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Diakonenunterricht

im Rauhen Haus in Hamburg

in den 1950er Jahren

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Unterricht während meiner Diakonenausbildung im Rauhen Haus

Viele Bände der gelben Buchreihe sind jetzt auch als ebook oder als amazon-Direktdruck-Printbücher zu erhalten.  Hier können Sie reinlesen:

Band 1 - Band 2 - Band 4-1 Alfred Tetens - Band 4-b Anthologie 2015 - Band 5 - Band 6 - Band 11= Diakone RH - Band 15 = neu bearbeitet Band 17 = neu bearbeitet - Band 18 = neu bearbeitet - Band 19 Band 20 Band 21 - Band 22 - Band 26 -  Band 27 - Band 30 Band 31 Band 32 - Band 33 - Band 36 - Band 37 - Band 39 - Band 40 - Band 41  - Band 42 Band 43 - Band 44 - Band 45 - Band 46 - Band 47 = neu bearbeitet Band 48 - Band 58 Band 59 Band 60 - Band 64 - Band 65  = Wichern - Band 68 - Band 69 - Band 70 - Band 71 - Band 73 = Pastoren in Grevesmühlen - Band 76 - Band 78 - Band 79 -

- Auszüge aus meiner Autobiographie "Rückblicke" -

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Das Rauhe Haus gilt als „Brunnenstube der Inneren Mission“ und ist die Wiedergeburtsstätte des Diakonenamtes in den Kirchen der Reformation nach über tausendjährigem Dornröschenschlaf während der Kirchengeschichte.

Johann Hinrich Wichern hatte diese Anstalt 1833 als junger Kandidat der Theologie mit Hilfe einflussreicher Hamburger Bürger in dem Dorf Horn vor den Toren Hamburgs aus kleinsten Anfängen als „Rettungshaus“ für gefährdete Kinder und Jugendliche gegründet und aufgebaut.

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Im Sommer 1834 zog ein Bäckergeselle, namens Josef Baumgärtner, zu Fuß von Basel nach Hamburg, um Wichern als erster Gehilfe für ein mageres Taschengeld von 100 Mark im Jahr bei freier Kost und Logis als Betreuer einer „Knabenfamilie“ zur Hand zu gehen. Nach drei Jahren übernimmt Baumgärtner ein eigenes neu gegründetes Rettungshaus in Mitau im Kurland. Aus seinen „Gehilfen“, die Wichern aus ganz Deutschland ruft und die ihn bei seiner Erziehungsarbeit im Rauhen Haus unterstützen und von den Jungen der Erziehungsfamilien „Brüder“ genannt werden, baut er den hauptberuflichen Mitarbeiterstab der Inneren Mission auf, die „Berufsarbeiter“, die als Hausväter in „Rettungshäusern“, als Strafvollzugsbetreuer oder als Stadtmissionare in ganz Deutschland und im Ausland bis hin nach Übersee tätig sind.

„Treue, gottesfürchtige Männer, so ernst als wahr, so klug als weise, in der Schrift bewandert, im Glauben gegründet, voll Liebe zum armen Volke, geschickt zu solch einem Umgang, der Menschen fürs Himmelreich gewinnt, wünschen wir in Scharen unter das Volk.“

Erst Jahrzehnte später wird man diese „Gehilfen“ entgegen Wicherns ursprünglichen Vorstellungen Diakone nennen.

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Start meiner Diakonenausbildung im Rauhen Haus 1954

Im Jahre 1955 komme ich also doch in den Diakonenunterricht, der am 22. August beginnt. Pastor Donndorf hat das Prinzip des Zusammenhangs von Erziehungsdienst und Brüderunterricht in einer Verwaltungsratssitzung mit folgenden Worten beschrieben:

Die 125jährige Geschichte ist diesen Weg nicht nur aus Tradition gegangen, weil Wichern damals seinen Erziehern für später Arbeit und Brot sichern musste. Brüder dienen in einem stillschweigenden Abkommen, weil sie für ihre Ausbildung keinen Pfennig zahlen. Diakonenausbildung und Erziehungsarbeit sind verflochten wie in einem Teppich. Man kann sie nicht trennen. Im Erziehungsdienst wachsen Dienstwilligkeit und Formniveau. Das ist das ungeschriebene Gesetz aller Diakonenanstalten.

Zu meiner Klasse gehören, nach Eintrittsdatum geordnet:

eingetreten am:

Oskar Wollner, gelernter Maurer, unser „Boss“, 15.04.53

Manfred Schleeh, gelernter Gärtner, 2.06.53

Heinz Löffelmacher, vormals Kaufmannsgehilfe, 8.07.53 verstorben 2007

Gottfried Schönknecht, gelernter Mechaniker, 5.10.53

Hans-Werner Schauer, gelernter Gärtner, 12.10.53

Walter Lorenz, Vorberuf Kfz-Schlosser, 1.04.54

Johannes Gebauer, von Beruf Müller, 1.04.54

Karlheinz Franke , Tischler, Flussschiffer und Seemann, 9.04.54

Gottfried Wendt, mit Mittlerer Reife, 4.05.54

Dieter Herrmann, vormals Bau- und Möbeltischler, 5.05.54

und Schüler des diakonischen Proseminars des Johannestiftes in Berlin-Spandau,

sowie unser an Lebensjahren und -erfahrung ältestes, aber dienstjüngstes „Klasssenbaby“, der aktive Kriegsteilnehmer

Siegfried Strathmeier , zuvor gelernter Tischler, 26.5.54. verstorben am 13.12.2007

Ostern 1956 stößt noch

Reinhard Gringmann zu uns, vormals Drogist, 1.10.52

Schönknecht, Schauer und Gringmann bleiben nicht bis zum Examen in der Klasse.

Im ersten Unterrichtsjahr werden wir zunächst in allgemeinbildenden Fächern unterwiesen, in Deutsch, von Lehrer Hirsch, in Mathematik von Lehrer Schlage, in Biologie und Physik von Herrn von der Brelje. Damit sollen wir auf die „schulwissenschaftliche“ Prüfung vorbereitet werden, die zur Fachschulreife führt, Bedingung für den Besuch der staatlich anerkannten Wohlfahrtspflegerschule.

Parallel dazu wird uns in der D II diakonisch-theologisches Wissen vermittelt. Im Fach „Neues Testament“ doziert Pastor Alfred Krüger hervorragend und textkritisch über die Entstehung des NT sowie exemplarisch und gründlich über das Markus-Evangelium. - Das Alte Testament wird uns von Pastor Kreye sehr gut nahegebracht: Der alttestamentliche Kanon besteht aus drei Teilen: den Gesetzen, den Propheten und den Schriften. Kreye referiert über die Entstehung des AT: Die ersten Bücher der Bibel entstanden aus verschiedenen Schriftgruppen: 1. Die Sammlungen der Jahwisten aus der Zeit Sauls und Salomos benutzten noch den Namen Jahwes. 2. Die Sammlung der Eloisten sprachen den Namen Jahwes nicht mehr aus. 3. Die vom Hohenpriester Hilkia um 622 v.Chr. wiederentdeckten alten Gesetzesvorschriften des Deuteronomium. 4. Ein Priesterkodex enthält priesterliche Lehren, etwa die über die Schöpfung in Genesis 1. Trotz der langen Entstehungszeit ist der Kanon des AT kein Sammelsurium, sondern ein geordnetes Ganzes. Von den beiden Schöpfungsberichten bis zu den Propheten ackert Kreye mit uns die wichtigsten Stücke des AT durch. - Bibelkunde lehrt Pastor Brückner. - Kirchenkunde und zeitweilig auch Wortverkündigung haben wir bei Pastor Dr. Hennig, einem Sohn des früheren R.H.-Vorstehers, der aber sehr im Schatten seines berühmtes Vaters steht und als Dozent recht schwach ist. Eine von ihm oft gebrauchte Formel: „Vater hat auch schon gesagt...“ Oder ein Zitat: „Ich werde das auf der nächsten Dozentenbesprechung vorbringen, wenn Sie sich nicht ändern!“ - Dogmatik wird uns durch Pastor Dr. Gregor Steffen vermittelt, der teilweise recht gut referiert, aber doch oft einen etwas arroganten Ton anschlägt und sich und sein Fach für den Mittelpunkt der theologischen Welt hält: Dogma, die „objektiv gültige Wahrheit“! Damit habe ich meine Probleme. - In Kirchengeschichte ist zunächst Pastor Brückner ein guter Dozent. Diese theologische Disziplin wird, so erklärt er uns, in der Regel in 4 Semestern gelehrt: 1. Von der Urchristenheit bis Augustin, 2. die Zeit bis vor Luther, 3. die Reformation und Gegenreformation, 4. die Kirche in der Neuzeit. Wir werden gründlich über die frühe Kirche und ihre theologischen Strömungen aufgeklärt, über die Gnosis und Marcion, die Herausbildung der katholischen Kirche, die Anfänge der kirchlichen Theologie, die Apologeten, die Agnostiker, die altkatholischen Väter Irenäus, Tertullian und Cyprian und lernen die Alexandriner Clemens und Origenes kennen. Manichäismus, Neuplatonismus, Bildung der römischen Reichskirche unter Konstantin mit den Toleranzedikten und dem staatlich anerkannten Sonntag, Synodalwesen, Ausbildung des Klerus in einer hierarchischen Verfassung, Trennung von Klerus und Laientum, Entstehung der armenischen Kirche, die Anfänge des Mönchstums. - Auch das Fach Ethik unterrichtet Pastor Alfred Krüger sehr engagiert: „Jeder Mensch hat sich in Freiheit vor Gott zu verantworten.“ Der Kantsche kategorische Imperativ: „Handle so, dass die Maxime deines Handelns zugleich als Prinzip für die Gesetzgebung anderer dienen kann.“ Krüger behandelt die Themenbereiche: Der Mensch in seiner Freiheit vor Gott, Feiertag, Gebet, Mensch in der Gemeinschaft: Mitmenschlichkeit, Volk, Ehe, Eros und Sexus, Geburtenregelung und Eugenik, Familie, Eltern und Kinder, der Mensch und das Leben, der Mensch in der Zeit, Wahrheit, Lebensbejahung und Lebensverneinung, Fragen des Schönen und der Kunst. - Die Geschichte der Diakonie bringt uns Bruder Friedrich Jahnke nahe. Er lehnt sich dabei an Erich Freudensteins „Vom Wesen und Werden der Inneren Mission“ an. Wortverkündigung unterrichtet Pastor Donndorf. Das Erkennen des „Skopus“ ist ihm dabei sehr wichtig. Für kirchliche Jugendarbeit ist der Landesjugendpastor und spätere Hauptpastor und Bischof Dr. Hans-Otto Wölber ein sehr guter Experte. Seine Schriftenreihe über Themen der evangelischen Jugendarbeit, etwa über Entwicklungsspychologie, Geschlechtererziehung und Typologie waren bei uns in Mecklenburg bereits gründlich von mir studiertes Standardwerk. - Kirchenkunde lehrt Pastor Schmidt, Katechismuskunde Pastor Brückner. - Im Fach Literatur, das wir zusammen mit oberen Klassen erteilt bekommen, ist wieder Pastor Krüger ein sehr guter Experte. Wir lesen bei ihm u. a. mit seiner Interpretation Werke von Sartre, Wolfgang Borchert (Draußen vor der Tür), Edzard Schaper (Sterbende Kirche) und mit großem Gewinn auch Goethes Faust. Ich habe ein Referat über Anna Seghers’ Roman „Der Aufstand der Fischer von St. Barbara“ zu halten und schneide dabei auf Grund meiner in der DDR gewonnenen Vorkenntnisse über den „sozialistischen Realismus“ sehr gut ab. Krüger empfiehlt uns als Lektüre den Roman „Die Heiligen gehen in die Hölle“ von Gilbert Cesbron, in dem das aufopferungsvolle Wirken der französischen Arbeiterpriester beschrieben wird. Ich lese das Buch mit großer Anteilnahme. - Später doziert Studienrat Dr. Schmidt über Literatur, jedoch sehr mäßig und viel zu steif und trocken nach altväterlicher Paukermanier. - Fiete Bihn, Kirchenmusikdirektor am Michel, ein Original besonderer Art, bringt uns im Fach Kirchenlied etliche wenig bekannte Choräle bei. - Posaune üben wir bei Diakon Maaz, Schreibmaschine bei Fräulein Esmarch.

Karlheinz Franke kommentiert Pastor Dr. Gregor Steffens Dogmatikunterricht wie folgt:

„Fern in Eilbecks Pastoraten schlummern dickbeleibte Schwarten.

Doch ihr Geist wird transformiert auf einem blau gestrichnen Fahrrad

in das Rauhe Haus geführt.

Abellard und all die Hechte wollen sicher schon das Rechte.

Leider kann in unsern Klassen trotz der Schwachbegabtenprüfung

jeder Kopf nicht alles fassen.

Hab ich nicht Zeit zum Studieren, muss ich schnellstens kombinieren:

Luther, Zwingli und Calvin hatten fast dieselben Ideen

wie der alte Augustin.

Eutiches und Doketisten, Trinität und Modalisten,

Existenz prae oder post haben mich bei mein’m Studieren

manche Stunde Schlaf gekost’.

Wunder, Sünde, Augustana und die bösen Nestorianer

haben mit teuflischer Macht manchen braven Diakonen

an den Rand ‘ner 5 gebracht.

Nur die Hoffnung hielt ihn aufrecht, und die sei auch hier gesagt:

dass nach durchgestandner Prüfung ihn kein Mensch mehr danach fragt.

Mein Tagebuch am 22. August 1955: „Heute begann der Unterricht. - Nicht für mich. Gestern Nachmittag bekam ich die Anweisung, heute beim Schlachten zu helfen. Während die anderen Brüder meiner Klasse über Unterrichtsmethodik und N.T. belehrt wurden, habe ich drei Schweine zu Fleisch verarbeitet. Es war zwar auch interessant und etwas lehrreich, jedoch hatte ich Wut im Bauch, als es acht Uhr wurde, der Unterricht begann und ich nicht daran teilnehmen konnte. Bis um 19.30 h war ich mit dem Schlachten und der anschließenden Fahrt zum Kühlhaus beschäftigt.“

23. August 1955: „Das war der erste Unterrichtstag für mich. Wir hatten bei Herrn Hirsch Deutsch, Staatsbürgerkunde und Geographie. Hirsch ist ein sympathischer Mensch, der den Unterricht lebendig gestaltet, bei dem wir schon etwas lernen werden. Herr von der Brelje, bei dem wir heute Biologie hatten, sagt mir weniger zu. Er unterrichtet zu trocken. Bei Herrn Schlage besteht Aussicht, im Fach Rechnen etwas zu lernen. Der Posaunenunterricht fällt vorläufig aus.“

29. August 1955: „Ein aufregender, aber doch schöner Tag. Heute früh um 6 Uhr holte ich Mutti und Karin vom Hauptbahnhof ab. Sie blieben bis zum Nachmittag. Obwohl ich vorschlug, länger zu bleiben und auch schon Unterkunft für die Nacht bei Pastor Donndorf erwirkt hatte, sie sollten ein Gästezimmer bekommen, wollte Mutti durchaus heute noch weiter. So kamen wir nur dazu, das Wichtigste zu erzählen. Um 13.30 h saßen wir in der Tanne. 14.15 h fuhren wir mit der Straßenbahn in Richtung Altona. Am Hauptbahnhof wollten wir umsteigen und Mutti kaufte für das letzte Westgeld noch bei der Kepa ein. Als sie wieder herauskam - ich wartete mit Karin draußen - , war es schon nach 15 Uhr und es bestand wenig Aussicht, mit der Straßenbahn noch bis zum Altonaer Bahnhof zu kommen. So fuhren wir mit der S-Bahn. Wir kamen dort an, kurz bevor der Zug eingesetzt wurde. Auf dem Bahnsteig traf ich noch Harry Lenz. Er fuhr per Bahnpost mit dem Interzonenzug nach Schwerin zurück. Es gab am Interzonenzug wie immer ergreifende Abschiedsszenen und das Winken wollte nicht aufhören. Harry schaute auch aus dem Wagenfenster. Ich löste mir eine neue S-Bahn-Karte und fuhr zurück zum Hauptbahnhof. Dort wollte ich mal nachsehen, ob der Interzonenzug noch da war. Er fuhr gerade aus dem Bahnsteig, als ich ankam. Harry Lenz lehnte aus dem Fenster.“

Hilfsdiakon

Eine Notiz vom 4.10.1955, die Fü abgezeichnet hat, lautet: „Bruder R. hat sich als ehrlich, fleißig und brauchbar erwiesen. Er ist sauber, ordentlich und intelligent. Seine Aufnahme als Hilfsdiakon wird empfohlen.

5. Oktober 1955: „Das war heute ein besonderer Tag. Alles kam recht konzentriert. In dieser Woche findet ab heute im Rauhen Haus der Brüdertag statt. Er wurde eingeleitet durch eine Sitzung des großen Brüderrates. Bei dieser Gelegenheit wurden die restlichen Brüder unserer Klasse, außer Gottfried Wendt, zum Hilfsdiakon ernannt. Wir waren acht Mann. Dazu kam Bruder Gerd Gerdts. Um 10 Uhr sollten wir uns bereit halten. Um 12.30 h wurde der erste Bruder, Karlheinz Franke, gerufen. Er kam ziemlich deprimiert wieder zu uns. Man hatte ihm sein ‚Sündenregister’ aus der Gehilfenstellung vorgehalten. Dann kam Johannes Gebauer an die Reihe. Es ging ziemlich schnell, offenbar ein Zeichen, dass man zufrieden mit ihm war. Eine Mittagspause wurde eingelegt. Anschließend kamen wir anderen an die Reihe. Pastor Donndorf sagte mir, alle diejenigen, die ein Urteil abzugeben hatten, hätten nur Gutes berichtet. Vor allem freue es ihn, dass ich vor keiner Arbeit zurückschrecken würde und mich für nichts als zu gut betrachte. Dies sei eine rechte diakonische Einstellung. Als er mir genug Honig ums Maul geschmiert hatte, wünschte er mir Gottes Segen für meine weitere Arbeit und händigte mir die Ordnung der Brüderschaft aus. Damit war ich als Hilfsdiakon in die Brüderschaft des Rauhen Hauses aufgenommen, ‚zum Ritter geschlagen’. Bei Bruder Düwel musste ich anschließend noch die Brüderordnung unterschreiben. - Der größte Teil der Brüder, die am Brüdertag teilnehmen, kam heute angereist. Ich half im Büro bei der Aushändigung der Essenscheine und Tagungsunterlagen. In den letzten Tagen war ich mit den Vorarbeiten beschäftigt. Bruder Jetter und Frau aus Damshagen kamen auch. Sie schlafen unten in der Kastanie. Am Abendmahl konnte ich heute Abend leider nicht teilnehmen. Ein schöner Tag geht zu Ende.“

In der Nacht vom 7. zum 8. Oktober 1955: „Endlich ist es mir heute gelungen, eine Gebetsgemeinschaft mit Siegfried Strathmeier und einigen weiteren Brüdern unserer Klasse zustande zu bringen. Trotz aller menschlichen Schwächen, die immer wieder das eigene Bemühen hindern, wurde diese Gemeinschaft ein kraftvolles bewegendes Ereignis. Wir brachten es fertig, über schwere Missstände, die in diesen Tagen unsere Brüderschaft trüben, unsere Hände zu falten und sie in gemeinsamem Gebet Gott anzuvertrauen. Wir konnten für einige Brüder, die zur Zeit in innerer und äußerer Not stecken, miteinander beten. So verstehe ich Brüderschaft, für die ich Gott danke.“

16. Oktober 1955: „Ich komme von einem Vortrag, den Professor D. Dr. Thielicke in der Petrikirche aus Anlass des heutigen Männersonntags über das Thema hielt: ‚Was hat der Westen am Tage X den jungen Kommunisten zu sagen?’ Er meinte, an diesem Tage, bis zu dem noch eine längere Zeitspanne vergehen würde, gäbe es nicht nur einige organisatorische Fragen zu lösen, sondern man müsse sich mit schwerwiegenden Problemen auseinandersetzen. Zwei Beispiele: Was wird aus den volkseigenen Betrieben? Was wird man für die Förderung des geistigen Nachwuchses tun? Werden weiterhin, wie bisher in der Bundesrepublik, nur 1% aller Studenten auf Staatskosten studieren oder gibt es eine großzügige Studienförderung wie jetzt im Osten? - Was werden wir den jungen Kommunisten zu bieten haben, nur einen westlichen Materialismus im Gegensatz zum dialektischen Materialismus? Welche Freiheit bieten wir ihnen? Besteht diese Freiheit nur im gesicherten Lebensstandard, Autos und Eisschränken? Wenn wir nicht mehr zu bieten haben, ist es sehr fraglich, ob der Tag X ein Tag der Freude für den Westen sein wird.“

19. Oktober 1955: „Bruder Mahnke fragte mich heute, ob ich an der Andacht teilnehmen wolle, die bei ihm im Konvikt stattfinden soll. Ich nahm teil. Es kamen die Brüder Speck und Schröder. Letzterer hatte die Aufgabe, die Sammlung um das Wort zu gestalten. Er begann mit einem kurzen Gebet um das rechte Verständnis des Bibelwortes. Dann las er den Text aus Philipper 1, 1-11 nach der Schlachter-Übersetzung, wiederholte mit Luthers Version und brachte sehr gute eigene Gedanken dazu. Jeder von uns konnte seine Meinung beitragen. In der Kürze dieser Bibelarbeit lag die Würze. Zu Vers 7 wurde festgestellt, dass Paulus ‚sein Gefängnis’ als den ihm zugewiesenen Platz betrachtet und an dieser Stelle seinen Mann steht. Wir meinten, dass uns dieses Wort ungeheuer viel zu sagen habe: Das Rauhe Haus, mein Platz in der Kastanie oben, das ist ‚mein Gefängnis’. Hier habe ich meinen Mann zu stehen, auch wenn es manchmal nicht so nach unserem Geschmack geht. Mir wurde klar, das dies eine Bewährungsstation für mich ist. Dort im Osten habe ich den mir gestellten Platz verlassen, bin fahnenflüchtig geworden, habe mich in eine bequemere Lage begeben. Jetzt gibt mir Gott Gelegenheit, mich zu bewähren. Er hat mir diesen Ort gewiesen. Hier werde ich zu seinem Diener geschmiedet. Gott möge mir Kraft schenken, an ‚meinem Platz’ durchzuhalten.“

Zu dieser Zeit plane ich die Organisation einer Sendfahrt, die eine Gruppe Studenten um Hans Gottschalk aus dem Missionsseminar Leipzig durch Norddeutschland unternehmen will. Ich soll für den Raum Hamburg Aufführungen ihres Verkündigungsspiels „Die Pforten der Hölle“ für mehrere Gemeinden vorbereiten. Die Gruppe wird im Clemens-Schulz-Freizeitheim in Kuddewörde wohnen und von dort aus die Aufführungen starten.

Sonntag, 23. Oktober 1955: „Vor einer Stunde bin ich total erschlagen von Kuddewörde zurückgekehrt. Ich war mit dem Fahrrad dort. Bei ununterbrochenem Regen bin ich hin- und wieder zurückgefahren. Es war ein Erlebnis. Mit der Gewissheit, den Freund nach langer Zeit mal wieder sehen zu können, werden alle Schwierigkeiten überwunden. Ich fuhr erst zum Clemens-Schulz-Heim und erkundigte mich, wo ich Hans und seine Leute treffen würde. Bruder Kindermann verwies mich ans Pfarrhaus. Daraufhin fuhr ich zur Kirche und fand dort die gesuchte Gruppe. Hans begrüßte mich vor der versammelten Mannschaft in seiner Art mit einem lauten „Mensch Jimmy, da biste ja...“ Wir hatten nur wenig Zeit, ein paar Worte miteinander zu wechseln; denn der Gottesdienst, den die Gruppe gestalten sollte, begann dann bald. Der Leiter dieser Gruppe, Pastor Dr. W. Nagel, Dozent für Neues Testament im Leipziger Missionshaus, hielt die Predigt. Darin eingeschoben war ein Spiel aus dem Wirken der Mission. Vor und nach dem Gottesdienst wurde geblasen. Hans spielte Zugposaune. Als Einleitung zum Gottesdienst blies man in erstklassiger Qualität mit Vorspiel ,Er weckt mich alle Morgen, er weckt mir selbst das Ohr...‘ Die Gruppe bestand nur aus 13 Personen, aber alles was sie brachte, war sehr gut. Auch nach dem Gottesdienst hatten wir wenig Zeit, miteinander zu reden, denn die Teilnehmer einer anderen Gruppe aus dem Tagungsheim wollten auch noch gerne mit den Leipzigern in einem Gespräch zusammen sein. Der Leiter der Leipziger Gruppe berichtete mit Beispielen aus dem regen Leben der jungen Kirchen und aus der Arbeit der Mission. Ich aß mit der Gruppe zusammen. Nach der Mittagsmahlzeit mussten sie dann wieder aufbrechen. „Kludden“, „Strandgaul“ und „Schnecke“ waren auch mit dabei. Kludden hat sich inzwischen verlobt, Strandgaul geheiratet. Wie ändern sich doch die Zeiten. Adi Möller ist wieder gesund, wie mir Hans berichtete. Er ist jetzt auf der Arbeiter- und Bauernfakultät und will später studieren. Er habe einen schweren Stand wegen seines Bekenntnisses zur Jungen Gemeinde. Jedoch soll er zu Hans gesagt haben, er würde für eine Sache eintreten, zu der er im Grunde gar nicht mehr so klar stehe. Schade!“

24. Dezember 1955: „Es ist schon lange her, seit ich die letzte Eintragung ins Tagebuch vornahm. Ich finde selten die Muße, mal einige Zeilen niederzuschreiben. Heute am Heiligen Abend will ich mir die Zeit nehmen. - Weihnachten im Rauhen Haus! Da ich nicht mit der Möglichkeit gerechnet hatte, dass man mir eine Aufenthaltsgenehmigung für Grevesmühlen gibt, hatte ich auch keinen Weihnachtsurlaub beantragt. Dann kam am 19. Dezember die Überraschung: Mit einem Brief der Eltern traf ein ppopyck (Propusk / Einreisegenehmigung) ein. Bruder Füßinger bewilligte mir für die Zeit vom 28.12.55 bis zum 1.1.56 doch noch Urlaub. So komme ich wenigstens noch einige Tage nach Hause. Andererseits freue ich mich, dass ich das Weihnachtsfest auch mal im Rauhen Hause erleben kann. Ich muss sagen: Man gibt sich die größte Mühe, es uns schön zu gestalten. Das hätte ich so nicht erwartet. In den letzten Tagen habe ich Bruder Ochs bei den Vorbereitungen geholfen. Wir haben die Weihnachtsbäume geschmückt und beim Verpacken der Geschenke mitgewirkt. Um 16 Uhr war im Wichernsaal eine Andacht. Pastor Donndorf hat die Weihnachtsgeschichte verlesen und gepredigt. Um 17 Uhr gab es die große Bescherung. Anschließend haben wir um 18 Uhr in der Tanne zusammen gegessen. Die bunten Teller, die Geschenke, das Festessen, alles ist so reichhaltig, dass ich mich frage, ob diese Großzügigkeit verantwortbar ist, wenn man bedenkt, dass andererseits von der armen Witwe Spenden erbettelt werden. - Nachdem ich das vorige Tagebuch abgeschlossen habe, möchte ich fortfahren, möglichst oft einige Gedanken und Erlebnisse zu notieren. Es gäbe ja so viele Dinge, über die ich berichten könnte, ja müsste, aber dazu gehört auch die nötige Ruhe, die ich abends leider nicht mehr habe, wenn der Tag mit anstrengendem Erziehungsdienst geschafft ist und ich die Stunden berechnen muss, die ich noch bis zum nächsten Weckerklingeln brauche, um dem Körper die dringende Erholung für die Aufgaben des neuen Tages zu gönnen.“

28. Dezember 1955: „Schwerin Hauptbahnhof - Wartesaal - 19.15 h: Ein inhaltsvoller Tag. - 7.02 h ab Hamburg Hbf. Am Mittag, kurz vor 12 Uhr war ich in Schwerin. Zuerst suchte ich das Postamt II auf, erkundigte mich nach Uli Fentzahns Wohnung (ich hatte mein Adressenverzeichnis vergessen) und begab mich dorthin. Frau Fentzahn öffnete mir. Uli war nicht da. Nach kurzem Warten ging ich, traf ihn aber gleich danach auf der Straße. Ich bekam bei Fentzahns etwas zu essen. Anschließend ging’s zum Postamt 1. Dort traf ich unter anderen Bekannten auch Chrischan. Danach fuhr ich in den Schlosspark, besuchte Luckow und Kränz und ging dann zur Schlossgartenallee ins Lehrlingsheim. Es gibt allerhand Neuigkeiten: Bei Luckows ist ein zweites Mädchen angekommen. Das dritte Kind ist unterwegs. Kränz ist verheiratet und hat schon einen Stammhalter. Trulsons Gabi hat sich zu einem netten Püppchen entwickelt. Rolf Broeker hat sich verheiratet, Pepo (Peter Erdmann) verlobt, Adele Scheffelmeyer geheiratet. Im Postlehrlingsheim wohnen jetzt auch wieder drei Jungen. Sonst ist dort alles beim alten. Frau Trulson gefällt es im Heim gar nicht mehr. Sie übt die Heimleitergeschäfte jetzt vollkommen alleine aus. - Uli zeigte mir dann noch das Institut für Berufsschullehrernachwuchs, in dem er ausgebildet wird. Das ist ein mächtiger Bau, ausgestattet mit allem Komfort. Enorm, was da so für Gelder hineingesteckt worden sind. Es hat Platz für 500 Studenten. Ein Internat ist angeschlossen. Allein sechs Klubräume stehen zur Verfügung. Der Bau wurde begonnen, als ich noch bei der Post lernte. Ich bin ja mal gespannt, ob Uli sich in der Praxis als Lehrer bewähren wird. Durchs Examen wird sein Vater ihn wohl durchschleifen. Schon bei der Post hatte er im Unterricht seine Schwierigkeiten. - Seit 17 Uhr döse ich hier in Schwerin so herum. Den Nachmittagszug habe ich nicht mehr bekommen. Zuerst bin ich noch etwas in der Stadt herumgelaufen. Seit 18.30 h sitze ich im Wartesaal. Wenn man den ganzen Tag auf den Beinen ist, wird man abends doch mürbe. Ich bin froh, dass ich nun bald in Grevesmühlen sein werde.“

Als ich Uli Fentzahn im Oktober 1995 beim Postlertreffen in Schwerin-Müß nach 40 Jahren wiedersehe, ist er ein einsamer Mensch.

19. Januar 1956: „Heute gab Pastor Donndorf vor den versammelten Brüdern aller vier Klassen bekannt, dass in Zukunft jeden Sonnabend um 21 Uhr eine Wochenschlussandacht für die Brüder stattfinden soll. Außerdem soll den Brüdern der beiden ältesten Klassen die Möglichkeit gegeben werden, an den Konventen des Hamburgischen Verbandes teilzunehmen. Endlich sind wir nun mal soweit! Hoffentlich bewährt sich diese Regelung und schläft nicht sobald wieder ein. Es wäre zu wünschen, dass bei uns nun doch ein Stück Brüderschaft wachsen würde und wir daraus neue Kraft für unseren Dienst tanken könnten.“

Im Protokoll der Dozentenkonferenz am 28.1.1956 heißt es über mich: „Seine Leistungen sind gut. Es bestehen keine Bedenken.

Am 22.3.1956 wird mir das Zeugnis erteilt: „... R. seine schulwissenschaftliche Prüfung zur Aufnahme in die Wohlfahrtsschule des Rauhen Hauses unter Leitung von Oberstudiendirektor Dr. Gustav Schmidt bestanden hat.

23. März 1956: „Die erste und kleinste der Prüfungen, die in der Ausbildungszeit im Rauhen Haus meiner harren, habe ich nun hinter mir, die ‚schulwissenschaftliche’, die statt des Mittelschulabschlusses die Fachschulreife bescheinigt. Ich habe dieser Prüfung keine große Bedeutung beigemessen, als ich noch davor stand. Jetzt muss ich gestehen, so ganz ohne war sie nicht, wenn auch manches lächerlich war. Immerhin ist Bruder Schauer nicht zur Prüfung zugelassen worden und beinahe - es fehlte nicht mehr viel - wäre Bruder Herrmann durchgerasselt. Mit der Note „durchaus befriedigend“ kann ich sehr zufrieden sein. Ich teile mir mit Bruder Franke bei zehn Mann den dritten Platz. Sehr erfreut können wir alle über das Ergebnis bei Oskar Wollner sein, der mit „befriedigend und besser“ als Zweiter durchs Ziel ging. Enttäuscht hat mich Dieter Herrmann. - Jetzt liegen zwei harte Jahre vor uns.“

Vorbereitung auf das Wohlfahrtspflegerexamen

Nach dem ersten Unterrichtsjahr mit theoretischer Diakonenausbildung in theologischen und diakonisch-praktischen Fächern, folgen zwei Jahre mit solchen, die auf das staatliche Wohlfahrtspflegerexamen vorbereiten sollen: W II und W I. - Im Fach Rechtslehre führt uns der Dozent Regierungsrat Winkelmann sehr gut allgemein mit folgenden Themen in die Jurisprudenz ein: Rechtsstaat als Gegensatz zum Polizeistaat. Dreiteilung der Gewalten, Rechtsquellen: Das Gesetz, die Rechtsverordnung, Verwaltungsvorschriften, autonome Satzungen, Gewohnheitsrecht, Herkommen, die normative Kraft des Faktischen, öffentliches Recht, Privatrecht. Die Arten der Rechtsvorschriften: Gemeines Recht und partikuläres Recht, allgemeines Recht und Sonderrecht, zwingendes und dispositives, strenges und billiges Recht, Auslegung der Rechtssätze, Lückenauslegung. Entwicklung des Rechtes: Germanisches und römisches Recht, gemeines, preußisches, sächsisches und französisches Recht, Entstehung und Charakter des BGB und dessen Gliederung und Inhalt. - Fürsorgerecht wird von Herrn Lung, einem ehemaligen Rauhhäusler und späteren Freibruder, der bei der Sozialbehörde eine leitende Funktion ausübt, unterrichtet. Er hat fachlich viel drauf und eine große Praxiserfahrung, kann es aber leider didaktisch nicht gut rüberbringen, da er sich meist in endlosen Sätzen verheddert. Trotzdem lernen wir viel bei ihm. - In Jugendpflege und Familienrecht doziert Regierungsrat a. D. Lembke, ein Original und alter Haudegen aus der Jugendbehörde mit sehr guten didaktischen Fähigkeiten. In originellen Beispielen lässt er die trockenen Paragraphen des BGB lebendig werden. Er führt uns gründlich in Erbrecht, Familienrecht, Eherecht, Jugendwohlfahrts- und Jugendstrafrecht ein. - Sozialpolitik unterrichtet Frau Dr. Boehlke, Leiterin der Betriebssozialabteilung der Phönix-Gummiwerke in Harburg. Sie bringt einen guten Unterricht und wir unternehmen mit ihr mehrere Betriebsbesichtigungen, so bei Phönix und bei einer Zahnpasta-Fabrik der Konsumgenossenschaften. - In Volkswirtschaft haben wir in Dr. Böttcher einen sehr guten Dozenten, der uns ausgezeichnet in Wirtschaftsgeschichte und ökonomische Gegenwartsprobleme einführt. Die Erkenntnisse Max Webers (1864 - 1920), des großen Nationalökonomen und Soziologen, zu den religionsgeschichtlichen Hintergründen, die Böttcher uns nahebringt, werden mich noch oft beschäftigen und mein eigenes Arbeitsethos einzuordnen verstehen: die Wirkung der Reformatoren auf die wirtschaftliche Dynamik des Kapitalismus: Die Reformation wirft das starre standesorientierte Ordnungsbild des Thomas von Aquin um. Es entsteht ein völlig anderes Denken. Die aristokratische zweifache Moral des Mittelalters gilt nicht mehr. Die Einstellung zur Arbeit wird neu ausgerichtet. Den gnädigen Gott erwirbt der Protestant nicht mehr durch Vermittlung des Priesters in Beichte und Absolution, sondern im „sola fide“ und der Bewährung im Alltag. Dadurch kommt es zu einer neuen Einstellung zur Arbeit, zum allgemeinen Arbeitsethos. Die Arbeit wird aus dem Fluch des Sündenfalles befreit. Der Mönch hatte auch vor der Reformation bereits die Berufung zur Arbeit. Ora et labora. Diese mönchische Arbeitseinstellung geht auf die allgemeine Gesellschaft über. Die Mönche arbeiteten rational. Sie kannten eine Einteilung des Arbeitsalltags, der Arbeitszeit. Der im Kloster geprägte Luther fordert von jedem Gläubigen Askese. Jede Abschweifung ist vom Übel. „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, so würde ich heute noch mein Apfelbäumchen pflanzen und meine Schulden bezahlen.“ Weber: „Luther hat uns alle zu Mönchen gemacht.“ Noch deutlicher als bei Luther findet sich eine neue Arbeitseinstellung bei den Reformierten und in ihrer Prädestinationslehre: Alles ist von Gott vorherbestimmt. Demnach ist der ökonomische Erfolg das Zeichen des Segens Gottes. Noch deutlicher als bei Calvin, kommt das bei Zwingli zum Ausdruck. So kommt es, dass der Kapitalismus sich besonders im rheinisch-bergischen Land, in der Schweiz, den Niederlanden und durch den Puritanismus in England und später durch die puritanischen Auswanderer in Nordamerika entwickeln kann. Für Japan weist Weber ähnliche Zusammenhänge zwischen Religion und Arbeitsmoral nach. - Im Fach Pädagogik und Geschichte der Pädagogik finden wir in dem Rauhhäusler Diakon und Sonderschulleiter der Alsterdorfer Anstalten, Rudolf Höllenriegel, einen ausgezeichneten Dozenten. Mit Engagement und pädagogischem Eros vermittelt er uns systematische Kenntnisse pädagogischer Wissenschaft. Er prägt uns ein: „Erziehung ist kein Job. Erziehung ist eine Leidenschaft! Ich bin Erzieher oder ich bin es nicht. Man kann sich nicht in der Pädagogik versuchen. Jeder Versuch, den man unternimmt, schafft Tatsachen, die bleiben. Die Natur erzieht nicht. Erziehung geschieht nur zwischen Menschen und ist stets an den Menschenbezug gebunden. Ich werde nur Mensch durch Menschen. Das Handwerk des Pädagogen ist ein vollkommen anderes als das eines Schlossers oder Steinmetz’. Was ich als Erzieher an einem Tage durch schlechte Laune verdorben habe, kann ich nicht wieder gutmachen.“ Die historischen Väter der Pädagogik von den alten Griechen Sokrates und Platon über Augustin, Luther, Comenius, Francke, Rousseau, Pestalozzi, Herbart, Fröbel, Wichern bis zu den Reformpädagogen der 1920er Jahre, Spranger, Litt, Nohl, Flitner, lässt er uns lebendig werden. Jeder von uns hat sich mit einem dieser pädagogischen Pioniere speziell zu befassen, ich mit Herbart. - Im Fach Psychologie gibt uns der Theologe Dr. Walter Uhsadel, späterer Universitätsprofessor, eine sehr gute allgemeine Einführung in die Tiefenpsychologie und Traumanalyse des Siegmund Freud und erläutert uns seine Begriffe der „Libido“, des „Es“ und „Ich“ und „Über-Ich“, des „Ödipuskomplexes“, des Verdrängens, des Abreagierens und der Sublimierung. Auch Alfred Adler, ein Schüler Freuds, der statt beim Sexualtrieb beim Macht- und Geltungstrieb ansetzt, sowie Fritz Künkel, ein Berliner Arzt, der 1933 in die USA emigriert und der adlerschen Psychologie eine christliche Prägung und seelsorgerliche Anwendung gibt, bringt Dr. Uhsadel uns nahe. Künkels „Arbeit am Charakter“ lese ich mit großem Gewinn. Besonders C. G. Jung mit seiner „Komplexen Psychologie“ im Gegensatz zu Freuds analytischen Psychologie nimmt in seinem Unterricht breiten Raum ein. Begriffe wie das „Selbst“, die „Persona“, das persönliche und

das „kollektive Unbewusste“, die „archetypischen Symbole“ und Instinkte im kollektiven Unbewussten, die „Anima“ und der „Schatten“ werden durch Usadel für mich aufschlussreiche neue Begriffe. Leider verlässt uns Usadel schon nach einigen Monaten. Dr. Plaetzer führt sein Werk fort mit Informationen über Intelligenzquotient und psychologische Tests, Binet-Simon-Test, Charlotte Bühler, Hildegard Hetzer, HPT-Test, HAWIK-Test, Projektionstests, Düß-Test, Heuer-Test, Warteg-Zeichentest, Zullinger, Wilhelm Wunds Lügendetektor, mit der Erkenntnis: „Aus dem Test kommt immer soviel heraus, wie der herausholt, der ihn auswertet.“ Er gibt uns auch eine Einführung in die Entwicklungspsychologie. - Gesundheitslehre mit erster Hilfe lehrt Frau Dr. Gleim und später Dr. Graul, Buchführung und Anstaltsverwaltung Bruder Niemer.

Karlheinz Franke komprimiert Dr. Böttchers Volkswirtschaft in folgenden Reim:

Auf der allerletzten Seite steht in jedem Käseblatt,

welche Firma machte pleite oder welche Schulden hat.

Schulden sind in diesem Sinne nicht ein leeres Portemonnaie,

diese Schulden sind Gewinne, wenn ich es nur richtig seh’!

Vom Kredit und auch vom Sparen lernten wir in der Vw.

Dank wir Dr. Böttcher sagen, weil wir manches jetzt verstehn.

Bundesbürger produzieren, schaffen dabei viel Gewinn,

und was sie nicht konsumieren, bringen sie zur Kasse hin.

Unternehmer investieren, setzen dabei Menschen frei.

Männer jagen nach den Tieren, Frauen kochen Hirsebrei.

Ackernahrung schafft der Bauer, produziert und konsumiert.

Doch die Arbeit wird ihm sauer, wird vom Ritter schikaniert.

Alle Ritter bauen Burgen, gründen dabei eine Stadt,

und die Meister schaffen Zünfte, damit jeder Arbeit hat.

Diese Ordnung ohnegleichen hält sich fast 500 Jahr’.

Dann muss sie der nächsten weichen: Kap’talismus wohl, nicht wahr?

Denn die Herren Reformierten mit der Prädestination,

die darauf bald emigrierten, setzten ihn auf seinen Thron.

Man sollt’ sich mit Marx befassen, mit dem Himmelreich auf Erden;

müsst’ das Kapital dann hassen, Klassenkämpfer sodann werden.

Doch weil wir aus frommem Hause, glauben wir nicht recht daran.

Marx’ Gedanken waren krause. Luther, das war ein Tyrann.

Weil als Mönch er seine Tage teilte nach der Managerart,

darum hat sich diese Plage auch bis heute hin bewahrt.

Wollt’ Moral der Arbeit lehren. Armer Luther, merkst du nicht,

was aus diesem hoh’n Begehren du in Deutschland angericht?

Jetzt grub man den Maulwurf aus, forschte, ob er Augen hat,

dreht die Sterne in Ellipsen. Und die Erde war mal platt.

Unternehmer bau’n Fabriken, Handwerk lebt in Krisenzeit.

Der Prolet schafft 14 Stunden, weil es - heidi - aufwärts geiht.

Maschine muss amortisieren, Unternehmer wird schwerreich,

Fürsten lassen Leut’ studieren Liberalismus macht uns gleich.

Banken jetzt zu krachen drohten. Buchgeld schaffte der Bankier.

Maschinchen spuckten blaue Noten: Nur die Zentralbank kennt den Dreh.

Ich im stillen zog Vergleiche: Einen Haken hat das auch,

denn Kredit kriegt nur der Reiche, der ihn meistens gar nicht braucht.

Und so sucht’ ich einen Posten. Sollte man ins Bankfach geh’n? -

Ach, mein Geld, das würde rosten, müsst’ auf Hypotheken stehn.

Unter allen den Berufen wär’s der schönste wohl auf Erden. -

Ja, man müsste mal Direktor bei der Reichszentralbank werden.

Hätt’ im Keller mein Maschinchen, könnte jede Menge drucken,

und ich schickt’ das Geld nach Hamburg. Ach, die Leute würden gucken!

Hätt’ dann teil am Wirtschaftswunder auch der ärmste Diakon?

Nein, man hätt’ damit verursacht nur ‘ne dritte Inflation.

Ostern 1956 besucht mich Lothar Goeritz im Rauhen Haus.

9. April 1956: „Umwälzungen von großer Bedeutung. Im ganzen Rauhen Haus finden in diesen Tagen große Veränderungen statt. Ich werde davon auch stark betroffen. Bruder Mahnke übergibt die Familie an Bruder Volkmar Lange. Ich bleibe mit Gottfried Wendt als Gehilfe hier. Das gibt eine gewaltige Umstellung in der Arbeit. Mahnke und Lange sind zwei totale Gegensätze. Das wirkt sich besonders im pädagogischen Stil aus. Während Bruder Mahnke der väterlich-strenge Erzieher war, arbeitet Bruder Lange recht frei nach modernen Gesichtspunkten. Ich weiß nicht, ob ich mich da so schnell umstellen kann und vor allem, ob die Jungen so eine Umstellung akzeptieren; denn sie kennen mich eben nur im bisherigen Stil. Es ist ja mal etwas ganz Neues. Es kennen zu lernen, interessiert mich schon. Aber ob mir die Umstellung gelingt, mich plötzlich locker und liberal zu geben, wo die Jungen mich doch bisher ganz anders erlebt haben. Wird das gut gehen?“

14. Mai 1956, 9.15 Uhr: „Genau vor drei Jahren um diese Zeit saß ich in einem Berliner S-Bahn-Zug, der mich in den Westsektor bringen sollte. Vor genau drei Jahren wurde eine bedeutende Weiche meines Lebensgleises umgestellt. Drei Jahre lang lebe ich nun in der sogenannten ‚Freien Welt’. Ein Jahr brauchte ich zur Akklimatisierung, zwei Jahre lebe ich in ziemlicher Weltabgeschiedenheit fern von allen Problemen der Öffentlichkeit und der Politik das Leben eines Durchschnittsbundesbürgers. Aber dennoch habe ich in diesen Jahren viel gelernt. Hier im Rauhen Haus werde ich nach und nach zur Persönlichkeit geformt. Obwohl vieles recht dürftig erscheint, z. B. der Unterricht, so ist dieses harte Leben doch prägend und man wird doch langsam zum erwachsenen Menschen.“

Fahrradtour mit Oskar Wollner nach Mecklenburg

17. Juli 1956: „Vor mir auf dem Tisch liegt eine alte Landkarte vom Gebiet Schwerin und westlichem Mecklenburg. Ein roter Strich verläuft entlang der Strecke Bergedorf-Geesthacht - Lauenburg - Boizenburg - Zahrensdorf - Camin - Ziggelmark - Wittenburg- Püttelkow - Pokrent - Bendhof - Hindenberg - Schildberg - Sievershagen - Wotenitz - Grevesmühlen. Morgen in einer Woche soll, wenn alles klappt, diese Wegstrecke mit Hilfe meiner ‚Omma’ per Fahrrad zurückgelegt werden, zusammen mit Oskar Wollner. Hoffentlich geht alles gut. Dann werden wir zwei Wochen Urlaub in Mecklenburg verbringen. Ich habe mich wohl selten so auf den Urlaub gefreut wie diesmal.“

4. August 1956: „Die Reise per Fahrrad nach Grevesmühlen verlief vorzüglich. Es war eine herrliche Tour. Am frühen Morgen ging es über eine schöne Asphaltstraße durch das Lauenburger Land. Der Grenzübergang war problemlos. Als einzige West-Ost-Passierer waren wir in Kürze abgefertigt. Über schlechte Landstraßen und viel schönere Landwege, vorbei an wogenden Kornfeldern, an grünen Wiesen und durch herrliche Wälder ging es Grevesmühlen entgegen. Das Wetter war überaus günstig. Lediglich gegen Nachmittag kam etwas Wind auf, der uns meist von vorne entgegenblies. - Höhepunkte der Urlaubstage waren bisher eine Kahnfahrt bei herrlichem Wind auf dem Ploggensee, eine Wochenschlussandacht, die Hans Gottschalk hier in der Grevesmühlener Kirche hielt, ein Spaziergang zum Iserberg, eine Fahrt nach Boltenhagen, ein Gottesdienst in Börzow mit Hans, eine Fahrt nach Schwerin und ein Diskussionsabend mit Klaus Schüler, einem ehemaligen Klassenkameraden, der durch und durch ehrlicher Marxist ist. Einiges über die Schwerin-Fahrt: Bei saumäßigem Wetter wagten wir es, per Fahrrad die Tour anzutreten. Es regnete ununterbrochen den ganzen Tag. Nach dem Mittagessen fuhren Oskar und ich los. Nach zweistündiger Fahrt standen wir mit unseren Rädern im Kreuzgang des Schweriner Domes und machten uns daran, uns umzuziehen. - Bei der Paketannahme oder besser gesagt am Schalter 13 traf ich Christel Winkel. Nach kurzem ‚Wie geht’s, wie steht’s’ guckte ich noch mal in die Schalterhalle des Posthauptgebäudes und fuhr dann zum Schlossgarten. Wir wollten Luckow und Kränz besuchen. Luckow war gerade in der ‚Oase’, um ein Spiel für den Kirchentag einzuüben. Um 17 Uhr sollte er zurück sein, sagte Frau Luckow. Eine halbe Stunde war noch Zeit. Wir gingen so lange zu Kränz runter und unterhielten uns über die Jugendarbeit in Mecklenburg, speziell in Schwerin, und über die Lage, die durch den Weggang PWs und Luckows entstehen wird. Kränz war der Ansicht, dass der Wechsel in der Leitung des Landesjugendpfarramtes unübersehbare Auswirkungen haben wird. Kränz selber, der für die Nachfolge Luckows in Frage käme, wolle diese nicht antreten, sondern Stadtjugendwart bleiben. Demnach wird wahrscheinlich Beyer Landesjugendwart werden. Im Augenblick ist in der mecklenburgischen evangelischen Jugendarbeit wirklich allerhand in Bewegung. Man arbeitet mit allen technischen Mitteln und Raffinessen. Mit Megnetophonband werden Hörspielaktionen durchgeführt. Die Filmarbeit läuft sehr gut. Das Landesjugendpfarramt besitzt ein eigenes Motorboot mit Namen ‚Otto’ mit einem Fassungsvermögen für 20 Personen. PW (Pastor Wellingerhof) war gerade mit dem Kahn unterwegs. Freizeiten zu Wasser: tolle Sache! Bis zum Plauer See waren sie schon damit. - Die Jugendarbeit in Schwerin steht ausgezeichnet da. Kränz sagt, er habe Kreise mit einer Beteiligung bis zu 50 Mann. Es gibt alleine in Schwerin eine große Anzahl solcher Jugendkreise. Wer hätte das im Mai 1953 zur Zeit der Verfolgung der Jungen Gemeinde gedacht. - Aus dieser segensreichen Arbeit gehen nun zwei begnadete Kapazitäten, die das Menschliche an diesem Werk geleistet haben, heraus: PW, weil er mittlerweile gesundheitlich fertig ist und es auch sonst Zeit für einen Wechsel der Arbeit wird. Er hatte sich vorgenommen, zehn Jahre diesen Dienst zu machen. Diese zehn Jahre sind nun rum. - Luckow wird seine Wohnung zu klein. Er hat jetzt immerhin drei Kinder und haust in einer Mansardenwohnung von drei kleinen Zimmerchen unter schrägen Decken. Er hat dem Oberkirchenrat zu verstehen gegeben, unter diesen Umständen könne er die Arbeit nicht mehr weiter machen. Der Bischof hat ihm darauf geantwortet: ‚Der eine geht, der andere kommt. Die Kirche besteht nun schon zweitausend Jahre. Sie wird auch weiterbestehen. Dann ist es besser, Sie gehen gleich mit. So wird das eine völlig neue Besetzung.’ PW hatte sich um eine Pfarrstelle in Schelf beworben. Obwohl er in der Gemeinde mehr Stimmen hatte als seine beiden Mitbewerber, hat der Oberkirchenrat seine Zustimmung verweigert. Man bot ihm die Pfarrstelle in Dassow an. PW hat abgelehnt. Daraufhin wurde ihm die Pfarrstelle in Gnoien zur Verfügung gestellt. - Luckow wird die Hausvaterstelle in einem Lehrlingsheim in Güstrow übernehmen. - Nachdem es inzwischen 17 Uhr geworden war, gingen wir zu Luckow hoch. Dort saßen schon zwei Mann: Ein Neinstedter und ein alter Schweriner, der jetzt in Berlin-West studiert. Wir waren noch etwa 1 ½ Stunden beisammen. Es war doch schön, noch mal so mit Luckow klönen zu können. Er ist doch immer noch der alte prächtige Kerl. Ich traue ihm auch für seine zukünftige Aufgabe zu, weiterhin für seine Kirche gute Leistung zu erbringen. Jedenfalls habe ich PW und besonders Luckow sehr viel zu verdanken. Sie waren für mich die Hand Gottes. Ohne sie wäre ich nicht auf meinem jetzigen Wege. - Anschließend war ich noch bei Trulsons im Lehrlingsheim. Frau Trulson war nicht zu Hause. Ich freute mich, Herrn Trulson mal anzutreffen. Im Heim hat sich nicht viel verändert. Mit den Lehrlingen war er nicht zufrieden. Wir hielten uns nicht mehr lange auf. Kurz nach 19 Uhr traten wir die Rückfahrt an. Erschöpft und ausgelaugt kamen wir gegen 22 Uhr wieder in Grevesmühlen an.“

8. August 1956: „Nach einer schönen Rückfahrt total erschöpft wieder in Hamburg. Zehn Stunden Fahrt.“

18. August 1956: „Seit einigen Tagen habe ich an der Rückseite der rechten Ohrmuschel einen ziemlich starken Knoten. Ich befürchte, dass die Sache tuberkulös ist. Wenn sich das bis Montag nicht verzogen hat, werde ich, wenn ich ohnehin zum Gesundheitsamt gehe, dem Arzt die Sache zeigen.“

Mittwoch, 22. August 1956: „Die Geschwulst am Ohr hat sich noch nicht verzogen, im Gegenteil, es weist alles darauf hin, dass es die gleiche Sache ist, wie seinerzeit an Hals und Oberschenkel. Ich muss damit rechnen, dass die Angelegenheit ernst wird. Ob ich weiterhin im Rauhen Haus bleiben kann, ist ungewiss, zumindestens ist es möglich, dass ich die Ausbildung längere Zeit unterbrechen muss. Seit einigen Tagen schlucke ich wieder regelmäßig „Neoteben“. Wenn die Geschwulst nicht aufgeht, werde ich warten, bis das Unternehmen ‚Die Pforten der Hölle’ vorbei ist, und dann mal zur Fürsorgestelle für Körperbehinderte gehen. Es ist ja ein harter Schlag, wenn ich noch monatelang krank spielen oder gar die Diakonenausbildung ganz aufgeben muss. Aber ich will mich ganz in Gottes Hand geben. Was Er mit mir vorhat, wird schon richtig sein! So singe ich: ‚Und ob das Herz auch klagt, aus harr’ ich unverzagt. Wer Gottes Pfad gewagt, trägt still sein Kreuz.’“

1. Advent, 2. Dezember 1956: „Schon lange wäre eine Tagebucheintragung fällig gewesen, aber ich kam nicht dazu. Meine Angst wegen der Geschwulst war zum Glück unbegründet. Es handelte sich lediglich um einen Grützbeutel. - Inzwischen ist das Unternehmen ‚Sendfahrt’ glücklich beendet. Die letzten Geldgeschäfte sind inzwischen abgeschlossen worden. Ich muss noch mal zum Landesjugendpfarramt und mit Bruder Metzkes sprechen. Dann wird hoffentlich Moos darüber wachsen können. Es ist ja doch alles noch einigermaßen glimpflich abgegangen. Vor allem bin ich jetzt die Geldsorgen los. Ein Unternehmen von 1.092,- DM völlig auf eigenes Risiko mit 25 DM Taschengeld monatlich ist ja auch etwas gewagt. Bei der ganzen Sache habe ich aber ungeheuer viel gelernt. Ich bedaure nicht, die Leipziger nach Hamburg geholt zu haben. Jedoch werde ich während meiner Ausbildungszeit ähnliches nicht wiederholen. - In der Familie ist bisher noch keine Verbesserung der Zustände eingetreten, im Gegenteil, es wird immer schlimmer. Rudi Müller meinte neulich, wenn er an meiner Stelle wäre, wäre er sicher schon ‚zum Mörder geworden’. Ähnlich äußerte sich Gerd Jeromin. Das Niveau von ‚Saat der Gewalt’ (Film über gewalttätige Jugendliche) haben wir bald erreicht. Mein ganzes Harren gilt der Umbesetzung zu Ostern.“

16. Dezember 1956: „Gestern Abend gab es für mich Stellungswechsel. Bruder Füßinger teilte mir offiziell mit, dass ich nach unten ziehen solle. Um Mitternacht hatte ich meine Sachen unten. Der heutige Tag war reich an Kämpfen. Ich will von vornherein konsequent vorgehen. Das kostet erst einmal Energie, vor allem, da die Verhältnisse hier unten denen oben nicht viel nachstehen. Dennoch besteht ein gewisser Unterschied. Während Lange gar keine Grenzen steckt, findet man bei Bruder Heidrich solche, wenn auch ziemlich weite. Ein genaues Urteil werde ich mir aber erst nach einigen Tagen erlauben können.“

18. Dezember 1956: „Heute Morgen war ich in der Freizeitfamilie. Zusammen mit den Brüdern Udo Pütt und Hans-Martin Kreye soll ich dort in dieser Woche wirken. Am Nachmittag ging es bei uns in der Kastanie verhältnismäßig gut. Ich habe alleine die Lernstunde beaufsichtigt. Bruder Heidrich ist heute Abend mit Braut ins Weihnachtsoratorium. So gerade eben habe ich die Ordnung bewahren und die Knaben ins Bett bringen können. Ich glaube, dass es auch nicht leiser gewesen wäre, wenn der Chef hier gewesen wäre. Eigentlich wollte ich unseren Jungen noch etwas vorlesen, da das Fertigmachen aber so umständlich verlief, fiel das Vorlesen natürlich aus. - Über Weihnachten werde ich in der Johannesburg eingesetzt werden. Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps.“

1. Januar 1957: „Es ist mir doch noch gelungen, für drei Tage Urlaub zu bekommen. Loli (Lothar Goeritz) hatte bei mir angerufen und mich zu sich nach Hannover eingeladen. Ich hatte ihm schon so gut wie abgesagt. Am Freitag fragte ich Bruder Füßinger, ob ich noch Urlaub bekommen würde. Er bewilligte ohne Zögern. So habe ich denn von Sonnabend bis heute ein paar schöne Tage in Hannover verbracht. Es war einmal etwas ganz anderes.“

2. Januar 1957: „Unsere Knaben sind alle wieder aus den Weihnachtsferien zurück. Der Alltag hat uns wieder. Ich fühle mich richtig glücklich. Um 20.30 Uhr ist überall das Licht aus. Es herrscht himmlische Ruhe. Nur von oben her tönt noch Gepolter und Geschrei. Wie bin ich froh, dort nicht mehr sein zu müssen. Hier kann ich doch frei und - in gewissen Grenzen natürlich - nach eigenem Ermessen walten. Das bringt doch Spaß, wenn alles so flutscht. Ich muss sehen, dass ich das Steuer fest in der Hand behalte, damit ich mir zum einen die Arbeit leichter und zum anderen meinen Familienleiter tatkräftig unterstützen kann. Er machte eben eine Äußerung, nach der er mit mir zufrieden zu sein scheint. Das wäre für mich, wenn es ehrlich gemeint war, der größte Erfolg, den ich mir denken kann. - Aus dem Urlaub bin ich gut erholt zurückgekehrt. Wenn es auch nur drei Tage waren, es war eine notwendige Erholung für mich. Das war einmal etwas ganz anderes. Ich habe in den drei Tagen in einer ganz anderen Welt gelebt, der ‚Inneren-Missions-Luft’ einmal ganz entrückt. Es war doch schön, dieses gelassene Leben in Lolis Bude bei Mate-Gold und Speckbrot, das Schlafen im Schlafsack auf der Liege mit angestelltem Stuhl, die langen Spaziergänge durch die Stadt, über den zugefrorenen Maschsee und durch die Parkanlagen, unser Besuch in der Niedersachsenhalle mit dem Kampf um die Stehplatzkarten für die Donkosaken. Ich lernte das Stephansstift kennen, besuchte Erich Eggert und schaute mir die herrliche Pfarrkirche an. Überhaupt das Zusammensein mit Loli, dieser treuen Seele, war doch ein Erlebnis.“

Mit Loli Goeritz habe ich über Jahrzehnte hin immer mal wieder lockeren Kontakt. Als wir in Soest leben, besucht er uns mit seiner Frau, und wir sind später auch bei ihm in Barsinghausen in seinem neuen Haus. Als ich in Hamburg bin, ruft er mich ab und zu von Hannover aus an. Erst 1998 erfahre ich von seinem frühen Tod durch Hautkrebs.

Ende Dezember 1956: „Neulich erhielt ich einen Brief von Eveline Steffen, einer Mitschülerin aus Grevesmühlen. Sie teilte mir mit, sie sei seit einigen Wochen in Hamburg, wohne bei Herrn von der Brelje, meinem Biologie-Dozenten aus dem schulwissenschaftlichen Unterricht und studiere am Pädagogischen Institut. Sie äußerte den Wunsch nach einem Wiedersehen. Nach einem gescheiterten Treffen am Hauptbahnhof besuchte ich sie dann am 27. Dezember in Fuhlsbüttel, nachdem sie mich telefonisch zu sich eingeladen hatte. Ihr Vermieter hätte gegen einen Besuch nichts einzuwenden, sondern ein solches Treffen in ihrem Hause sogar vorgeschlagen. So war ich denn für gut eine Stunde zum Plaudern dort und wir unterhielten uns über unser jeweiliges Ergehen und die Wege, die uns nach Hamburg geführt hatten. Bei passender Gelegenheit wollen wir uns noch mal treffen.“

16. März 1957: „Mit Eveline Steffen habe ich mich noch ein zweites Mal getroffen, seitdem aber nichts wieder von ihr gehört. Es erscheint mir auch gut, den Kontakt möglichst locker und auf Distanz zu halten.“

Unsere Klasse soll dieses Jahr wieder Pastor Donndorfs Geburtstagsfeier gestalten. Wir sind dabei, ein Spiel zusammenzubauen, das Pastor Donndorfs Wirken im Rauhen Haus von 1939 bis heute zeigen soll. Hoffentlich kriegen wir das hin. Nach dem Reinfall vom vorigen Jahr müssen unsere Bemühungen in diesem Jahr einen besseren Erfolg bringen. Manfred Schleeh wird sich der Sache annehmen.

Er formuliert am 16.3.1957 folgende Gedanken in später Abendstunde: „Lieber Gotthold Donndorf, so lautet mein Gedanke, den ich an den Anfang dieser Niederschrift stelle, du bist es, der mir und den anderen Brüdern unserer Klasse Sorgen macht. Du kannst sicher nichts dafür, dass du am 29. April vor 70 Jahren geboren wurdest, aber wir müssen darunter leiden. ‚Warum?’, wirst du fragen und uns dabei erstaunt ansehen, ‚mein Geburtstag ist doch ein fröhliches Ereignis.’ ‚Ja’, antworte ich stockend, ‚aber nicht für uns. Du hast uns letztes Jahr zu sehr enttäuscht. Wir brachten Dir mit Eifer unsere Geschenke, wir sangen, bliesen und spielten für dich, meinten es gut und sprachen von Nudelsuppe. Und du, du konntest deine jungen Freunde nicht verstehen. Es ist auch schwer, nur eine Stufe abwärts sich zu bewegen. Lieber Gotthold, verzeihe, wenn ich dich so anrede, nun steht dein Geburtstag schon wieder vor der Tür. Was hörst du gern und was klingt angenehm in deinen Ohren? Werden wir deinen Geburtstag überleben, und wie wird uns dann zumute sein? Wenn ja, dann werden wir unsere Gläser mit Apfelsaft füllen und gemeinsam sprechen: „Hoch soll er leben, dreimal HOCH!’ Strathmeier, Wendt, Ruszkowski und Löffelmacher werden sich vielleicht noch an diesen Freitagabend erinnern.“

Der Unterricht ist für uns inzwischen vorerst beendet. Vor uns liegt die große Umschichtung, der allerseits mit großer Spannung entgegengesehen wird. Wir arbeiten zur Zeit tüchtig am Handwerkerhaus (ehemalige Druckerei). Die neue Wichernschule geht im ersten Bauabschnitt ihrer Vollendung entgegen. Der Bau des neuen Jungenhauses wird demnächst beginnen. - Ich bin zur Zeit dabei, eine Stoffsammlung für meine Jahresarbeit anzulegen. Das Thema soll etwa folgendermaßen lauten: „Freizeitprobleme, die durch die Einführung der 40-Stunden-Woche bei jugendlichen Industriearbeitern auftreten“. Ich will versuchen, die Arbeit noch in diesem Jahr fertig zu bekommen, um die letzten drei Monate vor dem Examen intensiv lernen zu können.

20. März 1957: „Seit gestern mache ich Familienleiter in Vertretung. Bruder Heidrich ist mit der gesamten DI auf einer Rundfahrt zu den norddeutschen Diakonenanstalten. Ich habe fünf Jungen hier. Gestern wurde probiert, wie weit man gehen kann. Wir sind erst um 15.30 Uhr zum Mittagessen gegangen. Bis kurz vor 17 Uhr war Lernstunde.“

21. März 1957: „Gestern Nachmittag und am Abend ging in der Familie alles gut. Wir haben tüchtig gebastelt und M.’s Segelflugmodell bis auf’s Bespannen fertigbekommen. Auch heute Nachmittag war ich zufrieden.“

22. März 1957: „Der heutige Tag verlief wieder recht temperamentvoll. Ich bin aber durchaus Herr der Lage, wenn ich konsequent bleibe.“

28. März 1957: „Spannung liegt in der Anstalt. Was wird sich in den nächsten Tagen ergeben? Die Familienzusammenstellungen sind fertig. Die Brüderbesetzung in der Johannesburg ist bekannt geworden. Einige unklare Bemerkungen Pastor Brückners über Herrmanns und Strathmeiers Schicksal geben uns zu denken. Wir versuchen, zwischen den Zeilen zu lesen. Wird unsere ganze Klasse zu Ostern freigestellt? Bis heute hielt ich es für möglich, dass ich die Familie übernehmen könnte. Jetzt fange ich an zu zweifeln. Oskar Wollner soll in den nächsten Tagen in den Anker ziehen. Hannes Gebauer ist heute in den Goldenen Boden gezogen. Was wird werden?“

12. April 1957 in Grevesmühlen: „Wieder einmal zu Hause. Am 9. April bin ich mit dem Fahrrad herübergekommen. Es ist recht öde in Grevesmühlen. Hans ist noch in Leipzig. Er wird erst nächste Woche kommen. Gestern war ich bei Bruder Jetter in Damshagen. Er wird zum 1. Mai in den Ruhestand treten. Nach dem, was er erzählte und was ich von Frau Behnke hörte, sieht die kirchliche Situation in Mecklenburg recht trostlos aus. Sehr viele Pfarrstellen sind unbesetzt. Die Bezahlung der Pastoren und Diakone in Mecklenburg ist sehr gering. Jetter bekommt etwas über 400 Mark. Ein junger Pfarrer oder Diakon mit Frau und Kind muss mit etwa 240 Mark zurecht kommen. In der Gemeinde Grevesmühlen sieht es trostlos aus: Pastor Boddin ist krank. Propst Lietz soll meist unvorbereitet auf die Kanzel kommen. Zur Zeit ist noch ein junger Vikar, namens Merker, in der Gemeinde. Jugendarbeit und Posaunenchor so gut wie eingeschlafen. ‚Herr Du weißt wie arm wir wandern durch die Gassen dieser Welt, wo ein Strahl aus einer andern nicht auf unsre Tritte fällt.’“

13. April 1957: „Am liebsten möchte ich nie wieder in meinem Urlaub nach Grevesmühlen kommen. Ein kurzer Wochenendaufenthalt zu Hause genügt vollkommen. Wenn ich sagen würde: Es ist traurig bestellt um Grevesmühlen, so könnte ich damit meine Seelenstimmung nicht genügend ausdrücken. Grevesmühlen ist eine alte zahnlose Greisin. Früher war mir diese Stadt einmal Heimat. Heute Nachmittag machte ich einen Spaziergang um den Ploggensee. Da verspürte ich so ein klein wenig von diesem Gefühl, an heimatlicher Stätte zu weilen. Weit und breit war kein Mensch zu sehen. Der See glitzerte in der Sonne. An der Böschung spross das erste saftige Grün. Für einen Augenblick überkam mich so etwas wie ein glückliches Gefühl. Erinnerungen an alte Zeiten wurden wach. Sonst ist wenig an Heimat und Erinnerung. Die Stadt mit ihren Straßen und Häusern bietet einen trostlosen Anblick. Man trifft kaum einen Bekannten. Meine Freunde, Schulkameraden und Spielgefährten von damals sind nicht mehr am Ort. Entweder studieren sie, arbeiten außerhalb oder sind irgendwo im Westen. Die Zustände in der Kirchengemeinde sind über alle Maßen trostlos. Der Posaunenchor hat sich trotz siebenjährigen Bestehens nicht weiterentwickeln können. Heute Abend gab es eine Passionsmusik. Ich war froh, als die Stunde herum war. - Wenn Hans nicht noch kommen würde, würde ich wohl wieder vorzeitig abreisen. ‚O Traurigkeit, o Herzeleid...’“

Dienstag, am 16. April 1957 in Grevesmühlen: „Am Sonntag war ich mit dem Fahrrad losgefahren. Es war am frühen Nachmittag. Ich wollte etwas durch die nähere Umgebung radeln. Es war herrliches Wetter. Die Sonne schien. Nur am Horizont waren vereinzelt Wolken zu sehen. Es war nicht gerade warm, denn ein sachter Nordwind blies über die Landschaft. Ich bewegte mich in Richtung Wismar über den Asphalt. Da kam mir der Einfall, über Gressow, Beidendorf und die Wismar-Schwerin-Chaussee in die Landes-, jetzt Bezirkshauptstadt, zu radeln. Es wurde eine herrliche Fahrt. Den Wind im Rücken ging’s über die in gutem Zustand befindliche Straße im Eiltempo nach Schwerin. Gegen 16 Uhr war ich dort. Zuerst stieg ich bei Fentzahns ab. Uli war nicht da. Ich ließ Grüße an ihn ausrichten. Beim Schalter 13 erfuhr ich, dass Christel Winkel krank sei. Zuerst hatte ich die Absicht gehabt, sie in der Schulstraße aufzusuchen, gab es aber doch auf. So fuhr ich dann zu Bernhard Kränz. Wir unterhielten uns über die Jugendarbeit, über die alten Hasen aus dem Berufstätigenkreis, Minna, Pepo..., sprachen über PW und Luckow, streiften die neuen Verhältnisse, und so war die Zeit bald herum. - Wie üblich besuchte ich dann auch noch Trulsons. Kurz vor 20 Uhr war ich wieder in Grevesmühlen. Heute brachte Vater mir eine Ostergrußkarte mit, die in Grevesmühlen abgestempelt, nach Hamburg adressiert war und von Christel Winkel stammte. Ohne zu zögern machte ich mich auf zur Neustadt und wollte mich für die Karte bedanken und der Absenderin mitteilen, dass der Empfänger nicht in Hamburg, sondern am Ort selbst weilt. Vor der Wohnung traf ich ihre Mutter, erfuhr, dass Christel krank sei und im Bett läge, wollte einen Gruß bestellen und mich wieder in den Wind schlagen, da öffnete Frau Winkel auch schon die Zimmertür, stellte eine optische sowie akustische Verbindung zwischen dem im Bett liegenden Mädchen und mir her und nötigte mich somit, in das Gemach einzudringen. Ich machte es kurz. Nach einem kleinen Wortwechsel zog ich mich mit besten Wünschen für baldige Genesung und ein frohes Osterfest zurück. - Bei Frau Behnke erfuhr ich, dass Hans heute morgen gekommen sei. Ich habe ihn noch nicht aufgesucht. Er kann zu mir kommen.“

21. April 1957, 1. Ostertag in Grevesmühlen: „Am Donnerstag packte ich meinen Affen und fuhr nach dem Mittagessen in Richtung Retgendorf. Dort war Bernhard Kränz mit einer Konfirmierten-Freizeit. Den Abend und die Nacht blieb ich dort. Am Karfreitagmorgen fuhr ich um 9.30 h bei Nieselregen weiter nach Güstrow. In Witzin unterbrach ich die Reise für 20 Minuten und besuchte Bruder Herberg, den ich unbedingt mal kennen lernen wollte. - Verhältnismäßig trocken kam ich gegen 14 Uhr in Güstrow an. Das Lehrlingsheim im Grünen Winkel 10 hatte ich bald gefunden. Luckow traf ich in alter Frische, trotz der rheumatischen Schmerzen, über die er klagt. Haus und Einrichtung machen einen erneuerungsbedürftigen Eindruck. Als ich meinte, er habe sich ja eine schöne Bruchbude ausgesucht, entgegnete er, da sei seit seiner Anwesenheit schon viel geändert worden, früher habe es viel wüster ausgesehen. Mit einem Augenzwinkern meinte er, vieles werde sich noch ändern. Da gab es dann einiges zu erzählen über die Kirche in Mecklenburg, über die Jugendarbeit, über sein Heim. Um 15 Uhr besuchte ich den Gottesdienst, den Pastor Bosinski hielt (gut!). Anschließend ging ich zum Bahnhof, um mich in der Bahnhofsgaststätte an Linseneintopf zu sättigen. Bis zum Abendessen um 18 Uhr haben wir uns dann noch unterhalten. Dabei stellte sich heraus, dass Luckow dem Kreis um Tillich geistig sehr nahe steht. Das war natürlich für mich das Thema. Er meinte, wenn er im Westen wäre, würde er in die Gewerkschaftsarbeit gehen. Meine Frage, ob er eine separate christliche Gewerkschaft gutheißen würde, verneinte er. Die Einheitsgewerkschaft müsse von christlichen Leuten durchsetzt werden, wobei ich ihm völlig zustimme. - Um 20 Uhr ging ich mit einigen Leuten aus dem Heim zur Johannespassion, die in der Pfarrkirche aufgeführt wurde.“

Dienstag, 30. April 1957: „Die Urlaubstage habe ich hinter mich gebracht. Waren die ersten Tage in Grevesmühlen auch recht öde, so habe ich in der letzten Urlaubswoche doch allerhand erleben dürfen. - Nach Hamburg zurückgekehrt, war dann Thema Nr. 1 nur noch Pastor Donndorfs Geburtstagsfeier. Mit viel Energie und einiger Nachtarbeit ging es daran, das Spiel mit einem historischen Rückblick auf 18 Jahre Kriegs- und Nachkriegsgeschichte im Rauhen Haus unter Donndorfs Leitung in so kurzer Zeit noch bühnenreif zu machen. Die Generalprobe am Sonntag war ein großer Reinfall und löste - vor allem bei mir selber - großes Erschrecken aus. Bis 2 Uhr haben wir in der Nacht noch beisammen gesessen, die Einzelheiten durchgesprochen und geprobt. - Am Montag morgen traten wir zum Blasen an. Wir hatten gut geübt und so gelang uns unser Ständchen. Um 11 Uhr wurde ein Empfang gegeben. Prominenz war erschienen, so der Bischof und drei Senatoren. Die große Überraschung: Pastor Donndorf wurde das große Bundesverdienstkreuz überreicht. Nach Beendigung der Ansprachen reichten wir Brüder Wein herum. - Um 19 Uhr sollte die Feier für die Jungen beginnen. Mit 20 Minuten Verspätung ging es los. Nach einigen von den kleinen Jungen der Schönburg gesungenen Liedern und einer Flötenmusik brachte Bruder Antholz mit seiner Jugendgruppe das Spiel „Die Gans“ von Steguweit. Es gelang ganz ausgezeichnet. Danach war die Kaffeepause angesetzt. Wir bauten währenddessen die Bühne um. Kurz nach 20.30 Uhr begannen wir. Es klappte alles prima. Wenn vielleicht auch einige Kleinigkeiten zu bemängeln waren, so hätten wir es doch kaum besser bringen können. Die allgemeine

Beurteilung: Ein gelungener Abend. Heute folgt eine Wiederholung unseres Spiels. - Mein Familienleiter ist zur Zeit Bruder Udo Pütt.“

Vom 16. Dezember 1956 bis 30. Juni 1957 bin ich Erziehungsgehilfe in der Kastanie unten.

Zu unserer Wohlfahrtspflegerausbildung gehört es, zwei Behördenpraktika zu durchlaufen. Vom 1. Juli bis 30. Oktober 1957 bin ich Praktikant im Jugendamt Altona, zunächst sechs Wochen im Innendienst, danach mache ich mit einem Jugendfürsorger (die aus dem angelsächsischen Raum stammende Bezeichnung Sozialarbeiter kannte man damals noch nicht) Außendienst und nehme mit ihm an Hausbesuchen teil. Man drückt mir oft Akten in die Hand, die ich studieren soll, um dann „Aktenauszüge“ zu fertigen. Während dieser Zeit wohne ich mit Siegfried Strathmeier zusammen im Keller des Goldenen Boden.

28. Juli 1957: „Nun bin ich schon vier Wochen als Praktikant bei der Jugendbehörde im Bezirksjugendamt Altona. Die Zeit verging wie im Fluge. Es ist sehr gut, dass wir mal aus dem engen Raum des Rauhen Hauses herauskommen. Der Milieuwechsel tut mir gut. Aber auch die Arbeit hier verschafft Weitblick. Das bei Papa Lembke Gelernte bekommt Plastik. Mein Zusammenleben mit Siegfried Strathmeier in der ‚Katakombe’ gestaltet sich harmonisch. Ich fühle mich zur Zeit so richtig frei und unbeschwert.“

Der Vorsteher Pastor Donndorf geht 1957 in den Ruhestand.

Er wird von Propst Wolfgang Prehn abgelöst, der vorher das Amt des Propstes in Husum innehatte und von Bischof Herntrich ins Rauhe Haus gerufen wurde. Mit dem neuen Mann an der Spitze des Rauhen Hauses beginnt eine neue Ära. Prehn war ein Vertreter der Bekennenden Kirche in Schleswig-Holstein. Er ist ein warmherziger, sehr engagierter Mann und bringt die von mir so sehr vermisste seelsorgerliche Komponente ins Rauhe Haus.

Eine von einem Regierungsamtmann Sierakowski unterzeichnete Beurteilung meines Praktikums beim Bezirksjugendamt Altona formuliert:

...noch sehr jung... daher zu erklären, dass er immer sehr zurückhaltend, still, bescheiden auftrat. Er besitzt ein ausgeprägtes Pflichtgefühl und eine relativ gute Urteilsfähigkeit. R. war stets bemüht, sich Kenntnisse anzueignen und sich mit den an ihn herangetragenen Aufgaben auseinanderzusetzen. Verwaltungstechnische Arbeiten erledigte er gut und gewissenhaft. Sein schriftlicher Ausdruck in Anträgen, Stellungnahmen und Aktenauszügen war noch etwas schwerfällig. - Im Außendienst zeigte sich R. gleichfalls willig und eifrig in der Arbeit. Seine Aufgaben zeugten von Überlegen und klarem Erkennen der Gegebenheiten. Insgesamt konnte jedoch auch hier beobachtet werden, dass R. es vermied, eine eigene Meinung herauszustellen. Es wäre wünschenswert, wenn es Herrn R. gelänge, etwas lebhafter und aktiver zu werden. Insgesamt war R. pünktlich, zuvorkommend und taktvoll. Das Verhalten im Dienst war einwandfrei.

Vom 1. Oktober bis 31. Dezember 1957 absolvierte ich ein Behördenpraktikum bei der Sozialabteilung des Ortsamtes Hamburg-Billstedt. Es geht hauptsächlich um Bewilligung und Berechnung von Fürsorgeunterstützung, später sagt man dazu Sozialhilfe zum laufenden Lebensunterhalt.

Die Beurteilung vom 16.1.1958: „... R. hat sich sehr bemüht, die Zusammenhänge der Arbeit in der Sozialabteilung zu erfassen. Dank seines Fleißes und seiner Gewissenhaftigkeit ist er schnell in diese Arbeit hineingewachsen. Insbesondere ist seine gute, ruhige und bestimmte Art in dem Umgang mit dem Publikum aufgefallen. gez. Heuer, Regierungsoberinspektor.“ Eine zweite, etwa wortgleiche Beurteilung durch einen Regierungsoberinspektor Claußen folgte noch am 8.2.1958.

In einem vertrauensärztlichen Gutachten, das offenbar bei der Anmeldung zur Wohlfahrtspflegerprüfung vorgelegt werden musste, heißt es zur Vorgeschichte: „...1952 feuchte Rippenfellentzündung links, 3 Monate Krankenhaus, häufig punktiert, 3 Wochen Erholung, insgesamt 7 Monate arbeitsunfähig, anschließend Mittelohrentzündung rechts. 1953 tuberkulöse Abzesse am Hals und rechten Oberschenkel hinten. Beobachtung durch Lungenfürsorge Besenbinderhof. - 23 Jahre, guter Allgemeinzustand und Kräftezustand, 177 cm, 71 kg, Sehschärfe: 6/6 ohne Glas, Gehör: Flüstersprache 5 m re + li, Trommelfell: keine Perforation sichtbar. Blutdruck: 110/70. Ärztlicherseits keine Bedenken gegen Beschäftigung als Wohlfahrtspfleger.

Vor der Wohlfahrtspflegerprüfung wird uns von Januar bis Mitte März 1958 Gelegenheit gegeben, uns intensiv auf das Examen vorzubereiten. Wir wohnen in dem neu erbauten Wichernhaus im Einzelzimmer.

In einer Beurteilung des praktischen Dienstes vom 23.4. bis 3.6.1955 im Krankenrevier und vom 4.6.1955 bis 30.6.1957 als „Erzieher in einer Schülerfamilie“ für die Zulassung zum Wohlfahrtspflegerexamen ist formuliert: „Herr R. hat die ihm übertragenen Aufgaben mit Gewissenhaftigkeit, Eifer und Fleiß erfüllt. Seine Arbeit ist gekennzeichnet durch starkes Pflichtbewusstsein. Seine praktische Bewährung war gut. gez. Donndorf

Meine Jahresarbeit zum Thema „Arbeitszeitverkürzung und Freizeitverhalten bei Jugendlichen“ habe ich fertig und abgeliefert. Am 20.2.1958 urteilt Frau Dr. Boehlke: „...übersichtlich und gut aufgebaut ... einigen kaum ins Gewicht fallenden Unebenheiten ... die Forderung des Themas gut erfüllt ... Problem gründlich behandelt und recht selbständig durchdacht. Die Arbeit zeigt Können und Reife und wird ‚gut’ beurteilt.“ - Auch Dr. Böttcher bewertet die Arbeit „gut“: „ ... die Arbeit gefällt mir ... einige wesentliche Argumente ausgewählt worden ... Es spricht für den Kandidaten und seine Kritikfähigkeit, dass er sich nicht eindeutig für einen bestimmten Standpunkt ausspricht. Dieses vorsichtige Abwägen möchte ich besonders hervorheben...

Die Klausurarbeit zum Thema „Das Spiel als pädagogische Aufgabe“, geschrieben am 5.2.1958, beurteilt Pädagogik-Dozent Höllenriegel am 14.2.1958: „Das Wesen des Spiels ist erfasst und richtig wiedergegeben. Die sich ergebenden erzieherischen Folgerungen sind gut dargestellt. Die Arbeit lässt Selbständigkeit des Denkens erkennen und kann mit dem Prädikat ‚gut’ beurteilt werden.“ - Dr. Plaetzer hat die Arbeit ebenfalls zu beurteilen und schreibt am 5.3.1958: „Die Arbeit zeugt von gutem Verständnis des dargestellten Sachverhaltes, von kritischer Stellungnahme und Selbständigkeit. Das Wesentliche ist gut erkannt und wird in klarer Weise dargestellt. Ich beurteile die Arbeit mit ‚gut’.

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Am 18. März 1958 bestehen wir das Wohlfahrtspflegerexamen im Hauptfach Jugendwohlfahrtspflege und Sozialpädagogik. Siegfried Strathmeier schneidet als Spitzenreiter ab. Ich bestehe mit dem Ergebnis „gut“. Auch meine Bewährung in der Praxis wird mit „gut“ beurteilt.

28. März 1958: „In den letzten sieben Monaten hat sich sehr viel ereignet. Es gab für mich sehr glückliche, aber auch sehr kummervolle Stunden und Tage. Ich habe in dieser Zeit viel gelernt und bin innerlich reifer geworden. Ich lebe augenblicklich in einem Zustand geistlicher Vertiefung und Erneuerung. Besonders die Lektüre von Bonhoeffers ‚Nachfolge’ stimmt mich sehr nachdenklich. Monica ist nach den Turbulenzen im Rauhen Haus nach Castrop-Rauxel zurückgekehrt. Wir stehen in regelmäßigem Briefwechsel.“

Jugendarbeit in St. Nikolai am Klosterstern

Nach dem Wohlfahrtspflegerexamen werde ich vom 1. April 1958 bis zum 31. März 1959 neben dem Diakonenunterricht im Rauhen Haus als Praktikant in der Hauptkirchengemeinde St. Nikolai am Klosterstern bei Hauptpastor Dr. Wölber eingesetzt. Nachmittags und abends soll ich mich vor allem um die Jugendarbeit im Jungscharbereich kümmern. Ich baue einen Jungenkreis auf, der sich wöchentlich zu Gruppenstunden trifft und unternehme mit den Jungen Wochenendzelttouren per Fahrrad und Jurtenzelt in Hamburgs Umgebung. Eine längere Ferien-Radtour machen wir von Jugendherberge zu Jugendherberge über Mölln, Ratzeburg, Lübeck in die Holsteinische Schweiz bis nach Plön zum Koppelsberg. Eine Zeltfreizeit organisiere ich im Sommer 1958 in Verden an der Aller im „Sachsenhain“, einer aus der NS-Zeit stammenden Tagungsstätte, die einmal von der SS gegründet worden war. Hunderte von Findlingen und Felssteinen sollten an die von Karl dem Großen „geschlachteten“ Sachsen erinnern. „Minna“ Senkpiel aus Grevesmühlen, der jetzt in Hamburg lebt, hilft mir in der Freizeit. Adi Möller besucht uns. - Ich helfe auch in anderen Bereichen der Gemeinde mit, soweit es meine Zeit neben dem Unterricht zulässt, organisiere z.B. die Haussammlung für die Diakonie und halte Verbindung zur Patengemeinde in Stralsund. - Wölber hatte kurze Zeit vorher die alte Hauptkirchengemeinde vom Hopfenmarkt in der menschenleeren City zum Klosterstern in Harvestehude verlagert, um dort im vornehmen gutbürgerlichen Wohnbereich zwischen Isestraße und Leinpfad an der Alster eine moderne Modellgemeinde aufzubauen. Neben ihm als Hauptpastor sind noch zwei Gemeindepastoren, einer ist Albrecht Nelle, der spätere Rundfunkbeauftragte, eine Gemeindehelferin, eine Gemeindeschwester, ein Verwaltungsmann und ein Küster hauptamtlich tätig. Ein Damenkomitee kümmert sich neben dem Gemeindekirchenrat und den Hauptamtlichen etwa um die geschmackvolle Einrichtung des Gemeindehauses und die Ausrichtung besonderer Veranstaltungen. In einer der feudalen Vorkriegsvillen war ein Kirchsaal, in einer anderen das Gemeindehaus installiert worden. Während meiner Zeit läuft unter schwierigen Bedingungen der Ankauf des Grundstückes für die Kirche und die Planung des Kirchbaus.

Vorbereitung auf das Diakonenexamen

Während der Praktikumzeit, die auch als Anerkennungsjahr für die staatliche Anerkennung als Wohlfahrtspfleger gewertet wird, besuche ich werktäglich den Unterricht in der D I im Rauhen Haus mit den aus der D II bekannten theologischen Fächern. Pastor Alfred Krüger doziert wieder in bewährter Weise über neutestamentarische Themen: Zunächst hören wir bei ihm noch einmal Grundsätzliches über das NT, dann behandelt er die Bergpredigt nach Matthäus, die Gleichnisse vom verlorenen Schaf, Groschen und Sohn nach Lukas 15, referiert über Paulus, die Gnosis und über den Römerbrief. Bestimmte Arten pietistischer Frömmigkeit erscheinen Krüger recht fragwürdig. Ein Zitat: „Zum Glauben kommen - das ist ein übler pseudochristlicher Jargon. Man kann wohl zum Bahnhof kommen, aber nicht zum Glauben.“ Auch Kreye gibt wieder sein Bestes und führt uns in die Propheten ein. Sein Steckenpferd ist der Prophet Amos, der unter den Brüdern auch zu Kreyes Spitznamen wird. Das hängt wohl mit seiner unglücklich verlaufenden Ehe zusammen. - Wir hören bei Propst Prehn Themen der Kirchengeschichte in der Gliederung: I. Apostelzeit bis Gregor I. um 600. Augustinus spielt dabei eine besondere Rolle. - II. Von Gregor bis zu den Kreuzzügen, 600-1200, mit Schwerpunkt Germanenmission mit der arianischen Gotenkirche, der fränkischen Kirche und der friesisch-sächsischen Mission. Prehn macht uns bewusst, dass beispielsweise Schleswig-Holstein, wo er sich gut auskennt, mit Ausnahme der Gegend um Breklum, nie missioniert, sondern nur christianisiert wurde. - III. Von den Kreuzzügen bis zur Reformation, 1200 - 1520, wobei Prehn die Reformation zu einem Schwerpunktthema macht. IV. Von der Reformation bis zur französischen Revolution, 1520-1800, V. Neuzeit. - Im Fach Mission doziert Pastor Dr. Pörksen, ein alter Freund Prehns, ebenfalls sehr engagiert. - In Gruppenarbeit unterrichtet Diakon Gert Müssig, den ich noch in der Ausbildung erlebt habe, über Sketche, Spiele und sonstige praktische Arbeitsmittel für Jugendgruppen. Er ist mir damals in seiner Art damals zu aalglatt und überperfektioniert. Später werde ich ihn und besonders sein Engagement für Diakonie und Brüderschaft sehr schätzen. - Parallel läuft Unterricht in Fächern mit Inhalten der kirchlichen Verwaltung und wir legen eine Prüfung ab, die uns befähigt, Kirchenbuchführer zu werden. Mit dem kirchlichen Verwaltungsapparat habe ich große Probleme. Ich möchte Diakon werden und nicht Aktenmuffel und würde auf diese Prüfung am liebsten verzichten. Hinzu kommt, dass unsere Dozenten in den Verwaltungsfächern, etwa Dr. Pietzker, Kluge, Möller, Kühmichel oder Steenhusen, in meinen Augen unmögliche Typen sind. Sie nehmen sich und ihren Verwaltungsapparat tierisch ernst. So erklärt uns Dozent Steenhusen im Fach Finanzwesen voller Ernst, ohne zu merken, was er da verzapft: „Die 5 Einnahmequellen sind die Grundlage für unsere Arbeit in der Landeskirche.“ Oder er freut sich darüber: „Alles ist schematisiert, durch Formulare festgelegt.“ Albers (Kirchenbuchführung) behauptet: „Ein Pastor darf nicht mehr als 120 Kinder haben (er meint: im Konfirmandenunterricht).“ August Füßinger besteht jedoch darauf, dass wir an dem Unterricht teilnehmen und die Prüfung ablegen, denn er argumentiert, ein Diakon könne nicht sein Leben lang Jugendarbeit machen und fände mit diesem Zeugnis in vorgerücktem Alter eine dankbare Aufgabe. Später bin ich auch ganz froh, dass ich mit dem Verwaltungszeugnis in der Tasche einige offene Türen finde, obwohl ich mit dem in diesen Fächern Gelernten wenig anfangen kann und mir meine Verwaltungskenntnisse anderweitig aneignen muss. Am 16. März 1959 bestehe ich die kirchliche Verwaltungsprüfung, die mir später sogar als die „zweite“ bescheinigt wird. Wir werden auch im Fach „Unterrichtsmethodik“ unterwiesen und halten Lehrkatechesen vor Klassen der Wichernschule. Die Prüfungskatechese halte ich am 22. Januar 1959 über Johannes 4, 1-42 mit einem befriedigenden Ergebnis. Ich bekomme ein Zeugnis über die bestandene Prüfung als Religionslehrer für den kirchlichen Religionsunterricht.

Am 2. März 1959 bestehe ich im Alter von 24 Jahren das Diakonenexamen mit dem Prädikat „befriedigend“, bin nun nach fünf harten Jahren mit der Ausbildung fertig und habe einen von der Kirche und einen vom Staat anerkannten Beruf. Am 21.12.1959 wird mir noch mit einem Ausweis die staatliche Anerkennung als Wohlfahrtspfleger bescheinigt. Aus dem oft gehemmten und unsicheren Jüngling ist ein recht selbstsicherer junger Mann geworden.


 

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