzählte, dass er am 1.1.1972 nach Pforzheim gehen wolle - als Hausvater der dortigen Jugendherberge. Damit ging die Pfadfinderarbeit in Lohbrügge ihrem Ende entgegen . Die Sippenführer dort waren nicht genug geschult, dass sie die Arbeit alleine weiter führen konnten.

Nochmals hatten wir ein Gespräch mit dem Sohn von Rogister geführt. Es ging um die Erhaltung des Hauses als Freizeitheim. Ich merkte, da gab es schon andere Pläne, um mehr aus dem Haus heraus zu bekommen.

In Horn begann die Verteilung von 500 Weihnachtspaketen, die durch die Sammlung der freien Wohlfahrtspflege möglich geworden waren. Drei Fahrten musste ich machen, um alle Pakete in den verschiedenen Gemeinden loszuwerden.

In der Kate wurden die Balken mit Kratzer und Stahlbürste gesäubert, die durch eine Jahrhunderte alte Schicht aus Fett und Ruß bedeckt waren.

Am 4. Advent waren einige Krankenhausbesuche zu machen, zwei treue Mitglieder aus der Gemeinde, Herr Hubert und Frau Liesert, waren sehr krank.

Am 24.12.1971 konnte ich bei den vielen Gottesdiensten nicht helfen, beim Mitternachtsgottesdienst machte Lisa die Küsterin. Ich hatte eine schwere Grippe. Auch Andrusch wurde von dem Virus befallen. Beim Gang über den Korridor schlug ich der Länge nach hin, war einfach "weggetreten". Lisa hatte ihre Mühe, mich wieder ins Bett zu bekommen. Erst etliche Tage später tauche ich im Gemeindehaus auf, um einige Arbeiten zu tun. Am 31.12.1971 war ich noch sehr schlapp, aber wir beide aßen allein Karpfen, unsere Kinder waren mit Freunden auf Partys. Draußen spielte das Volk mit der Knallerei verrückt. Wir durften wieder mit Dank gegen Gott dieses gesegnete Jahr abschließen. Natürlich gab es Schwierigkeiten, Enttäuschungen und Rückschläge, aber die sind da, um sie ohne Schaden an Leib und Seele zu überwinden. Nun stiegen wir in das Jahr 1972, und was würde es wohl bringen?

1972

Diesmal muss ich die Diakonenfreizeit, die im Harz stattfand, aus gesundheitlichen Gründen absagen. Dafür war ich mal wieder ins Schetelighaus um dort 5 Fensterscheiben einzusetzen, die von Jugendgruppen entzwei gemacht worden waren.

In der nächsten Kirchenvorstandssitzung entschied man sich gegen Hedeper. Das war ja schon vorher klar gewesen.

Mein Freund Erich Dietrich wurde 60 Jahre alt. Dazu gab es einen Empfang bei Bischof Wölber. Er war zu der Zeit der einzige Bischofsdiakon innerhalb der evangelischen Kirche. Abends haben wir dann bei ihm in Buchholz tüchtig gefeiert.

Der Januar bescherte uns eine große Kälte. Trotz Glatteis und Kälte waren wir unterweg, an einem Tag gleich zu zwei Beerdigungen, Herr Huber und Frau Liesert.

Bei Kälte von 16 Grad, fand im Gemeindehaus das Essen statt. Für so einen Tag musste immer auch die ganze Verpflegung herangeschafft werden und Lisa hatte dann einen ganzen Tag mit dem Vorbereiten zu tun. Gut, dass wir den VW Bus hatten.

Am 3.2.1972 machten die Pfadfinder bei der Ansgarfeier wieder den Ordnungsdienst. Anschließend durften sie im Gemeindehaus in der Kreußlerstraße Würstchen essen.

Wieder mussten wir nach Ohlsdorf, Bruder Runge war gestorben und einen Tag später Frau Köhn. Da musste dann in der Hertogestraße die Wohnung geräumt werden, ich durfte zum Andenken ein Ölgemälde behalten.

Lisa hatte Jahr für Jahr die Aufgabe, einen Rechenschaftsbericht an das Diakonische Werk zu schicken, sonst gab es von dort keine Zuschüsse für die Altentagesstätte.

Immer wieder muss betont werden, jeder Tag, der uns geschenkt wurde, hatte auch seine eigene Aufgabe, die gelöst werden musste.

In Verwunderung wurde ich versetzt, als Frau Lisa plötzlich zum Kegeln ging. Alle Neune!

Auch dies kommt vor: Bruder Menzel musste mit seinem Auto aus Stellingen abgeschleppt werden und am nächsten Tag dann weiter nach Meckelfeld zur Reparatur.

Am 12.3.1972 feierte unser Sohn seinen Geburtstag, diesmal war es ein Sonntag. Am nächsten Tag begann die Wölfligsfreizeit in Bötersheim mit vielen Pfadfinderspielen. Bei einer Überquerung der Este fiel ich, zum großen Gaudi der Kerle, ins Wasser. In diesem März hatten wir herrliches Wetter, wir bauten eine Brücke aus Seilen über die Este, abends ein großes Dschungelspiel in dunkler Nacht. Bei der Bibelarbeit hörten wir auf einer Schallplatte etwas von der Mau-Mau Bewegung, wie in Afrika Christen umgebracht wurden. Wir konnten die Freizeit ohne Unfall beenden und alle kamen gut wieder nach Hause.

Als wir wieder einmal an der Kate arbeiteten, gab es plötzlich Feueralarm. Klindtwordts Wald brannte. Alle liefen hin und halfen beim Löschen.

Zum Ausruhen fuhren wir mal wieder nach Grömitz. Von dort machten wir eine Fahrt nach Dahmeshöft, um dort das Müttergenesungsheim zu besichtigen. Das Haus lag direkt an der See, als wir dort waren, war es besonders stürmisch. Mit der Leitung verhandelten wir über eine Besichtigungsfahrt mit unseren Alten.

Zuhause muss mal an eine Renovierung der Wohnung gedacht werden. Diesmal war die Schlafstube und ein Vorderzimmer dran. Teppichboden wird verlegt. Lisa musste ja unbedingt eine helle Farbe haben, was sich später als gar nicht gut herausstellte.

Auch das noch, Lisa musste ins Bethesdakrankenhaus. Wie sich später herausstellte kam es zu einer Unterleibsoperation, und dabei entdeckt man an einem Darmstück Krebs. Das musste dann in einer zweiten OP entfernt werden. 10 Wochen war sie im Krankenhaus. Jetzt kam die Zeit, in der ich mit dem Bus hin und her flitzte. Inzwischen wurde Frau Josenhans krank, und ich musste mit Essen ausfahren. In Hedeper war einiges wegen des Hauses zu besprechen. Es ging um den inneren Ausbau und wir mussten überlegen, was mit dem Dach geschehen sollte, denn das war durchlässig und das Holz an den Kanten ist morsch, auch die Dachrinne fehlte. Drinnen musste die Treppe erneuert werden, auch die Isolation der Leitungen war nicht in Ordnung und die Zu- und Abflüsse mussten gemacht werden. Na, es würde noch allerlei Arbeit auf uns zukommen.

Lisa befand sich noch immer im Krankenhaus. Außer den Besuchen wurde jeden Morgen miteinander telefoniert. Ich war froh, dass die Genesung Fortschritte machte.

Am Sonnabend hatten wir eine Sauerei in der Kate. Man hatte eingebrochen, Bettzeug herausgerissen und Gläser mit Gemüse darauf ausgeschüttet. Elfi, die Älteste von Klindtwordts, besah sich den Schaden und wusste gleich, wo der Täter zu suchen sei. Wir hin zu der Familie im Dorf. Der Bengel sah uns kommen und flüchtete sofort durchs Fenster. Wir haben mit der Familie gesprochen. Für ihn kam das dicke Ende später, die Polizei schnappte ihn und er wurde eingesperrt. Wir hatten allerlei Aufregungen deswegen.

Bei Lisa wurde jetzt die zweite Operation nötig. Bald Tag für Tag besuchte ich sie und war Gott dankbar, als es mit der Genesung aufwärts ging. Bei der Fahrerei streifte ich auf der Bergedorfer Schnellstraße einen Lada, der eine Schramme bekam, deren Beseitigung von mir bezahlt wurde.

Der Kirchenvorstand musste noch einmal über Hedeper abstimmen. 4 dafür, 6 dagegen mit 1 Enthaltung, was konnte dabei auch anderes herauskommen, wenn man nichts wagte. Noch heute, 20 Jahre danach lebt Hedeper und erfreut sich eines guten Zuspruchs, schon weil nun keine Grenze mehr stört und darum größere Ausflüge, z. B. zum Brocken gemacht werden können.

Der Aufenthalt bei Lisa war manchmal anstrengend, unter 3 Stunden kam ich nicht weg. Jetzt, da Lisa als Kochmutter ausfiel, übernahm Erika, Kuddls Frau, diese Aufgabe. So konnten wir auch diesmal in den Pfingstferien unser Pfadfinderlager an der Kate durchführen. Trotz Lisa‘s Traurigkeit, weil sie noch im Krankenhaus bleiben musste, machte ihre Gesundung Fortschritte. Am Pfingstsonntag 21.5.1972 konnte sie zum erstenmal aufstehen.

In Wiegersen, bei einer Feuerrunde der Pfadfinder, wollten uns die Dorfjungen stören, aber unsere Wachen waren auf dem Posten. Wir waren für die Dorfbewohner wohl besonders interessant. Auch Besoffene störten, die wir aber mit Erfolg abwehren konnten.

An einem der nächsten Werktage war eine Butterfahrt mit den Alten fällig. Dabei stolperte auf der Rückfahrt eine unserer Frauen auf dem Schiff über eine Schwelle und brach sich das Bein. Wir mussten sie ins Krankenhaus bringen: Freud und Leid einer Ausfahrt.

Im Juni feierten wir die goldene Hochzeit von Ehepaar Kulick und gleichzeitig die silberne ihrer Tochter Möller.

Nach ein paar Tagen musste ich in der Washingtonallee eine alte Frau aus der Wohnung bergen, die allein in ihrer Wohnung gestorben war. Durchs Küchenfenster bin ich in die Wohnung hineingelangt.

Am 17.6.1972 war es soweit, dass ich mit Lisa vom Krankenhaus aus zum Kaffeetrinken in den Sachsenwald fahren konnte.

Die Stadtranderholung war angesetzt, und die musste nun auch ohne Lisa über die Bühne gehen. Frau Sonsalla übernahm die Leitung, dieweil ich nach Hamburg fuhr und aus dem Rauhen Haus das Mittagessen holte.

Lisa sollte Freitag entlassen werden. Vorher musste noch ein trauriger Gang gemacht werden, Frau Stahl wurde in Ohlsdorf beerdigt. Als Lisa dann zu Hause war, musste sie erst mal wieder richtig laufen lernen, was wir im Haus und Garten tüchtig übten.

Mit Frau Sonsalla war es in Bötersheim nicht so ganz einfach, sie maulte, aber eine gute Aussprache schaffte wieder reine Luft. Am letzten Tag der Freizeit war dann auch Lisa dabei. Aus Tostedt hatten wir eine Eistorte bestellt, die wird bei viel Fröhlichkeit und Gesang verspeisten. Einen Tag später wurde mit einer Gruppe (Rolof, Armin, Schille, Matten, Andrusch und ich) tüchtig am Schuppen gewühlt.

In Drehstedt hatten wir eine Familie, bei der wir zu dieser Zeit gute Erdbeeren kauften. Mancher Korb Erdbeeren ist in den Jahren dort abgeholt worden.

1973

Das neue Jahr 1973 wurde mit furchtbarem Geknalle und Getöse begrüßt. Auweh, was ich noch nie hatte, nur bei meinem Schwiegervater erlebt hatte, war ein Hexenschuss. Einen ganzen Tag konnte ich mich nicht rühren, früher hab ich manchmal über so etwas gelacht, jetzt spürte ich es selbst.

Am 13.1.1973 rüsteten sich Rolof, Barbara, Hartmut, Kuddl, Lisa und ich früh um 5 Uhr zur Fahrt nach Hedeper. Den ganzen Tag haben wir mächtig gewühlt im Haus. Es ging um Licht, Wasser, Tapeten und viel Kleinkram.

Bald war wieder eine Fahrt nach Hedeper fällig. Im Haus war nur ein Klo im Parterre vorhanden, so musste im ersten Stock noch eins angelegt werden. Dazu wurde Wasser und Abfluss neu verlegt. Soweit es ging, wurden auch in den Zimmern Waschbecken installiert. Die Waschbecken hatte ich aus Bötersheim. Gut, dass es in Hornburg ein Baugeschäft gab. Da konnte man das fehlende Material bekommen, obwohl wir möglichst alles aus Hamburg mitbrachten. Am Abend mussten wir wieder nach Hause, denn im Gemeindehaus wartete schon eine neue Aufgabe. Am Sonntag war wieder das große Essen angesagt.

Es kam mal wieder eine Arbeitsbesprechung mit dem Kirchenvorstand auf der Heideburg bei Hausbruch.

Am Sonnabend war ich erst zum Arbeiten in Wiegersen und habe nachmittags im Gemeindehaus den Saal für das Essen am Sonntag klar gemacht. Es sollte für über 40 Personen vorbereitet werden.

In der Gemeinde musste mal viel Wind gemacht werden. Die Jehovas Zeugen machten sich recht mausig. Es wurden Aufklärungsschriften verteilt, und ich sprach in der Altentagesstätte über diese Sekte. Am Sonntag bliesen wir mal wieder vor der Kirche. Die Nachbarn von gegenüber riefen: „Zugabe!“ Es sollte ja eine Einladung zum Gottesdienst sein, doch damit haperte es.

Die Stammfahrt in diesem Frühjahr ging wieder nach Wiegersen. Wir stellen Koten auf, halfen beim Bäumefällen und stellten an drei schönen Waldwegen selbstgezimmerte Bänke auf, die von den Dorfbewohnern gern angenommen wurden. Zwischendurch wurde bei einem Waldbrand geholfen, der aber schnell erstickt wurde. Am Lagerfeuer hatten wir Rolof mit der Klampfe dabei, so sang es sich noch mal so gut. Dann gab es einen Mordskrach mit dem Förster. Wir wurden beschuldigt, einen Holzstoß umgeworfen zu haben, was überhaupt nicht stimmte. Hier waren wohl unsere „Freunde“ vom Dorf an der Arbeit, um uns zu schaden. Abends mussten wir Dietmar und Torsten aus dem Wald holen, die vor Angst schlotterten.

Später kamen wieder ein paar Tage in Hedeper, wo Barbara und Rolof wieder tüchtig gearbeitet haben. Etliche Zimmer wurden tapeziert und gestrichen, in der Küche die Aufwäsche aus Bötersheim und ein Handstein angeschlossen. Der spannende Moment, das Wasser wurde angestellt, alles funktionierte!